Hey mal wieder!
Mir ist aufgefallen, dass meine Blogtexte im Allgemeinen zwar sehr gut ankommen, ich aber finde (und sicher der ein oder andere auch), dass sie extreeemst lang sind. Ich finde das einerseits schön, weil 1. meine Familie und Freunde dadurch viel mehr über China oder meine Zeit hier erfahren können, und 2. weil ich dadurch auch später viel mehr Erinnerungen haben werde. Allerdings ist das Schreiben dieser Texte und Hochladen mit Bildern usw. immer so extrem Zeitaufwändig, dass ich im Durchschnitt einen Tag in der Woche komplett mit den Blogtexten ausgebucht bin und da ich hier öfters finde, dass ich etwas mehr machen müsste als nur mal essen gehen, Hausaufgaben machen und Blogtext schreiben (was tatsächlich meine 3 Hauptbeschäftigungen hier zu sein scheinen), werde ich ab jetzt mal versuchen, meine Texte kürzer zu fassen und sie mehr auf persönliche Eindrücke und außergewöhnlichere Ereignisse zu beschränken und nicht immer jeden Uni- und Restaurantbesuch zu dokumentieren. Mal sehen, ob das klappt, oder ob es wieder 17 Seiten werden....
TAG 52 Mittwoch
15.10.2014 und TAG
53 Donnerstag 16.10.2014
Mittwoch und Donnerstag
war wenig los. Allerdings hat universitär gesehen eine positive
Änderung stattgefunden. Und zwar hat unsere 口语-Lehrerin
(sprechen) auf einmal uns zu Wort kommen lassen. Wir bekamen random 1
2 Themen und sollten dann unseren Komillitonen von den
diesbezüglichen Umständen in unserem Heimatland berichten. Seien es
Shoppinggewohnheiten, allgemeine Verkehrsmittel, Sprach- und
Denkunterschiede innerhalb des Landes usw. Das fand cih ziemlich gut,
denn auf einmal haben wir auch richtig geredet und die Lehrerin stand
öfters mal daneben und hat uns zugehört und ggf. verbessert. Das
ist, wie ich finde, ordentlicher Sprachunterricht.
Danach bin ich mit Philipp
und Xianying 仙英,
einer unserer koreanischen Komillitoninnen, zum Koreaner um die Ecke
gegangen. Sie meinte, geschmacklich sei es zwar nicht vergleichbar
mit Korea, aber das ist ja deutsches essen hier auch nicht.
Jedenfalls gab es dort (ganz typisch) Bibimbab. Ein in einer heißen
Steinschüssel gebratenes Gemisch aus Reis, ganz viel Gemüse,
scharfer Soße und je nach Wahl Fleisch oder (in meinem Fall) massig
Pilzen. Und ich muss sagen, auch wenn ich hier in China bin und das
offensichtlich kein genau koreanisches Essen ist, ist es momentan
meine absolute Lieblingsspeise.
Schon mehrmals war ich nun in dem
Restaurant und habe entweder dort gegessen oder
![]() |
| sieht wenig spektakulär aus, schmeckt aber super!! |
zum Mitnehmen
bestellt. Außerdem gibt es das Bibimbab auch in der Mensa nebenan,
wo ich es auch oft esse. Ein Bildchen davon, als ich es eines abends
mal in der Mensa nebenan bestellt und mit aufs Zimmer genommen habe,
gibt es auch. Dass ihr euch was drunter vorstellen könnt. :)
![]() |
| nom nom nom |
Der Rest des Mittwochs war
nicht sonderlich krass, sodass ich den jetzt mal rauslasse. Aber halt
doch! Ein was schönes gab es sogar noch! Und zwar war der AQI an dem
Tag sehr zufriedenstellend. Manchmal sogar wieder bei unter 50. Sehr
sehr gut. Sogut sogar, dass ich, kurz bevor ich mit Philipp und Anna
essen gegangen bin … die Sterne gesehen habe! Also ganze 5 glaub
ich waren es, aber immerhin! Denn dass man in Beijing mal die Sterne
sieht, ist wirklich sehr rar. Ich glaube in den 8 Wochen die ich hier
nun schon wohne, war das der 2. oder 3. Abend, an dem ich die Sterne
sehen konnte. War also mal wieder schön. Bis in ein paar Wochen
vielleicht!
