Huhu! Mal wieder hat es
etwas länger gedauert, bis ich mich dazu aufraffen konnte, einen
längeren Blogtext zu schreiben. Zwar sind die Tage oft nicht mehr so
extremst gefüllt mit neuen Eindrücken und Erlebnissen, dafür nutzt
man dann eher mal die Gelegenheiten aus, den halben Tag lang nichts
großartig spannendes zu machen. Wie dem auch sei, es ist schon
wieder mehr als eine Woche ins Land gegangen und ich blogge jetzt mal
wieder. :)
Hautthema diesmal: SMOG.
PS: der Eintrag ist doch mit über 15 Seiten sehr lang geworden, wenn ich euch aber dennoch Zeit dafür nehmt und den (wie ich finde dieses mal recht interessanten) Eintrag lesen würdet, würde ich mich sehr geehrt fühlen!
Vorher erstmal noch
nachträglich ein paar Bilder von dem Freitag, an dem ich mit
Philipp, Xiaobin und Jin Soo weg war. :)
TAG 42 Sonntag
05.10.2014
An dem Sonntag waren die
Luftverhältnisse extrem gut und so sind wir dann wie geplant mit dem
Bus herumgefahren. Ein Anfangsziel hatten wir uns allerdings doch
noch gesetzt. Wir wollten zum CCTV Tower fahren. CCTV ist der größte
Fernsehsender Chinas und dessen Hauptsitz ist natürlich hier, in
Peking. Zu dem Tower wollten wir deshalbt, weil er architektonisch
sehr ausgefallen und besonders ist. Doch der CCTV Tower ist nicht das
einzige beeindruckende Gebäude in der Region gewesen. Denn dort, wo
sich das Wahrzeichen und Bürogebäude von Chinas Hauptfernsehsender
befindet, war gleich das ganze Wirtschaftsviertel Pekings. Dort
befanden sich die höchsten Gebäude der Stadt.
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| so sieht Beijings Wirtschafts- und Hochhausviertel von weit oben aus: rechts der CCTV-Tower und das große da in der Mitte ist das "China World Trade Center" - Beijings höchstes Gebäude |
Ein moderner Glasriese
reihte sich neben den anderen und man hatte das Gefühl „in der
Zukunft zu stehen“, wie Anna es ziemlich treffend formulierte.
Schon verwunderlich, wie China in einigen Bereichen im Leben so stark
hinter Europa hinterherhinkt und in manchen Bereichen so weit davor
steht. Nachdem wir alle ungefähr 300 Bilder von der überwältigenden
Gebäudekulisse gemacht haben, sind wir dann noch direkt zum CCTV
Tower gegangen und haben erstmal (schön chinesisch) Selfies gemacht.
(Wir Europäer oder insbesondere Deutsche machen ja gerne Bilder VON Dingen, einfach, damit wir es festhalten können, aber Chinesen sagen
dann immer „aber dann weiß doch niemand, dass du da warst“, die
machen nämlich immer Bilder MIT Dingen, dabei wird natürlich super
süß mit Peace-Zeichen, einem Bein
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| beeindruckende Ausblicke |
kindlich nach oben angeknickt
oder mit putzigen Tierfratzen gepost, egal, ob man gerade vor dem
Eiffelturm, dem Eingang eines KZs oder in einem geschichtlichen
Museum, das ist den Chinesen egal.)
