Dienstag, 16. September 2014

Soooo, schon wieder eine Woche rum, in der ich es nicht geschafft habe, zu bloggen. Man halt einfach ständig was vor oder irgendwelche Verpflichtungen hier. Naja, bald beginnt ja die Uni und dann tritt vielleicht irgendwann mal der Alltag ein. Jetzt erstmal was zur letzten Woche. :)

TAG 15, Mo. 08.09.14
Montag war wieder mal wenig spannend. Wir hatten keinerlei universitäre Verpflichtungen, mussten glaube ich mal nichts einkaufen und daher haben wir uns wieder in das koreanische Café bei uns um die Ecke begeben und dort hab ich (wie bereits in Blog davor erwähnt) mein Internet – natürlich nur kurzzeitig – zum funktionieren gebracht, gleich nochmal gebloggt und die lang ersehnte Internetfreiheit am PC ausgekostet. Das blöde Internet verlässt mich ja im Durchschnitt alle 3 Tage wieder. Das dauerte dann auch gleich mal bis abends, sodass an dem Tag wirklich nichts passierte, als dass wir da zu dritt gegessen haben, uns nahezu angeschwiegen haben und mit unseren Technikgeräten beschäftigt waren. Sehr chinesisch immerhin.
das Essen hier ist einfach immer wieder super!
Abends ging es dann mal wieder essen, scharf, lecker, blabla, das übliche. :D






TAG 16, Di. 09.09.14
Der Dienstag war dann mal wieder einer der schöneren Tage. Wir standen früh auf und duschten kalt. KALT. Das Wohnheim in dem ich jetzt wohnen werde stellt von 6-9, 11-13 und 17-1 warmes Wasser zur Verfügung. Glücklicherweise fängt das Wasser im 11. Stock erst eine halbe Stunde später an warm zu werden, wird dafür aber überpünktlich 5 Minuten vor der eigentlichen Ablaufzeit abgedreht. Haben vorher schon einige geduscht, gibt es auch keins mehr. SUPERTOLL. Naja, kalt geduscht (ab dem Tag habe ich angefangen wie alle anderen Chinesen immer abends zu duschen, da gibts nämlich auch mal warmes Wasser – yey) und dann essen gegangen. Man, ständig schreibe ich „essen gegangen“. Ist zwar hier relativ billig, aber schon nervig, jedes mal zum Essen rausgehen zu müssen und nicht auch einfach mal verranzt im Bett liegen zu können und sich Brot reinzuziehen. Gibts halt nicht. Ohne Kühlschrank, ohne Käse und vorallem ohne ordentliches Schwarzbrot. :(
...ich schweife ab. Weiter im Text.
Wir waren wir gesagt früh auf, weil wir ein bisschen Unibürokratie erledigen wollten. Wie das mit der chinesischen Bürokratie halt so ist, haben wir nichts wirklich geschafft, sondern waren nach den 3 Stunden nur noch verwirrter. Es gab keine Einzelzimmer im gewünschten Gebäude, das Internetcenter vom Campus konnte uns nicht helfen (dieses mal hatte Philipp Probleme) und und und. Naja, ziemlich genervt davon, dass hier jeder nur so tut, als hätte er Ahnung, aber eigentlich garnichts weiß, gingen wir wieder heim und verabredeten uns gegen 12 mit Frau Drinhausen, die in den kommenden 2 Wochen öfters unsere Begleitung sein wird und machten uns mit Bahn, Bus und Fuß auf zum Xiangshan 香山, einer Art kaiserlichen Tempelanlage und Sun Yat-sen Gedenkstätte auf einem Berg (deswegen shan). Dort spazierten wir zu viert entlang und genossen Dinge, die wir schon lange nicht mehr genießen konnten: RUHE und NATUR.
Und sogar super passend sehr gutes Wetter! 
Dort gab es Berge, Gras, schöne geschichtliche Bauten und mal weniger als gefühlt 5 Menschen pro m². Nachdem wir die Tempelanlage hinaufstiegen und unterwegs viel gesehen haben, landeten wir ganz oben und hatten einen (den Smogumständen entsprechend) schönen Ausblick auf Peking, denn der 香山befindet sich ziemlich am Rande der Stadt. Ein paar aussagekräftige Bilder finden sich hier überall. :)




Thomas mit Hintergrund Peking





Auf unserem Rückweg haben wir uns noch einen Spaziergang über den Campus der Beijing University (北京大学beijing daxue) gegönnt. Circa 4 mal größer als der der Renda, dafür aber aber 1000 mal voller. Abends gingen Philipp und ich wieder mal mit Frau Drinhausen raus, essen. Auf dem Weg zum Restaurant der Wahl sahen wir dann noch das hier: 
die armen Mädels...
 
Eine ungefähr 30m lange Schlange von Mädchen, die duschen wollten. Die meisten chinesischen Wohnheime besitzen nämlich keine integrierten Bäder und Toiletten. Die Studenten müssen also zum Pinkeln und Duschen undso immer raus, über die Straße und zur Primetime (wie ich ja sagte, duscht man hier eher abends) auch noch eine Stunde anstehen, um in unabgegrenzten Duschen 2 Minuten warmes Wasser zu genießen. Ziemlich kacke wie ich finde. Als ich aber letztens einen chinesischen Freund fragte, ob er das nicht furchtbar findet, meinte er nur: „nö wieso denn, ist doch gleich gegenüber“. Naja, wenn man es nicht anders gewöhnt ist. Ich jedenfalls würde ich total scheiße finden. Ich finde es ja schon scheiße, dass man hier seltenst mal warmes Wasser antrifft.
Naja, der Abend war dann, als wir alle noch einen Cocktail in der Bar neben dem Wohnheim getrunken hatten und wieder daheim waren auch nicht mehr sonderlich interessant.

TAG 17 + 18 Mi. 10.09.14 + Do. 11.09.14
Die beiden Tage verliefen eigentlich ziemlich gleich. Wir waren mit – wie gefühlt jeden Tag – viel mit Bürokratie beschäftigt. Wir gingen zu unserer exorbitant riesigen Sporthalle und fragten nach unseren Wunschsportarten. Philipp Badminton und ich will Volleyball spielen. Dafür müssen wir uns offenbar einfach Freunde suchen und jedes mal einzeln zahlen. Sicher, nichts leichter als das!
Ansonsten fragten wir nach Einzelzimmern nach und erfuhren, dass wir, wenn Räume (also andere Doppelzimmer) in unserem Gebäude frei werden, können wir die zusätzliche Miete für das 2. Bett direkt für ein halbes Jahr zahlen und umziehen. Alles klar. Kostet auf einmal ganz genau 5580Yuan, also in etwa 700€. Für ein halbes Jahr und ein Doppelzimmer für sich alleine find ich das ganz gut.
Mittags habe ich es mir dann mal gegönnt, mir Instantnudeln im Supermarkt nebenan zu kaufen und mal daheim zu essen. So luxuriös sieht das dann aus: 西红柿鸡蛋面, also Nudeln mit Tomate und Ei. Naaaaaja, so semigeil.
zum Glück liefert hier fast jedes Lokal vor die Haustür...

Nachmittags gab es dann noch eine kleine Einführungsvorlesung für alle Studenten, die auch an dem Sprachzeugs hier teilnehmen (war laut, nervig und die meisten sind irgendwie ziemlich arrogant gewesen) und den Rest des Tages hab ich mich mal wieder mit dem Internet rumschlagen dürfen. Blabla, essen, blabla, nerviges Internet, blabla, Bett.
Donnerstag war dann wieder mal wenig los, außer, dass wir unseren Test hatten. Der schriftliche war ziemlich okay, die Aufgaben wurden gegen Ende immer schwieriger und ich musste raten, aber das war okay. Die mündliche war auch ganz gut und da sie mich zu einem Thema befragten, zu dem ich Ende des 4. Semesters einen Vortrag gehalten habe, konnte ich auch flüssiger als sonst reden. Letzten Endes kann ich dafür zwar in einen zu hohen Kurs eingestuft werden, aber die kann man ja dann wechseln. Ansonsten war dann wieder nicht mehr so viel los. Muss ja auch nicht immer. :)

