Hallo
hallo!!
Ich habe mitbekommen, dass
einige von denen, die normalerweise versuchen regelmäßig
mitzulesen, nun schon ziemlich hinterherhängen, weil ich ja in
letzter Zeit relativ viel und relativ kurzer Zeit veröffentliche.
Das ist aber nicht ganz so wild, denn wie ihr mitbekommen haben
könntet, habe ich jetzt schon länger nicht mehr gebloggt und die
hier veröffentlichten Beiträge rennen ja auch nicht weg. Wer also
Zeit und Lust hat, darf immer gerne (weiter-)lesen!
Und noch eine kleine
Ankündigung: wie ich gerade schon sagte, habe ich ja länger nicht
mehr gebloggt. Diesen Eintrag habe ich schon vor vielen Wochen
verfasst, konnte mich aber wegen bedeutenderen Dingen nicht dazu
aufraffen, hier weiterzuschreiben bzw. nach Vollendigung der
wichtigen Angelegenheiten wieder anzufangen. Der Eintrag hier folgt
immer noch dem alten Muster: ich verschriftliche so gut wie jeden
Tag. Da ich aber nur noch wenige Wochen in Peking zu bleiben plane
(„heute“ ist hier der 20.05.) und mir ein wenig die Zeit
wegrennt, habe ich mir gedacht, dass ich ab dem kommenden Beitrag den
Alltag ganz rauslasse und nur noch die wirklich
bedeutenden/interessanten Dinge/Erlebnisse hier verschriftliche. Ich
denke nicht, dass ich noch genug Zeit und Lust aufbringen kann, um
alle restlichen und noch kommenden Tage hier zu verschriftlichen.
Weder jetzt am Ende meines Chinajahres, noch, wenn ich dann wieder in
Deutschland bin.
Eigentlich war geplant, den
Eintrag hier fortzusetzen, da er aber so lange unberührt auf meinen
PC liegengeblieben ist, veröfentliche ich jetzt einfach was ich bis
jetzt geschrieben habe und schreite danach mit schnelleren Schritten
voran. So können alle die interessantesten Dinge erlesen und die
Details und Eizelheiten dürfen gerne erfragt werden bzw. kann ich
den Leuten so dann auch in Gesprächen von Dingen erzählen, die sie
hier nicht schon hätten lesen können. Ich hoffe, das ist allen so
halbwegs recht. Vorschläge sind willkommen!
So.
Jetzt kommt erst mal noch ein bisschen täglicher Lesestoff. Viel
Spaß :)
TAG 185 Donnerstag
26.02.2015 bis TAG
188 Sonntag 01.03.2015
Am
Donnerstag hab ich hauptsächlich (wie auch in den folgenden Tagen)
meine lang ersehnte Freiheit genossen und all das getan, was man eben
so tut, wenn man nichts zu tun hat. Am Donnerstag konnte ich mir
endlich wieder leckeres Campusessen holen, denn die Feiertage waren
nun so ziemlich vorbei und alles öffnete so langsam wieder. Das
freute mich. Abends skypte ich mal noch ein bisschen mit meinem
Vater, den ich auch schon lange nicht mehr „gesehen“ hatte. Zwar
sind die Intervalle des Kontaktes zwar immer relativ groß, aber
dennoch ist es jedes Mal super schön, mich mit ihm zu unterhalten.
:)
Am
Freitag habe ich mich mal genau versucht wegen dem Semesterbeginn zu
informieren. Das neue Semester würde nämlich am „kommenden“
Montag, den 02.03. beginnen und keiner wusste bisher, wann oder ob
wir eine neue Einstufungsprüfung haben werden und wann bzw. wo nun
genau der Unterricht anfangen würde. Da sich niemand sonst in meinem
Kurs um die offenen Fragen kümmern wollte, aber alle nach Antworten
gierten, beschloss ich halt, mal in das für uns verantwortliche
Institut zu gehen und nachzufragen. Das Ende vom Lied war, dass das
Institut vollkommen leer war und ich mit ebenso leeren Händen wieder
gehen musste. Ich schrieb eine der Lehrerinnen auf WeChat an, deren
Kontakt ich dort hatte und fragte sie um Rat. Natürlich war auch sie
ungewiss, meinte aber, ich solle am Samstag nochmal hingehen, da sei
dann jemand da den man fragen könne. Nun ja, ein weiteres typisches
Beispiel für Chinas grauenhafte Organisation. In Deutschland könnte
man sich sowas jedenfalls nicht vorstellen.