Die beste Auswahl an
Bildern von uns und den Gebäuden gibt es hier ganz exklusiv:
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| Zurück in die Zukunft 1.0 - ein Glasriese neben dem anderen |
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| supercooles Gebäude von mir unbekanntem Sinn und Zweck |
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| darf ich vorstellen: spezielle Architektur at it's best - der CCTV-Tower |
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| Zurück in die Zukunft 2.0 - mir gefällt die chinesische Architektur so sehr, wieso ist in Deutschland alles langweilig und quadratisch? |
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| fand ich sehr treffend für China - vorne all die riesen Baustellen und hinten ragen die Wolkenkratzer in die Höhe |
| HALLOOOOOOO - ich war wirklich hier, falls es mir keiner glaubt! |
| und meine Freunde sogar auch! sind wir nicht super schön und cool? |
Nachdem wir damit fertig
waren uns zu fotographieren und uns dabei zusehen zu lassen, wie wir
uns fotographieren, machten wir uns weiter auf den Weg und fuhren
dann, nachdem wir eine Weile planlos herumgelaufen sind, mit einem
Bus zu einer amerikanisch angelehnten Mall (natürlich liefen wir
erst wieder circa eine Stunde herum, liefen falsch und mussten dann
nochmal ewig laufen, bis wir da waren).
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| noch ein Beispiel für geile Architekltur |
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| ein super Beispiel für chinesische Jugendmode - brech :D |
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| ganz entspannt rumsitzen und Leute angucken, das mag ich :) |
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| Chinesenbabys sind SOO SÜß!!!! |
Nachdem wir auch davon
wieder genug hatten und es langsam frisch wurde, haben wir uns dann
wieder auf den Heimweg gemacht. Später sind Anna, Philipp und ich
dann noch Abendessen gegangen und da wir die letzten 5 Tage fast
ununterbrochen zusammen waren, fassten wir beim Essen den Entschluss,
uns in Zukunft ein bisschen mehr aufzuteilen. Da wir hier ja nicht
unbegrenzt lange leben werden und alle unser Chinesisch mächtig
aufbessern wollen, müssen wir anfangen, uns aus unserer gemütlichen
Deutschzone zu begeben und mehr mit anderen machen. Egal, ob essen
gehen, wichtige Angelegenheiten erledigen oder sonst was. Zwar reden
wir alle sehr viel Chinesisch, aber es sollte schon noch etwas mehr
werden. Damit waren alle einverstanden und wir versuchen in Zukunft
mehr mit anderen zu machen. Gleich mal vorne weg (der 05.10. ist ja
jetzt schon etwas her): wir gehen zwar immernoch öfters zusammen
Essen, aber eben immer nur dann, wenn niemand anderes Zeit hat. Ich
für meinen Teil gehe öfters mit Enshuai essen, bin im ständigen
Kontakt mit einigen Leuten, mit denen ich nur Chinesisch schreibe und
mach auch mal was mit Lanxi, meiner „Buddy“, wird sicher in
Zukunft aber noch mehr werden, man kennt ja immerhin noch nicht so
krass viele Leute hier.
Naja, jeden falls war das
der Sonntag und an dem Abend passierte auch nichts mehr weiter.
TAG 43 Montag
06.10.2014 + TAG 44
Dienstag 07.10.2014
Die letzten beiden
Ferientage waren wieder ein klein bisschen entspannter. Zwar hatte
ich noch total viele Hausaufgaben zu machen, habe diese aber im Laufe
des Ferienwöchleins alle gemacht. In den 7 Tagen die wir frei hatten
(man vergisst bitte nicht, dass ich dafür am Sonntag, den 28.09. und
Samstag, den 11.10. Unterricht hatte...), sollte ich 3 Aufsätze
schreiben, einen Film gucken, ungefähr 6 Seiten im Buch aufgaben
machen und einigew Texte bearbeiten. Da sagen sie Lehrer immer: „Und
was macht ihr so in den Ferien? Wo geht’s hin? Schaut euch China
an, genießt eure Zeit hier.“ Ja, na klar. Wenn dafür Zeit wäre,
gern. Ich hab ab Beginn der Uni am 08.10. dann beschlossen, dass ich
ein bisschen weniger Fleiß in die Uni stecken werde, einfach weil es
meiner Meinung nach wichtiger ist, das Land hier zu bereisen, mit
Leuten frei Chinesisch zu reden, die Kultur zu erfahren und für mich
nützlichere Vokabeln zu lernen, anstatt Tagein, Tagaus in meinem
kalten Zimmer zu sitzen und die Bücher zu wälzen. Da lieber geh mal
raus, spiel was am Computer, nehm mir Zeit für mich oder Freunde...
