Donnerstag, 16. April 2015

Grüße!

Uuuund weiters geht’s! Ich veröffentliche einen Teil, gönne mir einen Tag Ruhe und dann ergreift mich das schlechte Gewissen wieder. Also geht es jetzt gleich weiter mit meiner Rückkehr nach Peking und der Woche mit Philipp und Sabine, unserer Kurzreise nach Haerbin und mit dem Wochenende mit Jana und ihrer Mutter.


TAG 173 Samstag 14.02.2015

Nachdem ich wie zu erwarten mäßig toll geschlafen hatte, musste ich sehr früh raus, denn um 11 wollten Philipp, Sabine und ich (Sabine, um mal etwas Hintergrundwissen zu geben, ist Philipps beste Freundin und studiert in Leipzig Politik, woher die beiden sich kennen; sie kam natürlich wegen ihm nach China und da die beiden damit kein Problem hatten, schloss ich mich in den kommenden Tagen den beiden immer mal an) uns mit Li Ke und einer Freundin von ihr treffen und zu Mittag Essen. Ke hatte an dem Tag Geburtstag. Sehr früh raus, weil es ja erst ab 11 und nur bis 9 warmes Waser gibt und man ja duschen will.. Also, ich stand auf und traf ich völlig fertig mit den anderen in dem Restaurant. Wir speisten lecker und alle ließen sich darüber aus, wie braun und rot mein Gesicht sei und wie müde ich doch aussehe. Armer, armer Thomas. :(

Kes geburtstagstorte :)

und hier mal ein sehr interessantes Werbeplakat in der U-Bahn, was ich euch (denen, die kein Chinesisch können) gerne erklären wöllte: die ersten 3 Schriftzeichen sind die für Elefant 象, Tiger 虎 und Bär 熊. in jedem der 3 Zeichen sind Teile davon durch Blutstropfen ersetzt, was wohl für das Töten vieler Tierarten in China und auf der Welt stehen soll. das 4. Zeichen ist 人/Mensch, doch einer der beiden Striche fehlt, was wohl dann für das "Verschwinden" der Menschen stehen soll. darunter steht dann grob übersetzt "wenn der Elefant keine Zähne, der Tiger keine Knochen und der Bär keine Eingeweide mehr hat, was ist dann mit dem Menschen? was st mit der Menschlichkeit?". lässt sicher Platz für Interpretationen, aber ich fand das Plakat unheimlich gut und wollte euch das mal zeigen.


Wir quatschten ein wenig über meine Reise und Sabines Flug nach China und wie sie es bis jetzt hier so findet, dann aßen wir die oben gezeigte Geburtstagstorte und gegen 1 musste Ke dann wieder los. Deutschunterricht. Philipp und Sabine wollten noch zu 798 (Qijiuba, 七九八), dem Kunst- und Künstlerviertel Pekings und obwohl ich totsterbensmüde war, beschloss ich, mitzugehen. Die Fahrt mit Bus und 3 verschiedenen U-Bahn-Linien dauerte mehr als eine anderthalbe Stunde und war wie immer ein pures Vergnügen und zum Glück gar kein bisschen nervenaufreibend. Oder eng. Oder warm. Wir kamen also nach langem langem Fahren mit einer der neu eröffneten U-Bahn-Linien bei 798 an und dann liefen wir dort ein bisschen herum. Ich war ja ganz am Anfang schon mal dort gewesen und im Vergleich zu damals war es an dem Tag weniger spannend, denn da es mitten im Winter war und momentan Frühlingsfestferien waren, war vieles ziemlich leer, hatte zu und man konnte bedeutend weniger sehen. Mir war das ja egal, aber schade halt für Sabine. Interessant fand sie es dennoch.
Übrigens, wenn ich gerade den ausgestorbenen Zustand von 798 anspreche: Peking ist wie leergefegt. Über das Frühlingsfest fahren 99% der Chinesen nach Hause und feiern mit ihrer Familie und da Peking zu über 25% nur aus Zuwanderern besteht, befinden sich zur Zeit des Frühlingsfestes nur so 70% der normalen Menschenmasse in Peking. Vorteil: mehr Platz, bessere Luft, weniger Gedrängel, leiser, schöner. Nachteil: mind. 90% der Restaurands, Läden und Supermärkte machen zu. Auf dem Campus hat sage und schreibe gar nichts mehr auf. Kein einziger Supermarkt, kein einziges Restaurant. Das ist ein wirkliches Problem, da man ja sowieso schon immer raus muss, um zu essen.

willkommen zurück in Smogtown!

super cooler, alternatiiver Laden in 798. kaufte mir dort auch ne schöne Strickjacke :)

KATZENAUSSTELLUNG


Die Bilder, die jetzt kommen, sehen sicher nicht allzu schön aus wie die vom Urlaub, da ich a nicht so schöne Motive hatte und b auch keine Zeit/Lust hatte, alle Bilder zu bearbeiten. Kostet ja auch viel viel Zeit, deswegen hatte ich nur einige Bilder vom Urlaub bearbeitet. Also nicht wundern. Aber kommen bald wieder schönere. :P
Also. Wir stiefelten durch den Distrikt und gegen abends um 6 nahmen wir uns ein Taxi zum Olympiastadion. Während der Fahrt unterhielt ich mich dann noch mit Sabine über den Kauf einer Spiegelreflexkamera. Sie hatte sich vor einiger Zeit den Vorgänger von Philipp zugelegt und wie ich mich so mit den beiden darüber unterhielt, fand ich mehr und mehr, dass mir das sicherlich auch sehr sehr großen Spaß würde machen können. Bilder mach ich wirklich sehr gerne und mit so einer Kamera kann man sicherlich sehr viel Schönes anstellen.
Der Fahrer ließ uns dann am Olympic Park raus und wir stellten fest, dass es ziemlich smoggy geworden war. Der Himmel war mal wieder ein ekelhaftes Braungrau geworden und man konnte in den Lichtern richtig sehen, wie der Dreck in der Luft schwebt. Wie ich das vermisst habe. Wir liefen also noch ein bisschen durch den „Park“, sahen uns die olympische Schwimmhalle und das Stadion an, machten ein paar nette Bilder und wanderten herum.

die Olympiastadion alias "das Nest"

die olymp. Schwimmhalle alias "The Water Cube"


Smog alias "ich bring euch alle um"

Als es uns zu kalt und uns die Luft zu böse wurde, nahmen wir uns ein weiteres Taxi und fuhren nach Hause zur Uni. Wir deckten uns in einem nahegelegenen Supermarkt mit Kleinigkeiten ein und nachdem wir alles ins Wohnheim gebracht hatten, gingen wir zum Jiaozi Dawang 饺子大王, meinem geliebten Liebingsrestaurant. Sonst jede Woche 3 Mal und jetzt über 3 Wochen gar nicht. Wie sie mir gefehlt haben!
 
JIAOZIIIIIIII
 Nachdem wir fertig waren (da war es dann schon gegen 10), machten wir uns zurück zum Wohnheim und nachdem ich mir meine von Sabine aus Deutschland mitgebrachten Lachgummi abgeholt hatte, verkroch ich mich wieder in mein Zimmer, räumte meine letzten Sachen weg/ein und dann ging ich direkt ins Bettchen.


TAG 174 Sonntag 15.02.2015 und TAG 175 Montag 16.02.2015

Am Sonntag wollten Philipp und Sabine zum Konfuzius- und Himmelstempel, da der AQI aber schon weit über 400 und die Sicht mehr als nur mäßig schlecht war, ließen sie es und machten irgendwas anderes. Ich weiß es nicht mehr.

mal wieder ein "guckt mal, mein schlimmer Ausblick"-Bild. schlimm, wa?

Ich blieb den Vor- und Nachmittag über daheim und habe mich ausgeruht, meine Bildfer sortiert, Tagebuch geschrieben, meine gesamte Wäsche gewaschen (hatte fast alles mit nach Taiwan genommen und nichts sauberes mehr übrig) und im Bett herumgelegen. Gegen späten Nachmittag bin ich dann noch mit Philipp und Sabine zum Houhai, dem „hinteren See“ gefahren, einem von Pekings kleinen Seen. Nachdem ich circa 5 Minuten draußen war, bekam ich heftigste Kopfschmerzen und fühlte mich ziemlich krank. Ich kann nicht verstehen, wie die beiden freiwillig den gesamten Tag draußen unterwegs sein konnten. Wir liefen also erst einmal die Nanluo Guxiang 南锣鼓巷 einlang, eine größere Gasse, in der sich viele kleine Läden und Stände befinden und kauften ein paar Kleinigkeiten ein. Sabine kaufte fleißig Souveniers für ihre Familie. Wir schauten uns dann noch ein wenig die Kulisse des Houhais an und nach knapp einer Stunde machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Die Luft war einefach furchtbar schlecht, mir ging es gar nicht meht gut und die beiden hatten ebenfalls genug gesehen. Als wir wieder daheim waren, warfen wir uns alle in unsere bequemsten Schlabberklamotten und spielten ein bisschen Karten. Irgendwann überkam mich wieder die Müdigkeit und ich verabschiedete mich. Die folgende Nacht war mal wieder weniger gut. Ich schlaf besser bei Philipp..
Am Montag bin ich mit Philipp und Sabine zum Sommerpalast gefahren. Auf dem Weg dahin fiel mal wieder auf, dass Peking erschreckend leer und stiller ist. Auch, als wir letzten Endes im Sommerpalast ankamen und hineingingen fiel auf, dass das Frühlingsfest vor der Haustür stünde. Der Palast und die ganze Anlage waren wie ausgestorben und wo sich bei meinen ersten beiden Besuchen noch massenhaft Touristen durchgedrängelt haben war nun fast niemand zu sehen. Oder für chinesische Verhältnisse jedenfalls sehr wenig Leute. Also, wir liefen dann mal wieder dort so rum, entdeckten ein paar neue Dinge, Philipp und ich sahen viele nicht neue Dinge, wir kauften uns ein paar Souveniers, darunter ein schönes Armband und ein paar Anhänger, und rasteten immer mal an ein peer netten Eckchen. 