Ansonsten
fing ich so langsam mal an, die Vokabeln von HSK 4 zu lernen. HSK
steht für Hanyu Shuiping Kaoshi (汉语水平考试)
und heißt so viel wie „Chinesisch Niveau Prüfung“. Für mein
Stipendium musste ich bereits Stufe 3 bestehen (6 ist das höchste)
und die Endbedingung des Stipendiums ist es, HSK 5 zu bestehen. HSK 4
hat einen Wortschatz von insg. 1200 Wörtern und der von HSK 5 ist
2500, sodass ich also langsam mal in Bewegung kommen musste, wenn ich
die HSK 5 irgendwann würde gut bestehen wollen. Da ich aber bei HSK
4 noch viele Lücke habe/hatte, musste das erstmal abgeschlossen
werden. Also fing ich damit an.
Weiterhin
kam Philipp an dem Tag wieder von Shanghai zurück. Sein Flug von
Shanghai nach Peking hatte (welch Wunder) mehr als eine Stunde
Verspätung und so kam er erst mitten in der Nacht zurück.
Am
Samstag ging es mit HSK 4 weiter und ich durfte mich wieder der
unheimlich spaßigen Aufgabe widmen, Tagebuch über die vergangenen
Tage mit Jana zu schreiben. Weiterhin versuchte es noch einmal, mich
im Institut über den Semesterbeginn zu informieren. Dankbarerweise
war dann auch wirklich mal jemand da und die gute Frau erzählte mir,
dass alle „alten“ Studenten (also die, die letztes Semester schon
hier waren und zu denen wir natürlich auch zählten) am kommenden
Dienstag den 03.03. eine mündliche Einstufungsprüfung haben würden
und man anhand dieser die Studenten dann in neue Kurse einteilen
würde. Eine schriftliche müssten wir nicht noch einmal machen. Gut
so. Man würde das Ergebnis der Prüfung dann am kommenden Freitag
veröffentlichen und am Montag darauf (also dem 09.03.) würde der
Unterricht erst wieder losgehen. Geieeeeeeeel! Das hieß, dass wir
noch eine Woche länger Ferien haben würden! Danach ging ich mit
Philipp ins International Student Office (ISO) und wir fragten nach,
ob wir kommendes Semester immer noch alleine in unseren Zimmern
wohnen könnten, denn da ja nun bald neue Studenten kommen würde,
hätte es sein können, dass uns das nicht weiter erlaubt werden
würde, weil kein Platz mehr ist oderso. Man sagte uns aber, dass es
kein Problem sei und wir weiter so würden wohnen könnten. Wir
sollten kommende Woche wieder unseren Mietsanteil zahlen und dann sei
alles gut. Das sind doch mal 2 sehr gute Nachrichten für den Tag
gewesen. :)
Sonntag
lief wie immer wenig(er). Ich skypte mal wieder mit meiner Mutter und
wir quatschten ein nettes Stündchen, bis sie wieder weg musste.
Ansonsten... ach ja, ich habe angefangen, meinen 3D-Holzdrachen zu
bauen. Bei dem Tempelfest damals beim Frühlingsfest konnte man ja
solche Sachen kaufen und Philipp und ich kauften uns jeweils so einen
Drachen. Ich bastelte eine Stunde voller Geduld und hatte schon den
Hals und Kopf fertig. Philipp war in der Zeit ganz fertig geworden.
Ich stellte den Drachen in die Ecke und bis heute (der Tag an dem ich
das hier geschrieben habe – der 20.04.) habe ich das Teil nicht
wieder angerührt, haha. Wird sicherlich ein Geschenk für jemanden
werden, wenn ich wieder in Deutschland bin. :D
Ach,
und Philipp und ich machten uns mit dem Kartoffelbreipulver, welches
Sabine Philipp aus Deutschland mitgebracht hatte, lecker
Kartoffelbrei mit Eiern und Senfsoße. Das leckerste Essen seit
Wochen!!
![]() |
| sieht wie gesagt nicht ganz so dekadent aus, war aber TOTAL LECKER |
TAG
189 Montag 02.03.2015 bis TAG
192 Donnerstag 05.03.2015
Große Schritte. Ach wie schön das ist. Fast hatte ich vergessen,
wie schnell es gehen kann, einen Tag zu verschriftlichen und mal nur
eine viertel statt 2 Seiten tippen zu müssen...
Am Montag lief mal wieder HSK 4 üben (gab schon noch so einige
Vokabeln, die ich gar nicht kannte bzw. die ich null schreiben
konnte). Ich versuchte weiterhin, mich für den Abend mit einem
meiner chinesischen Freunde zum Essen zu verabreden. Einerseits, weil
es schon sehr sehr lange her war, dass ich mal mehr als nur eine
halbe Stunde Chinesisch geredet hatte (die Zeit in dem Hostel in
Xiamen mal rausgelassen) und ich meine Bekanntschaften hier schon
lange nicht mehr gesehen hatte, andererseits weil ja am kommenden Tag
die Einstufungsprüfung sein würde. Leider (aber
unüberraschenderweise) hatte keiner Zeit und so würde ich halt wie
immer einfach drauflos reden müssen.
Weiterhin habe ich mich nach langem Hin und Her dazu aufraffen
können, Blog zu schreiben. Der letzte Eintrag war noch vor Taiwan
und lag zu dem Zeitpunkt bereits 5 Wochen zurück. Von dem Montag an
war ich also fast ununterbrochen am Blog Schreiben und ihr seht, ich
hinke immernoch weit hinterher und schreibe offenbar ohne Ende. Aber
so ist es halt nun. Jedenfalls fing ich an dem Tag mit dem ersten der
4 großen Reiseeinträge (Taibeiwoche) an.
Am Dienstag schmiss ich mich wieder auf die HSK Vokabelliste und
versuchte mittags (erfolglos) Geld für die Miete abzugehen. Gegen um
2 war dann die müdliche Prüfung für die Einstufung im kommenden
Semester. Philipp und ich waren schon ein bisschen eher da (typisch
Deutsche..) und standen dann kurz vor der Prüfung mit einem Russen
und einer Israeli an und warteten. Beide waren ebenso letztes
Semester schon hier gewesen, doch irgendwie hat man sich nie
unterhalten. Ich bin ja generell nicht so der, der blindlinks auf
Fremde zugeht und Freundschaften anbandelt, also hat es sich nie
ergeben. Nun, da wir aber so zusammen anstanden, ergab sich mal ein
wirklich sehr schönes Gespräch zwischen allen. Der Russe hieß
Dimitrii (oder Dima) und sie hieß Marina, ist 29 und verheiratet.
Marina sollte sich in der kommenden Zeit zu einer meiner engsten
Bekannten hier entwickeln. Wir unterhielten uns ein wenig über ihr
letztes Semester (sie war im Kurs über mir, welcher der 2. höchste
war) und ihre Lehrer. Sie erzählte uns von ihrer „Klassenlehrerin“
letztes Semester und meinte, dass sie eine ziemliche B*tch gewesen
sein soll. So mit 10 Minuten anschreien wenn man einen Buchstaben
falsch geschrieben hat und Leute anrufen wenn sie nicht zum
Unterricht kommen undso. Also eine von der ganz harten Sorte. Die
Lehrerin würde auch wieder „Klassenlehrerin“ (gibt keine gute
Übersetzung) in 高二
sein, also dem 2. höchsten Kurs. Nun ja, also ich war
dann irgendwann jedenfalls dran mit der Prüfung und die war, wie zu
erwarten war, ziemlich easy. Der Mann fragte mich so ziemlich
denselben Standartquatsch wie letztes Semester (wie lange lernst du
Chinesisch, wo, warum, was machst du in deiner Freizeit,
blablablablabla) und hatte dabei ein Blatt mit einer Tabelle vor sich
liegen, wo er meine Antworten reinschrieb. Zum „kreativeren“ Teil
gehörte dann, dass er sich von mir erklären lassen wollte, wo mein
chinesischer Name herkommt, ob ich schon ein paar chinesische
Sportarten ausprobiert habe und warum ich nicht schon HSK 6 gemacht
habe, weil mein „Chinesich doch so perfekt sei“. Chinesen neigen
immer sehr stark dazu, alles und jeden total in den Himmel zu loben.
Spricht ein Ausländer ein paar halbwegs flüssige Sätze mit
halbwegs richtiger Betonung denken immer gleich alle, man kann alles
perfek. Versteht man einmal, was jemand gesagt hat, ist das Niveau
definitiv sehr hoch. Kann man über grundlegende Dinge gut reden,
kann man über alles gut reden. So ganz versteh ich das Denken der
Chinesen hier mal wieder nicht, aber mein Problem soll es nicht sein.
Jedenfalls musste ich am Ende wie auch in der Prüfung letztes
Semester einen Abschnitt aus einem meiner alten Lehrbücher vorlesen
und dann meinte er 高三
(gao san, „Advanced
Level 3“) oder 高二
(gao er, „Advanced
Level 2“). 高一
war Advanced Level 1 und der höchste der 10
Sprachkurse, die es im kommenden Semester geben würde und ich sollte
in den 2. oder eben 3. höchsten kommen. War genauso wenig
überraschend, da ich letztes Semester schon im 3. höchsten war und
es somit nichts anderes gab wo ich hätte hingehen können. Das
Ergebnis bei Philipp war logischerweise 1:1 dasselbe und Marina, die
letztes Semester im 2. höchsten Kurs war, soll nun in den höchsten
kommen. Geht ja auch nicht anders. Nachdem die Prüfung vorbei war,
ging es dann wieder nach Hause ins Wohnheim.
Abends war ich dann noch mit Philipp, Li Yuan 李源
und einem seiner 4 Mitbewohner Zhu Ge 诸葛
essen und wir haben uns alle über unsere
Untergehmungen in den Ferien unterhalten. Zu meinem Überraschen
stellte ich fest, dass mein Chinesisch in der Reisezeit offenbar
nicht gelitten hatte. Und meinen taiwanesischen Akzent hatte ich (zu
Freuden von Philipp, der den genauso scheiße findet wie Jana)
größtenteils auch wieder verloren. :D
Am Mittwoch lief auch wieder wenig. Ich musste ins ISO gehen und mich
wegen meines Stipendiums erneut anmelden, damit alle wissen, dass ich
noch da bin und mein Geld will. Weiterhin erzählt mir Zhang Ruifang,
die Verantwortliche für die Hanban-Stipendiaten, dass ich ab März
nun wieder „normal“ Geld bekommen sollte. Die ersten beiden
Monate hatte ich ja mehr als das Doppelte meines
Stipendiumstaschengeldes bekommen und hatte nach 2 Monaten schon über
10.000 Yuan, obwohl es nur 5.000 hätten sein sollen. Ich hatte dann
von November bis Februar gar kein Geld bekommen, sodass es sich
ausgeglichen hat, da ich monatlich eigentlich 1.400 bekommen sollte.
Jedenfalls meinte sie, dass ich ab März nun ganz normal Geld
bekommen sollte. Warten wir mal ab..
Den restlichen Tag habe ich Blog geschrieben, für HSK 4
weitergemacht und am PC gespielt.
Am Donnerstag ging ich dann meine Miete bezahlen, denn ich hatte es
endlich geschaft, Geld abzuheben. Auch ein Luxus, den man in einem
2.-Welt-Land ab und zu vermisst. Für das vorherige Semester musste
ich insgesamt 5.580 元
zahlen. Bei dem damaligen Wechselkurs waren das so um
die 700 € für September bis Anfang März. Im ISO wurde mir dann
gesagt, ich habe noch 3.470 元
zu zahlen. Ich vergaß, dass ich schon weit mehr als
die Hälfte hier verbracht hatte und so war ich umso erfreuter zu
erfahren, dass ich weit weniger zu zahlen hätte.
Und wenn wir schon beim Geld sind. Zu der Zeit fiel der Euro sehr,
sehr stark sehr schnell und wo zum Beginn meines Auslandsjahres 1 €
noch 8 Yuan waren, so waren es jetzt nur
noch 6,9 Yuan. Das ist schon ziemlich schnell, wenn man bedenkt, wie
stabil sonst Währungen sind. Das hatte ich der netten Eurokrise zu
verdanken, denn um Griechenland weiter Geld zu schicken, wurde ja
noch mehr Geld gedruckt und das entwertet den Euro ja mit der Zeit.
Passend zu dem Anlass erzählte mir Philipp, dass aus selbem Grund
die EZB von nun an monatlich Dokumente im Wert von mehreren
Milliarden Euro kaufen würde, um den Euro soit weiter zu entferten
und um damit die Kriese zu lindern. Hab ich das so richtig
ausformuliert? Bin mir nicht sicher. Jedenfalls soll sehr viel mehr
Geld gedruckt werden und das hieß hier in China für mich: alles
wird (wenn es in Euro umgerechnet wird und das macht man halt)
bedeeeeeutend teurer. Fand ich nicht so toll, aber was will man
tun...
Am Abend hat mir ein Bildbearbeitungsprogramm auf den Computer
gezogen, das Lightroom 4 heißt und auch von professionellen
Fotographen zur (Nach-)Bearbeitung benutzt wird. Ich verbrachte den
Abend mit der spannenden Arbeit, ein paar meiner Urlaubsbilder für
den Blog zu bearbeiten und ein wenig herumzuexperimentieren. Wirklich
toll und ich werde es sicherlich im Zukunft viel nutzen.
TAG
193 Freitag 06.03.2015 bis
TAG 195 Sonntag 08.03.2015
Am
Freitag hab ich mich seit langer, langer Zeit mal wieder mit Jingning
静宁 getroffen.
Jingning war die „Helferin“ einer meiner Lehrerinnen im letzten
Semester und ich hatte mich ja schon öfters mit ihr getroffen.
Leider war sie gerade dabei ihre Masterarbeit zu schreiben und hörte
auch auf in peking zu studieren, weshalb sie jetzt wieder in Suzhou
苏州 wohnt,
aber wegen ihrer Masterarbeit war sie mal wieder in Peking und
deshalb war es mal wieder Zeit was zu unternehmen. Wir gingen zum
Jiaozi Dawang (logisch) und quatschen eine ganze Weile über meine
Reise nach Taiwan. Jingning war selbst noch nie dort, will aber
unbedingt mal hin. Wie die meisten Chinesen. Mir fiel mal wieder sehr
schnell auf, dass mein Chinesisch bei ihr viel viel besser war und
ich wirklich flüssig und ohne groß nachzudenken redete. Es ist
wirklich erstaunlich, wie groß der Niveauunterschied unter
bestimmten Bedingungen ist. Bei ihr, wie auch damals mit Jindi, läuft
alles viel besser und ich hab das Gefühl, mein Chinesisch ist
wahnsinnig gut. Bin ich mit Philipp und Ke (seiner besten Freundin)
unterwegs, denk ich jedes Mal „was laberst du da für einen Müll?“.
Schonverrückt, dass es so merkbar besser läuft, wenn man
selbstbewusster ist und die Person mehr mag oder besser kennt. Nicht,
dass ich Ke und Philipp nicht mag, haha, aber wenn ich in Philipps
Gegenwart Chinesisch rede, fühle ich mich immer fast schon unwohl,
weil er schon bedeutend besser ist und außerdem habe/hatte ich ja
mit Jindi und Jingning mehr am Hut als beispielsweise mit Ke. Auf
jeden Fall war es sehr schön und wir hatten viel Spaß beim Reden.
Wir
gingen dann nach dem Essen wieder zurück auf den Campus und ich
checkte mal, in welchen Kurs ich nun gekommen bin.
![]() |
| Stundenplan. leider fällt mir gerade auf, dass er nur auf Chinesisch ist, aber egal :D |
![]() |
| und hier die Einteilung in die Kurse. liks der 2. höchste Kurs. Studenten 1 und 2: ich und Philipp. |
Und siehe da: 高二,
der 2. höchste Kurs von den 10. und natürlich waren auch (neben 2
neuen Koreanern) Robert (Armenien), Xiaobin (Südkorea), Naifan
(Japan), Federica (Italien), Joaquin (Argentinien) und Philipp wieder
mit mir in einem Kurs. Das sind all die, die letztes Semester auch
mit mir in einer Klasse waren und natürlich würden sie es auch im
kommenden Semester sein. Wie ich schon sagte, den Test hätten wir
nicht machen müssen, denn es kam eh jeder einfach eine Stufe nach
oben. Dass ich dieselben Komillitonen haben würde, fand ich gut,
dass ich aber in 高二
gekommen war, sind so, denn da sollte die super strenge
Lehrerin sein, von der mir Marina am Dienstag erzählt hatte. Auch
Jingning kannte die Frau und selbst sie meinte, dass sie ziemlich
unausstehlich und fast schon gemein wäre. Da sie einer der
Fremdsprachenlehrerinnen Aushilfe geleistet hat, musste sie es ja
etwas besser wissen. Hmm.. Wechseln kann man locker noch, aber ich
würde es mir erst einmal selber anschauen. Desweiteren fand ich
heraus, dass unsere superkompetente Lehererin aus dem Schreibkurs
wieder da sein wird. Doch dieses mal für den Lesekurs. Kann nur
scheiße werden. Die anderen sind dagegen alle neu, von daher: Auf
ein Neues!
Gegen kurz nach 4 bin ich dann mit Philipp nach Wudaokou gefahren.
Wir waren ja vor langer Zeit schonmal dort wegen einem
Voice-Recording Job, wo wir ein paar deutsche und englische Sätze
ab-/vorlesen mussten und dann 200 Yuan bekamen. Dieses mal sollte es
knapp 2 Stunden dauern und uns ganze 400 pro Person einbringen. Wir
kamen an, wollte loslegen, wurden dann aber wieder weggeschickt, weil
der Aufnahmeort nicht in der Firma, sondern ganz woanders war. Auch
wieder typisch China. Wir wurden dann über 5 Ecken zu einem Wohnhaus
gelotzt und fanden uns letzten Endes in einer Wohnung wieder, die
wohl nur dür die Aufnahme gemietet wurde. Schon irgednwie seltsam
und sicher alles nur schwarz und unter der Hand, denn offiziell war
das nicht. Beziehungsweise wissen wir es nicht genau, denn wir
mussten Verträge unterzeichnen und auch die Ausstattung innen sah
recht modern und teuer aus, aber ist ja auch egal. Also mit
Ausstattung meine ich die dort aufgestellten Computer usw., alles
Apple, Mac mit Touchscreen, iPads und so weiter. Nun ja, wir wurden
getrennt und mussten in 5 Räumen die je anders ausgestattet waren
jeweils 3 Sessions vorlesen. Mal war die Straße draußen zu hören,
mal der Fernseher, mal Musik und jedes mal musste man annähernd
dasselbe vorlesen. Mal waren es App-Namen, mal handy-Befehle wie
„öffne xxx“ oder „zeige mir xxx“, aber manchmal auch Sachen
wie „zeige mir Weather App Settings öffne“. :D
Das noch witzigere daran war, dass man super mitbekommen hat, dass
diese Satzkollektion von mind. 3 verschiedenen Leuten
zusammengestellt wurde, denn erst gab es ganu kurze 3-Wort-Sätze,
die manchmal sogar Englisch waren, dann gab es massig Sätze, die
grammatikalisch total falsch waren (Philipp hat sie eisern so
vorgelesen, ich hab sie jedes Mal verbessert, ohne es den Leuten zu
sagen, muhaha), und dann am Ende gab es Sätze, die so perfekt und so
kompliziert waren, wie als hätte sie ein deutscher
Naturwissenschaftler aus seiner Doktorarbeit kopiert. Schon irgendwie
lustig, wenn auch befremdlich, haha. Aber wir gingen beide mit
unserem Geld da raus und machten uns dann wieder auf den Heimweg.
