Mittwoch, 17. September 2014

Hello again.

Da ich keine Lust habe, es immer so vor mich hin zu schieben, versuche ich jetzt mal auf die Schnelle einen Blogeintrag über die letzten 3 Tage zu machen. Stehen geblieben waren wir ja beim Sonntag. Und da nun die Uni endlich losging (mittlerweile wünsche ich mir natürlich wieder, dass sie vorbei wäre..) und es da viel zu erzählen gibt, schieß' ich gleich mal los! :)


TAG 22 Mo. 15.09.14
Wie geplant wurden Montag die Zuteilungen in die Sprachkurse herausgegeben und Philipp und ich machten uns gegen Vormittag auf zum International Education Biulding No. 1 (unserem künftigen Unterrichtsgebäude) und sahen:
oben links: ich + chin. Name und unten drunter Philipp

wir sind im selben Kurs.
Wollten wir natürlich weniger, da wir uns ja sozial auch irgendwann mal aufteilen müssen, aber bis jetzt (es ist jetzt Mittwoch und es sind 2 Tage vergangen) ist es eigentlich nicht schlimm, sondern eher wie immer ganz nett ein bisschen Heimat um sich herum zu haben. Yan , unsere chinesisch-amerikanische Freundin ist sogar mit uns in einem Kurs. Genau gesagt in 中一 (zhong yi „Mitte 1“), das ist der höchste von 6 Mittelstufenkursen. Hat aber wie es aussieht dasselbe Niveau wie 中二 (zhong er „Mitte 2“), der Kurs, den Anna abbekommen hat. Außer diesen 6 mittleren Kursen gibt es noch einen Grundstufenkurs und 2 mit sehr hohem Niveau. Da sitzen dann hauptsächlich Koreaner und andere Asiaten. ;)
Danach gingen Philipp und ich unsere Bücher kaufen. 6 Stück für 5 Kurse um genau zu sein. Hören, schreiben, sprechen, lesen und ein alles zusammenfassender Kurs (in dem unsere Tutorin
白鸽 Bai Ge uns unterrichtet). Später wurden wir leider gezwungen, unseren Reisepass für sage und schreibe 5 Wochen abzugeben, da wir unser Visum ja auf eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung verlängern mussten. Nicht nur, dass wir dafür 500 Yuan zahlen durften, ohne, dass uns das jemand mitgeteilt hat, nein, wir können ohne den Reisepass leider die Stadt nicht mehr verlassen. Denn um Zug zu fahren benötigt man diesen unbedingt. Schöne scheiße, denn vom 29.09.-07.10. sind hier in China Ferien, da der 01.10. der Nationalfeiertag ist. Die längsten Ferien außer den Semesterferien und wir können nicht weg. Philipp wollte nach Dalian 大连, Anna wohl in die Innere Mongolei 内蒙 und ich nach Nanjing 南京 und mit Johanna zusammen Jana besuchen, aber daraus wird jetzt wohl nichts mehr. Wir sitzen hier fest. Über die Ferien......

Um 3 trafen Philipp, Anna und ich uns mit Yan und fuhren mit der U-Bahn zusammen zu einem 2 Haltestellen entfernten Park und trafen uns da noch mit Jindi 金迪, die ihr ja mittlerweile kennt. Der Park an sich war wieder mal wunderschön, überraschend friedlich und eine wie immer willkommene Abwechslung zum Lärm und der Eile. Zudem war die Luft an dem Tag wieder unheimlich gut. Der Wert, den ich ja schonmal erklärt habe, lag gegen 13 Uhr bei 13 (höhö, lustig, 13 und 13), das ist mal wieder besser als in Deutschland. Bis jetzt haben wir wirklich „Glück“ hier. :)
Nicht so toll war wieder mal, dass der Park vollkommen künstlich angelegt war und man sich (wie sonst auch überall) nirgends ins Gras legen. Scheint hier nicht wichtig zu sein. Schön war es aber trotzdem!
Und hier unten seht ihr noch einige Bilder von Yan, Jindi und uns 3en. :)

Ente Ente Ente Ente



v.l.n.r.: Yan, Anna, Jindi


Jindi, Anna, Ich, Philipp, Yan - BÖSE
Jindi, Anna, Ich, Philipp, Yan - NICHT BÖSE