Philipp und Sabine - nur am Fotographieren..
ein alter Opi, der mit Wasser und einem selbst-
gemachten Riesenpinsel Kalligraphie auf den
Boden im Tempel screibt - sehr cool :)



ganz niedlicher Henkel

jedes mal wenn ich zum Sommerpalast mache ist netterweise das Wetter ziemlich gut :)

Wir fuhren dann erstmal wieder nach Hause, gingen in der Nähe vom Westtor der Uni was essen und kauften dann Fressereien und Proviant für den folgenden Tag ein. Wir wollten zur Großen Mauer, und zwar zu dem Teil, wo Johanna um Silverster rum mit Stefan und Philipp hingefahren ist. Da, wo ich so krank war. Der Teil gefiel alles unheimlich gut und deswegen würden wir da am morgigen Tag mit Sabine hinfahren.
Wir hatten für den Tag nichts mehr groß vor und es war auch schon gegen um 4, also entschieden wir uns dazu, in der Nähe der Uni ein bisschen Billiard spielen zu gehen. Das war ganz nett und dort blieben wir dann so 1 2 Stunden. Dann gingen wir wieder heim, Sabine skypte mit Freunden aus Deutschland und Philipp und ich gingen zur Abwechslung mal wieder ins Jiaozi-Restaurant. Über das Frühlingsfest machen dann noch die restlichen 10 % der noch offenen Restaurants zu und so mussten wir die Zeit nutzen so lange es noch auf hatte. Mittlerweile kommen die Bedienungen schon an und fangen von alleine an anzusagen, was wir wollen, da es meistens dasselbe ist. Dieses Restaurant ist definitiv mit Abstand mein Lieblingsrestaurant in China. :D
Philipp schlief dann noch bei mir, da Sabine nach wie vor am Skypen war und wir uns ja auch ewig nicht mehr gesehen hatten. Ich zeigte Philipp noch meine Bilder von der Taiwan-Reise und irgendwann ging es dann in die Heija.


TAG 176 Dienstag 17.02.2015

Soo. Am Dienstag ging es, wie ja schon gesagt, zur Großen Mauer – und zwar zum Abschnitt Jinshanling 金山岭, welcher ungefähr 150 km von Peking entfernt ist. Wir standen super mega früh auf (kurz vor um 6 glaub ich) und nachdem wir uns alle fertig gemacht hatten und unser restliches Zeug zusammengepackt hatten, ging es los. Wir mussten erst Ewigkeiten U-Bahn fahren und einmal durch die ganze Stadt fahren, was uns wieder über eine Stunde kostete. Wir kamen am Busbahnhof an, zahlten, und bekamen die letzten 3 Plätze im Bus. Wir kamen dann gegen 10 Uhr an und mussten uns erstmal von einem Schwarztaxifahrer, den Philipp und Johanna bei ihrem ersten Besuch bei dem Mauerabschnitt kennengelernt hatten, hinfahren lassen. Der Fahrer, von dem mir Philipp schon einiges erzählt hatte, sprach das aggressivste Chinesisch, das ich in meinem Leben je gehört hatte. Er war super nett und wirklich freundlich, aber er schrie uns bei jedem Wort so dermaßen an, dass ich fast nichts verstanden habe. Außerdem hatte er einen sehr, sehr starken Pekingakzent, der letzten Endes einfach nur extremst genuscheltes Hochchinesisch ist. Alles in allem war der Service in Ordnung und die gesamte Begegnung ziemlich witzig. Er fuhr einen kleinen, ziemlich ramponierten Van, der sicher keinen einzigen Tüv mehr in Deutschland bestehen würde und dessen Sitze alle mit einem Bezug überzogwn waren, auf dem in Herzen „Be Mine“ stand. Dann noch seine schreiende Stimme und die generell wackelig bis tödlich schnelle Fahrt. Ihr seht, sehr spaßig. :D
Wir kamen also dann beim „Eingang“ an, vereinbarten mit dem Fahrer eine etwaige Zeit fürs Zurückfahren, zahlten unsere Tickets (55 Yuan, sehr billig) und dann gingen wir hoch, bis wir oben waren. Dort genossen wir kurz die ersten Blicke und dann durfte ich Sabines kleine Digitalkamera (nicht ihre große Spiegelreflex) mal ein bisschen benutzen, um mich mal in das „bessere Fotographieren“ einzugewöhnen. Der Wunsch, mir bald eine eigene große Spiegelreflex zu kaufen, war mittlerweile ziemlich gefestigt und bereitete mir jetzt schon großen Spaß.
Erst war ich total verwirrt. Blendenzahl groß, Blende klein, Belichtung wenig, ISO hoch, Belichtungszeit klein, blablabla. Aber nach einer knappen halben Stunde des endloden Fragenstellens ging es dann und wir liefen ohne größere Unterbrechungen los. Und die kommenden 3 Stunden waren wir dann auch hauptsächlich damit beschäftigt, die Mauer entlangzuwatscheln, Bilder zu machen, uns darüber zu unterhalten und uns die Landschaft um uns herum anzusehen. Da es mitten im Winter war, war positiverweise fast absolut niemand sonst auf dem Mauerabschnitt (Jinshanling ist bedeutend weiter weg als andere Abschnitte, die man von Peking aus erreichen kann, deshalb kommen generell weniger Leute dahin), was wirklich toll war. Negativerweise war alles durch die Kälte des Winters irgendwie farbloser geworden und das Grün war nicht so recht grün, die Steine wirkten blass, der Himmel war nicht sehr blau. Nichtsdestotrotz war es unheimlich schön dort und wir haben die Ruhe und Natur und Schönheit der Großen Mauer vollends genossen.


TREPPEEEEEEN


wirklich unendlich schön, die dortige Landschaft...



auch schön war der Grad des Verfalls dort. man fühlte richtig das Alter der Mauer und dessen Geschichte dort.

Nachdem wir bis um 1 dort oben waren, verließen wir die Mauer an einer geeigneten Stelle und gingen dann einen Waldweg entlang das Tal hinunter, wo wir uns dann wieder mit unserem liebenswürdig-aggressiven Fahrer trafen. Der fuhr uns ohne große Probleme direkt zur Bushaltestelle zurück und dann fuhren wir mit dem Bus ohne große Prpbleme nach Peking zurück. Der Bus war fast vollkommen leer und da wir recht erschöpft waren, setzten wir uns ganz nach hinten und schliefen alle 3 fast die geamte Fahrt lang. Das war auch schön. Und die Mauer natürlich auch. :P
Wir kamen dann an und fuhren mit der U-Bahn wieder Richtung Uni. Wir machten mal wieder einen Abstecher beim Supermarkt nahe des Westtors, weil ab dem 18. ja das Frühlingsfest losging und von da an fast gar nichts mehr auf haben würde. Wir deckten uns also noch ein bisschen mit Fressalien, Wasser und sonstigem Kram ein und dann ging es zum Campus zurück. Abends gab es dann noch bestellte Pizza, während wir uns Mars Attacks anguckten und gegen 11 bin ich dann auch wieder hoch in mein Zimmer und ging ins Bettchen.


TAG 177 Mittwoch 18.02.2015 – Frühlingsfest Beginn

An den Tagen davor wurde schon immer mal bisschen rumgeböllert, aber ab dem Mittwoch war es wirklich wie alle sagten: Krieg. Zwar nicht ununterbrochen, zumindest morgens noch nicht, aber es war schon lauter. Wir machten uns frühs fertig für den Tag und unser erster Programmpunkt war der im Osten der Stadt gelegene Himmelstempel. Dort abgekommen bat mir Philipp an, dass ich heute mal seine Kamera benutzen kann. Also die richtige Spiegelreflex. Da wir beide schon so 3 mal dort waren, musste er nicht zwingend neue Bilder machen und gab sie deswegen mal mir. Er fing ganz bei null an, begonnen damit, wie man die Kamera überhaupt hält. Nachdem er mir ausführlich erklärt hat, wie alles wichtige geht, ließ er mich dann einfach machen und dann machte ich einfach. Ich spielte mit Licht und Dunkelheit, mit Schärfe und Unschärfe und nachdem wir dort knappe 2 Stunden unterwegs waren, kamen auch 1 – 2 nette Bilder bei heraus. Schon da merkte ich, dass das ein völlig neues Hobby von mir werden könnte, welches ich vorher nie in Betracht gezogen hatte. Endlich kann der junge Mann, der nicht singen, nicht zeichnen, kein Instrument spielen und nicht schneidern kann, auch mal etwas halbwegs künstleriches produzieren. :P

auch da hatten wir wieder unnatürlich gutes Wetter.. :)

endlich mal eine richtig gute Kamera benutzen!

halloooo!
wirklich eine schöne Pagode. die einzige in ganz China mit einem blauen Dach. soll die Verbindung zum Himmel verdeutlichen.





und, wie findet ihr meine ersten Erzeugnisse mit der Spiegelreflex? :)

Nachdem wir dort fertig waren, nahmen wir uns ein Taxi und fuhren vom Himmels- zum Erdtempel, der sich im zentralen Nord-Osten der Stadt befand. Dort fand an dem Tag ein sogenanntes „Tempelfest“ (chin. 庙会, miaohui) statt. Das sind rummelartige Festivitäten, die zum Frühlingsfest in den Tempeln des Landes veranstaltet werden und da wir für den letzten Tag des Tierkalenderjahres nichts weiter vorhatten, dachten wir uns, dass das ein nettes Stück Kultur wäre, das man sich mal ansehen könnte. Wie schon gesagt, werden diese Miaohuis aufgezogen wie ein Rummel in Deutschland. Man kann an Buden spielen und Plüschtiere gewinnen, kann in der Mitte des Tempelplatzes Leuten beim Singen zuhören, Souveniers kaufen, spazieren gehen, leckere Snacks kaufen und mit seiner Familie feiern. Das machen einige der Chiensen zumindest. Viele bleiben meist einfach daheim und verbringen die Zeit mit ihrer Familie, entspannen sich ein wenig oder bereiten den Abend vor. Der „heutige“ Tag ist sowas wie Silvester für Chinesen und abends wird meist die große Abendgala angeguckt, viel geböllert, noch mehr Raketen werden abgeschossen und abends/nachts werden Jiaozi (die kennt ihr ja aus meinem Lieblingsrestaurant :P) selbst gemacht und gegessen. Man bleibt sehr sehr lange auf, zelebriert das neue Jahr mit seinen Lieben und schläft den kommendan Tag fast nur.