Am Samstag hab ich außer für HSK zu lernen, am PC zu spielen, zu
essen und Blog zu schreiben wohl gar nichts gemacht, denn in meinem
Tagebuch auf dem Computer steht nur „das Übliche
blablablabla.....“. Ich würde sagen, das reicht. :D
Sonntag bin ich dann mal in den Buchladen auf meinem Campus gegangen
und kaufte mir die Lehrbücher für meinen Kurs. Da ich ja eventuell
zu 高三,
also in den nächst niedrigeren Kurs wechseln wollte, die Bücher
aber dieselben sein würden, war das so gesehen egal. Die Bücher (6
waren es und sie kosteten über 250 Yuan – danke, blödes
Stipendium, dass niemand sein versprochenes Büchergeld bekommen hat)
waren die, die auf den Büchern aufbauten, die ich letztes Semester
hatte. Alos nochmal genau derselbe schwachsinnige Stuss. Meine
Komillitonen hatten in dem Semester Kurse über Chinas Geographie,
dessen Geschichte, oder über traditionelles Chinesisch und wir
konnten nichts machen, außer demselben Kloppimist wie letztes
Semester. Es gab andere Kurse, aber nur für Bachelorstudenten. Und
das waren wir nicht. Nun ja. Philipp und ich sahen uns die neuen
Bücher an und der einzige nennenswerte Unterschied war, dass die
neuen Vokabeln nun nicht mehr ins Englische übersetzt wurden,
sondern auf Chinesisch erklärt wurden. Und zwar in 25 % der Fälle
mit 1:1 derselben Vokabel wie die neue Vokabel. Superschlau.
Ansonsten war alles genauso aufgebaut wie im Semester davor.
Später hab ich noch ein bisschen mit meienr Mum geskypt und ihr von
meinen Plänen berichtet, mir eventuell bald eine Spiegelreflexkamera
zuzulegen. Meistens, wenn ich meiner Mutter berichte, dass ich
vorhabe, mir dieses oder jenes zu kaufen, führen wir die
obligatorische Unterhaltung darüber, dass sie es nicht gut findet,
es aber meine Sache ist. Die hatte ich nun auch erwartet, doch zu
meiner Überraschung fand sie die Idee klasse und das ermutigte mich
gleich noch mehr dazu, mir wohl bald eine zuzulegen. Ansonsten
quatsche ich noch mit ihr über meine neue Kursstufe und Philipps
Stipendium. Weil der Euro nämlich so krass sinkt wurde nun
entschieden, dass er ab März monatlisch 1.000 Yuan mehr bekommen
sollte. Rückwirkend bis September.. das würde eine Menge Geld
bedeuten und obwohl ich mich für ihn freute, ärgerte es mich, dass
mein Stipendium offenbar nicht dieselbe Entscheidung getroffen hat,
aber was will man tun. Nach einer knappen Stunde beendeten wir dann
unser Gespräch und mein Sonntag verlief weiter ohne großartige
Ereignisse.
TAG 196 Montag 09.03.2015
bis TAG 198 Mittwoch 11.03.2015
Am Montag ging die Uni „endlich“ los. Man traf sich nach langer
Zeit mal wieder und hatte sich viel zu erzählen. Außerdem wirkte
alles viel ausgelassener. Philipp traf es ganz gut, als er meinte
„wir ja jetzt auch schon eine eingeschworene Leidensgemeinschaft“.
Jedenfalls war es ganz cool. Man lachte einfach viel mehr, was
letztes Semester noch etwas verhaltener war. Wir hatten zuerst Tingi
(hören) und unsere neue Tingli-Lehrerin war wirklich der
Hauptgewinn. Letztes Semester hatten wir ja noch Barbie und sie und
ihr behindertes Guten-Morgen-Klatschritual waren nun für immer weg.
