Hey, Freunde.
Ich bins mal wieder. Also die ersten 4
Tage gingen wie erwartet schnell rum und es ist sehr viel passiert.
Dieser Blog könnte also länger werden. ;)
TAG 2
Nachdem ich den Schock des ersten Tages
und die erste Nacht den Umständen entsprechend überstanden hatte,
ging der 2. Tag los. Ich bin ziemlich früh aufgewacht, da der nette
Herr unter mir schnarcht die ein menschenfressendes Monster. Nachdem
ich den provisorischen Blogeintrag per Handy gemeistert hatte, ging
ich dann raus, war im Hostel frühstücken und halb 1 (wir wollten ja
eigentlich ausschlafen, aber Dank des netten Chinesen unter mir war
das nicht drin) habe ich mich mit Liu Tong, Philipp und Stefan
getroffen.
Wir fuhren dann zum Campus der Renda
(kurz für 人民大学
renmin daxue, Renmin Uni) und haben uns bei wie
immer 30°+ durch den Gebäudekomplex, der locker das Zentrum
Leipzigs in sich tragen konnte, führen lassen und obwohl ich die
Auslandsstudentenwohnheime (留学生宿舍
liuxuesheng sushe) nicht von innen gesehen
habe, muss ich sagen, dass der Campus sehr schön, still, gefüllt
mit Natur, Supermärkten, einer riesigen monumentalen Sporthalle,
Restaurants und und und ist. Das Hauptgebäude, in dem sich das
Fremdspracheninstitut, die Juristerei und viele große Fakultäten
befinden, könnt ihr hier im Bild sehen.
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| Hauptgebäude der Renda |
Anschließend waren wir dann noch in
einem der dortigen Restaurants und aßen zu 4. mit Getränk,
Hauptspeise und Nachtisch und bezahlten zusammen keine 80 Yuan, das
macht knapp 8€ für alle 4 – schöner Preis und zudem noch normal
hier. Danach fuhren wir zum 后海
houhai, einem
See umgeben von den 胡同hutong,
den traditionellen Wohngebieten Pekings, und vielen Restaurants, an
denen wir entlangschlenderten und es allerlei zu sehen gab.
Ein kleiner
Ausblick bietet sich euch auf dem Bild.
Abends waren
Stefan, Philipp und ich dann noch in einem vegetarischen Restaurant,
in dem es Essen gab, bei dem wir wirklich lange überlegen mussten,
ob es nicht wirklich Fleisch war. Aber die Chinesen haben es eben
drauf.. Danach voll und erschöpft ging es für mich wieder ins
Hostel, wo mich eine noch weniger tolle Nacht erwartete.
TAG 3
Dann
brach der dritte Tag an. Mit wenig Schlaf und leichten Verspannungen,
da die Matratzen hier hart wie Stein zu sein scheinen, machte ich
mich mit den Jungs auf den Weg zur 七九八
qijiuba, wörtl.
798, dem Künstlerviertel Pekings. Dort gab es Bilderausstellungen,
zum Teil vollkommen verdunkelte Hallen gefüllt mit abstrakten
Künsten, Filmen und Skulpturen, wie z.B. auf dem Bild hier.
Nachdem
wir uns dort aufgehalten haben, fuhren wir per Bus irgendwo hin, bis
wir spontan ausstiegen, um essen zu gehen. Auf dem Weg dahin hatte
ich einen kleinen Besuch auf der bisher ekelhaftesten Toilette meines
Lebens gehabt und nachdem wir aßen, fuhren wir zum Jingshan-Park
景山公园
jingshan gongyuan,
der ehemalige Kaiserpark, welcher mitten im Zentrum der Stadt liegt
und dennoch vollkommen still ist. Gegen abends wird dort gesungen,
getanzt, die Alten machen Sport oder üben mit Wasser und
überdimensionalen Pinseln Kalligraphie auf dem Asphalt.
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| solche Torbögen sind überall in der ganzen Stadt verteilt und an jeder halbwegs bekannten Ortschaft anzutreffen |
Im Zentrum dieses
Parks befindet sich der sog. Kohlehügel, welcher Aus der Erde
errichtet wurde, die ausgehoben wurde, um die Verbotene Stadt mit
einem Wassergraben zu umgeben. Oben angekommen, hatte ich einen
absolut überwältigenden Ausblick. Man konnte die gesamte verbotene
Stadt (ehem. Kaiserresidenz und zu sehen auf dem Bild hier) sehen.
Doch
nicht nur das: in alle Richtungen in die man blickte, konnte man das
Zentrum der 23-Millionen-Stadt bis zum Horizont sehen. Nahezu endlos
erstreckten sich massenhaft Hochhäuser. Alt und traditionell oder
neu, modern und gezeichnet von in Europa undenkbar ausfälliger
Bauweise. Geformt wie Eier, völlig schräge Stahlriesen und
dazwischen die Tempel des Kaisers und alles ist voller Leben. 3000
Jahre Geschichte treffen auf Modernismus und den Wandel der Zeit.
Kaum zu glauben, dass das nur ein winzig kleiner Anteil der gesamten
Stadt war.
Als es dann dunkel
wurde und die Stadt in Lichtern aufblühte, begaben wir uns dann nach
unten, gingen wieder mal essen. Ein Restaurant, in dem das 5-jährige
Ladenbesitzer-Einzelkind mit seinem Handy spielt, dass meins total in
den Schatten stellt, nebenbei die beschissenste
Kinderzeichentricksendung überhaupt auf voller Lautstärke guckt;
ein Restaurant, in dem es (wie in vielen anderen auch) 2 Karten gibt
– eine chinesische auf chinesisch mit normalen Preisen und eine
Ausländerkarte mit schlechtem Englisch und manchmal doppelt so hohen
Preisen. Denn hier wird man gerne mal verarscht, weil jeder denkt,
man kann eh kein Chinesisch und hat keine Ahnung von der Kultur, den
Preisen usw. Da muss man viel aufpassen. Haben wir. Dann ging es
wieder heim. Und DANN kam die Nacht die mich dazu veranlasste, mein
Hostel gleich am nächsten Tag zu wechseln.
TAG4
Heute schliefen
bereits alle 5 Mitbewohner vor mir – schwerer Fehler. Denn 3 der 5
haben so laut geschnarcht, dass es mich ganze 4 Stunden und
unheimliche viele Nerven gekostet hat, um gegen 4 halb 5 wieder
einzuschlafen. Bis 7, wo der der am lautesten war aufstand, sich
496573528402847 mal so widerlich wie möglich den Schleim der letzten
10 Jahre hochgeräuspert hat und dann mit irgendwas anderem
ekelhaften weitergemacht hat. Kurzerhand hab ich Philipp geschrieben,
er soll bitte nachfragen, ob sie bei sich noch ein freies Zimmer
haben – ich musste da weg. Weitere 6 Nächte waren einfach
undenkbar geworden. Das eklige Geräusper und Gerotze ist schon okay,
aber nicht mitten in der Nacht, die ganze Nacht durch, am nächsten
Morgen und das ununterbrochen. Philipp meinte, dass wir in ein
Dreierzimmer umziehen können, was ich dann auch gleich befürwortet
habe. Doch bevor ich umzog, hatten wir noch ein Date. Und zwar mit
Lai Zhijin.
Frau Lai ist die
ehemalige Leiterin des Konfuzius-Instituts Leipzig gewesen, bis sie
dieses Jahr in Rente und damit wieder heim nach Peking ging. Da
Philipp und Liu Tong dort arbeite(te)n und Stefan und ich dort mal
Praktikum gemacht haben, lud sie uns für Donnerstag zum Essen ein
und ich durfte zum ersten Mal erleben, wie ein chinesischer Haushalte
aussieht, wie das Familienleben abläuft und vor allem das Essen
daheim. Und es war: WAHNSINNIG TOLL. Es waren Freunde, Verwandte,
Arbeitskollegen, Bekannte (darunter eine Dozentin für chinesisch als
Fremdsprache (CAF), die Leiterin des Büros für CAF an der Renda –
also die Lehrer und Verantwortlichen für genau das, was ich hier
machen werde und somit perfekte Connections für Philipp und mich)
da, wir haben Geschichtsstunden von Liu Bobo (Frau Lais Mann)
bekommen, während Frau Lais Enkelkinder wie wild den Hund Harry
jagten, Frau Lai und die anderen Frauen die Jiaozi 饺子,
kleine Teigtaschen und eins von Chinas Spezialgerichten, zubereiteten
und alles wirkte so lebhaft. Erst hier bekam ich wirklich mit, was
das chinesische Familienleben bedeutet. Es klingt normal und
friedlich, ist aber völlig anders und nicht vergleichbar mit dem
europäischen Familienleben. Und ein weiterer wichtiger Höhepunkt im
Leben der Chinesen: das Essen!
Üppig, reichhaltig, ausgefallen und unglaublich lecker!
Üppig, reichhaltig, ausgefallen und unglaublich lecker!
Da die beiden
Jungens und ich alle Vegetarier sind, wurden die Jiaozi mit Spinat
und Tofu anstatt mit Fleisch gefüllt, es gab Bohnen mit Knoblauch,
Paprika mit Kartoffeln, Pilze mit Tofuhaut und nochmal Tofustreifen
mit Gurke und Koreander. Das Essen war einfach umwerfend. Wir wurden
von Liu Bobo permanent mit Bier versorgt und hatten ratzfatz 4 Gläser
weg während wir ebenfalls permanent mit Essen versorgt wurden. Wir
redeten über den Campus und die Wohnungen – immerhin saßen wir ja
direkt an der Quelle –, lachten über Harry der hungernd an unseren
Beinen klebte und vieles anderes. Nachdem das Gruppenevent beendet
war, räumten wir ab, ich wollte vor lauter Sättigungsgefühl mal
wieder sterben, es gab natürlich mehr Bier und Melone und am Ende
gab es noch ein Gruppenbild der ganzen Truppe (siehe Bild) und dann zogen wir
wieder unserer Wege. Die Boys heim, Liu Tong heim und ich auch –
packen.
| Da sind wir mit (v.l.) Frau Lai, Liu Tong, Frau You (der Lehrerin), Wang Chunyu (Mitarbeiterin im KI) und Frau Rong. Vorne Frau Wangs Kinder Emely und Jessica. |
Ich
checkte aus, bekam mein Geld wieder und bin zu Stefan und Philipp ins
Hotel gezogen. Im Regen. In der Rushhour. Bei 30 Grad. Hölle. Im
Hotel angekommen, empfing mich purer Luxus im Vergleich zu dem davor.
Wir packten aus und machten uns auf den Weg zur Sanlitun 三里屯,
einem Bezirk, der von Touristen und Ausländern (外国人waiguoren
oder 老外laowai
wie sie -und wir- hier oft
genannt werden) wimmelt und begaben uns in ein .. ja, was ist es? Ein
Ort, an dem man freies WLAN bekommt, Essen uns trinken kann; ein Ort,
der eine halbe Bücherei voller Romane ect. zur freien Verfügung
stellt und wo Lesungen gehalten werden und Bands spielen. Alles
zusammen also. Dort saßen wir dann und schrieben unsere Blogtexte.
Eigentlich wollte ich da schon bloggen, aber egal unter welchen
Internetbedingungen, Blogger geht nicht. Mein Internet ist also quasi
tot. Regt mich ziemlich auf, somal nicht mal der VPN-Client der Uni
geht. Nachdem unsere Texte halbwegs fertig waren, mussten wir dann
aber gehen... Kacke. Dann ging es heim und dann relativ zeitnah ins
Bett.
TAG 5
Ich schlief
erstmals richtig aus, wir aßen gemeinsam und haben uns dann um 2 mit
einer chinesischen Freundin von Stefan beim Himmelstempel 天坛tiantan getroffen.
Dort wurden
Himmelsopfer für den Kaiser, gutes Wetter, Ernten usw. gebracht –
ein riesiger Komplex an Plätzen, Toren, Straßen und Parks. Sehr
beeindruckend und wie immer voll toller Architektur.. und Menschen.
Mittlerweile war die Luft in Peking schon sehr schlimm geworden und
nach mehreren 100 Metern wurden die Bäume schon blassweiß und die
Hochhäuser waren nicht mehr sichtbar. Wir verließen den
geschichtsträchtigen Ort und nachdem wir uns klassisch deutsch
Kaffee und Kuchen gegönnt hatten, gingen wir auf die Qianmen Road
前门大街
qianmendajie, einer nahezu endlosen Straße,
voller Läden und deren Mitarbeiter, die mit Mikrofonen in die Massen
schreien und versuchen, mit lauter Musik Kunden anzulocken.
Wenn es dunkel wird, beginnt die Stadt meist erst richtig an zu leben. Die Lichter blinkten nahezu überall und es gibt keine ruhigen oder dunklen Orte mehr. Den Anfang der Qianmendajie und einen der leuchtenden Läden seht ihr hier.
Wenn es dunkel wird, beginnt die Stadt meist erst richtig an zu leben. Die Lichter blinkten nahezu überall und es gibt keine ruhigen oder dunklen Orte mehr. Den Anfang der Qianmendajie und einen der leuchtenden Läden seht ihr hier.