Eingang zum Erdtempel

überall war alles ROT - die Farbe des Glücks und Reichtums in China

rot, rot, rot, ....
wie ich bereits sagte: die beim deutschen Rummel


man konnte allerlei Sachen kaufen, auch diese schönen Holzfiguren zum selbst Zusammenbauen


Also, ihr seht, es war ganz nett dort (wenn auch unheimlich laut und hektisch – alles war wieder mal laut und hat gebimmelt :D), man konnte schöne Souveniers und coolen Krimskrams kaufen, außerdem gab es wieder massenhaft an verrückten Kleidungsstilen, Plüschtieren und Leuten zu sehen, hehe. Wir bummelten dann dort so vor uns hin, rasteten dann noch in einer der parkmäßigeren Ecken der Tempelanlage und dann machten wir uns am späten Nachmittag auf den Rückweg zum Campus.
Es war dann schon gegen halb 7 und so beschlossen wir, den Abend über einfach daheim zu bleiben und uns ein bisschen die Gala anzugucken. Als wir unten im Wohnheim ankamen, fragten uns die Ayis ( 阿姨, sowas wie „Tanten“; gemeint sind die Frauen die unten in dem Wohnheim arbeiten und sowas wie die „Aufpasserinnen“ darstellen), ob wir rüber ins andere Wohnheim wollen, denn da wurde für den Abend ein kostenloses Buffet aufgebaut, um mit ein paar anderen Studenten und Mitarbeitern den Abend zu feiern. Sabine allerdings ging es schon seit ein paar Tagen nicht so gut und da sie ja null Chinesisch und wenig Englisch kann, wäre das für sie nicht so toll gewesen. Philipp und ich wollten uns allerdings das kostenlose Essen nicht entgehen lassen und immerhin war es auch mal interessant, sich das mal kurz anzusehen. Sabine ging dann schon mal hoch und Philipp und ich gingen gegen 7 rüber ins „Korean Building“, wie es aufgrund der hauptsächlich dort wohnenden Masse an Koreanern hier genannt wird. Dort erwartete uns ein großer Tisch, ein paar Auslandsstudenten, ein paar Mitarbeiter und exorbitant viel Essen. Natürlich wurden auch ganz traditionell (wie ich euch vorhin beschrieben habe) Jiaozi gemacht und gemeinsam gegessen. Es gab Getränke, super leckeres Essen, die Leute waren sehr nett und die planlosen Organisatoren starteten 5 Versuche, ein gutes Selfie mit allen Anwesenden zu machen. Wir blieben eine gute anderthalbe Stunde, fraßen uns pappsatt, quatschten mit ein paar der anderen und verschwanden dann still und leise. Klar, das Essen war umsonst und keinen kratzt es, wenn man danach geht, aber die Deutschen in uns fühlten sich dennoch unverschämt, nur fürs Essen zu bleiben und dann zu gehen. Egal, Philipps „Verlobte“ war ja da und krank. So wie Johanna damals meine Verlobte werden musste, um bei mir schlafen zu können, so musste Sabine auch hilipps werden, hahaha.

hier das festlich vorbereitete Essen :P

Wir gingen dann also wieder hoch zu Sabine und merkten, dass es draußen schon richtig am Abgehen war. Ununterbrochenes Knallen und Knistern war zu hören. Ein ebenfalls merkbarer Unterschied zu Mittag war in der Luftqualität festzustellen, denn der AQI war durch die Verschmutzung der Raketen u.ä. um über 200 gestiegen und war nun bei über 350. Wenn man das Fenster öffnete, merkte man sowohl, WIE laut alles momentan eigentlich war, als auch wie verschmutzt die Luft war. Man konnte den Rauch der Raketen und Böller extremst riechen und die Sichtweite schrenkte sich ebenfalls ein. Cool war es irgendwie dennoch. Für mich als Nicht-Chinesen war gar kein neues Jahr im Kommen, aber ich fühlte mich dennoch so, einfach weil es am 31.12.2014 gar kein Feuerwerk gab und das jetzt alles kommt. Wir schlossen wegen Lärm und Dreck dennoch die Fenster und machten es uns auf Philipps Bett gemütlich und sahen uns noch ein wenig die Gala an, welche Hauptsächlich eine Mischung aus Theater, Komedy, Moderation und chinesischem Pathos war. Man verstand allerdings nicht sehr viel (wie immer), weil die Leute unheimlich schnell geredet haben. Irgendwann meinte Sabine, dass sie sich lieber hinlegen und schlafen wöllte und so machten Philipp und ich hoch in mein Zimmer und ließen die Gala bei mir noch nebenbei weiterlaufen. Philipp nahm nämlich seine Kamera und sein Stativ mit und machte dann von meinem Fenster aus (ich hab den besseren Ausblick von uns beiden) Langzeitbelichtungsbilder vom Feuerwerk. Er erklärte mir nebenbei noch, wie das alles funktioniert und erlaubte mir, ein paar seiner schönsten Exemplare hier hochzuladen. Ich finde sie wirklich ziemlich geil!

mein Ausblick bei Nacht, beziehungsweise das, was man unter den Luftverhältnissen davon sehen kann, haha :D

toll, was man mit Langzeitbelichtung alles machen kann, oder??

soo schööne Faarbeen!

BAM!

GUCKGUCK!

frohes Neues und willkommen im Jahr des Schafs!

:):)

Ich glaube die letzten beiden Bidler waren dann schon nach Mitternacht. Jedenfalls war es echt unheimlich laut und das Geknalle und Geballere war wirklich zu einem ununterbrochenen Geräusch gewurden. Die Gala endete irgendwann und gegen und 1 legten wir uns dann auch hin. Auch mit geschlossenen Fenstern, Ohropax und Kissen überm Kopf war es schwer, in der Nacht zu schlafen. Und es war nun wirklich wie Krieg. Wie Bomben hörte es sich an, bis mindestens um 4..


TAG 178 Donnerstag 19.02.2015 und TAG 179 Freitag 20.02.2015

Der Donnerstag war ziemlich faul. Wohl sicher der faulste Tag seit über einem Monat. Wir waren alle recht müde, denn wie bereits geschrieben war die Neujahrsnacht alles andere als still. Ich traf mich gegen Mittag mit den beiden in der Gemeinschaftsküche des Stockwerkes, auf dem Philipp wohnt und wir machten uns leckerli Nudeln mit Tomatensoße. Klingt spartanisch und langweilig, war aber geil ohne Ende! Nachdem wir gegessen hatten, verbrachten wir fast den gesamten Tag in Philipps Bett und während Sabine schlief, sah sich Philipp Simpsonsfolgen an und ich verbrachte ganze 5 Stunden damit, mein Handy komplett zu resetten und neu aufzubauen. Durch irgendeinen Fehler gingen immer wenige Apps und ich beschloss, alles nochmal neuzustarten, auch wenn es sehr aufwändig war. Nach ewigem Neueinrichten und hin und her war dann tatsächlich wieder alles gut. Hoffen wir, es bleibt so. Ansonsten sind Philipp und ich abends mal noch rausgegangen, da wir beide Geld für Haerbin 哈尔滨 abheben mussten. „Morgen“ (also am 20.02.) würden wir ja zusammen mit Sabine dorthin fahren und am kommenden Sonntag würde ich dann wieder von da aus nach Peking zurückfliegen und er würde nochmal mit Sabine für ein paar Tage nach Shanghai 上海 fliegen, bis sie dann von da aus wieder nach Deutschland und Philipp nach Peking zurückfliegt. Und während wir dann so draußen waren, fing es an zu regnen. Sogar relativ stark, was ungefähr nie in Peking oder im Norden Chinas passiert. Wir guckten dann mal direkt im Internet nach und fanden heraus, dass es vor diesem Abend über 100 (!!!) Tage lang nicht geregnet hat in Peking. 100 Tage. Das sind 3 ½ Monate! Ist das nicht heftig? Vielleicht könnt ihr euch jetzt vorstellen, wie trocken meine Haut ist und warum ich im Winter am Tag 300 Stromschläge bekommen (habe). Naja, so viel mal zu Pekings wundersamem Wetter. Also, wir hebten uns ein bisschen Geld ab, kauften Fresszeug für die Zugfahrt und ich packte abends noch meine Sachen für Haerbin ein. Enshuai und Xianying (ihr erinnert euch?) waren im Dezember mal dort und da waren so - 20 Grad, also packte ich alles ein, was ich hatte. 4 Lagen Hosen, Unterhemden, T-Shirt, Pulli, Strickjacke, Jacke, Mantel, Handschuhe, Schal, Mütze. Alles dabei. Wir würden am Freitag Abend 23 Uhr ankommen und am darauffolgenden Sonntag Nachmittag schon wieder abreisen und dennoch würde ich denselben Reiserucksack mitnehmen, den ich auch auf meiner Reise nach Taiwan und Xiamen mithatte, haha. :D
Am Freitag wachte ich auf und hatte die Überraschung des Tages: es hatte geschneit! Das hatte es zwar vorher auch schonmal, aber dieses mal blieb es liegen. Das aller erste mal in Peking, dass Schnee liegen blieb.

es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus..

..die Welt, die Welt, sieht wie gepudert aus!

ein kleiner dreckiger Schneemann :)

Toll, wa? Da kann man den Smog fast vergessen, der hinten den schneebedeckten Dächern tödlich vor sich hinwabert. Ich döste dann noch ein wenig im Bett rum, schrieb Tagebuch und gegen 12 gingen Philipp, Sabine und ich dann raus, um noch was zu Mittag zu essen. Und wie wir erwartet hatten, hatte absolut gar nichts mehr auf. Der Campus war wie tot, die Straßen still, die Busse leer, die Läden geschlossen und so auch die Restaurants.wir hatten Glück und fanden ein einziges! Dort hatten wir dann Bibimbab und waren sehr froh, dass es wenigstens ein was vegetarisches gab. Das Frühlingsfest ist schon cool, aber muss wirklich ALLES schließen? Man ist völlig mittellos und aufgeschmissen, vorallem, wenn man nicht selber kochen kann. Wir hätten auch Zeug kaufen können, wie Nudeln usw., aber alle Importprodukte sind mega teuer und so bezahlt man für eine Packung Nudeln und ein bisschen Soße schon mal um die 7 € und das will man ja auch nicht unbedingt. Nun ja, bleibt einem dann halt nichts anderes übrig, ne?
Wir gingen nach dem Essen wieder heim, packten unsere letzten Sachen zusammen und dann machten wir uns auf zum Bahnhof. Wenigstens fuhren die U-Bahnen weiter im Minutentakt durch Peking. Wir erreichten den Bahnhof, gingen durch die 13 verschiedenen Checks und fanden unseren Zug recht schnell. Wir stiegen ein und gegen 14 Uhr glaub ich fuhren wir dann los. Die folgenden 8 Stunden verbrachten wir dann damit, zu schlafen, Karten zu spielen, Musik zu hören, zu lesen, blablabla. Was man halt so tut, wenn man Zug fährt und nichts zu tun hat. Gegen Abend machten wir uns auch ganz typisch chinesisch Instandnudeln (方便面, fangbianmian; wörtl. „gemütliche Nudeln“) und durften und dafür wieder von allen Chinesen begaffen lassen. Auch lustig war der schlimme Rucksack des Jungen, der neben uns auf der anderen Seite des Ganges saß. Lustiger war aber eher, dass ich versuchte, ein heimliches Bild davon zu machen, stattdessen aber nicht nur vergessen hatte, den Klickton auszumachen, sondern aus Versehen sogar noch den Blitz anhatte. Chinesen machen das zwar auch manchmal so, wenn sie mich fotographieren, aber ich bin ja eigentlich nicht soo indiskret. Naja, der Junge und seine Mutter fanden es sehr witzig, auch wenn es mir etwas peinlich war. Da ich das Bild ja aber dennoch hatte, dürft ihr es auch sehen. Schlimm, oder? :D

die drei Blonden.. :)
schlimmer Gruselrucksack :D



Gegen 23 Uhr kamen wir dann an und es war unerwarteterweise nicht sonderlich kalt. Also kalt schon, aber nicht so wie erwartet. Eigentlich war es wie Peking, so um die +1 bis +2 Grad. Eigentlich ziemlich schlechtes Wetter. Tauwetter. Naja, da konnten wir ja nichts gegen machen, also suchten wir im Bahnhof nach der Taxischlange. Wie zu erwarten war, war sie enorm und alle drängelten. Ganz toll. Mitternacht, totsterbensmüde, hungrig und kalt, massig Leute um einen herum, die ungehalten gegen einen drücken weil sie denken, es ginge dann schnell voran. Da half nur Ruhe bewahren, atmen und: einfach stärker und bestimmt die Leute wegstoßen. Ein Glück, dass ich groß und verhältnismäßig stark bin, sodass ich meinen Standpunkt nur mit Kraft und bösen Blicken klarmachen kann, haha! Nach einer guten Stunde waren wir endlich dran und bekamen ein Taxi. Wir fuhren nochmal eine halbe Stunde und waren dann gegen halb 2 endlich im Hostel angekommen. Wir wurden von einer super lieben älteren Frau und einem super lieben jungen Mann, der höchstwahrscheinlich ihr Sohn (und schwul) war aufs Zimmer gebracht und unterhielten uns dann noch ein bisschen darüber, was man hier so machen kann und wie man am besten zu dem Eisfestival kommt, weswegen wir ja hauptsächlich dorthin gefahren sind. Danach ging es erstmal ins Bettchen. Leider hab ich dieses mal vergessen, Hostelzimmerbilder zu machen. Ich bitte um Verzeihung. :)


TAG 180 Samstag 21.02.2015

Wir standen gegen um 9 auf und waren netterweise mal recht ausgeschlafen. Wir duschten nacheinander, doch leider hatte Philipp dann schon fast kein warmes Wasser mehr, keine Ahnung wieso. Wir packten uns dick und warm ein, nahmen nochmal mehr Zeug mit und gegen halb 11 machten wir uns dann raus. Erstmal wollten wir uns die Stadt angucken, denn das Eisfestival wird erst ab abends richtig interessant, wenn alles zu leuchten beginnt.
Also, wir gingen raus und es war wieder nicht sonderlich kalt. Es begann zu tauen und die Straßen waren halb überschwemmt. Ach und es regnete. Wir fragten nach, wie man am besten ins Zentrum kommt und dann machten wir uns auf den Weg. Unterwegs suchten wir noch nach etwas zu Essen, was sich (oh Wunder) als super schwer herausstellte. Wir waren sicher über eine Stunde unterwegs und passierten etwa 150 geschlossene Restaurants und 100 geschlossene Läden, bis wir endlich, endlich etwas fanden. Es war eines der Restaurants, wo man sich die Fische aussuchen kann, die man fürs Essen töten lassen kann, aber netterweise gab es dort auch ein paar vegetarische Speisen. Nicht ganz meine erste Wahl, aber wir hatten ja offenbar keine andere.



willkommen in Haerbin!

Das Essen war zwar preislich akzeptabel, geschmeckt hat mir aber keins so richtig. Nun ja, mei banfa (没办法, chinesich für „kann man nix machen“). Wir verließen das Restaurant und mussten feststellen, dass es imemr mehr regnete und die Straßen nur total zu mit Schmelzwasser und Matsch waren. Ein Glück, dass meine 100 € Nike Airs hielten, was sie versprachen und schön wasserdicht waren. Wir liefen dann noch eine knappe halbe Stunde durch das sauigst schlechte Wetter (irgendwie scheint mich der Regen auf Reisen echt zu verfolgen), bis wir dann das Zentrum erreichten. Haerbin liegt sehr sehr weit im Norden Chinas (könnt es euch ja mal auf einer Karte ansehen) und ist Hauptstadt der Provinz Heilongjiang. Da es eben so weit im Norden liegt, ist der russiche Einfluss sehr groß und so konnte man auf den großen Einkaufsstraßen des Zentrums sehr viele russische Läden, Restaurants und Hotels finden. Da konnt ich glatt nochmal russisch Lesen üben. Wir sahen uns ein wenig um, entdeckten schon die ersten Eisskulpturen. Wir liefen dann die größte der Straßen einmal entlang und kamen dann zu einer großen Brücke, welche über einen vollkommen zugefrorenen Fluss führte, auf dem sich ein halber Markt befand. Leute hatten dort ihre Obststände und man konnte dort sogar mit einigen speziellien Fahrzeugen zum Spaß herumfahren.



die ersten Skulpturen

Haerbins Zentrum
und hier dr große gefrorene Fluss :D


Nach einem kleinen Zwischenstop in einem Café mit Schwarztee und Donuts ging es dann weiter die Straße entlang. Wir guckten mal in einen der russischen Ramschläden rein und nachdem wir genug von den ganzen Sowjetmützen und Matrjoschkas hatten, gingen wir weiter. In der Nähe soll es eine alte, russische Kirche geben und diese wollten wir finden. Das wir dann auch taten. Und die Kirche sah auch wirklich sehr russisch aus, eben wie man sie sich vorstellen würde. Vorallem die zwiebelförmigen Dächer mit den goldenen Spitzen waren besonders schön.

ist die Kirche nicht schön?
gelungener Schnappschuss des Vogelschwarms

hier eine kleine Verbildlichung, wie überflutet die Straßen so waren.. :D

 Nachdem wir uns sattgesehen hatten, beschlossen wir, uns nochmal kurz bei Starbucks aufzuwärmen und uns dann ein Taxi zum Eisfestival zu suchen. Das war auch wieder nicht so leicht, denn da das nun mal die Hauptattraktion in Haerbin ist, wird man oft über den Tisch gezogen und darf nicht immer ja sagen, wenn ein Taxi hält. Oft wollen sie einen zu einem Ort bringen, wo man „billigere Tickets“ (natürlich nur Abzocke) bekommt und wenn man lügt und sagt, man hat schon eins, nehmen sie einen nicht mit. Nachdem wir es schon fast aufgegeben hatten, hielt aber dann doch noch ein Mann an und nahm und ohne weitere Fragen mit. Auf geht’s zum 冰雪大世界 (Bingshidashijie, Eisfestival)!
Wir kamen an, zahlten mit Studentenrabatt 160 Yuan (bisschen was über 23 €) und dann ging es rein. Vorher zog ich mir noch meine Zusatzschichten an und hatte somit 4 paar Socken, 3 Hosen und 5 Oberteile an. Ja, und dann waren wir da. Und es war ziemlich überwältigend. Überall standen Schlösser, Tiere, Skulpturen, Burgen, Rutschen und Türme nur aus Eis gehauen und wurden von innen durch in dem Eis angebrachte Lampen bunt erleuchtet. Gleich zu Beginn war zwar klar, dass man die Schlösser und Burgen nicht mehr betreten durfte, da alles bereits langsam zu schmelzen begann, aber dennoch war alles unheimlich schön anzusehen.



tadaaaaaa.

konnte man vor ein paar Wochen sogar noch reiten,
war aber wegen Einsturzgefahr nicht mehr möglich :'(

wirklich sehr überwältigend, was man aus Eis alles machen kann.

mein Lieblingsbild :)
unheimlich schön, oder?


Nachdem wir uns ein Stückchen draußen umgesehen hatten, gingen wir in eine Art „Restauranthalle“, in der sich lauter Fressläden befanden, denn uns war ziemlich kalt und Abendessen musste es eben an dem tag dort geben. Wir würden ja relativ spät wieder heimkommen und dann wollten wir wirklich nicht nochmal auf die lange Suche gehen. Mangels anderer Optionen mussten Philipp und ich den Kompromiss eingehen und dort Jiaozi mit Fleisch essen. Etwas vegetarisches gab es leider nirgends. Sie waren natürlich lecker, klar, aber darum geht es ja nicht. Also, nachdem wir uns mal wieder etwas aufgewärmt hatten und satt waren, machten wir uns wieder raus und stellten sofort fest, dass es stockduster geworden war. Umso schöner sah dafür alles andere aus. Wir liefen dann noch 1 2 Stunden durch die Gegend, fotographierten so viel es geht und bestaunten die wunderschön leuchtenden Schlösser und alles andere. Hier jetzt noch eine Ladung Bilder. :)

wie schön alles leuchtet... :):)

coole Eisrutsche!
der Fisch war leider nicht aus Eis :D


an einem Ort auf dem Gelände waren auf einmal massenhaft Leute am Rodeln. da meistens alles sehr eben ist und man in den Städten wenig Natur hat, ist Rodeln etwas ziemlich Neues für Chinesen. umso mehr genossen sie es dann dort. :)





wie toll all die Schlösser aussahen..



Puuh, das waren viele. Ich hoffe, nicht zu viele. Leider lässt meine Handykamera bei Dunkelheit stark an Leistung nach, sodass die Qualität am Ende sicher nicht mehr die Beste war, aber ich denke, die Bilder vermittelten dennoch einen guten Eindruck davon, wie schön und einzigartig es dort war und ist!
Gegen um 7 wurde es uns dann dennoch zu kalt und nachdem wir so 3 Stunden dort waren hatten wir auch alles weitesgehend gesehen (hätte man in die Schlösser usw. reingehen können, hätte man sicherlich mehr Zeit dort verbringen können). Wir gingen hinaus und – siehe da – es gab mal wieder eine Taxischlange. Ach, wie ich Schlangestehen hasse. Immer muss man in China anstehen. Es dauerte wieder satte 45 Minuten, bis wir an der Reihe waren und uns wieder zum Hostel zurück fahren lassen konnten. Gegen halb 9 kamen wir dann, nachdem wir uns in dem kleinen Supermarkt unten im Hostelgebäude noch ein paar Kleinigkeiten gekauft hatten, im Zimmer an und verbrachten den restlichen Abend dann damit, uns 2012 auf Sabines Computer anzusehen. Ich habe noch ein wenig gelesen und wieder all meine Sachen soweit eingepackt und gegen 11 rum sind wir dann alle müde und erschöpft von einem langen Tag ins Bett gegangen. Schön war sie, die kleine Eisstadt. :)


TAG 181 Sonntag 22.02.2015

Am Sonntag schliefen wir erst mal gemütlich aus, da wir für den Tag keine weiteren Pläne mehr hatten. Wir ließen uns schön Zeit beim Fertigmachen und gegen halb 11 waren wir dan theoretisch bereit, auszuchecken, aber mein Flug nach Peking würde erst Nachmittag um 5 und der von Philipp und Sabine nach Shanghai erst um 7 gehen. So „mild“ wie das Wetter am vorherigen Tag gewesen war, so war das Wetter an dem Tag unpassenderweise ruckartig schlechter und bedeutend kälter geworden, sodass wir auch keine Lust hatten, bei -10 Grad und Schneefall ohne direkten Plan draußen herumzulaufen. Wir blieben bis um 1 im Hostelzimmer, haben erst ein bsischen Karten gespielt und ich las dann später mein Buch weiter, während Philipp und Sabine irgendwas anderes gemacht haben. Leichte Nervosität stieg so langsam auf..
Irgendwann gegen halb 1 machten wir uns dann auf den Weg. Wir mussten auschecken und dann liefen wir los, um uns ein Taxi zu suchen. Es war scheiße kalt draußen und der Schnee und Wind schnitt einem richtig ins Fleisch. Wir fanden nach erbarmungslosen 5 Minuten dann endlich ein williges Taxi, welches uns zum Flughafen brachte.

so süß!

so fett!

so kalt!
letzte Blicke auf Haerbin <3

Wir fahren knappe 45 Minuten und zahlten zu dritt 90 Yuan, was total in Ordnung war. Wir kamen schon so gegen um 2 an und suchten uns erst mal einen schwer zu ergatternden freien Platz in einem Burger King. Ich hasse ja diese Fastfood-Läden eigentlich, aber auf Reisen bleibt einem öfters mal kein anderer Ort übrig und mittlerweile wurde der gezwungene Besuch von KFC u.ä. auf Reisen schon zu so einer Art Tradition, wenn ich mit Philipp unterwegs bin. :D Nun ja, wir holten uns widerwillig Kaffee und Pommes, machten uns breit und spielten weiter Karten. Ich hatte mittlerweile begonnen, meine Beruhigungstabletten wie Schokolade zu fressen, da der Schnee inzwischen zu einem Schneesturm gewurden war und die Straßen draußen eisig wurden. Bestes Wetter zum Fliegen. Die Zeit verstrich langsamer und langsamer und irgendwann war es dann Zeit für mich, zum Check-In usw. zu gehen. Ich sollte 17:00 Uhr in Haerbin losfliegen und 19:05 Uhr in Peking ankommen. Ich verabschiedete mich entsprechend von Philipp und Sabine, die ich wohl erst in Deutschland wiedersehen würde, und dann ging ich rein. Blablabla, alles kein Ding und dann setzte ich mich zu meinem Gate. Beziehungsweise zum falsch, wie mir nach 20 Minuten auffiel. Dann ging ich leise vor mich hinlachend davon und fand das richtige Gate. Und dann saß ich da und hab mein Buch gelesen, um ja nicht an was anderes zu denken. So etwa 10 Minuten, bevor es ins Flugzeug gehen sollte, wurde durchgesagt, dass sich die Boardingzeit aufgrund des schlechten Wetters um unbestimmte Zeit verschieben wird. Yes! Das freut mich sehr. Wär ja auch scheiße, wenn mal einer der 4 Flüge (die ich während der Ferien auch noch alleine auf mich nehmen musste) reibungslos und pünktlich vonstatten gehen würde. Ich warf einen schnellen Blick aus einer der Fenster und stellte fest, dass man fast gar nichts mehr draußen hatte sehen können. Ich widmete mich gleich wieder meinem Buch. Eine halbe Stunde lang musste ich warten, bis sich etwas zu tun schien. Mittlerweile war es schon halb 6 und der Flug hatte schon schön Verspätung. Philipp und Sabine, dessen Flug planmäßig um 7 starten sollte, waren bereits bei den Gates und wir trafen uns noch einmal. Gegen dreiviertel 6 ging es dann tatsächlich mal rein.

war es Schnee? oder Nebel? oder Smog? wer weiß, es war schlimm. bestes Flugwetter
für alleine fliegende Leute mit Flugangst jedenfalls.

Doch halt – wir konnten rein, aber als wir alle bereit waren, sagte der Kaptain durch, dass wir wegen des Wetters und anderem Blabla immer noch nicht losfliegen könnten. Aber es würde erstmal Essen geben. Da waren wieder alle vollkommen beruhigt und kein einziges Klagewort war zu hören. Ich üerlegte kurz, ob ich das Flugzeug verlassen und anch Peking trempen sollte, ließ es aber dann bleiben. Ich vergrub mich weiterhin in mein Buch und so ging Minute für Minute ins Land. Sage und schreibe 80 Minuten lang saß ich in dem Flugzeug und wartete darauf, dass etwas pasisert. Gegen um 7 – UM SIEBEN! - bewegte sich der blöde Ding endlich mal und es ging bald darauf los. Das muss man sich mal vorstellen. Ich bin innerhalb meines Auslandsaufenthaltes jetzt 6 mal geflogen und kein einziges Mal starte das Flugzeug annähernd pünktlich. Ich sollte um 19:05 Uhr in Peking ankommen und startete um 19:10 Uhr in Haerbin. Der Start war etwas turbulent, meine Nerven völligst blank, der Rest aber war wenigstens den Umständen entsprechend okay. Da wir vor der Landung ofenbar noch eine Schleife drehen mussten, weil die Landebahn noch nicht frei gewesen war, kamen wir erst gegen halb 10 abends in Peking an. Mit 2 ½ Stunden Verspätung. War. Das. Toll.
Es ging hinaus, der Smoggeruch schlug einem mal wieder willkommend ins Gesicht und dann holte ich mein Gepäck und ging zur Taxischlange, wo ich dieses mal „nur“ eine halbe Stunde warten musste. Ich hab bestimmt in China schon insgesamt Wochen lang nur damit verbracht, irgendwo in Schlangen zu stehen. Die Fahrt war ereignislos und ruhig. Gegen halb 11 kam ich dann endlich wieder in meinem Zimmer an und schmiss erst mal all meine Sachen in die Ecke. Zu erst habe ich kurz mit Jana (welche ja seit Freitag mit ihrer Mutter in Peking ist) wegen der kommenden Tage telefoniert, und wir machten aus, dass wir uns am morgigen Tag treffen, um erstmal zusammen zum Sommerpalast zu gehen. Juhu. Schon wieder Sommerpalast. Danach habe ich noch ein bisschen mit meinem Bruder geskypt, was wirklich sehr schön war, denn durch Taiwan, Xiamen und Haerbin hatte ich seit über 5 Wochen nur einmal mit meiner Mutter skypen können und sonst mit niemandem. Ich berichtete von meinen jüngsten Erlebnissen und nach einer knappen Stunde netter Unterhaltungen hieß es dann für mich – ab ins Bett!


TAG 182 Montag 23.02.2015

Am Montag habe ich mich also gegen halb 11 mit Jana und ihrer Mutter getroffen. Jana hatte, nachdem wir uns in Xiamen getrennt hatten, ein paar Tage Ruhe in Nanjing, bis dann ihre Mutter kam. Sie besuchten ein paar Sehenswürdgkeiten dort, fuhren dann über das Frühlingsfest (welches übrigens immer noch im Gange ist, aber mitlerweile etwas abklingt) in die Nähe von Tianjin und feierten mit einer chinesischen Freundin und deren Familie das Fest und am 21.02. fuhren sie dann für ein paar weitere Tage nach Peking. Wo ich dann wieder ins Spiel kam, denn ich hatte ja nach Haerbin theoretisch nichts vor und bin ja der perfekte Reiseführer für die beiden. Also lag es an mir, die 3 kommenden Tage zu organisieren und in die Wege zu leiten.
Also, wir trafen uns halb 11 an einer Haltestelle im Nord-Westen der Stadt, um dann zum Sommerpalast zu gehen. Vorher quatschte ich nochmal am Telefon mit Philipp, der mir von seiner Ankunft in Shanghai berichtete. Übrigens auch mit mehr als 2 Stunden Verspätung. Die beiden kamen gegen halb 3 im Hostel an und würden an dem Tag erstmal zum Bund laufen und sich dort die gigantischen Wolkenkratzer anschauen. Jana und ihre Mutter kamen an, wir begrüßten uns herzlichst und dann ging es auch schon los. Und so leer wie der Sommerpalast eine Woche zuvor direkt vor dem Frühlingsfest war, so voll war er jetzt, kurz nach den Hauptfestivitäten. Und zwar nicht nur normal besucht, sondern richtig überlaufen und laut. Da hatten wir gleich alle richtig Bock drauf. Aber nützte ja alles nix. Wir (ich) kauften die Tickets und machten uns auf den Weg ins Innere. Und da ich in demselben Blogeintrag schonmal von einem anderen Besuch im Sommerpalast erzählt habe, lass ich die folgenden Stunden jetzt mal relativ raus. Wir liefen dieses mal einen etwas anderen Weg, ich machte ein paar andere Bilder, sah aber im Prinzig dieselben Dinge.


dieses mal wie gesagt geringfügig voller............


haut doch alle ab :(
das hier zu sehende steinerne Schiff war einst mal ein Restaurant, musste aber wegen zu extravaganten Preisen letztendlich schließen.

Und die Überlaufenheit des Tempels kann ich mir nur damit erklären, dass jetzt, direkt nach dem Frühlingsfest, viele noch frei haben und es somit ausnutzen wollen/müssen, ein paar Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Keine Ahnung. Wir waren dann nach so 3 ½ Stunden dort fertig und machten uns mit der U-Bahn auf zum Zentrum. Den Tiananmen-Platz und die verbotene Stadt hatten sie glücklicherweise schon vorher zu zweit gemacht, sodass ich mir das wenigstens nicht auch nochmal geben musste, denn als wir im Zentrum ankamen um dort etwas zu Essen zu finden, war alles wieder bis zum get-no mit Menschen ge-/überfüllt. Wir stiegen bei Qianmen 前门 („vorderes Tor“) aus, was sich südlich des Tiananmen-Platzes befindet und gingen dort die Qianmen Street 前门大街 entlang (welche von der Größe her der Wangfujing ähnelt) und suchten uns dort also was essbares. Wir bogen in eine der unzähligen kleinen Gassen ab, sahen allerlei verrückte Dinge und landeten schlussendlich in einem ziemlich heruntergekommen, dunklen, aber sehr billigen Restaurant, in dem ganze 10 Leute Platz hatten.

Eingang zur Qianmen Dajie

Danach sind wir so eine knappe Stunde lang einfach ganz ziel- und planlos durch die Straßen und Gassen Pekings gelaufen und haben uns der Dinge erfreut, die wir dort haben sehen können. Die Stadt hat an sich sehr viel mehr zu bieten, als man denkt, denn in all den kleinen Hutongs (typisch pekinger Gassen) kann man manchmal viel mehr „China“ sehen als auf den komminustischen Hotspots wie dem Tiananmen-Platz oder in den Tempeln der Stadt.

typische Bummelgasse in Peking

eines der offenbar besser erhaltenen Hutongs

Chinakabel(un-)logik. witzig :D

Später ging es dann zum Beihai 北海, dem „nördlichen See“. Der Beihai Park war relativ nahe am Tiananmen-Platz und da wir die U-Bahnhaltestelle nicht fanden (bzw. fanden, aber den Eingang nicht fanden (ist in China öfters mal nicht ganz ersichtlich und logisch geplant)), entschieden wir uns dazu, zu Fuß hinzulaufen. Wir kamen leider etwas spät, sodass man die Insel inmitten des Sees zwar noch betreten, die große Pagode aber nicht mehr direkt besichtigen konnte. Auch nicht so wild. Wir liefen dann noch ein Stündchen dort herum, machten wieder fleißig Bilder (auch wenn ich da schon 3 mal war) und genossen die mittlerweile sehr stille Atmosphäre in dem Park.

selten selten kann man sogar mal die Sonne in Peking untergehen sehen.. :)



hier mal ein willkürliches Blatt abgezupft und eine Hälte saubergewischt. ihr könnt euch jetzt vorstellen, dass ausnahmslos jedes Blatt der Stadt so grau aussieht und eigentlich so grün sein könnte. natürlich sind die im Frühlich neu kommenden Blätter noch schön grün, aber nach einem Jahr... eigentlich ein ziemlich schockierendes Bild wie ich finde.

"The White Dagoba" - keine Ahnung was das heißen soll..

Schattenspiel mit den Giebelfiguren

Irgendwann war es dann relativ dunkel geworden und wir beschlossen, zu gehen. Außerdem tat mein Bein wieder mal auf mystheriöse Weise weh und ich war kaum noch in der Lage, Treppen zu steigen. Wir liefen dann rüber zur Wangfujing, die sich einen 30-Minuten-Fußmarsch von uns entfernt befand und wollten dann dort noch in das vegetarisch-buddhistische Restaurant gehen, in dem ich schon so einige Male mit Stefan, Philipp und anderen war, aber leider hatte auch das über die Festivitäten zu. Da wollte ich Jana schon mal zeigen, was vegetarische, chinesische Küche einem so alles grandioses zu bieten hat und dann hatte es zu. :(
Wir gingen dann spontan in eines der Riesenkaufhäuser auf der Wangfujing und dort fand ich dann zufälligerwesie genau das Restaurant, in dem ich meine allererste Speise in Peking zu mir nahm. Nach meiner Ankunft in dem ersten Hostel (das, wo ich mit 5 anderen zusammen geschlafen habe und wo ich nach 3 Nächten abgehauen bin) traf ich mich an eben dem allerersten Tag nachmittags wieder mit Philipp und Stefan und das erste, was wir in Peking getan haben, war, auf die Wangfujing zu gehen und in diesem Restaurant zu essen. Wenn ich daran denke, wie unendlich elend und traurig ich mich damals gefühlt hatte, als ich mit den beiden in diesem Restaurant saß. So hoffnungslos und so traurig und allein und einsam. Ich war so überzeugt, dass ich keinen Monat in diesem so fernen Land würde aushalten können und nun ist es mein schnöder Alltag geworden. Ich hab alles rein aus Prinzip so gehasst und nun lebe ich hier schon seit Monaten mitten drin. Schon seltsam, was ein eigentlich unbedeutender Ort alles in einem auslösen kann, wie anders ich den Ort in Erinnerung hatte. Ich wurde fast schon richtig sentimental irgendwie..

Wangfujing mit immer noch hängender Weihnachtsbeleuchtung
hier das Vergleichsessen :P


Wir hatten (damit ich einen Vergleich ziehen konnte) so ziemlich dasselbe wie das, was ich immer im Jiaozi Dawang, meinem Lieblingsessplätzchen hier, hatte und das Resultat war ernüchternd: die Jiaozi waren alle weniger lecker als im Jiaozi Dawang, die kalten Speisen waren weniger gut und der Preis war doppelt so hoch als in meinem geheiligten Restaurant. Ein Glück, dass es nicht anders rum ist.
Also, es war dann mittlerweile schon gegen halb 10 gewesen und da wir am kommenden Tag sehr sehr früh würden aufstehen müssen, gingen wir dann getrennter Wege und ich nahm die anstrengende, 1-stündige U-Bahnfahrt nach Hause.


TAG 183 Dienstag 24.02.2015

Der Dienstag kam mir vor, wie als hätte ich ihn schon mal erlebt. Ach ja, hatte ich ja auch! Am Dienstag ging es also mit Jana und ihrer Mum zur Großen Mauer. Zum Abschnitt Jingshanling, genau wie auch an dem Dienstag zuvor mit Philipp und Sabine. Zwar ist die Große Mauer ein unheimlich beeindruckendes Bauwerk der Menschheit, aber wenn man 2 Dienstage nacheinander kurz vor 6 aufstehen und dann mehr als eine Stunde mit U-Bahn und Bus durch Pekings Eiseskälte fahren muss, ist sie nur noch eine verdammte Steinwand mitten im Nichts. Wir fuhren also wieder zur Mauer. Dieses mal war der Bus erfreulicherweise absolut leer, dafür aber unbeheizt und so ging es bei glatten 5 Grad drinnen und draußen los. Wir kamen an und unser Fahrer (der nette Man mit der Schreistimme wurde von mir telefonisch benachrichtigt, dass ich wiederkommen und seine Dienste wieder in Anspruch nehmen wollen würde) wartete an der Bushaltestelle schon auf uns. Übrigens das Telefonat, welches ich mit ihm führen musste, war eines der schlimmsten überhaupt! Ich hasse es ja generell, auf Chinesisch mit Leuten zu telefonieren. Das ist einfach furchtbar schwer und jedes Mal unendlich peinlich, aber mit ihm war es noch viel schlimmer. Ich sagte ihm zu Beginn, wann und wo und wer und wie und glaube, dass ich ein zustimmendes „en“ (; ein Laut, der im Chinesischen Zustimmung ausdrückt) und ein Okay gehört habe und meinte dann schnell, dass ich wieder auflegen muss. Mein Gott war das grauenhaft!
Kurz bevor wir dann bei ihm einstiegen, sprach mich noch eine Frau in den 40-ern an und wollte wissen, wie man nun genau zur Mauer kommt. Sie (sie kam aus Brasilien) und ihr Sohn konnten kein Wort Chinesisch und hatten wohl pures Glück, dass sie mich getroffen hatten. Ich erfuhr von dem Fahrer, dass die Seilbahn im Winter nicht funktionieren würde und so fuhren sie dann einfach bei uns mit. Wir wurden bei genau derselben Stelle rausgehauen und dann ging es los. Schon wieder. Zum 2. Mal in einer Woche. Und dieses Mal dürfte ich Reiseführer für Jana, ihre Mutter und die beiden Brasilianer spielen. Nicht, dass es mich gestört hat, somal ich ja nichts großartig machen musste, außer reden und Tickets kaufen usw., und das hätte ich ja eh machen müssen. Der nette Unterschied zur Woche vorher: es hatte geschneit. Der Mauer lag also zum Teil noch im Schnee und hatte somit wieder etwas relativ Neues für mich, denn eine teilweise mit Schnee bedeckte Mauer hatte ich noch nicht gesehen. Zwar war es wieder kälter, aber das Laufen auf der Mauer ist ja recht anstrengend, sodass das kein Problem war. Die folgenden 3 Stunden (um nicht wieder 1:1 dasselbe zu erzählen, wie schon bei dem Eintrag zum Dienstag davor) verliefen genau wie auch bei meinem Besuch davor. Wir liefen exakt dieselbe Strecke und ich sah exakt dieselben Steine. Dennoch war es wieder schön und machte viel Spaß, über das Größte Bauwerk der Welt zu klettern. Ich unterhielt mich viel mit der brasilianischen Frau, die mich mit ihrer offenen Art immer ein bisschen an meine Mutter erinnerte und machte noch ein paar Fotos zwischendurch. Da es dazu nicht mehr sonderlich viel zu berichten gibt, hier nochmal Bilder von der Mauer. :P

gleich zu Beginn eine nette Warnung, hahaha. :D die chiensische Übersetzung lautete allerdings, man solle nicht ÜBER die Große Mauer klettern, denn die Berge seien gefährlich. lustig lustig.. :'D

wie schön die Mauer doch mit ein
bsischen Schnee aussieht :)


einmal Jana mit Nippelmütze



die steilsten Stufen die ich jemals gesehen
habe - aber ich habe sie genommen!