Naja, jedenfalls, zurück
zu den beiden Tagen. Am Montag hab ich mich um 12 mit Enshuai
verabredet. Wir gingen in ihr Lieblingsrestaurant, die 东区食堂
(dongqu shitang Ost-Bezirk-Mensa), haben uns
vollgestopft und viel geredet. Enshuai war die Tage über in der
inneren Mongolei und hat dort in mongolischen Hütten geschlafen,
Pferde und Kamele geritten und die Wüste begutachtet. Sie meinte zu
mir, dass sie ihren Reisepass gefür hat mitnehmen sollen, sehen
woltle ihn aber die ganze Zeit über niemand. Ganz. Toll. Und ich saß
eine Woche mehr oder minder blöd daheim rum und habe mich geärgert,
dass ich nicht raus aus Peking kann. (Übrigens, ich hab garkeine
Lust mehr, immer Peking zu schreiben, wenn das garnicht der richtige
Name hier ist. Ich wechsel jetzt mal zu Beijing. :P) Konnte man dann
auch nicht mehr ändern und da kann man sicher auch fix mal so hin,
ist bloß 500km weit weg und somit für chinesische Verhältnisse
ziemlich nah. Nach dem Essen habe ich mir einen frischen Bananen- und
Enshuai (übrigens ist ihr koreanischer Name Eun Sol, aber den
richtig auszusprechen macht mir immer noch Probleme..) sich einen
Melonenshake geholt und dann haben wir uns auf die bereits bekannte
Liegewiese gesetzt und weiter gequatscht. Die Luft war wie auch
gestern super gut, es war mit etwas über 20 Grad sehr angenehm und
man durfte wieder die rare Anwesenheit der Sonne genießen. Der
Themenbereich wechselte zwischen Alltagsblabla, unseren Uniansichten,
Trinkvergangenheiten und Weggeh-Gewohnheiten. Irgendwann durfte
Ensuai mal meine Brille aufsetzen und ganz kurz total scheiße
aussehen und dann haben wir (wie kann es anders sein) Bilder Bilder
Bilder gemacht.
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| Enshuai mal weniger hübsch als sonst ;) |
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| schönes Bild <3 |
Später ging dann Enshuai
wieder heim, weil sie noch mit Xianying (unserer koreanischen
Klassenkameradin) zu einem Handyladen musste. Ich ging dann gegenüber
vom 东门,
dem Osttor, in das große Einkaufszentrum und habe mir dort gute,
deutsche Milch, Cornflakes, Pseudo-Schwarzbrot (Pumpernickel) und
Pseudo-Käse (eingeschweißter Sandwich-Käse) gekauft. Stillt schon
mal den Durst nach deutschem Essen, der ab und an mak aufkommt, wird
aber nach der 10. Scheibe Brot irgendwie eklig. Wirds wohl wieder
etwas dauern, bis es mich wieder danach gelüstet. Als ich dann
daheim war, gab es erstmal leckerli Cornflakes mit Milch. :)
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| leckeeeeeeeeeeeeeeeeeeer!! |
![]() |
| süße, deutsche Kuh-Muh-Milch :) |
Den rest des Tages
verbrachte ich mit meinem guten Freund, dem PC. Keiner hatte Zeit,
niemand war da und ich musste auch nicht immer was machen. Ich habe
Musik gehört, mir essen von der Mensa direkt nebenan mit
hochgenommen und den restlichen Tag in Gammelkleidung gegammelt.
Hausaufgaben konnten auch warten.....
Am Dienstag war die Luft
immernoch okay. Es gab mittlerweile Werte von 150+, was aber für
Beijing okay bis ganz gut ist. