Samstag, 27. Dezember 2014

Hallo mal wieder! Lange ists her und es ist auch schon wieder super viel passiert, seitdem ich das letzte mal gebloggt habe – zum Beispiel Urlaub haben und Weihnachten in China. Da ich nicht wieder so viel Zeit aufwenden will, es aber wohl werde tun müssen, fang ich gleich mal ohne Umschweife beim folgenden Tage an. :)


TAG 105 Sonntag 07.12.2014

Sonntag Mittag war ich mit Yu Yan 雨嫣 vegetarischen Hotpot in einem Restaurant hier auf dem Campus essen. War super scharf und super heiß, aber sehr sehr lecker und umfangreich. Nachdem wir uns wieder mal über alles mögliche unterhalten haben, machten wir uns wieder auf dem Weg, quatschten in der Lobby meines Wohnheims noch ein Weilchen über deutsche, chinesische und spanische (sie lernt Spanisch) Schimpfwörter. Das war witzig.
Danach sind Anna und ich zusammen mit der U-Bahn in zentrumnähere Regionen Beijings gefahren und haben und irgendwo mit Philipp und Stefan getroffen, der ja an dem Wochenende noch da war, an dem Sonntag aber schon wieder gehen musste. Wir gingen gemeinsam zum Beihai Gongyuan 北海公园, dem „Park am nördlichen See“. Der kleine See befand sich nord-westlich von der verbotenen Stadt und in des See Mitte befand sich eine kleine Insel, erreichbar über eine Brücke. Doch bevor wir dorthin kamen, gelangten wir noch zufällig an einer Hutong-Siedlung (胡同 Hutong) vorbei. Hutongs sind ganz spezielle Gassen, die es nur in Beijing zu geben scheint. Gekennzeichnet durch besondere Enge sind Hutongs kleine Häuser, von denen meist je 4 einen kleinen, gemeinsamen Hinterhof besitzen. Die meisten Hutongs von Beijing sind über 700 Jahre alt und sind ein sehr charakteristischer Bestandteil des „alten“ Beijings. Da kamen wir jedenfalls vorbei. Der Eingasng sah so interessant und versteckt aus,d ass wir uns einfach mal reinbegeben haben. Man könnte auch reingeschlichen sagen, denn es war fast keine Menschenseele dort zu finden und man fühlte sich, als würde man einbrechen. Jedenfalls sahen wir uns dann dort ein bisschen um, machten hier und da ein repräsentatives Bild und huschten wieder raus, bevor ein verrückter Chinese uns noch abgeknallt hätte. :D

wie gesagt nicht das schönste Hutong,
aber immerhin eins
 













Nachdem wir uns sattgesehen haben (gibt auch sicherlich viel schönere und bessere Hutongs), machten wir uns weiter auf zum Beihai-Park. Dort angekommen haben wir uns lange und schön umgesehen, sind erstmal am Rand des Sees entlangelaufen und dann auf die Insel. Zwar war das Wetter unsagbar kalt und in/am/auf dem See war es nochmal 5 mal schlimmer, der Anblick und die relative Ruhe dagegen waren aber echt toll.



so eindrucksvoll und wunderschön...

die große weiße Pagoda ("Dagoba")

hat die Chinesin die wir gefragt haben doch gut gemacht, oder? :)

So, drinnen. Dort ging es dann weiter nach oben zur „White Dagoba“. Wir haben uns erst köstlich totgelacht, weil das weiße Teil ganz oben natürlich eine Pagode (engl. pagoda) ist und man sich hier offenbar übel verschrieben hat, doch dieser „Schrebfehler“ tauchte überall auf und auf einer Postkarte, die bald jemand bekommen wird, steht das in der Beschreibung auch („The imposing White Dagoba […] is a Lamaist padoga“). Verrückt.  

Glaubende hängen an solch religiösen Orten immer sehr
viele solcher Glücksbringer auf. sieht super schön aus wie ich finde :)
Wir jedenfalls setzten unseren Weg nach oben fort und währen die Luft kälter, der Wind stärker und die Finger tauber wurden, machten wir alle fein Bilder, denn die typisch chinesischen Häuser waren wirklich wunderschön anzusehen. Hier jetzt noch ein paar andere Bilder bis wir dann schließlich oben waren. :)


wie auch hier zu sehen ist.


wunderschöne Verzierungen wie diese finden sich fast immer an den
Dachkankten solcher Tempelhäuser


alles dort sah einfach so schön aus. so farbintensiv.


oben angekommen!

schick, oder? ;)


Dort oben haben wir uns dann noch ein bisschen aufgehalten, Postkarten gekauft und auf dem Weg nach unten haben Anna und Stefan sich von einem Mann ein Scherenschnitt-Profil machen lassen. Das Bild von Annas könnt ihr hier nun sehen. Totalst unterkühlt und sterbend sind wir dann recht fix wieder gegangen, weil die Kälte durch das Rumstehen unerträglich geworden ist und wir eh Hunger hatten. Wir ließen uns mit dem Taxi dann zur Wangfujing 王府井 fahren, der riesigen Shoppingstreet im Zentrum Beijings. Dort verließ uns Anna mal wieder wegen anderweitigen Plänen und Stefan, Philipp und ich zogen noch ein bisschen zu dritt rum. Fast wie damals, ganz am Anfang, als wir hier nur zu dritt waren. Ich habs bestimmt schonmal irgendwo geschrieben, aber ich vermisse diese Tage total. Da war alles lustig und man hatte gar keine Verpflichtungen und alles war so neu und vorallem ultra witzig mit Stefan! Jedenfalls gingen wir dann fix irgedwo rein, suchten uns ein Restaurant, aßen und haben noch ein wenig über die DAAD-Veranstaltungen der beiden an dem Wochenende weitergequatscht. Nachdem wir mit Essen fertig waren, gammelten wir noch ein wenig im Foreign Language Book Store rum und danach musste der gute Stefan und wieder verlassen und seinen Zug zurück nach Jinan 济南 nehmen. Ich werd dich mal besuchen kommen!
Philipp und ich streiften dann ncoh ein Weilchen draußen rum, froren und fuhren dann heim. Dort war dann an dem Abend nicht mehr viel Aktion am Start.


TAG 106 Montag 08.12.2014 und TAG 107 Dienstag 09.12.2014

Die beiden Tage vor dem Urlaub mit Philipp waren so nahezu ereignislos, dass ich sie denke ich in ein paar Sätzen zusammenfassen kann. Am Montag habe ich meine 2. Yuedu-Prüfung 阅读考试 (Lesen) wiederbekommen. Beim 1. Mal hatte ich 51%, dieses mal 84%. Da nur das bessere Ergebnis zählt, waren meine Prüfungen jetzt mit 84, 80, 87 und 99% im Durchschnitt doch noch ganz gut würde ich sagen. :P
Den Rest des Tages (so wie den Großteil des Dienstages) habe ich damit verbracht zu packen, ein Taxi für Mittwoch nachts um 3 zubestellen das uns zum Flughafen fährt, zu lesen, Hausaufgaben zu machen und im Bett rumzugurken. Ansonsten haben Philipp und ich uns am Dienstag mit Xianying 仙英, der einen Koreanerin aus unserem Kurs zum Mittagessen verabredet. Da Xianying sich auf ihre Law School Prüfung vorbereiten muss und vorher/dabei noch auf Jobsuche gehen muss, musste sie China eher wieder verlassen und ihren Pflichten in Süd-Korea weiter nachgehen. Xianying flog an dem Donnerstag wieder zurück und da Philipp und ich ja Mittwoch Nacht wegflogen, war das der letzte Tag, an dem man sich gemeisnam treffen/sehen konnte. Zwar haben wir beide nicht sonderlich viel mit ihr gemacht,sie war aber dennoch eine der wenigen in unserem Kurs die doch lustig waren bzw. mit der ich mich recht gut verstanden und ab und an was gemacht habe. Nachdem wir uns noch etwas über die zukünftigen Pläne der jeweils anderen unterhalten und schön gegessen haben, machten wir uns zurück zum Wohnheim und verabschiedeten uns. Von Jindi kenne ich ja schon das Gefühl eine gute Freundin für sehr lange zu verabschieden, aber da Jindi in Deutschland sein wird wenn ich zurückkomme, zweifle ich nicht daran, sie wiederzusehen. Xianying allerdings werde ich wohl nie wieder sehen. Und das war schon arg traurig. Ich hasse Verabschiedungen.
Den Rest des Dienstages lag ich im Bett und hab geweint. Haha, nein. Aber traurig war es wirklich. Ich lag den restlichen Tag im Bett, habe gelesen und bin so gegen um 9 schlafen gegange, weil ich ja dann um halb 2 schon wieder aufstehen musste. War ganz schön schwer so früh schlafen zu gehen ….


TAG 108 Mittwoch 10.12.2014

So, wie ihr das ja schon von dem Blogeintrag von Xi'an kennt, werden die nächsten Tage wieder lange und ereignisreich und deswegen wird wieder jeder Tag einzeln beschrieben. Fangen wir also an!
Nach einer mehr oder minder schlafreichen Nacht stand ich auf, hab meine Sachen zu Ende gepackt und dann sind Philipp und ich totmüde mitten in der Nacht los. Am Osttor angekommen stand auch schon unser Taxi bereit. Super warm wars da drin und obwohl dr Fahrer uns kurz vor 3 als Zeitpunkt vorschlug (ich sagte ihm, wire wollen um 4 am Flughafen sein), waren wir nach nicht mal 20 Minuten um 3:15 Uhr schon da. Er hatte wohl vergessen, dass um diese Zeit kein einizges Auto draußen rumfährt. Egal. Wir suchten uns dort noch ein bisschen was zu Essen, tranken nen Tee/Kaffee und dann holten wir unsere Tickets ab und machten uns auf ins Flugzeug. Aus mir rational nicht erklärbaren Gründen hatte ich dann totale Angst davor bekommen, mit einem chinesischen Flugzeug zu fliegen. Zwar kommen Zugunfälle in China viel häufiger vor als Flugzeugunfälle, und das Flugzeug selbst wurde auch gar nicht in China hergestellt, aber dennoch war mein unwiderlegbarer Zweifel an fast allen Produkten von und in China groß genug, um mich doch tatsächlich in richtige Panik zu versetzen. Normalerweise hab ich auch so beim Fliegen immer etwas Angst, besonders beim Start und der Landung, aber an diesem Morgen war es wirklich schlimm. Verschlimmert wurde das dann auch noch durch den Umstand, dass der Smog an dem Morgen in Beijing wohl so extrem war, dass unser Flugzeug sage und schreibe 2 Stunden später erst losfliegen konnte und ich bis dahin ununterbrochen dagesessen habe, übelste Angst vorm Start hatte und unwissend war, wann es denn losgeht. Hilflos saß ich also da und versuchte einfach zu schlafen. Als es dann „endlich“ losging, wurde es noch schlimmer. Das Flugzeug wurde schneller, schneller, flog los und ich konnte nicht tun außer mich auszuheulen während Philipp ziemlich ratlos danebengesessen und mir den Rücken getätschelt hat.Nach etwa einer halben Stunde war der kleine Nervenzusammenbruch, dessen genauen Ursprung ich immernoch nicht kenne, vorbei war und ich mich anderweitig habe beschäftigen können. Allerdings nicht mit aus dem Fenster gucken, denn direkt neben uns war eine der beiden Turbinen und die wollte ich wirklich nicht sehen.

da hatte ich noch Kraft und Lust, mild zu lächeln, das war aber bald vorbei..

danke Smog, ich hasse dich.









Mit 2 Stunden Verspätung sind wir dann gegen 12 Uhr mittags in Guilin gelandet und nachdem wir uns erstmal einiger Klamotten entledigt haben (dort waren es dann so +12 Grad, in Beijing -3 ungefähr), begaben wir uns kurz raus an die frische Luft. Und auch wenn Guilin Smogproblemchen hat, hat man den Unterschied sofort gemerkt. Die Luft war dort wegen den Flüssen so unheimlich feucht, dass der Boden aussah, als hätte es gerade geregnet. Wirklich schön, wenn man aus dem dreckigen Beijing kommt, dessen Luft entweder giftig oder so trocken ist, dass die Haut anfängt völlig auszutrocknen. Meine Ohren und mein Hals fühlen sich schon an wie alte Pfirsische. Da ist die Luft man eine gute Abwechslung und hilfreich zugleich. :D
Wir kauften uns dort notgedrungenerweise Pommes bei KFC, was ungefähr gegen all meine Essensprinzipien verstößt, aber wenn man die Wahl zwischen 100 Yuan Speisen in übrteuerten Flughafenrestaurants und Pommes bei KFC hat, nimmt man halt das. Logisch. Nachdem ich mal wieder was im Magen hatte, kauften wir uns Tickets für einen Bus, der uns direkt vom Flughafen nach Yangshuo 阳朔, unserer Residenz für die kommenden Tage, brachte. Währrend der Fahrt haben Philipp und ich noch einen namenslosen Australier kennengelernt, der zwar recht nett und witzig war, für meinen Geschmack aber ein bisschen zuu oft „fuuuck“ und „fuckin' …“ gesagt hat. Dieses dreckige Englisch macht Leute irgendwie immer ein bisschen weniger sympathisch, aber okay.

Dann gegen Dreiviertel 3 in Yangshuo am Nord-Busbahnhof angekommen, wurden wir erstmal ohne Unterlass von Leuten angequatscht, ob wir „Bamboo Boat“, „Motorbike“, „Taxi“ oder sonst was machen oder fahren wollten. Tja, zwei blonde Ausländer lässt halt keiner in so einem Ort wortlos an sich vorbeigehen. Yangshuo ist ja, wie ich euch im letzten Blogeintrag erzählt habe, durch seine extrem besondere und schöne Landschaft bekannt und Yangshuo ist wegen der Vielzahl an ausländischen Touristen einer der Orte in China, in dem der Anteil an (tlw.) englisch-sprechenden Chinesen mit am höchsten ist. Was für ein Glück für uns… Wir waren keine 3 Minuten dort und wurden bestimmt 20 Mal angesprochen und während wir uns an einer Ecke beredeten, wie wir denn zu unserem Hostel kommen (klar, noch besser, 2 Ausländer mit Reiserucksäcken stehen herum und beraten sich mit dem Handy, wo es lang geht), kamen im Sekundentakt Männer an und wollten uns irgendwas aufschwätzen oder standen danach einfach neben uns rum und schauten uns wortlos zu wie wir uns berieten. Bisschen zu viel Aufmerksamkeit für meinen Geschmack, aber es sollte in den kommenden Tagen noch extremer kommen, passt nur auf! Wir fanden schließlich herauf, wie es zum Hostel ging und müde und erschhöpft machten wir uns auf den Weg durch Yangshuo und sahen (wie auch schon auf dem Weg dahin im Bus) die faszinierenden Berge, die sich überall um uns herum wie aus nichts hervorgehoben zu haben schienen.

die ersten Eindrücke der Stadt...

... waren wirklich unfassbar tool!

den obligatorischen deutschen
Bierladen gabs natürlich auch wieder.

wahnsinnig schön :):)

Unterwegs schländerten wir noch hier und da herum, verirrten uns in einem kleinen parkähnlichen Wohngebiet, kehrten um, rasteten, nahmen die Umgebung auf (die im Zentrum der Kleinstadt übrigens genauso hecktisch und laut war wie in Beijing) und gingen weiter. Wir gelangten an ein Ufer der Li Flusses (漓江 Jiliang) und ließen uns dort nochmal kurz zur Ruhe. Ein Fluss. Im Hintergrund Bäume und Wald. Nochmal dahinter hohe Berge und dann nichts. Anblicke die man in Deutschland schnell mal sehen kann, die einem, wenn man in Beijing lebt, aber gänzlich entbehrt bleiben. Dort war es dann auch schon etwas ruhiger.

Stadtrand, Ufer des Li Flusses

irgendwie finde ich dieses Bild total schön :)

die Stille und der Ausblicken waren einfach traumhaft

PA NO RA MA !

Dort trafen wir dann wieder unseren coolen Australierfreund, der uns, während ich versuchte die Natur zu genießen, davon erzählte, wie er durch die Welt reist und in Unisexhosteln residiert in der Hoffnung, dort „hot chicks“ aufzufinden, die er dann … ja, sagen wir „lieben“ kann. Cool cool cool. Er begleiteter uns dann noch ein wenig, verabschiedete sich dann aber am Straßenrand und ging seiner Wege. Tschau! Philipp und ich machten alleine weiter. Das Hostel war über 3 km von der Bushaltestelle entfernt und nachdem man die Stadt verlassen hatte, musste man noch ein paar Hundert Meter eine überdachte Straße entlang gehen und danach kam nichts mehr wirklich. Die Straße war ungesichert und ohne Laternen. Sie verlief direkt am Fluss entlang und auch wenn sie mir etwas gefährlich wirkte, war sie doch unheimlich schön, denn durch die riesigen Bambuspflanzen und das Gestrüpp konnte man immer den rauschenden Fluss hören, die Blätter rascheln hören, die Berge sehen und die jetzt wirklich vollkommen saubere Luft riechen. Wir liefen noch weitere 15 – 20 Minuten und kamen schließlich an.
Das Hostel, das von außen ganz schlimm aussah und mich schon zum meckern veranlasste, sah von innen total toll, sauber und speziell aus. Wir checkten ein und wurden dabei super lieb von Jane, der Chinesin, die uns die kommenden Tage beim Organisieren geholfen hat. Danach ging es erstmal aufs Zimmer, duschen und ein bisschen ausruhen. Es war mittlerweile schon später Nachmittag geworden.

erster Blick auf das Hostel und ich dachte mir nur:
"oh Gott, wo zum Teufel sind wir nur gelandet?"

einmal angekommen, fand ich es aber ganz und gar nicht mehr beunruhigend dort.

der Ausblick auf der Terrasse war wirklich ... naja, ihr seht es ja selbst. super schön!!
das Bad sowie das kleine Schlafzimmer
waren auch sehr sauber und gemütlich


Das Zimmer an sich war sehr schick, Problem allerdings war, dass es keine Heizungen gab und auch wenn dort in den folgenden Tagen immer so 3-13 Grad waren, ist es immerhin Dezember (gewesen) und die Luft war unheimlich feucht. Die Klimaanlage allerdings kommte man auf 30 Grad stellen. Die war auch, wenn wir im Zimmer waren, immer an und auf 30 gestellt. Zwar hat sie den Raum geheizt, aber nicht ausreichend. Wir packten in Ruhe aus und danach machten wir uns runter in das „Wohnzimmer“, wie ich es nennen werde. Das war der Ort, wo man Essen und Trinken bestellen, Bier trinken, quatschen oder in den vielen Sofas herumgammeln konnte. Dort haben wir uns erstmal den vegetarischen Burger und die vegetarische Lasagne bestellt, die okay bis sehr gut waren. Währenddessen haben wir dann einen Plan für die kommenden Tage aufgestellt und uns dabei eben von Jane beraten lassen. Nachdem wir lange geredet und überlegt haben, kamen wir zu dem Entschluss, am Donnerstag zu einer Tee-Plantage zu fahren und den restlichen Tag das Zentrum Yangshuos zu erkunden, am Freitag die Fahrt auf dem Fluss Li zu unternehmen und am Samstag irgendwas anderes tagsüber zu machen und abends die hier sehr berühmte Lichtershow auf dem Fluss anzusehen. Doch dazu komm ich in den folgenden Abschnitten noch jeweils genauer. Die auf uns zukommenden Finanzen plus wie wir jeweils hin- und zurückkommen und anderen Nebenausgaben hab ich ab dem Tag dann auch angefangen zu dokumentieren. Das allerdngs hätte ich lieber nicht getan...
Da es dann, nachdem wir unseren Plan vervollständigt und gefestigt hatten, schon recht spät geworden war, entschlossen wir uns dazu, nicht mehr rauszugehen bzw. -fahren (man kann hier Fahrräder mieten) und stattdessen den restlichen Abend in unserem Doppelzimmer zu verbringen. Nachem wir dort noch ein bischen gequatscht hatten, sind wir auch schon so gegen halb 10 eingeschlafen, immerhin gab es jede Menge Schlaf nachzuholen! Nacht!


TAG 109 Donnerstag 11.12.2014

Wir sind um 8, nach guten 10 Stunden Schlaf aufgewacht und nachdem wir uns fertiggemacht hatten, ging es runter zum Frühstücken. Ich hab ja ganz am Anfang mal erzählt, dass die Bettn hier so super hart sind und mein Wohnheimbett besteht aus einer Holzplatte auf der eine 4 cm dicke Matratze und darauf noch eine Pufferdecke liegt, das wars. Das Hostelbett war groß, weich, hatte eine beheizbares Laken und man merkte den Unterschied nach einer Nacht sofort. Alles viel wenigr verspannt und bequemer. Ach, da freu ich mich in Deutschland wieder drauf...
Also, wir frühstückten und hatten gegen um 10 ein Tax bestellt, dass uns in die Berge auf eine Teeplantage fährt. Das Taxi kam und es ging die verwundene Straße immer weiter hinauf. Schon auf dem Weg dahin hatten wir eine wahnsinnig tolle Aussicht. In dem gesamten Gebiet um Yangshuo herum werden Millionen und Milliarden Kumquat-Bäume angepflanzt und da ja momentan Winter ist, werden sie abgedeckt um so vor der Kälte, Regen und Schnee geschützt zu sein. Das werdet ihr auf den kommenden Bildern auch sehr sehr sehr oft und viel sehen. Hat zwar die Aussicht auf unnatürliche Art und Weise verändert, hatte aber auch was spezielles, es lohnt sich also genau hinzusehen! :)

hier genauer zu sehen: all die abgedeckten Kumquat-Bäume.

Eingangsbereich der Teeplantage :)

Ausblick, den man hatte, nevor man die Plantage betrat, all die weißen
Flecke auf dem Boden sind eben beschriebene Kumquat-Bäume.

fand ich ganz besonders niedlich: "茶园是我家,爱护靠大家" - Bedeutung: "Die Teeplantage ist mein Heim,
bei der Pflege verlasse ich mich auf alle." sooo süüüß!!


So, oben abgekommen fanden wir heraus, dass es keine Führung für uns geben wird, da momentan einfach zu wenig los ist und sie das für 2 Leute nicht machen. Im Nachhinein war das eine super Entscheidung von denen, denn so konnten Philipp und ich völlig alleine da hochgehen und uns in Ruhe umsehen, Bilder machen, die folgenden Ausblicke genießen und ohne Zeitdruck rumsitzen. Wir gingen erstmal die paar Meter den Weg hoch um dann um eine Ecke abzubiegen, die uns die Teeplantage offenbarte. Vorher konnte man noch auf ein kleines Dach steigen und dort hat Philipp ein paar Bildchen gemacht.
PS: von den Urlaubsbildern sind auch viele viele von ihm dabei. Wegen Copyright und so... ;)

Ausblick vor der Plantage 2.0

Ausblick mit Thomas

Ausblick mit Thomas und Philipp

Danach bogen wir um die Ecke und sahen die mehr oder minder große Teeplantage. Sicher nicht so grasgrün wie im Sommer, dafür aber komplett Menschenleer. Das Nachteil, im Winter in den Süden zu reisen: kalt. Der Vorteil: trotzdem noch unglaublich schön und keine Menschen. Gute Entscheidung gewesen. Zwar war es kalt und windig da oben, aber die unendliche Ruhe und Abwesenheit sämtlicher Menschen war so schön, so selten geworden, dass ich erst dort richtig gemerkt habe, dass mir das in Beijing unglaublich gefehlt hat. Man konnte um sich schauen und hat weit und breit keine Menschen Seele wargenommen. Auch dann, als wir die Teeplantage weiter hochgegangen und zu einer Art Aussichtspunkt gekommen sind, kommte man kilometerweit in die Ferne bis zu den Bergen sehen und alles was man sah war Landschaft, Natur, Wald und hier und da ein paar kleine Häuser/Dörfer. Super toll und freidlich!

das war sie nun - die Teeplantage. ruhig, still und sehr schön anzusehen!

auf meinem Weg hoch zu dem Hügel

Blick von dem Hügel auf die Plantage. übrigens ist Philipp irgendwo auf diesem Bild, wer Lust
hat und seine Augen testen will, darf und soll das Bild anklicken und ihn bitte suchen. :P
zur selben Zeit als ich ihn fotographierte, machte er ein Bild von mir oben auf dem Hügel. seht bitte genau ihn
und ihr werdet mich erkennen - gaaanz oben! :P

das war dann der unfassbare Ausblick auf die Umgebung. Hügel, Felder, Häuschen, Berge und Bäume so
weit das Auge reichte. und wenn man auch hier wieder genauer hinsieht, kann man ganz
schwach am Horizont die vielen vielen ganz hohen Berge erkennen!

hier sieht man die Berge noch ein wenig besser am Horizont.
seht genau hin, die waren überall!

unendlich schön war es dort...



Und natürlich hab ich mich gleich ganz professionell von Philipp fotographieren lassen. Das Beste vom Besten halt...

fragt mich nicht, was ich da getan habe, aber ich finde, es sieht witzig aus!

hier, auf diesem Bild wurde ich von einer Biene angegriffen,
die man sogar bei meinem Rücken sehen kann!
ich fand das nur so semi-witzig und Philipp nutzte, gemein wie er ist,
den Moment, um es fotographisch festzuhalten. :D

auch hier ist mir wieder unklar, was ich getan habe, aber allen in allem finde ich das Bild ziemlich cool.
liegt wohl aber auch stark an der Qualität von Philipps Camera und dem Hintergrund. :D

hier gab es dann auch mal ein schönes Bild von mir...

...und weil Philipp, der Langweiler, halt keine eigenen Einfälle hat,
gibts dasselbe Bild auch noch mit ihm. :D
dieses Bild wirkt zuerst evtl. unspektakulär, aber
einen derartigen Boden, einfach unbearbeitet
und natürlich findet man fast nie in China.

cooler, schräger Pavillion

















Wirklich toll, oder? Noch wichtig zu erwähnen ist, dass ihr lieber einen genaueren Blick auf den Horizont werfen solltet, denn dort sieht man die Massen an Bergen die dort überall standen. Durch den Dunst der Flüsse und die Luftfeuchtigkeit schwer zu sehen, aber dennoch da und wunderschön!
Nachdem wir uns überall umgesehen hatten und so 2 Stunden ins Land gegangen sind, kamen wir wieder zurück und wollten eigentlich wieder fahren, als man uns sagte, dass zum Eintrittspreis von 50 Yuan noch eine Teezeremonie inbegriffen war. Da sagten wir nicht nein! Da momentan ja low-season war, gab es die Tezeremonie sogar nur für uns beide, ohne andere. Noch besser. Zwar ist das bei weitem nicht die 1. Teezeremonie an der ich teilgenommen hatte, aber dennoch war es wie imemr sehr schön den fähigen Händen der Frau zuzusehen, wie sie das Wasser, die Teeschälchen und das Zubehör vorbereitete und uns die Zeremonie gab. Wir probierten 3 4 Teesorten aus, darunter alle hier auf der Plantage angebaut. Schwarzer (in China roter) Tee, grüner Tee, 市花茶 (Shihuacha; shi steht für Stadt, hua für Blume und cha ist Tee – Tee, der aus der „Stadtblüte von Guilin“ gemacht wurde und wohl einfach eine dort übliche Pflanze ist) gab es zu kosten. Sehr toll, wirklich. Vorallem wenn man draußen sitzt, diese überwältigende Aussicht hat und dann in der frischen Winterluft heißen, guten Tee trinken kann.

Philipp kann sooo schön fotographieren. ich bin so neidisch!

das ist der sogenannte Tee der Stadtblüte von Guilin.
super schön und super lecker!

Teeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

So. Nach der Zeremonie kauften wir uns noch ein bisschen Tee dort und fuhren wieder zurück zum Hostel. Dort zogen wir uns kurz um, rasteten ein halbes Stündlein und mieteten uns dann an der Rezeption Räder um in der Umgebung herumzuradeln. 
 
unsere gemieteten Räder :)

Blick auf das Hostel von "gegenüber"
















Wir wollten eigentlich in die Stadt, sind dann aber vorher noch ein wenig in die andere Richtung gefahren und haben uns dort überall ein wenig umgesehen. Als Kind bzw. junger Spund habe ich den Gedanken total langweilig gefunden, einfach nur in die Natur zu fahren. Klang für mich immer ziemlich langweilig und ereignislos. Jetzt, nach mehreren Monaten in China und vorallem in Beijing, der wahrscheinlich unnatürlichste Ort des gesamten Landes, kann ich gar nicht mehr genug von Ruhe und Natur bekommen. Das Plätschern eines kleinen Teichs, das Tapsen eines Hundes, der um uns herumlummerte, das leise Gequatsche von 2 chinesischen Omis, die Kumquats nach Hause trugen, das Rascheln der Blätter, der Geruch von Erde, die Ruhe der Natur. Klar ist Beijing spannend und aufregend und erlebisreich, aber es gibt keinen Rückzugsort, und auch wenn es in meinem Zimmer leise und ruhig ist, so ist es doch ein karkes Zimmer inmitten eines gigantisch großen Kolosses an Stadt, über und über von Beton und Menschen. Hier hab ich endlich wieder etwas gespürt war ich schon lange nicht mehr hatte – das Gefühl von Freiheit. Man fühlt sich in Beijing immer ein wenig eingeengt. Ich denke, jetzt, nachdem ich schon sehr oft zur Rushhour in Beijing U-Bahn gefahren bin, kann ich nachempfinden, wie sich Rinder im Schlachthaus fühlen, wenn sie wahllos zusammenpefrecht werden. Nun ja, so viel zur Gefühlslage.

kleiner Teich im Nirgendwo

Hundibundi!!!

die Kumquat-Omas :):)

Wir fuhren dann noch ein Weilchen herum, erblickten eine Schule, die 5 6 riesige Berge direkt dahinter hatte. Dort hielten wir wieder mal ein bisschen an, sahen uns um und fotographierten alles, auf dass es nie vergessen wird. Danach machten wir uns auf den Weg in die Stadt und als wir die Straße vom Hostel zum Zentrum entlangfuhren, hielten wir nochmal dort an, wo der geile Australier uns am vorherigen Tag verlassen hat. Dort, an dieser Stelle, ging es eine Trepe hinunter zum Ufer, an dem mehrere Schiffe, darunter auch ein relativ großes, Anker gelegt hatten. Philipp war die Kletter-/Krabbelpartie zu blöd, er meinte es gäbe schönere Orte, aber ich wollte über die großen Steine ein paar Meter am Ufer entlangkrabbeln. War jetzt auch kein riesen Ding, aber ich fand es irgendwie toll, so in der Natur über Steine zu steigen, sich an Ästen festhalten zu müssen. Einfach bisschen in der Natur sein.

Treppe von der einsamen Straße zum Ufer

BOOOOOOOOOOOOOOOOOOTEEEEEEEEE

Anker. Ich hab noch nie nen Anker in Real gesehen fällt mir gerade auf.... cool!
ich finde das Bild sehr schön irgendwie.

Blick von der Akerstelle aus. einfach toll...

Danach fuhren wir den Rest der Strecke in die Stadt und guckten uns dort das erste Mal ein wenig genauer um. Die Stadt war wirklich unheimlich auf Touristen eingestellt. Überall internationale Restaurants; deutsche, amerikanische, thailändische, vegetarische und und und, fast alle Restaurantmitarbeiter sprachen englisch und natürlich wimmelte es überall von Leuten, die einem eine Tour auf dem Fluss, eine Klettertour oder sonstige Attraktionen andrehen wollten. Da man sowas aber nie wirklich in China trauen kann, lehnte man alles automatisch mehrmals ab. In der Stadt liefen wior durch die Gassen, aßen super geile kalte Nudeln in einem kleinen Restaurant und gingen dann die West Street (西街 Xijie), die Hauptstraße des Örtchens, entlang. An einem der Stände konnte man sich chinesische Namen in ein mir unbekanntes Material ritzen lassen und da ich das ein super Andenken für mich fand, hab ich das auch machen lassen. Natürlich hab ich meinen chinesischen Namen genommen. Philipp fand das auch gut und so hat er es auch machen lassen. Toll, wa? :P


noch mehr deutsches Zeug! wir haben sogar eines Abends auf der West Street
ein deutsches Restaurant gefunden. UND die Leute, die dort arbeiten, waren
sogar auch Deutsche! die wurden extra eingestellt. krass, oder?! :D

oh mein Gott ich liebe diese Nudeln!!! ich möchte sie bitte wieder essen können... :'(

Anfang der 西街 - Weststreet
Blick auf das Zentrum von einer Brücke aus


besagte Anhänger - ich finde sie super schön!

Blick auf den mysthischen Pavillion auf einem der Berge in der Stadt

 Nachdem wir für den Tag genug vom hecktischen Zentrum und dem Angequatsche hatten, machten wir uns auf zu einem in der Nähe gelegenen Park. Auf dem letzten Bild hier oben drüber sieht man doch auf dem Berg ein schönen Häuschen stehen, ne? Wir fragten uns wie das denn dorthin gekommen ist und so machtern wir uns auf dahin. Der Berg mit Samt mit Haus/dem Pavillion befanden günstigerweise genau in diesem Park.

Statue in dem Park

"民族之光" - das Strahlen/Scheinen der Nation

Fahnenmast vor klug gewählter Kulisse!

















Wie sich interessanterweise herausstellte, konnte man diesen Berg tatsächlich mit Stufen erklimmen. Es schien nicht verboten zu sein und so machten wir uns, nachdem wir den Park ein bisschen besichtigt hatten, auf nach Oben. Die Stufen waren provisorisch und dem Grad des Verfalls nach zu urteilen schon vor etlichen Jahrzehnten dort angebracht wurden. Alles wirkte eher verboten und nicht gesichert. Konnte auch beiden stimmen, das 2. jedenfalls war definitiv so. Verboten wussten wir nicht, aber wir sahen auch andere Leute da rumlaufen, also sind wir auch mal hoch. Es stellte sich heraus, dass auf dem Berg 2 Pavillion gebaut wurden und den 1. erreichten wir ca. auf der Hälfte. Dort machten wir kurz Halt und waren von der Aussicht direkt in der/auf die Stadt ziemlich überwältigt. Man hätte ja nicht gedacht, dass man mitten in der Stadt, kostenlos, einfach so auf einen dieser Berge steigen kann. Weiter oben bekam ich aber leider unangenehme Gesellschaft von meiner Höhenangst, denn der Berg war vielleicht so 50 Meter hoch, die Dämmerung setzte ein und oben war das Geländer genauso provisorisch und opraktisch nicht vorhanden wie die Stufen selbst. Man musste halb klettern, halb steigen und das 50 cm hohe Geländer war ganz oben, unter freiem Himmel weniger hilffreich. Oben angekommen ging gerade hinten den Wolken die Sonne unter und uns bot sich ein unfassbar cooler Ausblick, den ich nur kniend/auf dem Boden sitzend genießen konnte, denn wenn ich mich aufrecht hingestellt habe, gaben die Knie leider nach. Philipp merkte da zum ersten Mal, dass ich WIRKLICH Höhenangst habe. Danke fürs Vertrauen. :D


der untere Pavillion mit Ausblick auf die Stadt


man stieg im Kreis den Berg hinauf und konnte einmal alles herum sehen...

oben angekommen gab es das zu sehen: endlose Schönheit.

hier sieht man mal, in welchem Zustand die Treppen und das
Geländer waren - in keinem guten. Angst!

ihr seht: es wurde sehr fix dunkel. alle die Bilder hier wurden
innerhalb von 10 Minuten gemacht.



trotz tödlichster Höhenangst schaffte ich es einmal für ein Selfie geradezustehen und halbwegs zu lächeln.

Ausblickspanorama 6:11 PM

Ausblickspanorama 6:14 PM

Der Ausblick war einfach grandios, wirklich, aber als es dann rapide am Dunkelwerden war, musste ich runter. In der völligen Dunkelheit wollte und konnte ich da nicht wieder runter. Leider hatten wir Pech und wie man auf den Bildern recht gut sehen kann, wurde es super schnell super dunkel und so musste ich mir mit Handytaschenlampe und zitternden Knien den Weg nach unten kämpfen und als wir unten ankamen, in völliger Dunkelheit, war ich total fertig und gleich ganz müde. Was für ein spannendes kleines Abendteuer!

So. Danach ging die Suche nach Essen los. Dort was essbares zu finden war leicht. Aber etwas preislich normales, vegetarisches zu finden, nicht. Dadurch, dass alles hier Touristenzenturm ist, ist es immer teuer und da Fleisch halt geil ist, gibt es auch wenig vegetarisches. Schon am 2. Tag vermissten wir unser Jiaozi-Restaurant und die ganzen Mensen auf dem Campus. Nach ewiger Suche fanden wir dann ein rein vegetarisches Restaurant, welches presilich mit den rein vegetarischen Restaurants in Beijing vergleichbar ist. Zur Begrüßung gab es erstmal typische Yangshuo-Babymanderinen und wir durften alleine auf einem Tablet (!!!) bestellen. Keine 5 Minuten, nachdem wir auf Fertigstellen gedrückt hatten, kamen unsere Gerichte. Wir bestellten 3 von den billigsten uns bezahlten über 100 Yuan. Dieser Urlaub war nicht billig sag ich euch....

schönes Bild :)

Happi!

Nach dem Essen kauften wir uns ncoh ein wenig Fresszeugs und Bier und fuhren dann mit dem Rad wieder heim. Die Straße die wir entlang fahren mussten, um zu unserem Hostel zu kommen war null beleuchtet und da die super lumpigen Räder des Hostels natürlich keine Lichter hatten, mussten wir in absoluter Dunkelheit heimfahren. Scheiße, weil es ja rechts neben der Straße direkt den Hang runter zum Fluss ging und ja dennoch ständog Motorroller und Autos an einem vorbeifuhren. Schon etwas gefährlich, aber sicher auch nicht gefährlicher als der Normalverkehr hier in Beijing. Lebend angekommen, haben wir uns hoch auf die Terasse gesetzt und auch wenn es kalt war, dort unser Bier getrunken. Einfach mal unter freuiem Himmel sitzen, niemand sonst, Sterbenhimmel, Blätterrauschen, super frische, klare Luft und ein Bierchen. Das war toll. Nebenbei musste ich noch ein chinesisches Telefonat führen, da Johanna geplant hat, Weihnachten nach Beijing zu kommen und dann in meinem Wohnheim zu nächtigen. Da dies aber einige Probleme mit sich gebracht hatte und nur bei Familienmitgliedern erlaubt ist, kontaktierte ich meine liebe Connection Frau Rong und bat sie um Hilfe. Sie meinte, ich soll einfach sagen, sie sei meine Komillitonin UND Verlobte, dann passt das schon. Witzig!! Allerdings hasse ich es, auf chinesisch zu telefonieren, weil das einfach superschwer ist, vorallem wenn man mit so Autoritätspersonen spricht. Aber gemeistert hab ich es dennoch halbwegs. Nachdem uns kalt geworden war, machten wir uns wieder in unser super kaltes Zimmer, warfen alle Gerätschften an um das Zimmer anzuheizen, gammelten noch ein bisschen im Bett rum, erzählten uns irgendwelchen Quark und gingen dann später zu Bett.


TAG 110 Freitag 12.12.2013

Ich bin krank. Das merkte ich sofort, als ich aufgestanden bin. Nase zu, Ohren schmerzten, Hals tat mega weh, schlucken ging fast gar nicht und ich hatte etwas Fieber. War ja klar, dass ich mich im Urlaub das 1. mal erkälte, aber ganz so unlogisch war es nicht. Nirgendwo Heizungen (gibt es im Süden Chinas nicht), superfeuchte Luft und viel Wind durch die Berge. Naja, muss ich jetzt durch. Wir standen wie imemr normal auf, machten uns fertig und frühstückten erstmalwieder für nette 30 Yuan. Sind zwar immernoch umgerechnet keine 4€, ist aber hier schon extrem viel und auf die Dauer weniger toll, aber wie schon gesagt, Essen zu bekommen, ist dort nicht leicht und immer teuer.
Wir wurden Vormittag gegen 10 glaub ich mit dem Taxi in die Stadt zum Südbusbahnhofgefahren und stiegen dort direkt in einen Bus um, der uns nach Xingping 兴坪 bringen sollte. Dort nämlich ist eine sehr beliebte Anlaufstelle für die Bootstouren auf dem Fluss Li, die wir an dem Tag gemacht haben. Der Bus war erwartungsgemäß unglaublich abgefuckt und dreckig, aber die Fahrt mit den Einheimischen durch die Gegend wieder spannend und wunderschön.


In Xingping angekommen, waren wir ein bisschen geschockt. Eine Gruppe von ca. 20 chinesichen Omas wartete an der Haltestelle des Busses und als die Omigang die 2 Ausländer sah, begannen sie auf uns zu zeigen und dem Bus kreischend hinterherzurennen, bis er anhielt. Die Omis waren nur daran interessiert, uns ihre Bambusboot-Tour aufzuschwatzen, die wir für diesen Tag natürlich schon längst gebucht hatten. Wir stiegen aus und sicher 10 alte Frauen quatschen uns an und sagten ausnahmslos nichts außer „Bamboo boat?“. Das kotzte mich schon nach 3 Sekunden total und ich zog Philipp gleich ganz weit weg. Leider mussten wir dort aber erstmal stehenbleiben und gucken, wo wir vorher noch was essen können, da wir noch ne Stunde Zeit und Hunger hatten. Gefundenes Fressen für die Geier. Wir ignorierten sie weitesgehend und versuchten uns zu konzentrieren und die 5 Bamboo boat-Anfragen pro Sekunde auszublenden. Als wir uns für eine Richtung entschieden haben, ging ich die Omas ein bisschen lauter an und sagte mehr als deutlich, dass wir NICHTS von denen brauchen und dann gingen wir. Doch damit nicht genug. Der Ort war so klein und dadurch, dass im Winter eben kaum Touristen dorthin kommen, waren wir ohnehin eine totale Attraktion und von der Omigang wagten es auch3 der „Jüngeren“, uns knallhart hinterherzulaufen und dabei immer mal „Bamboo boat!“ zu rufen und sonst nur zu grinsen. Ich mein okay, die brauchen vielleicht Geld oder wollen was zu tun haben und wir sind wohl potentielle „Kunden“, aber nachdem wir bestimmt 20 mal Nein gesagt haben uns immernoch hinterherzulaufen, fand ich dann schon sehr dreist. Wir fanden ein Restaurant, das nur halb so ekelhaft und dreckig war wie der Rest und vegetarische Vorspeisen für einen Wucherpreis von 20 Yuan pro Gericht anbot. Wir wurden von 2 Kindern bedient, die hoffentlich die Kinder der eigentlichen Inhaber des Lokals waren und mussten den Kindern helfen, die Gerichtnamen auf die Rechnung zu schreiben und das Wechselgeld auszurechnen. Als ich dann um die Rechnung bei der Mutter/Chefin/was auch immer anforderte, sah ich in einem Gang noch 5 andere Kinder spielen, die alle gleich darauf den Schock ihres Lebens erlitten, als sie mich sahen. Mehr als 3 „Hello“s brachten sie nicht heraus. :D Wir bazahlten wieder bei einem der Kinder und als wir wieder rausgingen, um zum vereinbarten Treffpunkt für die Bootstour zu gehen, bemerkten wir, dass die 3 Frauen doch echt neben dem Restaurant warteten und gleich wieder angegeiert kamen. Dieses mal hat es mir gereicht. Ich brüllte die Frau auf der Straße halb an, wie sie denn nach 35 Ansagen immer noch glauben könne, dass wir ihn Angebot annehmen wollen und dass sie gefällig abziehen soll. Da grinste sie nur wieder wortlos und ich ging davon. Wir trafen die ältere Frau, mit der wir uns verabredet hatten und die brachte uns am Ufer des Flusses entlang zu dem Treffpunkt, wo wir unseren Bootsfahrer trafen. Schon dort angekommen war mir klar, dass die 170 Yuan pro Person diese Tour absolut Wert sein würden!

erste Blicke auf den Fluss :)

und auch da war die Landschaft die sich uns bot unsagbar schön.

mit so einem Boot sind wir gefahren. sah zwar recht provisorisch aus, hielt aber was es versprach :D

und los geeeeeht's!


Wir bekamen unsere Rettungswesten an und setzten uns in die sehr krativ und provisorisch zusammengebauten Bambusboote, die übrigens kein Bambus enthielten. Oder vielleicht irgendwo, wo man es nicht sehen konnte. Die Rohre, aus denen das Boot betsand, sahen eher auf die Plasterohre, die man für alles mögliche benutzen kann. Wir machten uns vom Ufer weg, der Fahrer setzte unsere Begleiterin 50 weiter an anderen Ufer ab und weg war sie. Auf gings!

Die nächsten 3 Stunden saßen wir fast nur in unserem Boot und blickten staunend um die um uns herum existierende Landschaft. Berge, Bäume und frische Luft ohne Ende. Der Wind, der uns auf der Fahrt gegen die Flussrichtung entgegenblies, war allerdings weniger toll, aber nicht so schlimm, dass er uns die Tour vermasselte.


ein einsamer Floßfahrer kam uns nach ein paar Metern entgegen.

fing schon alles ganz schick an...


... und wurde immer und immer schöner!

Wir fotographierten beide wie die Verrückten und genossen einfach nur die Aussicht, die sich uns überall bot. Wir fuhren direkt an den riesigen Bergen und Bergklippen vorbei, zwischen denen sich der Fluss hindurchschlängelte. Der erste Halt den wir einlegten, war die Stelle, die ich euch iim lezten oder vorletzten Blogeintrag schon erklärt habe. Die Stelle, die sich auf der Rückseite des 20 Yuan-Scheines befindet.

alle die Berge direkt am Fluss... so schön, soo schön!



und hier ist es: das Beweisbild! da halte ich meinen 20 Yuan-Schein direkt vor das Original
und wenn man es genau betrachtet, kann man es erkennen. :)

wieder mal eins von Philipps Meisterwerken... wunderschön, dieses Bild.

unserer Fahrer bot uns sogar an, ein Bild von uns vor der Kulisse des 20 Yuan-Scheins zu machen. :P

nochmal die gesamte Sicht von da, wo wir kurz anhielten.

Ist das nicht alles total schön? Ich fand es unheimlich toll dort und ich denke die Bilder können gar nicht gut genug ausdrücken, wie schön und faszinierend es dort war. Nachdem der Fahrer das schöne Bildchen von Philipp und mir gemacht hat, machten wir weiter und die Fahrt durch diese wunderschöne Naturbesonderheit ging weiter. Wir fuhren ein ganzes Stückchen und nach machten später wieder Half auf einer kleinen Insel die, wie sich herausstellte, Verkaufszwecken diente. Man konnte dort abstruse Flussgetiere am Spieß essen (nein danke!), sich mit Komoranen fotographieren lassen, die mit ihren Füßen an einen langen Stab gebunden wurden (doppelt nein danke!) oder sich kleine bunte Steine oder Holzenten aus einem Eimer mit Wasser aussuchen. Ich kaufte so ein kleines Entlein und 2 der Steine und befasste mich den Rest der Zeit damit, den schönen Steinstrandboden und die Gegend zu fotographieren und periodisch Angebote von Verkäufern abzulehnen.

Mopsberge.




zwischenzeitlich schwimmten wir mit diesem Boot zusammen,
während sich die Fahrer hinten nett unterhalten haben

dann zogen sie ab und
schöner Steinboden auf der Insel,
auf der wir kurz hielten

die endlose Natur auf jedem der Berge war einfach so geil. selbst in Beijings großen Parks sieht man überall Leute, Fußwege und hört Leute. wie endlos ruhig und unberürt es wohl überall in den Wäldern auf den Bergen ist? ...

POSING.



Danach ging es wieder weiter und nachdem wir dann wieder eine knappe Halbe Stunde entgegen der Flussrichtung fuhren, kehrten wir um und fuhren mit der Flussrichtung. Gerade rechtzeitig möchte man meinen, denn auch wenn es dort wunderschön und unheimlich überwältigend war, so war der Wind dort schon sehr extrem und ich war fürchterlich am Zittern und habe gefroren wir verrückt. Der Wind an dem Tag hat mir eine richtig geile Erkältung mitgegeben. Und da die Bootstour dann vorbei war und es keine weiteren Stopps mehr gab, gibt es jetzt noch die sehenswertesten Bilder bis zum Ende der Fahrt. :)

gegen Ende kam die Sonne raus und das war auch der Teil, wo sich uns meiner Meinung nach die schönsten Bergkulissen boten. erndlose Berge durchzogen von Wald und Fluss überall um uns herum. es war so wunderschön dort...

wie ich diesen Ort geliebt habe.

fast schon unreal sah es manchmal um uns herum aus.

ao atemberaubend schön und gigantisch!

all die Berge..


Bilder und Aussichten, die in jeden Reisekatalog übernommen werden könnten.

am Ende entdeckten wir sogar 2 Rinder die im Fluss wateten

und das waren sie, die Bilder von der Bootsfahrt. ich hoffe, sie haben euch gefallen! :)

Der Fahrer ließ uns ein paar Hundert Meter vorher raus, gab uns noch ein Busticket und verabschiedete uns. Wir wurden zurück zur Bushaltestelle kutschiert, an der wir zu Beginn ankamen. Die Omis ließen uns dann in Ruhe. Wir fuhren wieder mit dem dürftigen Bus zurück nach Yangshuo und kamen dann gegen spät Nachmittag an. Während der Heimfahrt wurden wir beide ziemlich müde und machten dann nicht mehr allzu viel an dem Tag. Wir fanden ein passables Restaurant wo man halbwegs gutes Essen für halbwegs wenig Geld essen konnte, kauften uns dann noch die kalten Nudeln zum Mitnehmen, die wir am vorherigen Tag im Zentrum gegessen haben, wanderten noch ein Weilchen durch die Gegend und dann, als es schon gegen Abend ging, watschelten wir mangels Fahrrad die Strecke wieder zurück zum Hostel. Ich, ziemlich erkältet und quängelnd, gab mich mit Philipp, etwas erkältet und schweigend, runter zum „Wohnzimmer“, wir quasselten noch ein wenig mit Jane, anderen Mitarbeiterinnen und anderen Hostelgästen und ich bestellte mir nen Ingwertee (bäh) und wir saßen noch ein wenig rum. Am Tisch neben uns befand sich ein schöner, maskuliner, blonder Amerikaner umgeben von mehreren Asiatinnen und quatsche irgendwelche schmachtigen Sachen. Als sie dann 4-Gewinnt aus der Ecke des Zimmers holten und zu spielen gebinnen wollten, schreckten auf einmal alle auf und die wunderschöne Chinesin, die neben ihm saß, rannte aus dem Zimmer. Okaaaay. Was geht da so ab? …… OH GOTT. KAKERLAKE. Ich weiß, dass es in China mehr als genug davon gibt und dass sie in feuchten, wärmeren Regionen des Landes gerne hausen, genauso wie in dunklen oder dreckigen Ecken, aber ich habe in den mehreren Monaten hier in China immer noch keine einizge gesehen. Bis dahin. Doch das war keine kleine 2 cm-Kakerlake, wie sie einige meiner Freunde auf meinem Campus schon gesehen haben, sondern ein fetter, schwarz-brauner, 5 cm-Oschi. Fett fett fett saß das Vieh auf dem Tisch und als ich das Monster erblickte, rannte ich der Chinesisch männlich wie ich bin still winselnd hinterher. Der Ammi scheuchte das Tier vom Tisch und zertrat es. Ich hab zwar gehört, dass es nur noch mehr Kakerlaken anlockt wenn man eine tötet, aber ich hätte das Tier auch lieber tot als lebend von mir wegbekommen. Da ist wohl meine Liebe zu Tieren vorbei. Er schaffte die Reste des Viehs raus und ich tank fix meinen Tee aus und eilte mit Philipp nach oben. Seit diesem Erlebnis bin ich ein bisschen vorsichtiger in China unterwegs. :D
PS: Ich habe ja die ersten paar Tage mit Philipp und Stefan zusammen in einem Hostel gewohnt und als Stefan letztens wegen dem DAAD-Treffen in Beijing war, erzählte er Philipp und mir, dass er an dem Morgen als er nach Jinan abreiste in unserem Bad eine mit Fühlern ungefährt 10 cm große Kakerlake gesehen hat, die schnell in den Abfluss gekrochen ist als er sie sah. DANKE STEFAN. Ich schlief 6 Nächte direkt neben der Badtür. Aber hätte er es mir gesagt, wär ich wahrscheinlich nie in das Zimmer zurück. Ich hatte wohl bis jetzt noch Glück mit den Kakerlaken, denn sie wurden schon oft am Stellen gesehen, an denen auch ich öfters bin. BÄH!
Wir gingen hoch, aßen unsere Nudeln die wir mitgenommen hatten und gingen wieder recht zeitig ins Bettchen.


TAG 111 Samstag 13.12.2014

Frühs haben Philipp und ich uns Fahrräder gemietet und sind wieder mal planlos raus in die Natur gefahren. Erst ein Stückchen in Richtung Stadt, dann aber links statt recht abgebogen und dort gelangten wir einen superruhigen Weg entlang zu einem Ort, der sich als der heraustellte, den ich persönlich in China bis jetzt mit Abstand am schönsten fand.
Erstmal fuhren wir aber diese schöne Straße entlang, die sich zwischen Hügeln links und ein paar Häusern und dann dem Flussufer rechts befand. An dem Samstag war das Wetter auch mit Abstand am besten. Ein bsischen wärmer zwar bloß, aber dafür schien die Sonne und es waren nur wenige Wolken am Himmel. Wir fuhren mit den Rädern die Straße entlang und bogen dann rechts in eine Art Wald ab, der uns vorher noch zu einem recht mysthischen Ort gebracht hat. Und zwar einen chinesischen Friedhof. Friedhöfe habe ich tatsächlich noch keinen einzigen in China/Beijing gesehen. Meist werden die Toten Abseits von großen Menschenmassen begraben.

das Wetter an dem Tag wir wirkich bombe!

wunderschöne Wege boten sich uns, als wir mit dem Rad durch die Gegend fuhren

ein chinesisches Grab. der rote Müll links unten in der Ecke besteht aus Böllerüberresten. die werden bei Beerdigungen
oft angezüdet um .. bin mir nicht ganz sicher, böse Geister abzuwehren?
jedenfalls sah das ganze unglaublich interessant und spannend aus.

weitere Gräber fanden sich auf mehreren Ebenen oberhalb des gerade gezeigten Grabes

der Waldweg den wir gefahren sind



Nachdem wir uns dort umgesehen hatten und ich es gewangt hatte, den Hügel hochzuklettern und mir die anderen Gräber anzusehen, die weiter oben standen, wichen wir dem heiligen Ort der Ruhe und wieder unten entschlossen wir uns, unsere Räder hier anzuschließen und den kleinen hang nach unten zu gehen und dort ans Ufer des Flusses zu gehen. Hier war weit und breit keine Menschenseele mehr. Unten am Ufer angekommen war es auf einmal wie in einer anderen Welt. Dort bei dem Hostel war es ohnehin ruhiger als sonst wo bis jetzt in China, aber dort war es einfach noch extremer. Man konnte das ganze Ufer überblicken, gegenüber war nur unbetretbar dichter Wald, geschützt von einer meterhohen Felswand, überall sprossen gigantische Bambuspflanzen aus der Erde und ganz im Hintergrund sah man einige der wunderschönen Berge der Umgebung. Und man hörte: nichts. Der Fluss, der auf der anderen Seite einige Meter tief gewesen zu sein schien, war auf unserer Seite nur sehr sehr flach und man hörte das leise Schwappern von kleinen Wellchen, die am Ufer „brachen“. Sonst hörte man auch nur Vögel zwitschern und ganz weit weg, irgendwo, sang ein alter chinesischer Mann ein Lied. Fast schon unwirklich schön wirkte alles und ich konnte gar nicht mehr wirklich glauben, dass ich mich in China befinde. China. Dort, wo ich jetzt wohne. Dort, wo es den ganzen Tag nur mehr oder minder viel Smog gibt; dort, wo immer etwas, egal ob Mensch, Auto oder sonst was Geräusche von sich gibt; dort, wo man immer nur umgeben von Millarden von Tonnen an Stahl und Beton ist und wo man immer umgeben von Tausenden von Menschen ist. Der naturlose, menschenüberlaufene Koloss der sich jetzt meine Heimat nennt ist so dermaßen nicht vergleichbar mit dem Ort, der sich mir dort bot, dass es einfach schwer zu glauben war, dass ich mich immernoch im selben Land befand. Ich wusste, dass China gigantisch ist und dass es auch endlos schöne Natur gibt und dieser Ort war und ist ganz sicher nicht der schönste des Landes, aber dort war alles einfach so ruhig und vollkommen unberührt und untouristisch, dass es gar nicht mit dem Bild einhergehen konnte, das ich bis jetzt von China hatte. Alles was schön ist, wird in China zur Touristenattraktion und dann, dadurch, zerstört, weil überall Leute sind, alle laut sind, Dreck und Müll verursachen und die Stimmung zerstören. Ein Glück, dass sehr sehr viele Chinesen Natur nicht gut genug kennen, um sie so extrem zu vermissen wie wir, sodass kein Interesse besteht, solche banalen Ortschaften wie ein stilles Flussufer mit Waldboden und kleinen Inseln zu einer Attraktion zu transformieren.

unten am Ufer angekommen fanden wir den Traumort



malerische Schönheit so weit das Auge reichte. ich will wieder zurück dahin!!!

Während ich noch unten am Ufer stand und die ruhe filmte, einfach weil man es konnte, krabbelte Philipp hilter mir inen anderen hang hoch und entdeckte dort etwas, das sich als genauso wunderschön heraustellte. Ich ging ihm hinterher und wir fanden uns zwischen massig riesengroßen Bambusbäumen (?) wieder, die schon jahrelang zu wachsen schienen. Doch nicht nur die überwältigend mächtigen Bambusrohre waren der Grund dafür, dass dieser Ort so besonders war, nein, eher war es die Tatsache, dass ich mich das erste mal, seit ich nach China gekommen bin, auf so etwas wie Waldboden wiederfand. Ich war auch nie wirklich ein großer Waldgänger, vorallem weil ich mich ein bisschen davor fürchte, seit ich ungefähr jeden Horrofilm auf der Welt gesehen habe, aber erst dort merkte ich, dass ich das richtig vermisst habe und wäre am liebsten sofort für immer dort geblieben. Nicht nur sahen die Bambuspflanzen total schön aus, es war auch die Tatsache, dass der Boden auf dem ich mich befinde einfach unberührt ist und alles, was dot ist, so ist, weil es natürlich dazu kam und nicht, weil man es unnatürlich schön hält oder pflegt damit es perfekt aussieht. Man stieg über Äste, es knackte unten den Füßen, man trat über kleine Sträucher und fühlte sich so frei. So frei hab ich mich noch nie gefühlt. Dieses kleine Eckchen voll waldartigen Boden war gar nicht viel schöner als deutscher Waldboden, doch war es eher der Fakt, dass man sich in China auf solchem Boden befindet, der mich so hat empfinden lassen. Philipp, der ja schon früher ein Jahr in China gelebt und dort unheimlich viel gesehen hatte, meinte zu mir, er habe in China noch nie einen von Menschen unberührten Wald gesehen. Es war so schön dort.

riiiiiiiiesig waren diese Bambuspflanzen!

endlich mal wieder auf "Waldboden" stehen und sich der Natur ganz nahe fühlen... :)




ein sehr sehr cooles Spinnennetz fanden wir da.
glücklicherweise ohne Spinne!


ein Blick, den ich in China nicht wirklich zu bekommen gedacht habe.



halloooooooooooo!

Ach, ich habe diesen Ort geliebt. Nachdem wir dort sicher eine Stunde verbracht hatten, machten wir uns aus dem Dickicht raus und gingen am Ufer entlang durch den Matsch auf eine Art … ich würde es mal Halbinsel nennen, weil ich sonst nicht weiß, wie ich es nennen sollte. Ist keine Insel gewesen, obwohl es das, wenn das Wasserspiegel höher gewesen wäre, sicherlich gewesen wäre. Wir stapften jedenfalls durch den Schmodder und gelangten dann zu diesem Ort. Genauso wie der Rest dort nahezu unberührt von allem menschlichen Einfluss, man sah nur hier und da mal eine kleine Feuerstelle die von jungen Leuten, die diesen Sommer dort mal eine abendliche Grillparty veranstaltet haben, stammt. Und man sah leider ab und an mal Müll, sei es von Zeiten, wo der Wasserspiegel noch höher war, sodass der Müll in den jetzt sichtbaren Büschen hängen bleiben konnte, oder sei es von den Grillpartys. Wie ich schon sagte, wissen einige Chinesen öfters Natur nicht zu schätzen und so behandeln sie sie, genauso wie auch die meisten Tiere in China, wie den letzten Dreck. Nun ja, konnten und wollten wir uns jetzt nicht mit befassen. Wir stiegen über die Steine auf die „Halbinsel“, fanden enige Muscheln von denen ich welche im Wasser wusch und mitnahm und machten dort lange Zeit nichts, außer Bilder zu schießen und die Stille und Natur zu genießen. Wir genossen die Sonne, die bereits beschriebenen Naturgeräusche und die absolute Abwesenheit anderer Menschen außer uns beiden, die ich seit Jahren sicher nicht mehr habe genießen können. Wir gingen ans Ufer, bauten Steintürme, suchten uns schöne Steine am Strand (einige davon von den Karstbergen selbst, die sich hier überall in den Himmel ragten) und nahmen sie mit. Wir saßen herum und spürten die kühlte Luft, hörten die Natur leben und sahen die Sonne scheinen. Ein wahrer Traumort – unbestreitbar. Würde ich an einen Himmel glauben, möchte ich, dass er dort ist. 

auf dem Weg zu besagter "Halbinsel", wunderschöner Ausblick

alles so friedlich und nahezu unberührt dort


da bin ich Philipp mal wieder vor die Linse gelaufen.. HUPS!

so viele neue Desktophintergrundbilder, zwischen denen ich jetzt wählen kann.. :P

Steinturm. in Gedanken dabei an meine Schwester, die das auch ziemlich gern macht glaub ich

Perfektion.

  Wir verbrachten eingie Stunden dort und als wir uns entschieden haben unseren eigentlichen Plan, in den Süden zu fahren und uns dort umzusehen, fortzusetzen, machten wir uns zurück zu unseren Fahrrädern und fuhren wieder bis zu der Straße zurück, wo wir anfangs links statt recht abgebogen sind und machten uns auf durch die Stadt, um nach Süden zu fahren. Als wir wieder dort ankamen, wo es touristisch und zentral wurde, war es wieder wie immer: alles blinkte, war bunt, machte bestenfalls laute Geräsche und war voll mit Menschen. Die Straße vor der Stadt wich am Wochenende wohl immer einer Souvenier-Verhandel-Straße und so erlebten wir die beiden Extreme Chinas (unendliche Ruhe und Natur und unendlich viele nervige Eindrücke gepaart mit Menschenmassen) innerhalb von wenigen Minuten. Wir wären am liebsten wieder zurückgefahren und hätten uns den ganzen Tag dort aufgehalten, von wo wir gerade kamen. Aber es nützte alles nichts, wir wolten mehr sehen und mussten dafür eben durch. Die Straße erwies sich dann nach einigen Meters als gute Option, um a ein paar Geschenke und Souveniers zu kaufen, und um b seine chinesischen Verhandlungskünste etwas zu trainieren. Wir kauften Schals, Schmuck, Dekoration, Fächer, Philipp ein paar Kissenbezüge und am Ende fanden wir einen Mann, der mit seinen Fäusten spezifische Landschaften in und um Yangshuo malen konnte. Genau sowas wollten wir für uns haben und waren dann umso gewillter, eines seiner Werke zu kaufen. Die billigsten waren etwa doppelt so groß wie ein ausgedrucktes Foto und kosteten so ab 80-90 Yuan aufwärts. Da wir aber schon so endlos viel Kohle aus dem Fenster geschmissen hatten und uns jeder Yuan zu viel war, versuchten wir knallhart zu handeln. Nachdem ich mich dazu aufringen konnte, im Beisein vieler den Künster bestaunender Leute zu verhandeln, kam ich mit der Story an, dass ich armer Student all mein Geld dafür gespart hatte, um von Deutschkand nach Yangshuo reisen und China besser verstehen zu können. Das hören sie nämlich gern. Leider war der Typ nicht so leicht rumzukriegen wie die anderen Verkäufer und so bletterten wir beide jeweils 60 Yuan hin. Geht, aber hätte weniger sein können.

und ganz plötzlich war wieder der chinesische Wahnsinn da..

hier der spezielle Künstler am Arbeiten

und hier das Werk, das ich erworben habe :)


Wir machten uns dann mit dem Rad weiter durch die Stadt und stoppten kurz, um mal wieder die guten alten kalten Nudeln mit Gurke und Nüssen zu essen, die ich ziemlich lieb gewonnen hatte. Auch wenn sie höllisch scharf waren. Wir fuhren dann ein ganzes Stück durch die Innenstadt Yangshuos und ich muss echt sagen: der Verkehr in Beijing ist gesittet ohne Ende im Vergleich zu dort. Ich kann gar nicht genau erklären, wieso, aber es war einfach viel mehr durcheinander als hier in Beijing. Die Autos, Motorräder, Motorroller, die LKWs, die Busse, die Fahrräder und all die anderen Fahrzeuge, die so provisorisch und dürftig aussahen, als würden sie beim fahren gleich auseinanderfallen oder ihre Ladung verlieren, die öfters das vielfacher Volumen des eigentlichen Fahrzeuges hatte, wuselten so endloch unkoodiniert durcheinander, dass ich, obwohl ich schon einige Male in Beijing Fahrrad gefahren bin, wirklich manchmal Angst hatte, dass man mich über den Haufen fährt. Die Leute wendeten einfach irgendwo, fuhren auch mal gegen die Fahrtrichtung (aber eher nur kleine Fahrzeuge wie Motorroller, Fahrräder ect.) oder blieben einfach stehen, sodass man immer Angst haben musste, dass jetzt gleich eine Tür aufgeht und man voll dagegen fährt. Auch rannten ständig Leute zwischen den Autos hervor und Baustellen waren null abgesichert. Abends redete ich mit einem der Gäste im Hostel darüber und der erklärte mir erstmal, dass Beijing und Shanghai in ganz China das mit Abstand gesittetste Verkehrssystem haben. Da wusste ich nicht, ob ich lachen oder ulrta entsetzt sein sollte. :D
Wir schafften es durch die Innenstand und als wir durch genug unorganisierte Kreisverkehre, Baustellendreck und vollgestopfte Straßen hindurchgefahren sind, machten wir uns aus der Stadt heraus und fuhren weiter Richtung Süden. Dort hatten wir dann erstmal keinen weiteren Plan. Wir wollten uns, da unser Hostel im Norden der Stadt lag, auch mal ein bisschen woanders umsehen und hatten auch erst abends wieder etwas vor. Wir fuhren mit dem Rad eine große, breite Straße entlang und sahen uns einfach nur um, während die Busse, Traktoren und Autos an und vorbeirasselten. Ab und an hielten wir mal an, um uns genauer umzusehen oder einen besonders eindrucksvollen Berg fotographisch festzuhalten.

raus aus dem Stadtverkehr und wieder rein in ein bisschen mehr Ruhe

was für ein schönes Motiv

schicker Schmetterling an
der Felswand

Blick von einer Brücke den wir beim Rumfahren hatten

noch ne andere schöne Brücke mit noch schönerem Hintergrund



Wir fanden danach eine kleine „Attraktion“, und zwar einen sehr sehr sehr alten Baum. Klingt super toll. War es aber auch wirklich irgendwie. Der Eintritt kostete uns pro Person 10 Yuan, das ist in etwa ein Euro. Man ging hinein, lief 50 Meter und fand ihn, den Baum. An sich war der Baum schon sehr interessant, denn er wies eine Besonderheit auf, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Der Baum, so groß und die Äste so schwer, ließ irgendwie so etwas wie andere Baumsprösslinge aus der Erde wachsen, um die eigentlichen Äste den Baumes zu stützen, sodass er weiterwachsen kann ohne unter seinem eigenen Gewicht zusammenzufallen. Ich weiß auch nicht so ganz, wie das Zustande kam bzw. hatte Philipp mir das am Beispiel der Erdbeeren erklärt, die das wohl auch so machen, nur viel kleiner, aber es sah wirklich krass aus. Sehr interessant und ich hab sowas noch nie gesehen. Zuerst dachte ich auch, dass das nur von den Leuten, die den Baum intankt halten, so gemacht wurde, dass es also nur Fakestämme waren, oder dass die es künstlich so haben aussehen lassen, aber an manchen Stellen sah man ganz genau, dass die Stämme natürlich aus dem Boden kamen und sich mit den Ästen des eigentlichen Baumes verbunden hatten um ihn zu stützen. Darüber hinaus kamen direkt neben dem Hauptstamm des Baumes noch massig andere Wurzeln aus dem Boden, irgendwie von direkt daneben und umrankten den dicken Stamm, sodass er noch fester und dicker wurde. Wirklich noch nie hab ich gesehen, dass sich eine Pflanze so selbst stärkt. Echt cool und mega interessant!

hier mal die ganzen ich-will-dir-eine-Attraktion-andrehen Omis beim Pausemachen :D

das ist der, der große, coole Baum :)

auf diesem Bild aber wohl noch viel besser/am besten zu erkennen:
die biologischen Besonderheiten des Baumes.

hier sieht man, wie die Nebenstämme aus dem Boden wuchsen und sich stützend
um den eigentlichen Hauptbaum gewunden haben.

auch hier gut zu sehen.

das war direkt neben dem großen Baum zu sehen. Berg mit Loch, auch schick anzusehen!


Wir sahen uns dort noch ein wenig um uns saßen neben dem baum am Ufer des kleinen Baches, wurden von einem Chinesen angesprochen, ob er denn ein Bild mit uns machen kann – okay – und dann fuhren wir wieder gen Hostel. Die Fahrt würde so etwa eine Stunde dauern und wir hatten ja abends noch was vor. Wir machten uns also wieder die schöne große Straße entlang und ich genoss es, wenn auch umgeben von wenigen Autos, einfach ungehindert durch die frische Luft fahren zu können, die Berge zu sehen und den Wind in den Haaren (haha) zu spüren. Wieder in der Stadt angekommen, war davon nichts mehr zu spüren und das Chaos ging wieder los. Genauso random, genauso unsicher, genauso dreckig und laut, genauso stressig. Als wir dann, nachdem wir noch die nette, ruhige Straße zum Hostel passiert haben, ankamen, hatten wir noch eine gute Stunde Zeit, aßen ein bisschen was, zogen uns wärmer an, chillen ein Ründchen im Bett und dann ging es abends halb 7 auch gleich weiter im Programm. Und zwar sollten wir uns eine ganz berühmte Licht-Show ansehen, die auf dem Fluss Li aufgeführt wird, bei der mehr als 600 Akteure mitmachen (darunter massig Floßfahrer und Angler aus den angrenzenden Dörfern selbst) und bei der die im Hintergrund befindlichen Berge beleuchtet werden. Das ganze Spektakel kostet zwischen 100 Yuan (ganz schlecht) und 680 Yuan („President Seat“) und wurde von einem der berühmtesten Regeseure Chinas ins Leben berufen. Der gute Mann sowie alle Teilnehmer an der Show sollten für den Rest ihres Lebens ausgedient haben, denn die Show wird im Winter einmal täglich und im Sommer bis zu 3 mal am tag aufgeführt. Das sind bei mehreren Tausend Besuchern manchmal fast eine Millionen Dollar am Tag. Wir wurden mit dem Shuttlebus hingebracht und der Fahrer pickte unterwegs noch 2 Briten und einige Chinesen auf. Auf dem Weg zum Ticketverkauf und dem Treffpunkt mit der Frau die unsere Gruppe reinbrachte, begannen wir uns mit dem britischen Paar zu unterhalten. Er arbeitet hier in einer Schule und unterrichtet englisch, sie kam nur um ihn zu besuchen. Wir standen im endlosen Gewusel herum, warteten, dass es losging und mieteten uns für den Abend ein paar Militärmäntel, das kostete nur 20 Yuan. Damit sahen wir so aus wie die ganzen uniformierten Kerle überall in China – absolut lächerlich. Denn die Mäntel waren – wie alle Uniformen in China – viel viel viel zu groß für uns. Egal, sah witzig aus. Wir machten uns rein, standen wieder rum, warteten auf unsere Tickets und dann ging es den weiten Weg zu den gigantischen Tribünen. Angekommen, fanden wir unsere Plätze und saßen uns hin. Wir hatten B2-Plätze, das war untere Mittelklasse, aber auch die haben über 230 Yuan gekostet und mehr wollten und konnten wir uns nicht leisten. Die beiden Briten saßen interessanterweise neben uns und so ging die Unterhaltung weiter. Die Plätze füllten sich und bald sah man, wie viele Leute hier Platz finden konnten, wirklich einige..
Also die ganze Sache dann losging (es war ja mittlerweile Stockduster und man konnte gar nichts sehen, was vor einem war), stockte jedem der Atem. Alle berge im Hintergrund wurden beleuchtet, während eine Frau in der Dunkelheit auf einem beleuchteten Boot stand und sang. Der Anblick der leuchtenden Riesen im Hintergrund war so atemberaubend schön, dass doch tatsächlich mal alle Chinesen für ein paar Sekunden still waren. Die Show war an sich wirklich toll, nur gab es ein Problem: Chinesen. Und zwar gab es Teile der Show, bei denen viele junge Frauen vorne auf einer Aufgebauten Bühne standen und traditionelle Lieder der Region gesungen haben. Ein Teil der Show war auch das traditionelle Partnerfinden in Yangshuo, wo Männer und Frauen an unterschiedlichen Ufern stehen und nach potenziellen Partnerinnen/Partnern ausrufen. Jedenfalls war der Teil ohne Mikrofon der Frauen und die Tausenden Chinesen haben einfach (sorry) nicht ihre Klappen halten können und somit waren diese Teile der Show völlig umsonst weil gar keine Stimmung aufkam und man der Sache auch so nichtz folgen wollte. Die Teile, wo dann laute Musik kamen und die Lichtershows wieder los-/weitergingen haben sie zwar immer noch alle munter weitergequatscht, aber man hat es wenigstens überhören können. Diese Teile waren dann auch wieder wirklich überwältigend schön. Dutzende Floßfahrer, die sich an rotem Stoff über was Wasser zu ziehen schienen, mehrere große, leuchtende Installationen, die übers Wasser schwebten, eine Mondinstallation auf der eine Frau hin und her tanzte, während schöne Musik ertönte. In den dunklen Ecken der „Bühne“, also auf dem Fluss, wurden immer ungesehen Stege aufgebaut, Fackeln angezündet, Installationen in Position geschifft oder Personen paratgestellt, um dann wie aus dem Nichts da zu sein, zu leuchten, zu brennen, zu erstaunen. Am Ende liefen hunderte der Akteure über einen Steg, der sich blitzförmig über die gesamte Bühne zu schlängeln schien (keine Ahnung wo der herkam) und alle hatten sie leutende und glitzernde Anzüge an, die manchmal nur teilweise leuchteten, manchmal silbern, manchmal gelb schienen, manchmal rot waren und manchmal partiell an jeder 2. Person aus waren. Wunderschön anzusehen und spannend, da man nie sah, was als nächstes passierte, bis es passierte.

Zuschauertribune(n), ganz oben in dem überdachten Teil die 680 Yuan teuren Sitze

und so sah es aus, als alle Berge auf einmal aus dem Nichts heraus zu leuchten begannen.....

unheimlich cool!

und dann auch noch bunt...



all die Bootsfahrer schwammen mit dem roten Stoff zusammen außer Sicht

super getroffen mit den beiden Fahrern da im Schatten des Mondes :)

da ist sie, die auf dem Mond Tanzende.

und hier sind die Leuchtanzüge


am Ende liefen die Bauern und Floßfahrer nochmal zur Bühne, dabei trugen sie
Fahnen mit den Aufschriften ihrer Heimatsdöfter. hier zB. 兴坪村 (Dorf
Xingping), da, wo wir hinfuhren, um die Bootstour zu machen.


Als die ersten Chinesen sahen, dass sich das Bühnenbild seiner finalen Pose näherte, sprangen (ungelogen) nahezu alle vor uns auf und gingen einfach schon während das Finale noch am Laufen war und noch bevor die ganzen Bauern und Fischer und Floßfahrer in die jeweiligen Dörfer unterteilt, aus denen sie kamen, die Bühne am Fluss nochmal betreten konnten. Die Gerangel war wieder super nervtötend und wir mussten dann aufstehen, um überhaupt nochmal was sehen/hören zu können. Alle haben es wie imemr super eilig und kümmern sich einen Dreck um die anderen. In absolut typisches Chinaphänomen das wohl landesweit gleich zu sein scheint. Der Brite sagte dann irgendwann zu mir „China ist wundervoll, nur die Chinesen sind scheiße“. Ich finde zwar, dass diese Aussage nicht einfach so uneingeschränkt dahin genommen werden kann, finde aber, dass es leider manchmal wirklich so ist. Und an diesem Abend war das zu 100 % wahr. So war so genervt von den Leuten und wirklich sprachlos, wie man sowas machen kann. Gut, Tradition und so, blabla, aber auch wenn das dort vielleicht Normal ist, ist es einfach asozial den anderen Zuschauern und vorallen den Darstellern gegenüber, die sich zu Ehren des Publikums noch einmal auf der Bühne verinen, ihr großes Abschlussbild geben wollen und es sitzen nur noch 5% der Zuschauer da und es fällt kein Applaus oder ähnliches. Ich wart wirklich enttäuscht, wie unzuvilisiert Chinesen doch manchmal noch sind. Wir machten uns, nachdem die Show wirklich zu Ende war, auf den Weg, nachdem wir den eilenden Mob noch abgewartet haben. Keine Minute nach der Show standen wir auf unserer Tribüne und waren unter den letzten 10 Menschen die von den 3000+ noch da waren. Unfassbar.
Der Rückweg im Buss war wieder ereignislos und nachdem wir uns von dem namenlosen britischen Paar verabschiedeten, machtern wir uns wieder fix ins Hostelzimmer, stellten alle Wärmequellen an und verbrachten unsere letzte Nacht in dem wundervoll weichen Bett.


TAG 112 Sonntag 14.12.2014

Sonntag mussten wir wieder los. Und Sonntag war der Tag, an dem wir beide aufwachten und es uns so dermaßen dreckig ging, dass wir am liebsten gar nichts getan hätten, außer im Bett zu liegen und uns selbst zu bemitleiden. Da wir das aber nicht wirklich machen wollten, standen wir eben auf, duschten, packten unsere Sieben Sachen und checkten nach einem Tee unten aus. Fett bepackt mit Rucksack, Tasche und Erkältung liefen wir das letzte mal die schöne Straße am Fluss entlang, genossen ein letztes mal dort die Stille, das Rauschen, das Rascheln, die Ruhe und stiefelten ziemlich kränkelich gen Stadtzentrum von Yangshuo. Hier übrigens mal die überdachte Straße die kommt, nachdem man den unbeleuchteten, ruhigen Teil der Straße passiert hat und bevor man die Stadt reicht. Dort war am Samstag so viel los und jetzt war dort auch noch schöne Stille, die wir genossen, indem wir noch einmal Halt am Rand machten und ein paar Minuten den Fluss, die Bäume, die Berge beobachteten.


Wir gammelten in die Stadt hinein, schlürften noch einmal durch die ein oder andere Straße, Verhandelten noch ein wenig und ergatterten weitere Souveniers und chinesischen Krimskrams. Wir aßen zu Mittag, kauften uns ganz ganz viele super süße, super leckere Babymandarinen ein, die es dort für 10 Yuan pro Kilo gab und dann suchten wir uns noch einen etwas ruhigeren Ort, um zu rasten. So gesehen hätten wir dann auch im Hostelzimmer einfach liegen bleiben können, was wohl für uns auch besser gewesen wäre, aber ich wollte bei der Landschaft draußen nicht wirklich im Zimmer bleiben. Am Rand des Zentrums war der Fluss und es gab einige Möglichkeiten, runter ans Ufer zu gehen und dort suchten wir uns ein recht stilles Plätzchen und saßen dort noch ein ganzes Stück herum, beobachteten Leute, wie sie sich wie immer super blöd fotographieren ließen, wie kleine Kinder uns verdutzt anstarrten und erspähten ein paar Bauern am anderen Ufer die dort mit ihren Verwandten ein Picknick veranstalteten, während sich ihre Kühe nebenbei am Wasser ausruhten. Auch da, wo wir dann gesessen haben, war es sehr still und friedlich und wir konnten noch ein paar letzte Minuten nichts anderes tun, als die Stille und Natur zu beobachten.

ein Komodoran-Fischer saß dort am Ufer und starrte uns dezent an

eine Chinesin machte typisch blöde
Bilder mit blöden Klamotten :D

ich kaufte von einer armen Oma für 10 Yuan diesen wunderschönen,
selbst gemachten Haarschmuck und schenkte ihn Philipp

schöne Dächer..
schöne versteckte Steinbrücke
WASSER




der letzte Bleck auf die Berge bevor es heim ging....


Ach es war so schön. Soooo schön. Wir saßen dort sicher eine Stunde nur rum und aßen Mandarinen und guckten uns um, dann kauften wir uns einen Tee/Kaffee, setzten uns an einen der vielen Steintische, die überall in China mal rumstehen und spielten ein Spiel auf Philipps Handy, mit dem sich die Zeit gut vertreiben ließ. Als es dann langsam Zeit wurde, wieder zum Busbahnhof zu marschieren, gingen wir los, kauften uns ein paar Fressereien für den Flug ein und dann liefen und liefen und liefen wir, bis wir ankamen. Dort kurz gewartet, ging es auch gleich in den Bus und schwupp, waren wir weg aus Yangshuo. Die 90-minütige Fahrt bestand eigentlich nur aus husten, Nase putzen, räuspern, schniefen, niesen, übelst frieren, gleich darauf super schwitzen, gleich darauf wieder übelst frieren, ein bisschen lesen und aus den letzten schon da sehnsüchtigen Blicken auf die Berge und endlosen Wälder hier und da. Gegen 17 Uhr kamen wir am Flughafen an und ab da haben wir bis abends um 10 wenig getan. Ich versuchte ein wenig zu essen, aber aufgrund meiner großen Angst vorm Flug war wieder nichts wirklich drin. Wir holten unser Ticket ab, durchliefen die 34 Security Checks und dann, 2 ½ Stunden vpr Abflugszeit waren wir beim Gate und verbrachten die restliche Zeit mit warten. Ich, weil ich mich von der langsam herankriechenden Angst ablenken wollte, machte die ganze Zeit nichts anderes, als Musik zu hören und zu lesen, während Philipp irgendwas anders gemacht hat. Das Flugzeug kam eine halbe Stunde zu spät an und somit verzögerte sich unser Abflug wieder um eine ganze Stunde. Ganz so pünktlich sind die Flugzeuge und Züge hier in China auch nicht... Ich, auch im Flugzeug weiterlesend, versuchte alles auszublenden und las auch akribisch weiter, als wir starteten und losflogen. Philipp hatte etwas Bammel vor dem Flug, denn als er schon einmal mit Erkältung flog, war das eine ziemliche Hölle für ihn. Dadurch, dass ja Hase und Hals total zu sind, gibt es ja bei dem reisen Druckunterschied im Kopf wenig Möglichkeit zu entfleuchen und so bekam er damals heftigstes Nasenbluten und war wohl fast der Ohnmacht nahe. Noch ein Grund, ganz ganz akribisch und strickt mein Buch weiterzulesen. Der Start war relativ okay und lief ohne Probleme ab, Philipp ging es wenig gut und ich konnte mich selbst lange genug ablenken, um nach dem Start ein bisschen zu dösen und Musik zu hören. Erst, als ich wieder aus dem halbschlaf aufwachte, wurde es schlimm. Ich konnte fast nichts mehr hören und Philipp wollte gar nicht mehr reden. Es ging straff nach unten gen Beijing und als wir durch die Wolken flogen dachte ich wirklich, in meinem Kopf platzt gleich was. Ich hatte so dermaßen große Schmerzen, dass ich mich zusammenreißen musste, nicht loszuschreien. Ich hab wirklich keine Ahnung was da passierte, aber es war grausam. Ich kaute einen Kaugummi nach dem anderen, trank Wasser, hämmerte mir mit der Faust gegen die schmerzende Stelle und wir beide litten so leise wie möglich, bis wir endlich landeten. Unten war auch wesentlich besser geworden, aber wir waren beide ziemlich im Arsch. Mit einer vorauszusehenden Stunde Verspätung wurden wir mit dem Shuttlebus zum Flughafen gebracht und waren dann viertel 3 frühs am Flughafen, sollten wir doch eigentlich 5 nach 12 landen und da sein. Yay. Wir bestellten uns kein Taxi, weil das Prozedere nach dem Flug immer unbestimmt lange dauert und wollten uns einfach spontan eins ergattern. Wie falsch man doch liegen kann, aber in China sollte man nie erwarten, dass etwas einfach so geht. Ich dachte, wir gehen raus, mitten in der Nacht und einige Taxen stehen am Stand und warten. Deutsches Denken. In China ganz falsch. Auch mitten in der Nacht war der Taxistand eine gigantische Halle mit Ausgang zur Straße, gefüllt mit hunderten an Menschen, in mehreren Schlagen stehend, wartend auf die Taxen, die ununterbrochen zum Flughafen fuhren und von dort wieder wegdüsten. Wir waren so fertig und hatten keinen Bock jetzt auch ncoh wieder in einer der Milliarden Schlangen zu stehen, die es immer überall gibt. Wie ich anstehen hasse. Glücklicherweise gibt es da die Schwarztaxis. Unversichertes Fahren für mehr Geld. Sowas steht bei mir eigentlich noch unter den ganzen Leuten, die einem ständig Attraktionen aufschwatzen wollen, aber in dieser Nacht war mir alles egal, ich wollte nur noch heim. Wir nahmen ein angebot an und mit abfälliger Stimme brachte ich den Mann dazu etwas im Preis runterzugehen, und nachdem er einen dritten Fahrgast gefunden hat, ging es los. Erst brachte der Fahrer den anderen Fahrgast, einen jungen Mann im Anzug mit 6 riesigen Koffern zu seinem Hotel. Wer weiß, was das für ein möchtegern reicher Schnösel war. Danach ging es zu unserer Uni und am Ende der Fahrt, es war mittlerweile um 3 Uhr nachts, zahlte jeder von uns 100 Yuan. Ein unsagbar schlimmer Preis, haben wir doch Mittwoch für die selbe Strecke gemeinsam 130 Yuan bezahlt, aber wie gesagt, so sind Schwarztaxen halt. Der Schmerz des Geldverlustes konnte die Lust auf mein Bett nicht übertreffen und so zahlten wir und machten uns durch die fast 20 Grad kältere Luft in Beijing auf zum Wohnheim. Der Smog war in der Nacht wieder besonders schlimm und nach den 4 5 Tagen in Yangshuo, umgeben von frischer, sauberer, reiner Luft und mit der jetzigen Erkältung war es, wie als wären wir von giftigem Gas umgeben. Was so gesehen auch stimmte. Man merkt es nur weniger, wenn man länger in Beijing ist. Wir waren erwartungsgemäß unglücklich wieder zurückgekommen zu sein. Schnell hoch in unsere Zimmer schmissen wir uns ins Bett und schliefen ein paar Stunden, bis wir frühs wieder in die Uni müssen......

Das war er. Der schöne Urlaub in der Natur. Wie sehr ich diese Tage gebraucht habe, wie sehr ich die Landschaft dort geliebt habe. Yangshuo ist definitiv einer der schönsten Naturorte, den ich in meinem Leben bis jetzt gesehen habe und vielleicht, eines Tages, komm ich wieder zurück zu dir! ♡


TAG 113 Montag 15.12.2014 bis TAG 117 Freitag 19.12.2014

Sooooo. Urlaub vorbei. Das normale Leben ging wieder weiter. Ereignisloser natürlich. Deswegen, weil ich jetzt schon genug geschrieben habe und weil Weihnachten auch noch in den Eintrag kommen wird, fasse ich jetzt wie ihr oben an den Tagen sehen könnt etwas rapider zusammen.

Am Montag haben wir die erste Stunden sauen lassen und sind zur 2. Stunde gegangen. Philipp schien es wieder halbwegs gut zu gehen, noch lange nicht gesund, aber besser. Ich hingegen war total fertig und hab die eine Stunde nur gehustet, geschnieft und leise gelitten. Dienstag würde ich mal noch daheim bleiben. Wir gingen nach der Uni in unser Jiaozi-Restaurant, das wir schon am 1. Tag in Yangshuo ziemlich vermisst hatten und stopften uns erstmal fürstlich voll. Danach machten wir einen Abstecher in die dem Osttor der Uni gegenüberliegende Import-Schickimicki-Mall und kauften untem im Import-Supermarkt ein bisschen Medizin ein, denn ein Arztbesuch kam nicht in Frage. Auf chinesisch erkläre ich lieber keinem Arzt meine Probleme, die werden nur schlecht und unausreichend verstanden und man wird eh meistens nicht mal richtig angeguckt geschweige denn untersucht und kriegt Medizin die so wirkvoll ist wie ein Pflaster auf einer Fleischwunde. Ich war hier schonmal beim Arzt und da war es genauso. Danach ging es heim und an dem tag lief außer Serie gucken, massig Tee trinken, Obst essen, lesen, im bett liegen und mich von Philipp bekochen lassen nicht mehr viel.

Am Dienstag ließ ich wie geplant die Uni ausfallen (ich hatte eh nur Schreiben und Hören, die wohl nutzlosesten und uninteressantesten Kurse von überhaupt) und habe es auch größtenteils nur dabei gelassen. Ich schreib an dem Tag mein Tagebuch über den gesamten Urlaub, ordnete meine Bilder schön ordentlich und verbachte den Rest des Tages mit Buch und Teetasse im Bett.

Mittwochs ging es wieder los mit der Uni. Ich habe nun fast eine Woche am Stück gefehlt (ich hab wohl etwas meine Ambitionen verloren, aber der Unterricht war ja eh nie sonderlich fördernd oder hart), bemerkte aber beim Zurückkommen, dass ich, außer ein paar grammatische Erklärungen und das ewige Wiederholen und Üben der neuen Wörter, nichts wirklich großes verpasst habe und den einen Aufsatz im Schreiben-Kurs lass ich halt mal ausfallen. Während dem Unterricht schreib mir Johanna, dass sie Weihnachten doch nicht wird kommen können, da sie kurz vor und kurz nach Weihnachten wohl recht plötzlich doch noch/schon Prüfungen hat und es sich somit nicht lohnen würde. Das war ein ziemlicher Tiefschlag, denn Jana flog auch woanders hin, Stefan würde erst am 26. kommen und Anna hatte wie zu erwarten war auch keine Zeit mehr. Da war auf einmal gar nichts mehr vorgesehen für Weihnachten. Das war ziemlich scheiße, aber Philipp war ja definitiv noch da und wir würden das Fest auf jeden Fall gemeinsam verbringen, was natürlich auch sehr schön …. sein wird/war/ist? Wie schreibt man manchmal, wenn etwas in dem Blog in der Zukunft ist, aber beim Blogschreiben schon passiert, also Vergangenheit ist? Ich weiß es nicht und es wird wohl immer mal zwischen Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart wechseln, immer je nachdem wie ich mich fühle und wo mir die Finger über der Tastatur schweben. Nun ja, nachdem Johanna die frohe Botschaft überbracht hatte, kam sie aber noch mit der Idee auf, dass sie dafür Silvester kommen und das neue Jahr mit mir zusammen beginnen wollen würde. Das war zwar kein Weihnachten zusammen, aber immer noch super toll, dass sie trotzdem herkommen wird! Nach der Uni sprach ich die ganze Geschichte dann erst mit den Frauen unten am Schalter bei meinem Wohnheim in der Lobby ab und nachmittags sollte ich nochmal zu einer Managerin namens Sun gehen, um es fest abzuklären. Erstmal ging ich aber mit Philipp und Li Ke Mittagessen. Danach, so gegen 3 bin ich ins International Culture Exchange Center rüber und habe mit 孙经理 (Sun Jingli, Managerin Sun) gesprochen und sie versicherte mir, dass das definitiv gehen wird., dass Johanna bei mir schläft. Wie ich ja schon gesagt hatte, dürfen das eigentlich nur Verwandte wie mein Vater, meine Geschwister oder Onkel/Tanten usw., aber die Geschichte mit der Verlobten schien geklappt zu haben. Erst ging es nicht, und als ich dann aber Frau Rong nochmal telefonisch kontaktierte, ließ sie ihre Macht springen und ermöglichte es. 20 Yuan muss Johanna pro Nacht zahlen, was ungefähr geschenkt ist. Das witzigste daran allerdings ist, dass diese Sun Jingli direkt neben dem An Laoshi (An老师, Lehrer An (kenne das Schriftzeichen nicht)) ihren Bürotisch hatte. An Laoshi war der Mann, mit dem ich die ersten Male gesprochen hat, der meinte, dass auch Verlobte nicht gehen, und jetzt sagt die Frau direkt neben ihm, dass das alles kein Problem sei. Er sagte kein Wort als sie zusagte und sie sagte damals kein Wort als er direkt neben ihr dieselbe Anfrage verneinte. Ich habe es nicht ganz verstanden, es aber hingenommen, da ich ja bekam was ich wollte. So ist das halt. Schon oft gehört und umso öfter bestätigt bekommen: Frage 2 Chinesen und du bekommst 3 verschiedene Meinungen.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, Johanna die frohe Botschaft zu überbringen, mit Philipp essen zu gehen und mit Jana zu telefonieren. Wir telefonieren mittlerweile mindestens einmal die Woche und es ist super schön, mit ihr wieder in regelmäßigem Kontakt zu stehen. Abends wurde wie immer viel gelesen und dann geschlafen.

Am Donnerstag hab ich ach dem Unterricht mit Philipp einen weiteren Vortrag für 口语 (Sprechen) vorbereitet, den wir kurzfristig von Mittwoch auf Freitag aufbekommen haben. Das Thema war im Groben, was wir, bevor wir das erste Mal in China waren von Chinesen gedacht haben und was wir jetzt, wo wir in China sind von ihnen denken. Also ein bisschen die Vorurteile und wie es wohl wirklich ist. Das Thema war eigentlich recht interessant. Ich machte den Teil zu den Gedanken vor China, Philipp machte den Teil danach und fertigte eine kleine PPP an, weil Chinesen für jeden Kack eine PPP wollen. Das finden sie modern, neu, besonders und unterhaltsam. Dass unsere Vorträge alle nur wenige Minuten lang werden wrden war egal. Ich schrieb meine Notizen in einen Text um und übte ihn schonmal schön ein. Je mehr man auswendig kann, desto besser. Das freie Sprechen ist in Vorträgen zwar auch okay, aber wenn man merkt, dass man einen Text einfach auswendig gelernt hat, finden das Chinesen total geil. Auch damals im 4. Semester in Deutschland, wo ich 2 Vorträge für modernes Chinesisch IV halten musste, hab ich beide einfach knallhart auswendig gelernt und dafür das höchste Lob und eine 1,0 bekommen. Zwar sollte man finde ich eher recht flüssig und frei reden können, aber da ich das auch könnte und mir das Auswendiglernen von chinesischen Texten nicht sonderlich schwer fällt, kann ich es ja auch tun und mich dabei etwas besser dastehen lassen. :P
Nachdem ich den Text einige Male vormichhingesprochen hatte, traf ich mich abends mit Yu Yan in einem Cafe/Restaurant. Dort haben wir uns erstmal ein Weilchen über meinen Urlaub unterhalten und darüber, wie sehr ich es vermisst habe, tagelang in der Natur zu sein. Wie ich es erwartet und oben auch bereits geschrieben habe, konnte sie meine Freude nicht zu 100% nachvollziehen. Sie meinte 1 2 Tage hätten gereicht und wären schön gewesen, dann wäre es aber schon wieder langweilig geworden… Nagut. Ich bin ganz froh darüber, mit einem anderen Deutschen in den Urlaub geflogen zu sein, mit einem Chinesen wäre dieser Trip höchstwahrscheinlich nicht möglich gewesen/schön geworden. Wir haben noch ein bisschen weitergeredet, wie es ihr so ging (gut, in der Uni mega stress, normal), wie es mir so ging (gut, Uni langweilig, erkältet) und uns dann Essen bestellt. Danach war der Plan dort ein paar Filme auf ihrem Laptop anzugucken, den sie mitgebracht hat. Beide Filme waren chinesischer Herkunft und eigentlich bin ich wenig an chinesischen Filmen interessiert. Meist finde ich sie kitschig, unglaubwürdig, verblendet und vom Inhalt her eher flach. Das hat aber einen Grund. Chinesen haben ein unheimlich schweres Leben. Von Grundschule bis Beruf gibt es ständig Einstufungstests, es herrscht ununterbrochener Druck von den Eltern, den Lehrern, in der Schule, der Uni, dem Chef und so wollen Chinesen, wenn sie schon mal Freizeit haben eher etwas lustiges ansehen, das ihren Geist nicht strapaziert. Keine ernsten Themen, keine nicht-Happy-End-Filme, keine Filme, in denen Leute versagen, leiden, Liebesschmerz haben oder irgendetwas nicht perfekt ist. Das mag schon alles logisch und gerechtfertigt sein, ich finde aber, dass es dennoch mehr geben soll, was auch das wahre Leben wiederspiegelt und nicht immer nur perfekte, wunderschöne Menschen, die 12-jährigen-Humor-Klischees bedienen, das perfekte Leben leben und am Ende immer genau das kriegen, was sie wollen. Nun ja, so viel mal dazu. Der eine Film war über einen reisenden Manager einer großen Firma, auf dessen Reise durch China zu seiner Frau alles mögliche schief geht und er dabei stets von einem Landarbeiter begleitet wird. Tatsächlich war der Film ganz amüsant. Der 2. Film hieß 撒娇女人最好命 und heißt so viel wie „flirtende Frauen leben das beste Leben“. 撒娇 (sajiao) heißt wörtlich übersetzt „sich wie ein verwöhntes Kind benehmen“ und ist GANZ GENAU DAS, worauf Kerle in China stehen. Mädchen, die mit Smollmund quängeln, im Babystimme mit Babysprache sprechen und den Jungs kleine Taps-Schläge auf die Oberarme geben, wenn sie etwas haben wollen. Ich muss hier und jetzt ganz ganz deutlich sagen: ich bin so froh, dass ich schwul bin! Solche Mädchen wären das aller allerletzte, was ich je an mir haben wöllte. Ich würde immer am liebsten kotzen, wenn ich sowas hier sehe. Sorry für die harten Worte, aber wenn ihr das manchmal mit euren eigenen Augen sehen könntet, ihr würdet es versetehen. Jedenfalls geht es in dem Film um ein ganz und gar nicht derartiges Mädchen, das ihren Ex wieder haben will, der allerdings jetzt so eine Freundin hat. Ihre Freundinnen wollen ihr zeigen, wie man sajiao-t, sich also flirty wie ein Kleinkind benimmt. Und auch, wenn ich jedes mal die Macke kriege, wenn ich das sehe, ist der Film wirklich zum Totlachen. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich diesen Film mit meiner Familie angucken, um ihnen zu zeigen, wie es hier ein Jahr lang war und sie werden verstehen. Ich stelle mir jetzt schon das Gesicht meiner Schwester vor wie sie brechen will. :D
Nachdem die Filme zu Ende waren, quatschen wir noch ein Weilchen und ich machte mich danach wieder auf in Philipps Zimmer und lud mich mal wieder freundlich selbst für die Nacht ein.

Am Freitag hatten wir unseren Vortrag, der, wie zu erwarten war, viel Gefallen von unserer Lehrerin fand. Wie gesagt, sie liebt Deutschland und besonders Philipp und mich. Kann man nix machen, haha! Die anderen Vorträge waren auch recht interessant und Theman waren beispielsweise die Arm-und-Reich-Spanne in China oder persönliche Probleme in China. Nach der Uni ging ich mit Philipp wieder Jiaozi essen und schrieb Li Ke dann mal ne Nachricht, ob sie mir helfen kann, einen anderen Chinesen zu finden, der auch Deutsch lernt. Als Jindi Beijing verlassen hat, habe ich sowohl eine meiner sehr wenigen Freunde (sie war eigentlich meine engste Freundin zu der Zeit) und meinen Sprachpartner verloren und ich hatte/habe das Gefühl, dass ich in den letzten Wochen sehr wenig Chinessich gesprochen habe. Alle haben kaum Zeit, nur Unistress. Außer Li Ke, die halt irgendwie doch „zu Philipp gehört“ und Yu Yan hatte ich kaum noch chinesische Freunde, mit denen ich öfters mal was mache. Jingning ist total raus, sie hechtet von einem Bewerbungsgespräch zum nächsten; Lanxi, meine „Buddy“ meldet sich kaum noch und muss ständig mehrere Hausarbeiten schreiben und hat andauernd Prüfungen. Jindi ist weg, mit Weilin habe ich nie wirklich viel unternommen und die Geschichte mit den Koreanerinnen in meinem Kurs hat sich über die Monate ja auch eher im Sand verlaufen. Ihr seht, auch in China, umgeben von Chinesen, ist es recht schwer, chinesische Freunde zu finden, wenn man eben getrennt wohnt, getrennt studiert und die chinesischen Studenten unfassbarem Druck ausgesetzt sind. Li Ke verstand ziemlich schnell was los ist und war darauf hin sehr gewillt, mir zu helfen. Ein paar Stunden später gab sie mir einen Kontakt auf Weixin/WeChat und ich fügte den fremden Jungen hinzu. Der Kerl, der seit diesem Tag zu den wenigen Personen zählt, die ich hier Freunde nennen würde, heißt Li Yuan 李源, ist 20, studiert im 2. Jahr Deutsch, ist der Tutor seines Kurses und war mir von Anfang an super sympathisch. Ke meinte noch, er habe die besten Noten in seinem Deutschkurs. Sein Deutsch ist auch wirklich ganz gut. Von dem Tag an haben wir eigentlich stetigen Kontakt und ich bin Li Ke sehr dankbar dafür, dass sie mir geholfen hat! Den rest des Tages habe ich das 2. Hunger Games Buch zu Ende verschlungen und das dritte angefangen, mich abends mit Hyun-Soo und Philipp zum Abendessen verabredet (was sehr sehr schön war, somal man Hyun-Soo selten bis nie mal alleine antrifft) und danach nichts mehr großartiges unternommen. Gelesen halt.


TAG 118 Samstag 20.12.2014 bis TAG 121 Dienstag 23.12.2014

Schnell schnell weitermachen. Keine Lust mehr. :D
Samstag lass ich jetzt mal ganz raus, denn da lief außer Essen gehen, Blogtext anfangen, mit Li Yuan schreiben und lesen wirklich gar nichts. Ach ich hab noch ein Stück mit meinen Eltern geskypt, was sehr schön war. Wie immer! :*

Am Sonntag hatte ich mich dann mal halb 12 mit Li Yuan zum Essen verabredet. Zwar ist er auch recht busy, weil er viele Kurse hat, aber zum Essen ist er wenigstens noch sehr gewillt und er meinte, wenn wieder mehr Zeit herrscht und die Prüfungen vorbei sind, machen wir mehr. Irgendwie haben Chinesen immer mal Prüfungen. Naja, jedenfalls gingen wie .. tadaa .. zum 饺子大王 (Jiaozi Dawang, Name meines geliebten Jiaozi-Restaurants). Wir verstanden uns persönlich genauso super wie auch beim Schreiben und sind ganz gut auf einer Wellenlänge. Wir führten das obligatorische Gespräch, das ich immer mit Chinesen führe, wenn ich das erste Mal mit ihnen essen gehe: mein Vegetarismus. Er selbst hatte noch nie einen Vegetarier kennengelernt und fand es ganz sehr interessant zu erfahren, warum man denn kein Fleisch, keinen Finsch und keine Meeresfrüchte/-getiere essen will, bewunderte meine Entscheidung aber. Er stellte sich das unheimlich schwer vor, in China Vegetarier zu sein und dachte, dass ich nie was zu Essen kriege, aber man kann ja Gerichte ohne Fleisch usw. bestellen, außerdem gibt es schon einiges vegetarisches überall. Zwar ist meine Auswahl auf dem Campus schon mittlerweile recht begrenrt, aber noch ist es halbwegs okay. Wir haben uns über sein und mein Studium unterhalten und ich hab erfahren, dass er genau zu der Zeit, in der ich zurück nach Deutschland fliegen werde, auch nach Deutschland fliegen wird. In seinem 3. Studienjahr wird er nämlich, genauso wie ich, ein Jahr im Ausland verbringen und er hat die Wahl zwischen Köln, Tübingen, noch irgendwas und LEIPZIG. Ich legte ihm ganz dezent Leipzig ans Herz: „Geh auf jeden Fall nach Leipzig!!!“ Ich erfuhr, dass er eine Freundin hat, ließ meine Homosexualität aber erstmal noch aus dem Spiel und werde damit bis zu einem späteren Treffen warten. Ansonsten ist es so gewesen, wie es immer ist, wenn ein Deutscher, der Chinesisch lernt was mit einem Chinesen macht, der Deutsch lernt. Man tauscht sich aus. Wie sagt man dieses, wie sagt man jenes, gibt es so eine Redensart auch bei euch und und und. Sehr sehr angenehm und witzig war es mit ihm. Wir teilten uns die Rechnung, quatschen auf dem Heimweg noch über das teure Leben, das ihn in Deutschland erwarten wird und als wir bei meinem Wohnheim angekommen waren, gingen wir eide unserer Wege. Ich schaute auf dem Weg nach oben wie so oft bei Philipp vorbei, störte ihn wie so oft ein paar Minuten lang in seinem Vorhaben, irgendwas zu tun und ging dann hoch auf mein Zimmer. Danach habe ich ein wenig mit meinem Vater geskypt und mich für den 26.12. mit ihm und meinen Großeltern zum Weihnachts-Skypedate verabredet. Nach ein paar Hausaufgaben und anderen Gammeleien ging ich runter zu Philipp, der gerade dabei war mit Li Ke den coolen sajiao-Film anzugucken, den ich am Donnerstag mit Yu Yan angeguckt habe und nachdem der Film endete und wir (ich wieder) köstlich gelacht haben, wollten wir Essen gehen. Es kam wie es kommen musste Jiaozi Dawang 2.0 war angesagt. War mir herzlich egal, dass ich mittags schonmal da war, denn es darf auch gern 2 Mal am Tag besonders lecker sein. :D
Beim Essen fragte Ke mich noch ein Weilchen darüber aus, ob ich denn finde, dass ich hier zu wenig Freunde hatte. Wie ich schon sagte, schien Li Ke meinen Hilferuf nach einem neuen Freund richtig verstanden zu haben und wusste, dass ich mich ein klein wenig freundlos fühle. Ich erklärte ihr, dass es einfach sehr schwer ist, eine Freundschaft aufzubauen, die sie und Philipp mittlerweile haben, denn für gewöhnlich hat einfach kein Chinese genu Zeit dafür. Ke allerdings macht unter der Woche jeden Tag bis in die Nacht Hausaufgaben und ackert die Wild, dass sie 2 3 Mal in der Woche/am Wochenende Zeit hat. Viele andere machen das auch, sie wohl aber noch ein Stündchen länger. Naja, viel machen konnte sie da auch nicht und so mussten wir unser Gespräch mit ein paar aufwunternden Worten ihrerseits und einem mulmigen Gefühl meinerseits beenden. Aber es war/ist schon okay. Ich schreibe so viel es geht auf Weixin, treffe ab und an mal jemanden und in der Uni/im Alltag redet man ja auch oft Chinesisch. Es ist halt wie es ist, man kann da wirklich nicht viel ändern. Wir gingen dann wieder heim und ich recht schnell ins Bett.

Montag gab es mal wieder einen ultraschweren Test in 阅读 (Lesen) und 精读 (Grammatik) war so lala. Nach der Uni verbrachte ich meinen Tag damit Hausaufgaben zu machen, diesen kolossalen Blogtext weiterzuschreiben und ein paar Postkarten wegzuschicken, die ich im Laufe der letzten Wochen geschrieben habe. Ich muss echt sagen, dass ich es gar nicht leiden kann, Postkarten zu schreiben. Meist ist mir nichts vernünftiges eingefallen und ich entschuldige mich hiermit bei einigen dafür, dass sie wahrscheinlich icht alles lesen können bzw. der Inhalt der Karte nur mäßig interessant ist, aber die Geste zählt doch, oder? ;) Nun ja, ich habe so ziemlich jedem eine Karte geschickt, der mir wichtig vorkam und so sind es insgesamt 15 Karten nach Deutschland und eine innerhalb von China gewurden.

nur, um mal zu symbolisieren, wie viel ich da habe schreiben müssen.
kann sicher kein einziger mehr lesen :D

na, was denkt ihr, kriegt ihr eine und wenn ja, welche wird eure sein? ;)

Abends habe ich dann noch ein Weilchen mit meinem geliebtesten Bruder und seiner Frau geskypt und bemerkte, nachdem das vorbei war, dass mich in den letzten Tagen ein Gefühl angreift, das mir nicht gefällt – Heimweh. Ich will zurück nach Hause. Ich vermisse es manchmal extrem, mit meinem Fahrrad die Karli in Leipzig entlang zu fahren, mit meiner Schwester superblöde Witze zu reißen, in meinem Bett in Leipzig zu schlafen und frühs die Vögel zu hören. Ich ging zu Philipp um ein bisschen meines Kummers abzulassen und er munterte mich so gut es ging auf. Das ganze liegt unbestreitbar daran, dass Winter ist. Es ist Winter, die Tage sind kalt und kurz, es ist ständig dunkel, ich habe hier öfters wenig zu tun und dann ist da ja vorallem noch Weihnachten. Weihnachten, was hier eigentlich gar nicht ist, man aber weiß, dass und vorallem WIE es daheim ist. Dass alle auf den Weihnachtsmarkt gehen/gingen, überall Räucherkerzchen glühen, Pyramiden stehen, Lichterbögen, der ganz gewisse Duft von Weihnachten. Und hier … hier ist halt gar nichts. Hier ist Uni, Smog, Alltag. War schon wirklich nicht schön, so ein gefühl, vorallem wenn man weiß, dass man innerhalb der nächsten 7 Monate nicht dahin zurück kann, aber ich denke, sobald Weihnachten und Neujahr vorbei sind, wird das besser. Dieses Weihnachten muss nur vorbeigehen...
Abends war dann nichts mehr los.

Am Dienstag wurde die Lobby unseres Wohnheimes dezent wie immer geschmückt. 
 
FROHES NEUES! fast.
Super schick fand ich das. Das Bild zeigt natürlich fast nichts, aber so toll war die Deko jetzt auch nicht, dass ich mitten in der Lobby stehen bleibe und vor den ganzen Leuten diesen Mist fotographieren wollte. Der Tag vor Weihnachten war an sich auch noch nicht wieder all zu aufregend. Ich hebte Geld ab, klärte mit Sun Jingli die genaue Zeit ab, in der meine geliebte Verlobte Johanna zu mir kommen kann und ging einkaufen.

der Zettel wird jetzt denen, die kein Chinesisch können, wenig sagen, aber es geht nur kurz darum: der zwangsläufige, offizielle Nachweis, dass Verwadschaft o.ä. vorliegt, muss vorgelegt werden, wenn die Person ankommt. theoretisch ist ja Verlobtsein da nicht genug und so hat mir Sun Jingli einfach ein paar Worte auf die Rückseite eines Schmierzettels geschrieben.
der Zettel sagt in etwa folgendes:
"von xxx bis yyy hier, bleibt 4 Tage, bei Student in A1112, Verlobte, erlaubt"
das nennt man hier offizielles Schreiben :D


Nachmittags, also noch recht früh in Deutschland, hat sich dann auch die 4. der 4 wichtigsten Personen in Deutschland Zeit zum Skypen nehmen können – meine Schwester. Somit hab ich vor Weihnachten nochmal meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder und meine Schwester „gesehen“. Annelie und ich skypten wieder mal ausgelassen und haben über alles mögliche gequatscht. Und Quatscht gemacht. Ganz wie immer halt. Ich freue mich natürlich bei jedem ganz sehr, wenn wir skypen, aber mit meiner Schwester ist es immer ein ganz ganz ganz kleines bisschen lustiger. Ausgelassender irgendwie. Wir beide waren und sind auch trotz 12 Jahre Altersunterschied eigentlich immer ziemlich genau auf einer Wellenlänge und ich denke die stimmt total zu wenn ich sage, dass sie diejenige in meiner ganzen Familie ist, mit der ich am besten und witzigsten Spaß haben kann. Nachdem sich meine Schwester wieder dem vorweihnachtlichen Treiben widmen musste (dieses jahr findet/fand zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten nicht bei meinen Eltern sondern bei ihr statt, weil meine Schwester und ihre Frau ja jetzt ein kleines Baby bei sich hatten und es so leichter war), bekam ich noch ein Bilchen von ihr gesendet und dann war sie auch wieder weg. Das Bild gibt es hier. Ich denke meine Schwester wird kein Problem damit haben, wenn auch mal meine Nichte hier in dem Blog erscheinen wird.

das ist sie: die kleine B. Michael. nein, nennen wir sie lieber Baby M.

Abends haben Philipp und ich mal wieder unten in der Gemeinschaftsküche vom 10. Stock Nudeln gekocht und uns am selbst zubereiteten Essen ergötzt. Den Abends über verbrachte ich ausschließlich damit, oben in meinem Bett zu sitzen und zu lesen, während ich mit Leuten auf Weixin geschrieben habe. Da für Weihnachten erst ab Nachmittag ein Plan anstand und ich Heiligabend ganz sicher nicht in die Uni gehen würde, konnte ich an dem Abend auch etwas länger auflbeiben und so las ich und las ich und las ich, bis ich bemerkte, das es hier schon Mitternacht war. Dann mal frohe Weihnachten! Gleich mal an alle wichtigen ne Rundmail geschrieben. Auch an meinen Familienchat schrieb ich und wünschte alles dort „aus der Zukunft frohe Weihnachten“. Dort war es ja, wenn es hier 24 Uhr ist, erst 17 Uhr. Am 23. Dezember. Ich fands lustig und aus verlässlichen Quellen (meine Schwester) weiß ich, dass es meine Schwester zum Beispiel auch lustig fand. Ich hab noch ein wenig im Bett rumgegammelt, gelesen und dann bin ich runter zu Philipp.


TAG 122 Mittwoch 24.12.2014 – WEIHNACHTEN

Philipp und ich haben es uns gegönnt, auszuschlafen. Als wir dann aufwachten, merkten wir, dass es aber shcon halb 12 war. Oh. Das war dann schon ein bisschen sehr sehr spät. Ich stand auf, ging duschen, zog mich an und dann gingen wir erstmal runter und nebenan Mittag essen. Danach bin ich wieder hoch, hab mich nochal ein bisschen hingelegt und habe gelesen. Das Wetter an dem Tag war sehr unweihnachtlich. Sonne, kaum Wolken und vorallem: kein Smog. Die Luft war super gut und auch wenn das Wetter nicht weihnachtlich war (außer sehr sehr kalt), so war es doch besonders gut an dem Tag.

 
Gegen dreiviertel 3 haben Philipp und ich uns mit Ke getroffen, vorher hat sie Philipp aber noch ein paar kleine Geschenke für ihn und mich mitgegeben. Das war mir fast ein bisschen unangenehm, weil ich für gar niemanden was besorgt habe, einfach weil ich es viel zu kompliziert finde, hier was kaufbares zu finden. Zwar ist Beijing riesig und es git sicherlich massenhaft Zeug, aber eben genau weil die Stadt so groß ist, ist es total schwer und zeitraubend, einfach mal irgendwo hinzugehen und rumzugucken. Naja, so war es halt. Wir trafen uns unten, wünschten uns frohe Weihnachten und dann, nachdem wir uns um 15 Uhr mit Yu Yan am Osttor der Uni getroffen haben, machten wir uns zu 4. mit der U-Bahn auf zum ersten der 2 Programmpunkte des Tages. Wir wollten nämlich einem christlichen Gottesdienst beiwohnen. Zwar bin ich und auch Philipp zu 100% Atheist und ich glaube kein Wort von dem, was in der Bibel steht, aber auch wenn ich es in Deutschland manchmal nervig finde, in die Kirche zu gehen, so machen wir es doch jedes Jahr und für mich ist es ein großes Stück Weihnachtstradition. Wir suchten uns eine Kirche aus, die recht nahe an unserem Campus gelegen ist, sah sie doch auch unfassbar geil aus.


Ich stellte es mir schon ganz toll vor: ruhig und gesittet wie immer, innen trotz futuristischem Aussehen kirchlich und traditionell, die Predigt sanft und die Atmosphäre weihnachtlich und liebevoll. Dumm. Zwar ist China wirklich auch manchmal schön, ruhig und entspannend (siehe Urlaub), aber zu erwarten, dass an einem mehr oder minder großen Event in China etwas ruhig und sanft abläuft bzw. überhaupt so abläuft wie ich es mir in meiner deutschen Vorstellung ausmale, ist wirklich jedes Mal ein Fehler. Nicht nur sah die Kirche weniger krass aus als auf dem Bild (eher nur recht dreckig), sondern war auch nicht mal ein Gottesdienst angesetzt, wie es im Internet stand.

Ho Ho Ho!
futuristische Kirchen. ob sowas in Europa Fuß fassen könnte?












Und meist strahlen Kirchen in Europa/Deutschland ja auch so eine gewisse Stimmung aus. Irgendwie friedlich und still eben, aber auch das war natürlich in China totaler quatsch. Die Kirche war vollkommen abgesperrt, man hätte für einen Gottesdienst 2 Stunden später Eintrittstickets kaufen müssen und neben der Absperrung standen schon ganze 40 gleich schwarz uniformierte Männer parat, die wohl sowas wie Security waren. Nebenan dröhnter kitschige Weihnachtsmusik der chinesischen Art und IN der Kirche selbst war noch ein Café eingebaut. Man konnte also nicht mal wenigstens so einfach in die Kirche gehen, sich setzten und umsehen oderso. Wit standen dann länger vor der Kirche in der brutalen Eiseskälte und haben gewartet während Yu Yan und Li Ke mit ihren Handys nach einer anderen Kirche suchten, die zu einer passablen Zeit einen christlichen Gottesdienst halten würde. Indessen kamen die 40 jungen „Security“-Männer in ihren viel viel viel zu großen Uniformen alle 2 3 mal an uns vorbeimarschiert und jeder, wirklich jeder, starrte mich an. Nicht wirklich das, was ich mir unter Weihnachtsstimmung vorgestellt habe: frieren, mich anstarren lassen, nervtötende Musik und keinen Plan. Aber naja. Es ist halt China und nicht Deutschland. Dass das Fest jetzt nicht vergleichbar werden würde, wusste man ja eigentlich. Nach so 15 Minuten hatten die Mädchen einen Plan gefasst und wir gingen zur U-Bahn zurück. Wir fuhren ungefähr eine Stunde durch die halbe Stadt und dann, 2 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes fanden wir sie: die kleine Kirche. Begehbar, Eintritt frei, den Umständen entsprechend ruhig und nur ein klein wenig überlaufen. Die Kircher war komplett steinern und irgendwie grau. Viel davon gesehen haben wir nicht, denn es ging bald los und wir wurden schnell in einen Keller geführt. Halt, Keller? Ja, Keller. Oben, wo der Pfarrer stand, der Chor, die Instrumente und die Blumengestelle waren alle Sitze schon längst vergeben und so mussten mehrere Hundert Leute in den Keller und die Predigt dort verfolgen. Der Keller war komplett weiß. Weißer Boden, weiße Wände, oben an den Decken massig Neon-LED-Lampen, an den Wänden hingen alle 5 Meter Flachbildschirme, die das Geschehen von oben übertrugen. In dem Keller ausgestellt waren überall Kirchenbänke und nachdem wir irgendwo Platz genommen hatten, ging es auch gleich los. Die Predigt, die Lieder und alles überhaupt war natürlich auf Chinesisch, die Predigt in der 1. Kirche wäre chinesisch und englisch gewesen. Man stand auf und sang erstmal 2 Weihnachtslieder, auf den Bildschirmen der Text. Weihnachtskaraoke. Konnte natürlich nicht sonderlich viel mitsingen, habe es aber versucht und es gefiel mir. Dann kam eine lange ich glaube Danksagung an alles mögliche und bei Lust und Laune durfte man 阿门 (amen, Amen) rufen. Danach setzte man sich und verfolgte die Predigt, die der deutschen mit sicherheit sehr ähnlich, aber eben auf Chinesisch war. Der Pfarrer zitierte die Bibel und verlas die Geschichte von Maria und Joseph. Danach konnte man dem Chor ewig dabei zusehen, wie er singt. Ganz viele christliche Weihnachtslieder. Als dann Stille Nacht, Heilige Nacht auf Chinesisch gesungen wurde, konnte ich das erste mal ein klein bisschen der Stimmung fühlen, die ich auch empfand, wenn in Deutschland Weihnachten ist. Man saß in den Kirchenbänken, hörte die besinnlichen Lieder und entspannte sich ein wenig. Das hat mir doch noch ganz gut gefallen dort, auch wenn die Umgebung und überhaupt alles an dem Gottesdienst total anders war. Um 6 mussten wir dann leider verfrüht gehen, da wir um 7 einen Tisch in einem deutschen 5-Sterne-Restaurant gestellt haben – Programmpunkt Nummer 2.
Daußen war die Kirche mit sam Weihnachtsbaum schön beleuchtet und ich gönnte mir eine Minute einfach nur dazustehen und mir das schöne Bild anzusehen.

der super stimmungsgeladene Keller der Kirche, von dem aus wir die Predigt
verfolgen konnten - schick schick.

und hier die Aussicht von unserer Bank. ebenso schick. :D

das hingeben war wirklich schick und gefiel mir sehr :)

Wir fuhren die mittlerweile nicht mehr so weite Strecke zum Kempinski Hotel in dem das deutsche Restaurant war und kamen so gegen kurz vor 7 an. Das Restaurant „Paulaner Brauhaus“ sah wirklich dekatent aus. Alles hat edel geglänzt und inmitten des Lokals befanden sich bronzene und goldene Bräukessel, in denen das Bier nach original deutscher Brauart hergestellt und/oder gelagert wird. Die Speisekarte habe ich mir vorher schon von Philipp im Internet zeigen lassen und die Preise waren nicht ohne. In Deutschland wäre das auch schon recht teuer gewesen, für chinesische Essensverhältnisse aber war das schon eher unsagbar teuer. Ein halber Liter Bier 60 Yuan (ca. 6 €), ein Fleischgericht ab 100-200 Yuan (12-25 €) und Nachtisch für 100 Yuan. Schon definitiv das mit abstand teuerste Lokal, das ich in China und wohl auch in Deutschland je betreten habe, aber da das Essen hier sonst so billig ist und es immerhin Weihnachten war, konnte man sich das schonmal leisten. Die Tische waren mit recht viel Dekoration überhäuft, zwischen den Hüten und lärmmachenden Partyutensilien entdeckten wir aber noch ein kleines Körbchen mit Brezeln und 3 Schwarzbrotscheiben. Ein Glück, dass Chinesen Schwarzbrot nicht mögen (sie finden es viel zu hart und meinen daher, es sei schon ganz alt), das konnten Philip und ich uns das Brot alleine reinziehen. So lecker! Wir haben es so vermisst. Schwarzbrot. Hätte nur noch eine dicke Scheibe guter Käse gefehlt, dann wäre es perfekt gewesen. Wir bestellten dann erstmal alle ein Bier und dann Essen. Ich und Philipp hatten ja als Vegetarier nur eine sehr sehr eingeschränkte Wahl. Das deutsche Essen, das so bekannt ist, dass man es weltweit verkauft, ist eben meist sehr stark fleischlastig und so konnten wir zwischen ungefähr 4 Gerichten wählen, was aber auch okay war. Wir nahmen beide den fetten Kartoffelrösti mit Salat, Tomaten und Röstzwiebeln und ich bestellte mir noch Kartoffelbrei und Philipp sich Spätzle dazu. Der Zusatz kostete auch gleich mal 40 Yuan, aber man gönnt sich ja sonst nix! Das Bier kam und war absolut geil. Auch Ke und Yan gefiel es sehr gut. Dann kam auch das Essen recht fix und nachdem Ke ihren Schock überwunden hatte, wieviel Fleisch die bekommen hat (sie bestellte Kasseller mit Sauerkraut und Kartoffelbrei), haben wir mit dem Essen begonnen. Es war so köstlich. Zwar hat beim Kartoffelbrei ein wenig Salz gefehlt und irgendwie hatte keines der Speisen Soße, was Philipp und ich recht eigenartig fanden, aber ungeachtet dessen war das Essen wirklich ziemlich ziemlich gut. Sehr deutsch und sehr heimatlich hat es geschmeckt. Wir aßen und voll bis nichts mehr reinging. Eigentlich wollte ich mir noch so ein sündenkrachteures Dessert leisten, aber ich konnte einfach nicht mehr. Nach dem Essen haben wir noch ein Weilchen dort gegessen, erzählt und dann hauptsächlich nur noch bescheuerte Bilder und Witze gemacht. :D



BIIIIIIIIIER!

Yan und Ke und der umfunktionierte Weihnachtstischschmuck
Ke mit wunderschöner Krone und sexy Pose :D

hier mal ein wirklich schönes Bild... :D

so sah das Restaurant aus. super edel, ein deutscher Kellner in sexy bayerischer Tracht
und hinter ihm die mächtigen Bräukessel für das in China so beliebte deutsche Bier

endlich wieder Kartoffelbrei und Spätzle!

UND DEUTSCHES ESSEN - nom nom nom nom nom nom nom nom nom ............

nach dem Essen war dann wie gesagt der Ernst des Lebens
weg und alle spasteten rum :D

... auch ich musste mal mitmachen und finde, dass ich ganz schön heiß damit aussehe. :P
ein Gruppenbild musste es auch wieder geben.

Frohe Ostern!