<3

Sooo. Das war die 2. Bildermasse zur Großen Mauer in dem Abschnitt. Zwar vom selben Ort, aber ich finde, dass auch da wieder schöne Bilder dabei waren, die ich euch gerne zeigen und in diesem Blog verewigt sehen möchte. Wir liefen wieder das Tal entlang nach unten und trafen uns dann mit unsererm Fahrer, welcher uns direkt wieder zur Bushaltestelle zurückbrachte. Lief alles wie geschmiert. Bis dahin. Wir kamen an, warteten kurz und dann kam gleich ein Bus vorbei, den wir hätten nehmen können. ABER! Der Bus war voll. Ich fragte, ob wir die Fahrt über stehen könnten. Nein. Ich fragte, ob im kommenden Bus 5 freie Plätzen sein würden. Nein, kein einziger. Im übernächsten? Nein. Im überübernächsten? Nein. Aber in dem danach. Die Busse kommen normalerweise im 30-Minuten-Takt, doch nicht so an diesem Tag. Der Bus, in dem ich nachfragte, kam um 14 Uhr bei unserer Haltestelle an, war aber der Bus, der 12:30 Uhr hätte ankommen sollen. Ihr seht, der 12:30 Uhr Bus hatte 90 Minuten Verspätung. Unser Bus würde also „planmäßig“ 14 Uhr ankommen und wenn man bedenkt, dass der 12:30 Uhr Bus schon 90 Minuten zu spät kam, kann man sich denken, wie lange man jetzt würde warten dürfen. Der Grund für die kolossale Verspätung war ein extremer Stau, welcher in die Stadt Peking hineinführte. Und dessen Grund war die Masse an Menschen, die jetzt nach dem Frühlingsfest wieder zurück zu ihren Arbeitsplätzen müssen und wie ich ja schon meinte, war Peking während der Festtage wie leer und all die fehlenden Leute fuhren jetzt wieder stadteinwärts. Der Stau führte bis zu 150 km aus Peking hinaus bis zu dem Mauerabschnitt, wo wir warteten. Ebenso wie die große Straße, an der wir auf den Reisebus warteten. Allerdings waren hier Polizisten Grund für den Stau. Die Polizei staute die Fahrzeuge, damit nicht immer mehr und mehr Wagen in Peking hineinfahren können und alle 20 – 30 Minuten ließen sie einige hunderte Autos durch, bis sie wieder dichtmachten und die Straßen blockierten. Wir konnten rein gar nichts tun und machten somit die folgenden 3 ½ Stunden nichts anders als zu warten. Jana und ich fingen irgendwann aus Langeweile an, Sonnenblumenkerne zu knacken und zu essen, eines der typischsten Dinge, die der Klischeechinese so macht. Zu uns gesellten sich dann noch mehrere andere Leute, die ebenfalls auf die Busse warteten, doch Dank unseres netten Fahrers hatten wir schon 5 freie Plätze vorreserviert bekommen, denn er hatte die Nummer der Busfahrer und meinte, dass da 5 Ausländer seien, die schon länger warten. Inwiefern das wirklich „vorresierviert“ wurden war kann ich nicht sagen, denn ich habe kein Wort seines Telefonats verstanden, aber es würde schon so passen. Ich traf dann noch eine andere Gruppe Deutscher und unterhielt mich ein bisschen mit einer davon. Das Mädchen mit dem ich mich unterhielt studierte eben so wie Jana und ich Sinologie (wo hab ich aber vergessen) und wir tauschten uns ein wenig über die Unterrichtsmethoden, Inhalte und unsere persönlichen Ansichten aus. Sie hatte die kluge Wahl getroffen und verbrachte ihr Auslandssemester auf Taiwan und so konnte ich ihr viel über die überaus ineffektiven Unterrichtsmethoden der Festlandchinesen berichten. Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirgendwann, bei einem der Stöße, wo die Polizei die Autos weiterfahren hat lassen, kamen dann ein paar grüne Busse zum Vorschein. Und zwar genau die, wie die, die wir nehmen müssten. 5 waren es und wir waren wirklich schockiert, denn erst kam 2 ½ Stunden ang kein einziger Bus und dann kamen 5 in einer Reihe. Manchmal frag ich mich wirklich, was in diesem Land vor sich geht, wo oder ob da überhaupt irgendwo Logik im Spiel war. Nun ja. 3 der 5 Busse bogen letztendlich ab (waren also Busse der Linie, die wir nehmen wollten) und in dem 2. waren unsere Plätze. Wir bedankten uns bei dem Fahrer, verabschiedeten uns von den Deutschen und stiegen endlich – endlich! – ein. Zwar war es eng, alle Chinesen starrten uns erbarmungslos an und bis auf 2 waren alle Plätze voneinander getrennt, aber wir hatten Plätze und das Frieren und Warten hatte ein Ende. Janas Mutter und ich ergatterten die 2 nebeneinanderliegenden Plätze, und der etwas korpulentere Sohn der Brasilianerin durfte auf dem Boden auf einem Sitzersatz vorne neben dem Fahrer sitzen, weil da mehr Platz war. Hahahaha, peinlich. :D

wenigstens hatten wir beim Warten einen schönen Blick auf die Berge und die sich darauf befindende Mauer.
vor euch seht ihr übrigens den Mauerabschnitt Simatai, welcher (wenn ich mich nicht irre) der höchste Abschnitt überhaupt ist und wunderschön sein soll. ist leider vor ein paar Jahren wegen Erneuerungsarbeiten gesperrt worden.

Die Fahrt war erstaunlicherweise nicht bedeutend länger als auch die 1. Heimfahrt von dem Mauerabschnitt zurück nach Peking, also denke ich, dass sich der Stau im Laufe des Tages ein wenig aufgelöst haben muss. Als wir allerdings nach knappen 2 Stunden die Stadt erreichten, konnte man sehen (oder eher nicht, haha), dass Peking im Smog zu versinken schien. Bedeutend schlimmer als noch am Tag zuvor. Schon heftig, wie man die steigende Anzahl der Autos sofort in der Luft merkt. Oder eher traurig.
Wir kamen kurz vor 14 Uhr an der Bushaltestelle an. Gegen 17 Uhr kamen dann die 3 Busse. Und 19 Uhr kamen wir dann wieder in Peking an. Es war spät, es war sehr kalt, ich war sehr müde und mein Bein hat durch all das Treppensteigen dezent gelitten an dem Tag, also entschied ich mich dagegen, noch mit Jana und ihrer Mutter Abendessen zu gehen. Wir (uns auch die Brasilianer) nahemn dann die U-Bahn und fuhren alle nach Hause. Als wir uns von der netten Frau uns ihrem Sohn verabschiedeten, bedankten sie sich noch einmal sehr sehr nett bei mir für die kostenlose Hilfe und Reiseführung und sie gab mir ihre E-mail-Adresse. Weiterhin meinte sie, dass, wenn ich jemals Rio de Janeiro besuchen würde und dann Unterkunft oder Hilfe bräuchte, ich sie einfach mal kontaktieren solle. Das war doch mal ein wirklich nettes Angebot! :)
Alles in allem war der 2. Ausflug nach Jinshanling zur Großen Mauer teilweise ziemlich geil, teilweise komplett anders. Nichtsdestotrotz war es wieder sehr schön und machte mir viel Spaß. Ich kam gegen halb 9 bei mir im Wohnheim an und da es keine Essmöglichkeiten auf dem Campus gab, ging ich raus und holte mir etwas Obst. Ich wollte es mal wagen und guckte nach, ob mein Jiaozi-Restaurant wieder auf hatte. Und siehe da: es hatte auf! Ich freute mich wie ein Honigkuchenpferd, denn die Zeit, in der man hoffnungslos und ewig lange nach Essen suchen musste war vorbei! Ich schlug mir dort einsam den bauch voll und ging dann zum Bersten gefüllt aber immer noch glücklich anch Hause.
Daheim angekommen merkte ich, dass ich mich schon wieder etwas kränkelig fühlte, aber bei all dem Warten in der Kälte und bei all der Erschöpfung vom frühen Aufstehen und Klettern kann das wohl mal passieren. Ich schmiss ich ich mein Bett, kuschelte mich schön ein und verbrachte den restlichen Abend damit, Tee zu trinken, Obst zu essen und mir Akte X reinzuziehen.
Gegen halb 12 abends wollte ich dann noch mit meiner Mutter skypen. Da sie aber leider etwas die Zeit verbummelt hatte, musste ich noch weitere 45 Minuten warten, bis es dann doch noch klappte, haha! :P Wir quatschen noch eine knappe Stunde, bis ich dann gegen um 1 nicht mehr konnte und schlafen wollte/musste.