Am Donnerstag hat Philipp
sich im Unterricht als schwul geoutet. Es ging darum, ob wir Männer
im Kurs wollen, dass unsere zukünftigen Frauen daheim bleiben und
全职太太 (quanzhi taitai,
wörtl. „full-time Hausfrau“) werden. Da es kleinere sprachliche
Schwierigkeiten gab, musste Philipp erklären, dass er nur
hypotetisch antworten kann, da es ja wohl nie dazu kommen würde, da
er schwul sei. Die Lehrerin (Barbie) frug Philipp daraufhin ganze 4
mal, ob er denn WIRKLICH WIRKLICH WRIKLICH schwul sei, da man es ihm
ja garnicht ansieht. Da hab cih mir schon gedacht „Mädel, was
denkst du denn, wie schwule sind?“ Sie meinte, dass dass sie immer
dachte, dass bei Schwulen immer einer voll der starke Mann und einer
voll.. naja, ihr könnt es euch selbst vorstellen. Und dass Lesben
kurze, gegelte Haare haben und eher kräftig und männlich seien. Ich
hätte gerne meine wunderschöne, feminine, verheiratete, lesbische
Schwester dabei gehabt und wäre mit ihr zusammen aufgestanden, um
ihr zu zeigen, dass Schwule und Lesben tatsächlich auch wie Männer
und Frauen aussehen und sich derart benehmen können. Nun jaaaaaaaaa,
jedenfalls, fand sie es zwar ganz toll und sehr interessant (sie
unterhielt sich dann im Interricht sicher 10 Minuten mit ihm über
seine Homosexualität, wie es dazu kam, wie das in Deutschland ist,
wie die Heiratsrechte aussehen usw.), aber ihre Ansichten waren denke
ich schon zu sehr von Unwissenheit geprägt. Schade eigentlich.
Ansonsten hatten wir an
dem Tag die 2. Stunde Ausfall, weil unsere Lehrerin in Kunming auf
Fortbildung war. Dafür hatten/haben wir aber 2 Freitage mehr
Unterricht, um die insg. 2 verlorenen Stunden aufzuholen. Ich sagte
ja, hier wird einem nichts geschenkt.
Mittags sind Philipp und
ich in das Circle Café bei uns an der Ecke gegangen, da ich dort
letztens mit Leti einen Veggie-Burger gegessen habe, der meiner
Meinung nach das Geld Wert war. Meist ist ja alles halbwegs westliche
Essen sehr teuer und dafür sehr wenig. Dort ging es aber. Den
restlichen Tag habe ich absolut garnichts getan. Keine Hausaufgaben,
keine Verabredungen, kein Stress. Ich hab den Tag über im Zimmer
gechillt und nichts getan. Eigentlich blöd, da ich mehr raus müsste,
aber es ist so bequem……
TAG 54 Freitag
17.10.2014
Am Freitag war der 口语
Unterricht schon wieder so geil. Ist mittlerweile sogar meine
Liebingsunterricht. Auch, weil ich die kleine Helferin so super
sympathisch finde, die unsere Lehrerin ja stets dabei hat, um ihr zu
helfen, Schriftzeichen an die Tafel zu schreiben. Habe auch letztens
mit ihr Handykontaktdaten ausgetauscht und wir treffen und sie Tage
mal zum essen. Viele viele neue Chinesenfreunde müssen her! :P
Ansonsten... gingen wir
Freitag endlich mal raus. Und zwar zu KTV! Für die, denen das nichts
sagt: Karaoke. Aber nicht im Ansatz vergleichbar mit europäischem
Karaoke, denn hier in Asien, besonders China, ist Karaoke DAS
Weggehevent schlechthin. Hier in China gibt es ganze Hochhäuser nur
für Karaoke. Ziemlich dekadent sieht alles darin aus. Gänge nur aus
Glas, Spiegeln und Lichtern, schalldicht abgeriegelte Räume, in
denen man mit seinen Freunde so laut singen kann wie man will für
Preise, sie in der Gruppe wirklich minimal sind. Doch zuerst trafen
wir uns gegen um 8 beim International Students Office. Dabei waren,
Anna, Philipp, Hyun Soo, Annas Mitbewohnerin Jiangling, 4 Freunde von
ihr (dabei ein Typ der 2 Freundinnen hat und die beide nichts
voneinander wissen, super Typ...) und noch (wie soll es sonst sein)
ca. 5 Leute, die spontan noch mit eingeladen wurden. Zu Beginn
sollten es Anna, Philipp, Hyun Soo, Jiangling und ich sein, am Ende
waren wir gut 10 mehr. Die Gruppe bestand aus allen möglichen
Nationen. Deutschland, Korea, Chile, Brasilien, Thailand, Canada,
Korea, China, Ukraine. Sehr witzig jedenfalls!
Wir bestellten zuerst
Essen. Halt, falsch. Die Anderen bestellten. Hyun Soo plante es
klassisch koreanisch zu machen und so oderte sie Suju (koreanischer
Schnaps, hat so ca. 20%, muss gemischt werden und schmeckt wie
schwacher Vodka) und Hühnchen. Da das leider keine Option für
Philipp und mich war, haben wir uns Bibimbab geholt. :P
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| vlnr: Jiangling, der nette Typ und seine eine Freundin, wir 3 und Hyun Soo |
Dann wurde in
großer Runde in einer Gemeinschaftsküche im International Cultural
Exchange Center gegessen. Das Gebäude, in das ich eigentlich ziehen
wollte, ist wirklich ultra luxuriös. Aber ich hörte, dass die Wänge
ganz dünn sein sollten. Egal, jedenfalls hier Bilder vom Essen und
uns, :)
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| Essen, Essen, Bier, Bier, Suju und Salt |
Nachdem wir fertig mit
essen waren, hat Hyun Soo allen noch ein Trinkspiel beigebracht.
Diese koreanischen Trinkspiele sind so bescheuert, dass man sie
einfach cool finden muss. Einer musste immer „Bunny Bunny Bunny
Bunny“ sagen. 2 mal auf sich zeigend, dann 2 mal auf jemand
anderen. Diese Person musste dann dasselbe machen, währen die beiden
links und rechts mit den Armen wedeln und „Tangen Tangen“ sagen
mussten. Übrigens heißt das Karotte auf Koreanisch. Wer es verpasst
hat, musste trinken. Als dann der Alkohol weg war, machten wir uns
auf den Weg in eine Bar in 五道口
(Wudaokou), ein Party-Ausländer-Viertel ähnlich wie
三里屯 (Sanlitun), in
der es, da der Laden an dem Tag Neueröffnung hatte, FREIBIER gab.
Dort saßen wir dann eine Weile, standen mit den anderen Massen für
das Freibier an, spielten noch mehr Trinkspiele, bestellten eine
Shisha und v
erweilten dort bis es so
ca. Mitternacht war. Gute Zeit, um zum KTV zu machen. Da es
glücklicherweise nicht weit weg war, liefen wir und kamen keine 20
Minuten später an. Dort angekommen war es wie letztes Jahr in
Najing. Erinnerte mich ein bisschen an ein Bordell, da alles so
Zwielichtig und verboten aussah. War ja aber nicht so. Wir machten es
uns dann in unserem Raum bequem und da ich zum Glück (wie geplant)
betrunken war, konnte ich auch den Mut fassen, mitzusingen. Im Laufe
der nächsten Stunden haben alle mehr oder minder exzessiv
irgendwelche Lieder gesungen, die wild ausgesucht wurden. Von
chinesichen Ultraschnulzen über Gangnam-Style, Lemon Tree, LAST
CHRISTMAS, mainstream amerikanischen Popsongs bis hin zu spanischen
und italienischen Herzensbrecher-Latino-Songs war alles mal dran. Ein
Spaß wie immer, auch wenn meine Stimme irgendwann völlig weg war
und ich das Mikro dankend weitergereicht habe.
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| Anna und Hyun Soo :) |
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| scheiß Quali, aber Hyun Soo singt so gut, da musste ich ein Bild von machen... :D |
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| sieht irgendwie ziemlich creepy aus, aber ich finds gut :D |
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| Bildunterschrift hinzufügen |
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| partyparty! |
Gegen 3 waren wir dann
alle erschöpft genug, um per Taxi den Rückweg anzutreten. Nach wie
vor unbeschreiblisch, wie in dieser Millionenstadt immer überal
massenhaft Menschen und Autos sein können. Ein Gewusel überall, man
geht über Straßen, blockt 3 Taxen ab, die nicht halten wollen, geht
durch Menschenmassen hindurch, die eine, nicht Platz machen wollen,
lässt sich von 4 Clubs mit Außenmusik gleichzeitig beschallen und
es ist einfach nur geil. Leben ohne Ende und Pause. Wir fanden ein
Taxi, was sich wie immer als schwer herausstellt, wenn Ausländer
dabei sind. Diese in Beijing wohl einfach nicht so beliebt sind wie
in kleineren Städten, da sie dort seltener und somit noch was
Besonderes sind. Jedenfalls fuhren wir dann heim und nachts halb 4
erreichtern wir unser Gebäude. Unten muss man sich immer, wenn man
nach Mitternacht heimkommt, mit Zimemrnummer, Name und Grund in eine
Tabelle eintragen. Alle über uns schrieben 忘了钥匙,
Schlüssel vergessen (na klaaaar, und deshalb kommst du halb 3 heim
:D), aber ich wollte ehrlich sein und schrieb einfach KTV. Da haben
die Wärter nur gelacht. Schnell ins Bett und ausnüchtern!!
TAG 55 Samstag
18.10.2014 und TAG
56 Sonntag 19.10.2014
Natürlich war dann am
Samstag erstmal Ausschlafen angesagt. Und da ich für Mittag auch
nichts weiter vorhallte, habe ich mich nach draußen begeben und mir
Mittagessen, Kaffe und Obst gekauft. Essen natürlich beim Koraner
ggü. der Uni. Um die Straße überqueren zu können, muss man eine
Brücke nehmen. Das muss man übrigens fast immer, da es einfach
einfacher ist, als Kreuzungen auf den Straßen zu bauen die eh keiner
beachtet. Als ich dann so auf der Brücke stand, habe ich mal ein
bisschen rumgestanden und den Verkehr beobachtet. Wirklich nach wie
vor uberwältigend, wie zu jeder Tages- und Nachtzeit überall in
dieser Stadt Menschen und Autos sein können. Es ist immer so viel
los, als wäre gerade Samstag Nachmittag oder Feierabendzeit, aber
alles hier ist, wenn es um Ausmaße geht, nicht mit Europa zu
vergleichen. Jedenfalls fand ich diese für mich mittlerweile
alltägliche Kulisse mal sehr interessant zu beobachten, da es
einfach keinen Vergleich zu meiner vorherigen Welt, Europa, gibt.
Hier mal Bilder davon.
Abends ging es dann mit
Anna und einer ihrer koreanischen Komillitonnen wieder nach Wudaokou
Abendessen. Getroffen haben wir uns um 5 und sind dann mit der U-Bahn
hingefahren. Dort war auch mal wieder die Hölle los.
![]() |
| einfach mal mitten in den Abendstau gestellt und fotographiert |
![]() |
| und immernoch so viel looooooooooos...... |
Wir fanden dann ein
Restaurant, in dem es die glaube ich größte Pizza Chinas gab. 115
Yuan (knap 15€) bezahlte ich für meine vegetaische Gemüsepizza,
die zwar sehr sehr groß, aber eben auch sehr sehr teuer war. Aber
auch sehr sehr lecker. Ich hab noch nicht rausgefunden, ob es mir das
Wert war, aber vom Preis-Leitsungs-Verhältnis war das bis jetzt die
erste Pizza, die halbwegs vertretbar war.
So, und das wars auch
schon wieder für den Samstag. Wir waren gegen 9 daheim, müde,
vollgefressen und ich habe ein bisschen bei Philipp rumgehangen, bis
es Bettzeit war.
Am Sonntag kam ein kleines
Paketchen für mich an. Und zwar habe ich herausgefunden, dass ich
doch mit meiner deutschen Kreditkarte Sachen auf Taobao kaufen kann.
Ist zwar cool, aber so sonderlich viel werde ich mir dort sicher auch
nicht kaufen. Jedenfalls… kennt ihr Miffy? Miffy ist ungefähr das
süßste Etwas der Welt und sowas, wie die chinesische Hello Kitty.
Ja, richtig. Ich bin so männlich, dass ich mir ein Plüschtier für
ganze 12 Yuan (keine 2€) auf Taobao gekauft habe. Und Philipp hab
ich auch gleich eins gekauft! Ist zwar jetzt nicht so die krasse
Angelegenheit, aber ich finde es so süß, dass ich es der Welt
zeigen musste.
Ansonsten war ich Sonntag
noch mit den beiden Japanerinnen Mittagessen, habe Hausaufgaben
gemacht, ausgiebig mit Johanna, meiner Mutter und Philipp (einem
Mathe-Komillitonen von Johanna) geskypt und gechillt.
TAG 57 Montag
20.10.2014
Am Montag habe ich mich 17
Uhr mit Jindi 金迪
getroffen, mit der wir in den ersten Woche viel
unternommen haben, die dann aber eine Zeit lang daheim in Dalian 大连
war und Mitte Oktober wieder nach Beijing in die
supergeile Luft kam. An dem Tag war der AQI mal wieder bei 350+ und
ohne Mundschutz ging garnichts mehr. Komischerweise war es aber
dieses mal weniger weltbewegend für mich. Als es das erste mal so
extrem schlimm war, war ich wirklich geschockt und ich denke, der
letzte Blogeintrag war mit der Ausführlichen Beschreibung der
Smogverhältnisse und Erläuterungern ganz angemessen, aber jetzt,
als es mal wieder so schlimm ist/war, ist es mir nicht egal, aber
bewegt mich nicht mehr so sehr. Es ist halt einfach jetzt so. Naja.
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| Montag morgens halb 8. Sonnenaufgang über Beijing. wer findet die Sonne? :/ |
Jedenfalls habe ich mich 17 Uhr mit ihr getroffen und ich habe mir erst mal ein Zugticket gekauft. Und zwar nach Xi'an 西安. Denn da wir ja vom 7.11. - 12.11. frei haben, habe ich mir gedacht, das sei ein super Zeitpunkt, um meine Heimat Beijing und den Supersmog auch mal ein für paar Tage zu verlassen und meine geliebte Johanna wiederzusehen, die sich Xi'an als ihren Aufenthaltsort für das kommende Jahr herausgesucht hat. Bezahlt habe ich für das Ticket hinzu 280 Yuan, das sind 35€. Ich fahre am 5.10. 20 Uhr los und bin dann in etwa 13 Stunden unterwegs. In diesen „Bummelzügen“ kann man bei der Platzwahl zwischen Hartsitz, Softsitz, Hart- und Weichbett entscheiden. Ich habe Hartbett genommen und bin dann mit 5 anderen Chinesen in einer wahrscheinlich 4m³ großen Kabine. Für eine Nacht aber in Ordnung denke ich. Wird nur sicher eng, aber das werden wir sehen.
Nachdem ich das Ticket
gekauft habe, lud ich Jindi zum Essen in dem vegetarischen Restaurant
ein, in dem ich einst mit Weilin und Philipp war. Wir suchten lange,
fanden es schließlich, aßen genüsslich und ich konnte mich endlich
mal wieder stundenlang auf Chinesisch unterhalten. Es ist zwar auch
sehr hilfreich mit den Koreanerinnen usw. essen zu gehen, aber da wir
alle Ausländer sind, korrigiert uns natürlich niemals jemand und
das ist weniger toll. Jindi hingehen hat das immer getan und mir
nützliche neue Dinge beigebracht. Ich finde, sowas müsste ich
öfters machen. Es sind immerhin schon fast 2 Monate vergangen und
mein Chinesisch-Niveau ist zwar schon deutlich gestiegen, könnte
aber gerne noch mehr sein. Also toi toi toi!
TAG
59 Mittwoch 22.10.2014
Den Dienstag lass ich jetzt mal ganz raus, da ich finde, dass
mittlerweile nicht mehr jeder Tag in den Blog muss. Ich hatte Uni,
war mittags mit Enshuai und Xianying essen, abends dann mit Hyun Soo,
Anna und Philipp und sonst war wenig los. Und da es viele derartige
Tage gibt und ich hier noch über 9 Monate sein werde (und ich
einfach keinen Bock habe, immer so wahnsinnig viel zu schreiben),
muss ich nicht immer wieder aufs Neue darüber schreiben. Ich denke,
das ist sowohl für die Leser, als auch für meine Freizeit in
Beijing angenehmer. :)
Am Mittwoch (heute) hatte
ich vor, eine Deutschstunde zu besuchen. Ich hätte gerne Lanxi bei
ihrem Unterricht begleitet, aber sie hat außerhalb der Universität
Unterricht und um dem beiwohnen zu können, muss man wohl bezahlen
oder sich anmelden. Jedenfalls ging das wohl nicht. Sie hatte mir
dann netterweise eine Stunde herausgesucht, in der man wohl einfach
ohne weitere Voraussetzungen zuhören kann, ähnlich wie die
Vorlesungen in deutschen Unis, die meist so groß sind, dass sie für
alle offen zugänglich sind. Sie schrieb mir Zeit und Raum und super
mega Spontan wie ich mittlerweile bin hab ich mich blind neben einen
Chinesen gesetzt (ich brauch auch mal ein paar mehr männliche
Chinesenenfreunde hier), meinte „Hey, ich bin Deutscher, will mal
bei euch zugucken, kann ich mit in dein Buch gucken?“ Das war auch
super okay für Wang Yangyang 王杨杨
bzw. Oliver, wie sein europäischer Name war.
Jedenfalls erstmal zum
Unterricht: UN. GLAUB. LICH. Die Lehrerin kam rein (es waren ungefähr
50 Studenten), grüßte, sagte „Wir öffnen das Buch auf Seite xx“,
machte eine CD an und lies die Stimme darauf alles vorlesen und die
Studenten sprachen alles nach. „Seite 43 Lektion 4 Übung 2: 'pr'
Preis, Prunk, Pracht, 'kr' Krise, kriminell, Krux, 'y' Ypsilon,
Psyche, Hymne“ sprachen alle im Chor. Die Lehrerin klickte nur
ständig Pause und Play, damit alle Zeit zum Nachsprechen hatten.
Dann gab es 2 3 Dialoge, die auch wieder von der CD oder in seltenen
Fällen von der Lehrerin vorgesprochen, und dann von den Studenten
einfach nachgesprochen wurden. Und die Sätze waren nicht mal richtig
manchmal. Einmal fragte A „Hast du Telefon?“ und B antworte „Ja,
Handy“. Die Frage zum Text war auch „Hat er Telefon?“ - ich
mein, was soll das? Da sollte man in Zukunft keinem Chinesen in
Deutschland vorwerfen, dass dessen Deutsch mangelhaft sei. :D
Die Lehrerin hat in den 90
Minuten Unterricht ungelogen 5 Minuten selbst gesprochen und
derartige Lehrmethoden werden in China als qualitativ sehr hochwertig
und gut angesehen. Ich weiß wirklich nicht, warum, da das meiner
Meinung nach garkeinen Lerneffekt erziehlt, Leute einfach nur Wörter
nachsprechen und Vokabeln auswendig lernen zu lassen. Oliver meinte
zwar, es gibt Freitag auch immer Grammatik, aber ohne, dass man das
aktiv übt und die Sprache individuell spricht wird das nichts. Es
spricht nur immer ein Chor aus 40+ Leuten, da wird der Eizelne
niemals beachtet.
Und jetzt zu Oliver.
Oliver war schwul. Ja genau, schwul. Ich hatte das Glück in einen
völlig zufälligen Kurs zu gehen, mich neben eine völlig zufällige
Person zu setzen und diese Person ist dann auch noch rein zufällig
der erste schwule Chinese, den ich persönlich kennenlerne. Und er
lernt auch noch Deutsch. Lustig, wa? :D
Er meinte, er habe einen
Verlobten, der in der Schweiz wohnt und sie seien schon über ein
Jahr zusammen (bisschen arg schnell für meinen Geschmack, aber jeder
wie er halt will). Das sei auch der Grund, warum der Deutsch lernt.
Das war wirklich
interessant und ein cooler Zufall, aber der nette Olli hat leider
garkeine Ahnung davon gehabt, wie man in seiner Muttersprache mit
einem Ausländer spricht. Ohne Punkt und Komma redete er mit einer
Geschwindigkeit auf mich ein, die mich fast garnichts mehr hat
verstehen lassen. Generell mochte er es sehr, sehr schnell sehr viel
zu erzählen. Ich meinte so 3 4 5 mal während der Stunde, dass ich
gerne aufpassen würde, da ich nur deswegen herkam und es mich sehr
interessiert hat, wie das in China so abläuft, aber das war ihm
leider egal. Auch war ihm wohl egal, dass ich ihm bestimmt 10 mal
sagte, er müsste viiel lansamer und einfacher reden, da ich seine
Sprache nicht fließend spreche und es am Hörverstehen noch einiger
Übung bedarf und er nicht mit mir reden kann, wie als wäre ich
Chinese. Da meinte er dann nur „jaja, das ist aber kein
Ausländerproblem, meine chinesichen Freunde meinen auch immer, ich
soll langsamer reden, weil sie mich nicht verstehen“. Geändert
hatte er es aber nicht. Supi. Auf jeden Fall redete er dann nach der
Stunde noch eine Weile mit mir über (ich kann nur Schätzen)
staatliche Probleme, Bezioehungen zwischen Deutschland und dem Dalai
Lama, Vorurteile ggü. Deutschen, Schwulen und Chinesen und und und.
Alles interessante Themen, auf Chinesisch sicher auch in sehr
eingeschränktem Maße halbwegs machbar, aber nicht, wenn er sich in
seinem Fachvokabular absolut null einschränkt und circa 10
Wörter/Zeichen pro Sekunde redet. Ich hörte nach dem Unterricht
schon 15 Minuten fleißig zu, sagte ihm immernoch öfters, er müsse
langsamer oder manchmal auch auf Englisch reden, da ich garnichts
mehr verstehe und nachdem er es dann immernoch nicht getan hat,
meinte ich dann in einer der sehr seltenen Sprechpausen, dass ich
jetzt mal nach Hause müsste, Hausaufgaben machen. Die
beschäftigt-Hausaufgaben-Stress-Schiene zieht in China sehr sehr gut
und schnell. Danach verabschiedeten wir uns also und ich ging heim.
Puuuuuh. Nett, wie gesagt. Sehr nett, aber so kann ich leider
garnichts mit Leuten unternehmen, da es keine Möglichkeit der
Verständigung gibt.
Als ich dann daheim war,
wurde der Blogtext hier geschrieben und gebloggt. Ansonsten war wenig
los an dem Mittwoch. :)
So, das war doch schon
deutlich kürzer als sonst, oder? Ich denke, das ist vertretbarer als
16 17 Seiten. Das wird aber sicher auch immer variieren, je nach dem
wie viel so passiert, aber idese Woche war auch vergleichbar wenig
los. Ich hoffem ihr hattet dennoch Spaß beim Lesen und vielleicht
könnt ihr mir ja mal ein kleines Feedback geben, wie es dieses mal
so war. Ob jetzt zu viele nicht besonders interessante Dinge dabei
waren, ob es generell mehr oder weniger hätte sein sollen oder ob es
ansonsten noch irgendwelche Änderungsvorschläge gibt. Diese Frage
richtet sich insbesondere an meine Familie, von der ich definitiv
weiß, dass sie die Einträge mehr oder minder regelmäßig liest.
Also, was meint ihr so? ;)
Ansonsten, man
hört/schreibt/sieht sich! Bis später! :*




















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