Die neue Lehrerin sah sehr nett aus, wirkte wie eine anständige,
denkende Frau und nicht wie ein 14-jähriges Mädchen. Sie war super
super freundlich, lustig, war sehr aufgeschlossen, wagte es, auch mal
Negatives über China zu sagen und – das beste von allem – die
wollte, dass wir einfach frei sprechen. Sie würde jede Stunde mind.
30 Minuten dafür verwenden, einfach frei mit uns über das zu
sprechen, was wir wollen. Das fanden wir alle wirklich toll und
hofften, dass die anderen Lehrer auch so kompetent und „normal“
seien würden, wie sie es war. Da wir am Montag immer nur die eine
Stunden haben würde, war es das für den Tag auch gewesen.
Ich ging dann heim und verbrachte heftige 5 Stunden damit, meinen
Blogtext über die Taibei-Woche zu bebildern und zu veröffentlichen.
Jede Minute war eine Qual, aber dann hatte ich es weg. Wie ihr seht,
hörte es ja aber dennoch nie auf. :D
Am Dienstag hatten wir dann Kouyu (reden) und danach Jingdu
(Grammatik). Kouyu war ganz okay. Die neue Lehrerin war etwas älter,
hatte aber im Grunde genommen auch ganz annehmbare Ansichten und
wirte auf den ersten Eindruck nicht wie eine Null. Am Dienstag kamen
dann noch 2 neue Studenten dazu. Noch ein random Koreaner (mit dem
ich bis jetzt noch kein Wort geredet habe, denn er wirkte nicht
wirklich sympathisch) und – was auch sonst – ein Deutscher. Der
junge Mann heißt Reiner (ja, Reiner), ist 23, kommt aus Frankfurt am
Main, studiert in Heidelberg Jura und macht hier ein Austauschjahr,
wo er hauptsächlich Jurakurse belegt. Im vorherigen Semster war er
noch an der Beijing University, kam aber dann hier her gewechselt,
weil es ihm dort noch weniger zu gefallen schien. Reiner jedenfalls
ist ziemlich cool, sehr witzig und spricht ebenfalls recht gutes
Chinesisch. Dann war Jindu an der Reihe. Die Jingdu-Lehrerin war die,
von der Marina und Jingning mir schon so schön berichet hatten und
obwohl ich auf das Allerschlimmste befasst war, musste ich
feststellen, dass sie kein bisschen so ist, wie sie sagten. Im
Gegenteil, sie war freundlich (wenn auch respekteinflößend), lachte
öfters mal und gestaltete den Unterricht sehr strukturiert und
angenehm. Entweder hatte sie sich stark geändert (Marinas Klasse
schrieb Ende letzten Semesters wohl einen sehr ernsten
Beschwerdebrief an sie, was in China als ziemlich heftige Kritik
angesehen wird), oder der Kurs von Marina interpretierte ihre Art
einfach nur fehl und regaierte dann zu spitz. Ich weiß es nicht,
aber solange sie nett ist und bleibt, ist es mir auch herzlich egal.
Ich beschlossen, den Kurs nicht zu wechseln. Die Lehrer waren bis
dahin ziemlich gut und meine Klasse gefiel mir ebenfalls. Li Congcong
李聪聪 (Seulgi
ist ihr koreanischer Name) war auch ziemlich nett und irgendwie
verrückt auf ihre Art, war mir auch gefiel. :D
Sonst verbrachte ich den Tag damit, Vokabeln für die Uni und für
HSK zu lernen (¾ von HSK 4 hatte ich nun fertig und verinnerlicht).
Außerdem hatte ich ja vor ein paar Monaten beschlossen, jeden Monat
wenigstens 1 mal aus Peking rauszukommen und vielleicht zu reisen. Da
ich aber den Februar so viel unterwegs war und Reisen ja auch nicht
gerade billig sind, beschloss ich an dem Tag, das Reise im März sein
zu lassen und mir dafür eine gute kamera zu kaufen. Da mir Philipp
wegen meiner Reise kein Geburtstagsgeschenk machen konnte, beschloss
er mir stattdessen bei der Suche nach einer ordentlichen Kamera zu
helfen (sein Fachwissen war mir da logischerweise eine sehr große
Hilfe) und einen kleinen Teil des Preises zu übernehmen. Da sag ich
mal nicht nein! :P
Mittwoch war erst nochmal Jingdu an der Reihe und dann hatten wir
Yuedu (lesen) bei meiner ehem. Xiezuo (schreiben)-Lehrerin. Jingdu
war in Ordnung und Yuedu … naja, Yuedu war … ganz toll. Wir
durften uns zu Beginn zum 4. Mal einander vorstellen (am Anfang des
Semesters MUSS man sich ja in jedem der 5 Kurse aufs Neue allen
Klassenkameraden und dem Lehrer vorstellen). Zählt man das vorherige
Semester mit, habe ich mich nun schon 9 mal den anderen vorgestellt.