TAG 184 Mittwoch 25.02.2015

Am Mittwoch konnte ich den Tag netterweise etwas entspannter beginnen, denn Jana ging vormittags mit ihrer Mutter zum Himmelstempel und da lehnte ich eine Begleitung ab, da ich dort a) schon 3 mal war und man b) keinen Reiseführer dafür braucht. Ich schlief schön lange und ließ mir bei allem schön Zeit, denn ich traf mich erst gegen 14 Uhr mit den beiden im Zentrum der Stadt. Das erste, was wir taten, war wieder in eine der bekannteren Hutong-Ecken Pekings zu gehen und uns dort ein bisschen umzusehen. Zwar sind diese Viertel alle sehr interessant, aber sonderlich oft habe ich auch noch keine besichtigt. Ganz einfach, weil die meisten nicht gerade in meiner Nähe liegen und ich das Herumfahren in Peking wie ihr ja wisst nicht sonderlich spaßig finde. Deenoch war es dort wirklich unheimlich interessant, wenn auch eher traurig. Die Mieten in China und ganz ganz besonders in Peking sind exorbitant hoch. Man zahlt meistens gleich für 3 oder 6 Monate auf einmal und für eine winzige, schäbige 15 m²-Wohnung zahlt man wohl im Durchschnitt schon so umgerechnet 700 €. Was gleich mal 4200 € auf einmal wären, wenn man für 6 Monate im Voraus zahlen muss. Die Hutongs sind so gesehen zwar Kulturgut Chinas und vorallem Pekings, aber heutzutage sind sie meist aber nichts weiter als die ärmsten Viertel der Stadt und werden für gewöhnlich versteckt von den anderen Menschen gehalten, sodass keiner auf den ersten Blick sehen kann, WIE arm manche eigentlich sind und in was für einem Elend der Durchschnittsmensch lebt. Überall undichte Fenster und Türen (was aber noch Norm in China ist und auch in meinem wohnheim der Fall ist). Darüber hinaus gibt es keine Bäder in den „Häusern“, sodass es in den Hutong-Gegenden viele öffentliche Bäder gibt, die meist nur offene Räume ohne Trennwände und mit 4 Löchern im Boden sind. Duschen gibt es nicht. Oft sah man kleine Müllhalden zwischen den Gassen und alles war aufs Minimum reduziert wurden, sodass möglichst viele Leute mit möglichst wenig leben konnten. Doch die Hutongs sind nicht nur dass. Oft sind sie einfach schöne Wohngegenden die von der Stadt restauriert wurden und in denen Leute in Ruhe und Freiden leben können, abgeschieden von der Hektik und dem Lärm der Stadt. Kommt immer darauf an, in welchem Hutng man ist. Ich habe schon sehr schöne, aber auch schon sehr schlimm verfallene gesehen. Letzten Endes sahen wir uns nur um und waren manchmal hin- und hergerissen zwischen den schönen und schlechten Dingen, die es dort zu finden galt.

in den Hutongs sieht man Pekings astronomisch schnelle Entwicklung auch besonders gut.
ich wette, in 6 Monate ist dort alles weggerissen und durch neue Bauten ersetzt wurden.

mitten in dem Hutong fanden wir dann lustigerweise eines von Pekings besten Pekingentenrestaurants,
so meinte Jana zumindest. sie hatte den Namen mal irgendwo gelesen.

Ente, Ente, Ente.

typische Gassenhäuser..



Wir liefen dort so knappe 2 Stunden herum, bis wir uns dazu entschieden, weiterzuziehen. Wir nahmen die U-Bahn und fuhren zum Yonghegong (雍和宫, Lama-Tempel), welcher der größte buddhistische Tempel ganz Chinas (oder ganz Asiens?) ist. Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit hineinzugehen, denn Jana und ihre Mutter würden an dem Tag gegen 19 Uhr wieder nach Nanjing zurückfahren. Ich selbst war komischerweise noch nie da, hat sich einfach nie ergeben. Wir liefen ein bisschen um den Tempel herum, konnten aber fast nichts sehen. Da man im Buddhismus ja kein Fleisch isst, befinden sich fast alle namenswerten vegetarischen Restaurants der Stadt dort in der Nähe, weshalb ich ab und an mal da war, aber halt eben immer zum Essen, hehe. Wir hatten noch ein bisschen Zeit bis zum Essen und da sich der Konfuzius-Tempel direkt neben dem Lama-Tempel befindet, gingen wir nochmal kurz da rein. Der Tempel an sich war nicht groß, sodass 30 Minuten locker ausreichten. Und das taten sie locker. Zwar ist Konfuzius unendlich wichtig für die Chinesen und China und auch ich finde seine Lehren sehr sehr interessant, aber diese ganzen Tempel in China werden langsam ein bisschen zu einheitlich für meinen Geschmack. Einige sind spezieller (so wie der Sommerpalast), doch der Durchschnittstempel in China sieht immer genau gleich aus. Philipp meinte einst mal „haste einen gesehen, haste alle gesehen“, und damit hat er total recht. Die roten Dächer mit immer denselben Giebeln, Figuren, haargenau denselben Farben mit EXAKT denselben detallierten Zeichnungen und Mustern. Selbst die Pflanzen schienen sich zu ähneln. Ist zwar schön, aber jedes mal dasselbe, egal ob verbotene Stadt, Komfuziustempel, der Tempel auf dem Xiangshan oder sonst welche x-beliebigen Tempel in der Stadt. Alle sind sie Eins. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die vor 100en von Jahren auch alle ganz genau gleich aussahen.

hallo Kongzi!

schöne Steindekoration
schöne Steinstatue


Nachdem wir Kongzis (孔子, Kongzi; Konfuzius) Tempel verließen, war es dann mittlerweile Essenszeit. Ich kannte 1, 2 gute vegetarische Restaurants direkt dort und auch, wenn Janas Mutter alles für sie zahlte, war sie wenig dafür zu begeistern. Nun ja, dann halt nicht. Schade, dass ich ihnen nichts von Chinas wahnsinnig toller vegetarischer Küche habe zeigen können. Und auch schade, dass ich Janas (für mich völlig unverständliche) Aversion gegenüber Tofu nicht austreiben konnte. Sie hatte bis jetzt 2 Mal Tofu in China und findet diesen seitdem ziemlich abstoßend, doch ich hatte schon so unfassbar guten Tofu in China, dass ich das einfach nicht auf mir beruhen lassen konnte. Aber wer nicht will...
Wir fanden ein Restaurant in der Umgebung, in dem es wohl typisch pekinger Küche geben sollte, auch wenn Pekings Küche prinzipiell durch keine spezielle Richtung gekennzeichnet ist. Man isst nur im Süden eher süß, im Norden dafür salzig und ölig. Was eben auch gut auf Pekings Küche zutrifft. Salzig und ölig. UND Knoblauch. Knoblauch ist eine der Grundzutaten in Peking und in vielen Gerichten findet man sicher so um die 5 Knoblauchzehen. Fand ich anfangs recht gewöhnungsbedüftig, jetzt ist es aber mittlerweile kein Problem mehr für mich eine ganze Zehe auf einmal mitzuessen. Aber genug davon. Wir gingen rein und wenn ich den beiden schon keine chinesisch-vegetarische Küche anbieten konnte, so wollte ich wenigstens ein paar in Peking eher typische Gerichte aussuchen. Ich wählte einmal Ganguo (干锅; so heißen die meist recht scharfen Gerichte, die in Eisenschalen gebracht werden, die von einem Feuer von unten vor einem erhitzt werden) mit Kartoffelscheiben, einmal Disanxian (地三鲜; besteht aus Paprika, mega geil zubereiteter Aubergine und Kartoffeln – esse ich immer in Dongqui auf meinem Campus), einmal japan. Tofu (日本豆腐; weich, aber mit einer süß-sauren Kruste abgebraten) und einmal ein Nudelgericht, das auch sehr typisch für Peking ist. Die Nudeln sind kalt und werden mit ein bisschen Gurke und anderen Kleinigkeiten gebracht und werden normalerweise mit einer fleischhaltigen Erdnusssoße serviert. Jana gefiel der Tofu auch nicht wirklich, auch wenn sie meinte, er sei der beste, den sie bis jetzt hatte. Was für ein tolles Kompliment. :D

links: Disanxian, mitte: Ganguo mit Kartoffeln, rechts: der japan. Tofu, unten/oben: die "Pekingnudeln"

Alles in allem fanden sie es dennoch lecker und auch mir schmeckte es wie immer gut. Janas Mutter zahlte dieses mal als kleines Dankeschön für meine Zeit und für die kostenlose Reiseführung der vergangenen 3 Tage. Wir gingen hinaus und dann verabschiedete ich mich von den beiden. Sie würden bald zurückfahren und dann würde Jana noch ein paar Tage mit ihrer Mutter in Nanjing verbringen, bis sie dann auch wieder nach Deutschland fliegen würde. Ich machte mich danach auf den Weg nach Hause. Und als ich daheim ankam, war mir klar: die Ferien sind endlich vorbei. Zwar ist das natürlich weniger geil, allerdings war ich seit meinem Flug nach Taibei am 24.01. nur unterwegs und habe im Prinzip keinen einzigen Tag land Ruhe gehabt. Jetzt, mit Janas Abreise aus Peking war mein letzter Ferienpunkt abgeschlossen und ich hatte noch zwei ganze Wochen lang Zeit, nichts zu tun, bis das neue Semester letztendlich wieder anfangen würde. Ich habe die Wochen auf Taiwan und in Xiamen natürlich unheimlich genossen und wie ich schon meinte, waren diese 3 Wochen die wohl bis jetzt aufregensten und schönsten meines Lebens und auch die Zeit mit Sabine und Jana in Peking und meine kleine Reise nach Haerbins war unvergesslich, doch nun war alles vorbei und ich konnte mich wieder dem schnöden und entspannten Alltag in meiner vorübergehenden Heimatstadt widmen, welchen ich nach all den Wochen wirklich vermisst hatte. Den restlichen Tag verbrachte ich also damit, faul am Schreibtisch zu sitzen, zu lesen, Musik zu hören und mich von Akte X in die erste Nacht seit über einem Monat wiegen zu lassen, auf die kein sonderlich ereignisreicher Tag folgen würde. JU! HU!


Soso... Das war nun der letzte Eintrag zu meinen spannenden Unternehmungen während meiner Semesterferien. Somit habe ich also Taiwan, Xiamen, die Zeit mit Besuchern in Peking und auch Haerbin erfolgreich verschriftlicht, abgeschlossen und hier in meinem Tagebuchblog manifestiert. Ich hoffe, es war wieder interessant und unterhaltsam, ein weiters Stück meines Lebens in China mitverfolgen zu können und ich hoffe, ihr freut euch nach wie vor auf mehr. Denn es wird mehr kommen. Zwar trat nach den hier verschriftlichten Tagen so langsam der Alltag ein, doch es gab dennoch immer mal etwas zu erzählen und genau davon werde ich in den kommenden Beiträgen in schnelleren Schritten voranschreitend berichten.

Also, bis zum nächsten Mal und lasst es euch gut gehen. :):)

Euer Chinesenjunge.

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