Als wir genug vom Spaß hatten, forderten wir die Rechnung an und der Gesamt betrag belief sich auf fast 1000 Yuan, das sind in etwa 130 €. Jeder bezahlte seinen Anteil und ich bletterte 270 Yuan hin. Davon hätte ich sicherlich 2 bis 3 Wochen auf dem Campus essen können, aber wie gesagt, man muss sich auch mal was gönnen. :P
Wir machten uns dann mit der U-Bahn wieder auf den Heimweg und die Fahrte von Beijings Osten in den den Nord-Westen zu unserer Uni dauerte eine ganze Stunde. Juhu. Die Fahrt war relativ ereignislos und nur von ein paar Scherzen hier und da gespickt. Wir gingen alle nach Hause und kamen so gegen 10 Uhr abends in Philipps Zimmer wieder an. Dort packten wir dann die kleinen Geschenke aus, die wir von Lke bekommen haben. Er bekam einen 2-seitigen Brief (natürlich auf Chinesisch), ein Holzhäuschen, das schöne Musik machen konnte, einen schönen Anhänger und Kekse. Ich bekam eine chinesische Weihnachtskarte und folgende, wie ich finde, sehr niedliche Deko. Auch das Geschenk selbst war total schön eingepackt!! :)

Kes wunderschön verpackte Geschenke :)

sogar mit Herz

und das war drin. süß, ge? ;)





Philipp bekam dann doch noch ein kleines Geschenk von mir. Ein Kind. Haha, nein Quatsch. Heiligabend heißt auf Chinesisch 平安夜 (Pinganye, friedliche Nacht) und in China ist es ein kleiner Brauch sich an diesem Abend Äpfel zu schenken. Warum? Weil Apfel auf Chinesisch 苹果 (Pingguo) heißt und auch wenn das Schriftzeichen nicht exakt dasselbe ist, so ist das das Ping von Pinganye und das Ping von Pingguo annähernd gleich wenn ihr mal hinschaut. Und so schenkt man sich Äpfel. Also bekam er einen dicken fetten Apfel auf dem das Zeichen 宝 (bao, Schatz) draufstand. Toll, wa?

Gegen halb 11 bin ich dann nochmal hoch auf mein Zimmer, denn es fehlte ja noch ein Teil von Weihnachten. Eigentlich der wichtigste. Genau: meine Familie! Von der hörte man an dem Tag bis dahin noch kaum etwas, denn durch die Zeitverschiebung war es dort ja erst so gegen Nachmittag und da geht bei den meisten erst der ruhigere Teil los, weil man vorher noch mit Planung und Vorbereitung befasst ist. Ich machte mit meinem Eltern und Geschwistern aus, dass sie mich bei Gelegeheit auf mein Handy anrufen sollten, denn ich kann mit der chinesischen SIM-Karte nicht mehr ins Ausland telefonieren. Gegen halb 11 rief mein Vater mich an, wünschte mir frohe Weihnachten und erkundigte sich, wie mein Tag war. Nach ein paar Minuten wurde ich dann an meine Oma weitergereicht, denn ich meinte zu meinen Vater, dass er mich anrufen soll, wenn er bei ihr ist, dass ich sie auch gleich mal wieder hören kann. Das erste mal, seitdem ich ins Ausland gegangen bin war das, dass ich sie gehört habe. Wir quatschten ebenfalls ein paar Minuten und nachdem sie wieder beruhigt war, ging es weiter an die Frau meines Vaters und Endstation war nochmal mein Dad. Nach ein paar abschließenden Worten war das Gespräch beendet und keine halbe Stunde später rief meine Mutter und ihr Freund Bernd an. Auch wir wünschten uns frohe Weihnachten und redeten über den für mich bereits zum Edne gekommenen Tag. Da meine Mutter bei kostenpflichtigen Gesprächen immer gar nicht schnell genug auflegen kann, war das Gespräch nach 4 Minuten vorbei. Aber nicht so wild, man hört/sieht sich ja sonst auch und Hauptsache war ja, sich überhaupt mal auf diese Art gehört zu haben. :)
Gegen kurz vor Mitternacht Chinazeit rief dann auch mal meine Schwester an, da ihr auffiel, dass es hier ja schon etwas später sei. Das Gespräch war genauso schön wie mit den vorher schon gehörten Familienmitgliedern und im laufe der nächsten 17 Minuten wurde ich noch an die Frau meiner Schwester, meinen Bruder und dessen Frau weitergereicht und so hatte ich, 5 Minuten vor Ende des 24.12. noch alle meine engsten Familienmitglieder gehört und kurz gesprochen.
Ein wie ich finde best mögliches Ende für mein erstes Weihnachten getrennt von meiner Familie. :*


TAG 123 Donnerstag 25.12.2014 und TAG 124 Freitag 26.12.2014

Die beiden Weihnachtsfeiertage war im Vergleich zum 24. weniger los, weshalb ich sie zusammenfassen kann.

Am 25.12. hab ich mich wieder zum Mittagessen mit Li Yuan 李源 getroffen und es war wieder sehr witzig. Er hat mir erzählt, was er seiner Freundin, die übrigens am 24. Geburtstag hatte, geschenkt hat und ich erklärte ihm, dass es in Detschland total scheiße ist, um die Weihnachtszeit oder noch schlimmer an Weihnachten direkt Geburtstag zu haben. Weihanchten und Geburtstag sind denke ich für Deutsche die mit wichtigsten Tage, da feiert man mit der Familie gemeinsam, bekommt vielleicht Geschenke, die Tage sind einfach besonderer als der Rest. Hier in China, so meinte er, nennen das alle „Doppeltes Glück“, weil man an einem Tag die diesem auch noch Geburtstag hat, aber für Chinesen ist Weihnachten ja ziemlich unwichtig und spielt eigentlich absolut gar keine Rolle. Ich denke, wenn hier jemand zum Frühlingsfest Geburtstag hat, ist das auch scheiße, aber das Fest ist ja jedes Jahr wann anders. Nun ja, wir aßen köstlich auf dem Campus, ich wurde netterweise eingeladen (das heißt ich muss definitiv nächstes Mal einladen) und am Ende des Treffens betiteltern wir unsere Bekanntschaft mit „Sprachpartnerschaft beinhaltende Freundschaft“, denn wir bedie wollten einen neuen Sprachpartner, fanden es aber blöd, es nur darauf zu beschränken.
Den Rest des Tages habe ich hauptsächlich damit verbracht, diesen Blogtext um einen sehr großes Stück voranzutreiben. Ich hatte die Uni verpennt, die ich an dem Tag tatsächlich doch hätte besuchen wollen und hatte an dem Tag nichts weiter vor. Und da ich keine Lust auf Trübsal Blasen hatte, hab ich einfach Blogtext geschrieben. Bestimmt so 7 Stunden.

Dann, gegen 8 am Abend rief mich Philipp aufs Handy an und meinte, ich soll mal in die Lobby runter kommen. Ich wusste sofort, was los war: das Paket, das mir meine Mutter und meine Geschwister von über 6 Wochen geschickt haben muss da sein, Am 22.12. stand in der Sendeverfolgung dass es China erreicht hat und unten angekommen bestätigte sich meine Ahnung. Das Paket ist da! Ist das nicht ein unfassbar schöner Zufall, dass das Paket vor Wochen losgeschickt wurde, halb verloren geglaubt war, nur um dann ganz genau zu Weihnachten in meinem Wohnheim anzukommen? Ich habe mich so unendlich gefreut. Ein besseres Weihnachtsgeschenk hätte ich nie bekommen können. Zwar hatte ich gar kein wirklich Weihnachtsfeeling mehr (und auch eigentlich nie so explizit gehabt, weil es halt hier nirgends nach Weihnachten aussieht und nur die Datumsanzeige am Laptop halt nicht so ganz reicht), aber die Tatsache, dass es eben doch zu Weihnachten anka, war einfach toll ohne Ende.
Ich eilte bis über beide Ohren strahlend mit dem 8 Kilo schweren Paket in mein Zimmer und packte es sofort aus. Es war nie direkt als Weihnachtspaket gedacht, aber das war ja ziemlich egal. Ich machte es auf und war bei jedem Kleidungsstück, das ich mir wegen Kleidungsmangel von meiner Mutter habe nachschicken lassen, bei jeder weiteren Packung Schokolade so glücklich wie ich es noch nie war, als ich etwas ausgepackt habe. Auch kamen die 2 Packungen Käse und die 4 persönlichen Briefe, geschrieben von jedem Familienmitglied selbst, an. Wir hatten schon Angst, dass man den Käse und die Briefe entfernt hat, denn Anne, Philipps Schwester, hat, als sie ihm ein Paket geschickt hat, eine Liste bekommen auf der stand, dass man sowas wie Käse, prsönliche Nachrichten, Fleisch usw. alles nicht mitschicken kam. Umso schöner dann, als ich die 4 Briefe in meiner Hand halten konnte. Das Resultat des Paketes könnt ihr hier sehen: Schokolade, Lebkuchen, Fruchtgummi, selbst gemachte Kekse, ein deutsches Räuchermännel und -häusel, Räucherkerzen, Dominsteine, noch mehr Kekse, noch mehr Schokolade, der Käse, die 4 Briefe, die ganzen Kleidungsstücke, ein Adventskalender der mich sehr amüsiert hat (danke Mutti, genau mein Typ Mann :D), Creme, einen Schal und ein bisschen weitere Weihnachtsdekoration. Danke danke danke!

das schönste Weihnachtsgeschenk ever in nicht ganz so schöner Verpackung

und hier der Inhalt des Paketes! ach hab ich mich gefreut. über jedes einzelne Stück darin. soo toll!

wie ich mich jetzt die kommenden Tage vollfressen werde..... :D

Bevor ich die Briefe gelesen hab, hab ich mir nch schnell unten was zu Essen geholt und nach dem provisorischen Mahl habe ich mich den Briefen/Karten gewidmet. Es waren 2 von meinem Bruder, eine Karte von meiner Mutter und ein eine von meiner Schwester. Mein Bruder Adrian hat mir ein selbstgedichtetes, meinen Lebensumständen angepasstes Weihnachtsgedicht geschrieben das ich wirklich sehr witzig und süß fande. Der Brief den ich von ihm bekam war so voll mit lieben Worten und einer wirklich unfassbar schönen Geschichte, dass ich erstmal gleich losgeweint habe. Das war glaub cih das 1. mal, dass mich etwas von meinem Bruder direkt zum weinen gebracht hat. Meine Mutter schrieb eine ebenso schöne Karte und schrieb, wie stolz sie auf mich sei. Ach Mami... :):*
Annelie, meine Schwester, schrieb ebenfalls, dass sie stolz auf mich ist und dass sie es kaum erwarten kann, mit mir wieder blöden, kindischen Unsinn zu machen und sich mich sehr vermisst und die Tage schon halb am Zählen ist, bis ich wiederkomme. Ich vermisse und liebe euch alle auch über alles und kann es kaum erwarten, euch endlich wieder in real zu sehen, Leute! Meine Schwester schickte mir noch ein Bild von einem Fotoshooting ihrer Tochter mit, dass ich, wenn ich es richtig verstanden habe, als einziger bekommen habe. Auch die anderen fügten einige Bilder von den Hochzeiten mit, die im Sommer 2014 stattgefunden hatten und auf denen meine beiden Geschwister jeweils geheiratet hatten. Was für schöne Erinnerungen. Das ganze Paket, diese Worte, die Briefe, die Bilder. Noch nie hab ich so ein schönes Weihnachtsgeschenk bekommen und wurde so zu Tränen gerührt. Danke nochmal und ich bin auch im Herzen immer bei euch! :)
Nach der Auspackerei war dann den Abend über außer Blog weiterschreiben und lesen ncihts mehr los.

Auch am 26. habe ich fast ausschließlich nur den Blogtext weitergeschrieben. Vorher war ich noch in der Uni, weil ich mich langsam schlecht fühle, so viel zu „verpassen“. Auch kommenden Mittwoch werde ich wieder nicht kommen können, denn Johanna wird Mittwoch früh um 8 in Beijing ankommen und ich werde sie natürlich abholen. Donerstag, den 01.01. und Freitag haben wir dann mal 2 Tage frei. Den Sonntag darauf allerdsings ist natürlich wieder Nachholunterricht angesagt...
Nach der Uni haben Philipp und ich uns dann mal noch mit Anna getroffen, dass wir uns Weihnachten auch mal gesehen haben. Sie erzählte uns, was sie so die letzten Tage getan hat, wir waren im Jiaozi-Restaurant schnabulieren und nachdem wir wieder daheim waren, habe ich den Nachmittag und Abend wie gesagt damit verbracht, Blog zu schreiben. Vor Silvester muss da nochmal was passieren.
Ja, der Tag wirkt bis jetzt nicht so spannend, aber das Highlight kommt noch. Wegen Zeitverschiebung ist der Kontakt nach Deutschland ja eigentlich immer nur auf meine Abendzeit beschränkt, und so habe ich mich mit meinem Vater und mit meiner Mutter zum Skypen verabredet. Denn am 26. waren meine Großaltern und mein Onkel bei meinem Vater daheim und meine Geschwister mit Ehefrauen bei meiner Mutter und ihrem Freund daheim. Um 20 Uhr (13 Uhr Deutschland) rief mein Vater an und ich konnte meine Großeltern nun auch mal wieder sehen. Wir haben ein bisschen gequatscht und sie erkundigten sich genauer, wie es mir hier so geht. Freunde, Sprache, Erfahungen, Uni, Reisen, Essen, Heimweh – das waren so die Themen. Nachdem wir uns ausführlichst unterhalten haben, sind sie wieder gegangen und haben sich mit guten Wünschen und einer beruhigten Miene verabschiedet. Danach habe ich noch ein wenig mit meinem Vater geredet. Auch wenn sein Rechner ein Stockwerk weiter oben ist und er dort alleine saß, hat er sich die halbe Stunde Zeit genommen, zu Weihnachten auch mal mit mir zu reden, auch wenn er dafür seine Gäste mal hat sitzen lassen. Seine Frau war ja noch da. Ich jedenfalls fand es sehr schön von ihm, dass er sich die Zeit rausgenommen hat und hoffe, dass der Kontakt im folgenden Jahr etwas intensiver wird. Hab dich lieb, Paps. :)
Nachdem wir das Gespräch beendeten habe ich wieder fleißig Blogtext geschrieben und mich mit ein bisschen Kaffee wachgehalten, denn halb 12 Uhr nachts habe ich angefangen, mit meiner ganzen Familie zu skypen: mein Bruder und seine Frau Andrea, meine Schwester und ihre Frau Doreen, meine Mutter und ihr Freund Bernd. Wie jedes Jahr am 26.12. kommen die 3 Kinder zu unseren Eltern nach Hause und lassen das Fest bei Spaziergang, Spielen, viel Essen und ein bisschen Alkohol ausklingen. Da dieser Tagesablauf vergleichen mit dem 24. und 25. nicht allzu stressig ist, konnten sie es mal mit einbringen, alle gemeinsam mit mir zu skypen. Und das erste mal seit Monaten sah ich alle 6 zusammen wie sie am Tisch saßen, Quatsch gemacht und gelacht haben. Wir haben uns über die Weihnachtstage von ihnen und mir unterhalten und einfach mal „die Atmosphäre des Zusammenseins“ genossen. Ich hab es sogar geschafft, einen Screenshot von diesem seltenen Event zu machen!

zwar etwas unscharf, aber dennoch das wohl schönste Familienbild seit langer langer Zeit.
v.l.n.r.: Adi, Ea, Doreeni, Annelie, Mutti, Bernd. ich liebe euch und vielen Dank, dass ihr euch an dem Tag die Zeit genommen habt, mir die Möglichkeit zu geben, an Weihnachten doch noch bei euch sein zu können.
1000 Küsse !!

Auch wenn ich erst dachte, dass es mich sehr traurig machen könnte, alle zu sehen, wie sie gemeinsam im Wohnzimmer sitzen, umgeben von Weihnachtsdeko und schön bekannter Stimmung, muss ich doch sagen, dass es gar nicht so war. Ich hate viel Spaß wie immer von meiner Familie auf die Schippe genommen zu werden und Witze in die Runde zu schmeißen. Der Renner waren ein paar Penisschuhe, die meine Schwester zuvor beim Schrottwichteln bekommen hatte. Da ich mich, im Laptop sitzend, nicht wehren konnte, ergötzte sich Bernd alle 30 Sekunden daran, den rosa Plüschpenis, der auf dem Schuh angebracht war, direkt vor die Camera zu halten, sodass meine Sicht kurzeeitig weg war. Das fanden sie alle ganz witzig. Nachdem wir über eine Stunde „zusammengewesen waren“, beendeten wir die kleine Familienkonferenz und die anderen machten sich ans Abendessen. Ich, ziemlich müde da es schon um 1 war, ging direkt danach ins Bett.

Am darauffolgenden Tag, also dem Samstag, den 27.12. habe ich direkt nach dem Aufstehen den Blogtext weitergeschrieben. Gegen Nachmittag hlab 4 habe ich den Text zu Ende geschrieben und danach hat es mich nochmal weitere fast 6 weitere Stunden gekostet, all die Bilder hier einzufügen, zu platzieren, Unterschriften zu schreiben usw. Jetzt, nach ca. 4 Tagen Dauerarbeit ist es vollbracht und der Eintrag komplett.


Das war es. Mein Urlaub in der göttlich schönen Natur von Yangshuo, meine erste tragische Erkältung in China, mein 1. Weihnachten in China, mein 1. Weihnachten ohne Familie. Jetzt steht bald Silvester an, welches ich mit Johanna, Philipp und Stefan, der mittlerweile auch wieder mal in Beijing ist, verbringen werde. Danach kommen Mitte Januar schon die Prüfungen am Ende des Semesters und dann habe ich auch schon fast die Hälfte meines Auslandsjahres hinter mir. Beziehungsweise das erste der 2 Semester. Nach den Prüfungen habe ich 6 Wochen Ferien und Ende Januar, kurz vor meinem Geburtstag, werde ich ja wie geplant mit Jana nach Taiwan fliegen. Ihr seht, es wird also spannend und erfahrungsreich weitergehen und ich hoffe, ihr habt den Eintrag wieder genießen können, auch wenn er wie so oft etwas langwierig geworden ist. Ich bin nach wie vor nicht wirklich gewillt, sehr viel rauszulassen. Ich bedanke mich wie immer für die Leser und Leserinnen die interessiert genug sind, um bis zu dieser Stelle gekommen zu sein. Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt/genommen habt, um mein Leben hier in China weiterzuverfolgen und vielleicht das eine oder andere selbst noch dazuzulernen. 

Wenn es wieder Anmerkungen gibt, wie zB. zu viele Bilder, zu wenig Bilder, zu ausführlich, zu oft abgeschwiffen, bitte bitte (!) sagt es mir! Der Blog ist vorallem für euch, liebe Leser! :):) 


Ich liebe euch alle und hoffe, jeder einzelne von euch hatte ein schönes Weihnachtsfest, egal wo und mit wem. Weiterhin wünsche ich schonmal jedem einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffe, ihr könnt den Jahreswechsel genießen! Bis bald mal wieder und alles Gute an jeden von euch!

Euer Thomas.