TAG 19 Fr. 12.09.14
Der Freitag war dann wieder relativ spannend für mich. Zu aller erst haben Philipp und ich uns in die Mensa begeben und hatten das klassische chinesische Frühstück (Kristina, eine gute Freundin, wollte immer mal wissen, was das so ist, hier hast du es :P): 
l: Jiaozi, m: Shouzhuabing, r:Baozi
Jiaozi 饺子 (kleine Maultaschen in Wasser gekocht und mit beliebiger Füllung), Baozi 包子 (Teigtaschen mit manchmal süßer (Sesam/Nussmischungen/...) oder salziger (Spinat/Pilze/Fleisch/Kohl/...) Füllung) und Shouzhuabing 手抓饼  
(auch „hand cake“ genannt, eine Art Blätterteig mit Ei o.ä.). Köstlich und wird nun fast täglich gegessen. :) 
Dann, gegen Mittag war es so weit: wir hatten über Tage die Tausende Yuan zusammengekratzt und konnten uns ein freies Doppelzimmer erkaufen. Ich blieb somit in dem Zimmer, das wir uns bisher geteilt hatten und der kleine Philipp packte seine Sachen und zog ein ganzes Stockwerk weiter runter. Ich war allein. Mein neues Heim für die kommenden 11 Monate war also kein neues, tolles Einzelzimmer, sondern ein Dopelzimmer mit 2 Betten und doppelt so viel Einrichtung. Eigentlich auch ganz cool. Und das Einzelzimmer hätte sich auch keiner leisten können. Jetzt heißt es zwar ein Jahr lang Gemeinschaftsbad, aber das ist eigentlich auch machbar. Zwar kein Luxus, aber den sollte man hier ja eh niemals wirklich erwarten. ;)
Dann gegen halb 4 hatte ich endlich mein erstes rein-chinesisches Treffen mit 2 neuen Freunden und mal ohne Deutsche. ;) Jindi, meine neue und erste, wirkliche chinesische Freundin hier und Weilin 玮璘, ein Jurastudent der Renda, den mir Jindi vorgestellt hat, um bei ihm Rat wegen meines Internets zu suchen, trafen uns, um das bekannte Problem anzugehen und danach essen zu gehen. Wir redeten fast ausschließlich auf chinesisch, manchmal wechselte Jindi ins englische, wenn ich es nicht verstanden habe, ich habe aber dann gleich wieder chinesisch geredet, um nicht rauszukommen. Zwar war sicher vieles falsch und schwer zu verständigen, aber wir haben es hinbekommen, ins Internetcenter zu gehen, uns eine Internetkarte zu kaufen und diese dann auszuprobieren. Natürlich wollte das nicht klappen und meine Laune begann sich wieder dezent zu senken. Nachdem ich aber dies und das probiert hab und dann einfach den VPN für Win7 runtergeladen habe, ging es. Bis jetzt tut es das auch noch, aber man weiß ja nie wie lange. China ist eben unberechenbar.
Nachdem die schwere Geburt endlich durchgeführt worden war, gingen wir dann mit Philipp (der wegen meiner leichten Verzweiflung irgendwann wieder hochkommen und kurz beim Suchen helfen sollte) und Anna zu Fünft essen. Ich wollte natürlich alle einladen, da man mir ja viel geholfen hatte. Hier in China macht man das sowieso. Man zahlt eher nicht getrennt, weil das irgendwie fast schon unhöflich ist und man dabei eine Art höfliche Distanz zueinander wahrt. Das will man hier ja nicht, deswegen zahlt immer einer, nach dem Motto „wir sind doch alles Freunde, das nächste Mal zahlst du“. Finde ich sehr schön, somal es einen auch nicht in den Ruin treibt, mal ein Essen für 5 zu zahlen. Jedenfalls lud ich alle ein und Weilin lehnte das prompt ab (wie gesagt, man streitet sich hier auch gern mal darum, wer die Ehre hat, zahlen zu dürfen). Er wollte die neuen Freunde einladen, aber ich meinte: nix da! Naja, wir verschoben das Thema, er suchte uns ein recht schickes Restaurant auf dem Campus raus und wir aßen recht dekadent. Es gab viel scharfes (esse ich erstaunlich viel hier, man muss sich ja in dem Land langsam mal dran gewöhnen), süßes, usw. 
einmal die 27 bitte

Die Rechnung teilte ich mir letzten Endes mit Weilin, da diese mit ca. 250 Yuan schon recht hoch, aber theoretisch noch erschwinglich, war. Nachdem wir noch eine Weile (natürlich auch wieder fast nur auf Chinesisch) geredet haben und danach noch in einer kleinen Bar waren und ganz krass Saft tranken (junge Chinesen trinken tatsächlich meistens wenig bis null Alkohol (toll..)), brachten wir Jindi zu 5. zur Bushaltestelle und gingen dann unserer Wege.
Als ich dann abends mein Zimmer betreten und mein persönliches Hab und Gut halbwegs ausgebreitet habe, überkam mich dann zum ersten Mal ein ganz anderes Gefühl hier. Das erste mal mit Chinesen zusammen weg und erlebt, wie es so ist. „Endlich“ (so schlimm war es mit Philipp ja nicht!) mein eigenes Reich. Bald ging die Uni los. Man merkte so langsam, dass das Leben hier losgeht. Man lernt Freunde kennen, richtet sich häuslich ein und begann bald, einen universitären Alltag zu haben. Mit diesem schönen Gefühl im Magen ging es dann ins Bettchen.

TAG 20 +21 Sa. 13.09. + So. 14.09.14
Und auch das „Wochenende“ (man kann es ja kaum so nennen, normalerweise hat jeder Uni, muss arbeiten und geöffnet hat hier sowieso immer alles gefühlt 24/7) war recht entspannt, obwohl ich trotzdem immer was zu tun hatte. Ich sehne mich langsam nach einem Tag, an dem ich einfach mal 8 Stunden frei bin und lesen und mich langweilen kann, denn auch am PC sitzen, stundenlang Blogtext schreiben, Rasierer im chin. Internet suchen (hab mein scheiß Ladekabel leider in Deutschland vergessen) oder sonstigen bürokratischen Kram erledigen, ist nicht wirklich anstrengend, aber auch nicht wirklich schön. Jedenfalls gingen Philipp, Anna und ich am Samstag zu Carrefour (oder wie man das schreibt), einem französischen Monsterriesensupermarkt, um ein bisschen Haushaltszeug (Gläser, Schüsseln, eine Fußmatte, Kissen, usw.) zu besorgen.
bei Carrefour gesehen und lustig gefunden: riesige Kisten mir REIS :D
Leider ein Reinfall, da da Ding ganz schön teuer war. Wir kauften dann nur Kleinkram und haben uns dazu entschlossen, die Tage mal zu IKEA zu fahren, das ist billiger. Begleitet wurden wir übrigens von Yan(wörtl. Schwalbe), einer Südchinesin, die mit 10 in die Staaten gezogen ist und (natürlich neben Englisch) Kantonesisch (Hong Kong) spricht. Ist zwar auch Chinesisch mit denselben Schriftzeichen, wird aber völlig anders gelesen und deshalb ist sie jetzt hier, studiert …. Management? irgendwas … und macht nebenbei dieselben Sprachkurse wie wir. Super lieb und sehr lustig. :)
Der Rest des Samstages und Sonntages bestand dann hauptsächlich daraus, mit meiner ganzen Familie zu skypen (und daraus, eine halbwegs brauchbare Verbindung herzustellen...). Das war sehr sehr schön und mal wieder nötig, denn zum Beispiel meine Schwester und das wunderhübsche Kind, dass ihre Frau am Tag meines Abfluges bekommen hat, habe ich leider noch garnicht gesehen. Annelie nur mal kurz am ersten Tag, aber der ist ja jetzt auch schon über 3 Wochen her. Ach Kinders, wie die Zeit vergeht...
Ja, genau. Also das war wie gesagt sehr schön und lustig. Alle waren gespannt auf die Geschichten, die ich zu erzählen hatte und freuten sich mindestens genauso sehr mich zu sehen, wie andersrum. Ich hab euch alle lieb! :)
Ja, den Rest des Sonntag passierte tatsächlich wenig spannendes. Ich musste in ein Kaufhaus rammeln, weil ich da den Tag zuvor was vergessen hatte, ging in ein Elektrokaufhaus wegen meinem Rasierer (erfolglos natürlich), hab im Internet nach irgendwelchen Sachen gesucht und war essen und weiß der Geier noch was.

So, das wäre es mal wieder zu der letzten Woche gewesen. Heute ist ja Dienstag, aber da ich davon noch keine Bilder auf dem PC habe und auch nicht immer so ewig lange Texte schreiben will, belasse ich es mal dabei und schreibe bei Gelegenheit (wenn ich Zeit habe vielleicht sogar heute oder morgen) noch was über die letzten Tage. Denn heute (Dienstag) hatte ich meinen ersten Unitag!

Also dann, man … liest sich? Egal, tschau. :D

PS: Die Bilder sind dieses Mal nicht immer sonderlich spannend, da ich wenige Bilder gemacht habe. Aber besser als nix, oder?

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