因为我们是一家人。。。



Als sich dann unser Trip zum Park langsam dem Ende neigte (wir wollten mal nicht wieder nur unterwegs sein, sondern den Abend vor dem 1. Unitag etwas entspannter angehen), liefen wir wieder mal Ewigkeiten zur nächsten Bushaltestelle, durchquerten den Campus der Uni, an der Jindi Public Management studiert (Name vergessen) und fuhren heimi. Dort erwartet mich natürlich kein entspannter Abend, sondern eine kriegsähnliche Auseinandersetzung mit 淘宝 taobao, dem chinesischen Ebay. Dort wollte ich mir 2 Rasierer kaufen (2, falls einer kaputt ist, was ja nicht unwahrscheinlich ist) und nachdem ich es nach knapp 2 Stunden geschafft habe, mir auf den ausschließlich chinesischen Seiten einen Barttrimmer zu suchen und zu finden (und erstmal herauszufinden, was der Spaß denn überhaupt auf Chinesisch heißt...), mich dort anzumelden und die Bestellung abzuhandeln, fiel mir auf, dass ich ja garkeine Karte habe, die in der Lage ist, zu zahlen. Oft kann man Bar zahlen, wenn sie es einem liefern, doch nicht hier. Kacke. Kackekackekacke. Naja, nach ewigem Hin und Her habe ich Jindi gebeten, sie von ihrem Account zu kaufen und zu mir liefern zu lassen. Wenn doch nur alle Freunde so wären wie Chinesen …
Nach dem obligatorischen Essengehen (mal wieder viel zu scharf...), schrieb ich dann noch meinen Blog zu Ende und ging ins Bettchen. Der Unterricht fängt hier ja jeden Tag um 8 … UM ACHT … an.

TAG 23 Di. 16.09.14
So, nach einer total beschissenen Nacht klingelte mich der Wecker um 7 nicht mal wach, da ich schon seit um 6 im Bett rumgegurkt habe. Scheiß Aufregung. Naja, dann ging es raus, ins Bad und ohne Kaffee und Essen in die Uni. Also „in die Uni“ kann man ja nicht sagen. Wir leben ja auf dem Campus und das Unterrichtsgebäude ist ganze 90 Sekunden von der Haustür entfernt. Wir gingen also los. Ganz lustiges Gefühl gewesen, so als Student an einer chinesischen Uni, wo man jetzt Unterricht hat und so. Ihr wisst ja sicher, wie ich das meine. Ist schwer zu beschreiben. War aber schön irgendwie. Und aufregend. Jedenfalls kamen Philipp und ich dann in unsere neue Klasse, u.a. bestehend aus 3 Koreanerinnen, 2 Japanerinnen, einer Russin, einer Italienerin, einem Argentinier, Yan und 3 Deutschen. Der 3. ist ein Typ namens Patrick aus Bonn. Wie bereits gesagt – die Welt ist ein Dorf.

Naja, also wir hatten dann zuerst 写作 (xiezuo schreiben). Ich habe gefürchtet, dass alle Lehrer in China den stereotypischen Chinesen-Unterricht geben, also massig Vokabeln 1000 mal nachsprechen, Texte und Sätze im Chor lesen und nichts selbst machen. Aber das war nicht so. Die Lehrerin fürs Schreiben wirkte zwar ein bisschen beknackt, da sie ständig über alles (wohl bemerkt alleine) lachte und nie nicht grinste, aber lieber übernett und beknackt, als streng und/oder öde. Wir hatten erstmal eine kleine Vorstellungsrunde (war nicht die letzte, da wir ja 5 neue Lehrer bekommen haben...), in der jeder mal zu Wort kam. Die 2 Koreanerinnen, die vor mir saßen (ihre chinesischen Namen sind En Shuai und Xian Ying), wirkten sehr nett und waren ziemlich cool drauf, sodass ich sie die Tage sicher mal fragen werde, ob sie mit mir mal was unternehmen wollen. Auch die Japanerinnen (Qiao Ben und Nai Fan waren deren chinesische Namen) schienen total sympathisch, so wie auch die Russin. Alles in allem eigentlich ein nettes Klima. Man redet sogar untereinander meist Chinesisch, obwohl man sicher auch immer und bei allen (außer den Koreanerinnen) Englisch nutzen könnte.

Nachdem dann die erste Stunde vorbei war, traf ich mich in der Pause mit Anna und hörte mir ihre Geschichten an: sie hatte gerade Hören (听力 tingli) und konnte nicht mehr vor lachen, da ihre Lehrerin sich selbst … Achtung … BARBIE nennt und so auch gerne von den Studenten angesprochen werden möchte. Halb totgelacht fragte ich noch, ob sie denn auch nur Pink tragen würde, aber leider war es nur ein weißes langes Qipao (chinesisch traditionelles Kleid). 听力/Hören hatte ich dann in der 2. Stunde auch und als unsere Lehrerin dann reinkam war ich kurz einem totalen Nervenzusammenbruch nahe. Weißes, langes Qipao. GEIEL. Barbie war auch unsere Lehrerin! Doch die Frau, von der ich dachte, dass sie bestimmt ziemlich verrückt ist, ist sogar einer der coolsten Chinesinnen, die ich bis jetzt so kennengelernt habe. Sie ist super persönlich, nett und sehr aufgeschlossen. Sätze wie „euer zu Hause ist vielleicht weit weg, aber dieser Kurs ist jetzt euer 2. Heim“ oder „ihr könnt mich alles fragen – egal, ob Unterricht, oder wo ihr Klamotten kaufen könnt oder wo man Spaß haben kann“ sind nur Ausschnitte. Sie steht total auf 绿色旅游 (lüse lüyou wörtl. „grünes Reisen“ - bedeutet so viel wie umweltfreundliches Reisen), ist also auch recht alternativ eingestellt. Weiterhin war auch ihr Unterricht super. Sie spricht perfektes Hochchinesisch und hat wirklich tolle Unterrichtsmethoden fernab der chinesischen. Zwar gab es recht viele Hausaufgaben auf, aber das war noch okay. Alles in allem war ich von dem ersten Tag ziemlich begeistert. Die Lehrer sind sehr nett, der Unterricht macht Spaß und man hat endlich mal gesprochen und zugehört, anstatt immer nur nachzusprechen oder anspruchslose Aufgaben zu erledigen.
Den Rest der Tages verbrachten wir getrennt und ich für meinen Teil recht unspektakulär. Ich habe gegessen, Hausaufgaben angefangen, Bücher und eine Lampe gekauft und gebloggt. Es war noch Zeit übrig dafür.
Der zweite Unitag war dafür weniger toll.......

TAG 24 Mi. 17.09.14
Schon wieder um 7 aufstehen. Man, das ist aber wirklich nicht so toll. Völlig fertig und knatschig ging es dann frühs wieder in denselben Raum wie gestern. Wir haben immer in dem Raum. Zu erst hatten wir 口语 (kouyu sprechen). Die Lehrerin für den Kurs war schon wieder anderes Kaliber. Strenger, fordernder und für meinen Geschmack zu viel Unnützes dabei. Ständig zeigte sie auf Leute und drängte einen. 你说吧!/Sprich! Das war nicht so geil. Außerdem mussten wir kleine Situationen nachspielen, die aus 2 Sätzen und einer für sie unabdingbar wichtigen Geste bestanden und Texte „neu“ umformen. Außerdem gab es eine ganze Menge Hausaufgaben auf. Auch generell sind die Anforderungen in den Kursen ziemlich.. Naja. In deutschen Unis gibt es keine Anwesenheitspflicht. Hier geht diese sogar bis zu 1/5 in die Endnote mit ein. Genauso wie häufiges Melden, Hausaufgaben machen und Mitschülern helfen. Dann will jeder noch einmal die Woche einen 500-Zeichen-Aufsatz, eine kleine Gruppenarbeit, ausgedachte Dialoge oder mehrere Übungen im Buch haben. Für meinen Geschmack viel zu viel. Wenn man dann noch bedenkt, dass man 5 Lektionen in 5 Büchern parallel macht und dazu pro Lektion nochmal jeweils 20-50 neue Wörter hat…

Die 2. Stunde war 精读 (jingdu wörtl. „kluges Lesen“). Der zusammenfassende Kurs bei unserer neuen Tutorin Bai Ge. Eine unsagbar nette, kompetente und freundliche Frau. Super Ansichten, fragte immer lächelnd, ob alle mitkommen und meinte, dass wir uns immer melden sollen, wenn was ist. Also wirklich sehr angenehm und … ja, einfach schön. Man konnte sie einfach fragen, ohne Angst haben zu müssen, dass das schlimm ist, wenn man das oder das nicht kann. Nachdem wir unseren Banknachbar dem Kurs vorgestellt haben, sollten wir dann am Ende noch 2 kleine Textchen darüber schreiben, wer für uns den größten Eindruck hier gemacht hat und was wir uns dieses Semester so vorgenommen haben. Schöner Unterricht.

Doch als ich dann heim ging und meinen Planer durchgecheckt habe, war mir langsam nicht mehr so nach Lachen. Wir hatten nach den 2 Tagen schon so massenhaft viele Hausaufgaben auf, dass ich das Mittagessen glatt habe sausen lassen und mich die nächsten 5 Stunden hingesetzt und Unikram gemacht habe. Texte schreiben, Lücken ausfüllen, Leute zu Themen befragen, Vokabeln ohne Ende lernen, Vokabeln sauber 3 mal abschreiben und sie dem Lehrer nächste Stunde zeigen..., Texte lesen. Und nicht nur, dass man Unmengen Vokabeln für jeden Kurs lernen muss, die Texte und Aufgaben haben auch nochmal jeweils Vokabeln in sich, die ich nie zuvor gesehen habe. Langsam ging meine Laune ziemlich den Bach runter.
Auch hatte ich keine wirkliche Zeit mehr, um die wenigen Kontakte zu meinen neuen chinesischen Freunden aufrecht zu erhalten, weil ich es nicht mal geschafft habe, ihnen bei WeChat zu schreiben. Dann wollte ich mal noch einen vermittelten Kontakt fragen, wie ich denn hier zum Volleyball spielen komme UND ich wollte eigentlich einem Jobangebot nachgehen und Deutsch unterrichten. Doch was habe ich davon geschafft? Null. Ich sitze schon am 2. Tag hier in meinem Zimmerchen und lerne nur Vokabeln. So habe ich mir das ehrlich nicht vorgestellt. Und dann gab es auch mal die ersten kleinen Tränchen in China. Klingt ein wenig übertrieben, aber wenn man hier so alleine in einem Zimmer in China sitzt, die chinesische Welt (oder wenigstens mal mehr als nur den Campus) sehen will, die Leute und deren Gepflogenheiten kennenlernen will, Freunde finden will, Sport treiben will und man dann letzten Endes den gesamten Tag gestresst im Zimmer sitzen, Hausaufgaben machen, 1000 Schriftzeichen nachschlagen und dann noch lernen muss, dann kann man schon mal ziemlich traurig werden.
Nachdem ich meinem Kummer ein bisschen Luft gemacht habe, habe ich mich einfach wieder an den Schreibtisch gesetzt und weiter gemacht. Fertig habe ich jetzt immernoch nicht alles und wahrscheinlich wird das auch nichts, da ich morgen sicher wieder genauso viele Hausaufgaben aufbekommen werde. Da muss ich jetzt wohl durch.

Nun ja, viel anderes ist an diesem Tag dann auch nicht mehr passiert. Ich habe den Aufsatz, den ich bis nächsten Dienstag noch schreiben muss, verschoben und stattdessen meinen Blogtext vorgezogen. Ich denke, vorallem meine Familie ist sehr interessiert daran zu erfahren, wie meine ersten Tage „in der Uni“ so waren. Seid nicht zu traurig, mir geht es gut. Die Lehrer und die Klasse sind toll und es gibt größtenteils effizienten Unterricht. Ich hätte mir das hier nur nicht so stressig und viel weniger hausaufgabenintensiv vorgestellt, aber somit werde ich wohl auch den chinesischen Fleiß lernen und in mich aufnehmen müssen, wenn ich noch ein bisschen mehr Freizeit haben will. Mehr wird folgen!

PS: tut mir leid, dass die Texte so lange und bilderlos sind, aber von dem Klassenraum und meinem mit Büchern und Zetteln gefüllten Schreibtisch habe ich jetzt keine Bilder machen wollen. Weniger krass. :P


Also dann. Bis späider!

Euer Thomas aus China

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