Toll, was? Ansonsten war der Unterricht mal wieder ziemlich ätzend,
denn die Frau hat irgendwie keine Ahnung vom Leben und ich weiß,
sowas sagt man schnell mal und hier und da, aber das ist mein Ernst.
Die hat keine Ahnung, was los ist und checkt nichts. Die redete die
gesamte Stunde (außer bei unserem Vorstellen) pausenlos und
beantwortete alle Fragen selbst. Die Texte wurden superschnell
durchgerasselt und es wurde kein Wert auf unser Können oder unsere
Probleme gelegt. Ein ziemlicher Reinfall also.
Nach der Uni ging ich dann mit Reiner noch Jiaozi essen und wir
quatschten noch ein wenig. Er sagte mir, dass sein Vater Deutscher
sei, seine Mutter allerdings aus Malaysia kommen würde. Und der
Vater seiner Mutter war Chinese. Das nenne ich mal Weltoffen. Reiner
war also zu 1/8 Chinese und der Rest war Deutscher und Malaysier. Er
meinte, dass seine Mutter auch genau deswegen einen sehr deutschen
Namen für ihren Sohn wollte, einfach um Missverständnisse aus dem
Weg zu räumen. Da hatte sie mit Reiner eine wirklich gute Wahl
getroffen würde ich mal sagen. :D Wir spatzierten dann noch ein
wenig durch den Campus, bis er dann in die Bücherei und ich nach
Hause ging.
Daheim versuchte ich dann, die von Philipp rausgesuchte Kamera im
Internet zu kaufen, doch da es China ist und Kreditkarten hier gerne
mal total nutzlos sind, musste er mit seiner zahlen. Das ging dann
wieder.. naja, da ich noch genug Bargeld bei mir hatte, gab ich ihm
gleich das restliche Geld und alles war gut. Insgesamt hatte die
Kamera gebraucht 1800 Yuan (ca. 270 €) gekostet. Also war sie
gekauft! :)
Ansonsten hatte ich an dem Tag noch angefangen, den Blog über die
„taiwan-Woche“ zu schreiben, also den 2. großen Eintrag, wo es
um die Woche ging, wo ich mit Jana auf Taiwan umhergereist bin.
Außerdem berichtete mir Li Yuan, dass er im kommenden Semester für
ein Jahr nach Köln gehen würde um dort sein Auslandsjahr zu
absolvieren. Er hatte die Wahl zwischen Tübingen, Köln, Leipzig und
Weimar und er wählt NICHT Leipzig. Fast sauer war ich da auf in,
aber er wird schon sehen, was er davon hat..
TAG 199 Donnerstag 12.03.2015
Uni war okay und nichts sonderlich nennenswertes ist passiert. Ich
ging mittags zur Bank und begann nachmittags ziemlich lustlos, den
Taiwanblog weiterzuschreiben. Abends habe ich mich dann noch mit
Yuyan 雨嫣
getroffen, die ich auch schon ewig nicht mehr gesehen
hatte. Yuyan war während den Ferien für einen Monat nach Ägypten
geflogen, um dort mit Hilfe eines internationalen Austauschprogrammes
gemeinnützige Arbeit zu verrichten und ein neues Land
kennenzulernen. Dort hatte sie dann zufälligerweise auch noch einen
Inder getroffen, der ihr Freund wurde. Also ihr ferster Freund. Wir
gingen gemeinsam in ein naheliegendes Restaurant essen und sie
erzählte mir alles mögliche über Ägypten und ihren Freund und ich
ratterte mal wieder meine Geschichten über Taiwan runter. Das Essen
war zwar nicht das tollste, aber schön war es dennoch!
![]() |
| hier das mäßig tolle Essen. :D |
![]() | |
| die Flüssigkeit in der linken Schüssel ist Schnaps mit Reis und Bohnen. YuYan meinte, wie würde davon betrunken werden (typisch Chinesen), aber ich hab gar keinen Alkohol geschmeckt :D |
Also Leute. Das war es bis jetzt erstmal. Ab dem kommenden Eintrag wird sich das Muster sicher ein wenig verändert haben, sodass ich nicht mehr jeden Tag niederschreiben muss. Ich hoffe, es war auch ohne Bilder und großartige Ereignisse relativ interessant und danke wie immer fürs Lesen!
Grüße aus Peking. :)






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