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| Beginn der Qianmen Road |
Dort waren wir dann
noch essen. Die ersten Tage war mir ja wegen der Nervosität und
wegen des Schocks nicht sonderlich nach essen, aber mittlerweile bin
ich hin und weg. Das essen, auch wenn die Auswahl als Vegetarier
relativ eingeschränkt ist, ist jedes mal ein Erlebnis und nicht zu
vergleichen mit dem europäischen. Gegen um 8 machten wir uns dann
noch auf den Weg zum Bookworm, dem All-in-One-Lokal vom vorherigen
Abend und lauschten, da wir wie immer ewig brauchten, um zu finden,
was wir gesucht haben, ganze 2 Minuten dem Bandkonzert, weswegen wir
eigentlich dorthin wollten. Wir tranken noch was und danach wollten
wir ein Taxi suchen. Geht eigentlich sehr fix in China, da wir uns
aber wieder im Touristen- und Partyviertel befanden und sich dort
bestimmt viele Leute sehr daneben benehmen, dauerte es eine ganze
Stunde, bis jemand anhielt und uns dann auch noch mitnahm und nicht
gleich wieder abgehauen ist. Während wir halb auf der Straße
standen und versuchten, die Taxen heranzuholen, wurden wir bestimmt
100 Mal von Fahrern von Schwarztaxen nahezu belästigt und gefragt,
wohin wir wollen. Schwarztaxen sind Fahrer, die illegal Leute
mitnehmen und ohne Taxameter Presie verlangen. Außerdem steigt man
ja eh nicht zu solchen Leuten ins Auto... Selbst, nachdem wir deren
Angebote mehrere Male ablehnten oder sie gar ignorierten, gingen
einige nicht weg und wir mussten manchmal härtere Töne anschneiden.
Doch es kam noch schlimmer.. während unserer Wartezeit auf der
Straße kam urplötzlich eine junge, betrunkene und verdrogte Frau
an, stellt sich vor uns und beginnt nach Stefan zu schlagen. Er und
ich wichen erstmal zurück, während Philipp die Frau versuchte
aufzuhalten und ehe es in einer Prügelei endete, hielten wir sie
fern und nachdem sie innehielt und uns ein paar Sekunden lang ansah,
warf sie Philipp eine Beleidigung an den Kopf und ging blindlings auf
die Straße zu und ging. Noch während uns der Schock der aggressiven
Frau in den Knochen lag, packte mich Philipp plötzlich und schubste
mich halb von der Straße. Ein Auto kam mit sicher 70 km/h direkt auf
uns zu und hatte nicht vor, auszuweichen. Zwar ist der Verkehr hier
ultra chaotisch und von Huperei durchzogen, die Leute achten aber
meist noch darauf, dass ein kleiner Notabstand bleibt. Wir wollten
nur noch weg und glücklicherweise kam dann auch noch ein Taxi, das
bereit war die 3 komischen Ausländer mitzunehmen.
Heute am Samstag
haben wir uns dazu entschlossen, mal einen Tag lang garnichts zu
machen. Auch deshalb, weil die Luft heute so schlecht ist, dass sie
als „very unhealthy“ eingestuft wurde. Innerhalb eines m³ ist
eine Konzentration von knapp 250 Schadstoffpartikeln PM2.5
aufzufinden. Ab ca. 300 wird einem empfohlen, das Haus nicht mehr zu
verlassen. Schon die Bäume auf der gegenüberliegenden Seite der
Straße verblassen straff und die Wohnhäuser einen Block weiter sind
schon halb weg. Das Atmen ist weniger schön und man denkt, man läuft
durch eine dicke Nebelwand. Abends gehen wir eventuell dennoch in den
Olympiapark, da wir dort sicher noch nettere Luft finden werden.
Gerade sitzen wir in der Bar des Hotels und ich schreibe meinen
Blogtext zu ende. Dann logge ich mich bei Philipp ein uns blogge von
da aus, da ich es bei mir ja nirgends kann. Hoffentlich wird das im
Wohnheim möglich sein.
Also dann Leute,
ich hoffe, ihr habt durchgehalten und hattet Spaß, euch die
Zusammenfassung meiner ersten richtigen Tage in Peking zu Gemüte zu
führen. Morgen will ich mit den Jungs und Jindi, der Bekannten von
Stefan, zur Großen Mauer fahren und Montag wollen Philipp und ich
zum Campus und nach einem Einzelzimmer für das Wohnheim Fragen.
Anna, unsere Kommilitonin und die Dritte, die in Peking studieren
wird, kommt bald auch noch an und was die anderen Tage so passiert,
wird sich zeigen.
Freut euch auf
mehr!
Liebe Grüße, euer
Thomas








du musst unbedigt mit mir in den bookworm gehen, wenn ich nach peking komme! viel spaß auf der großen mauer! liebe grüße von jana :)
AntwortenLöschenMACHEN WIR!
Löschensag mal, du hast doch in der ersten Oktoberwoche auch frei, oder? wollen wir uns treffen?
Thomas, SUPER BLOG! Macht richtig Spaß zu lesen was du so erlebst. Hoffe du lebst dich schnell ein und alles wird besser! <3 Kristina
AntwortenLöschendanke! freut mich, dass du ihn liest und er dir gefällt <3
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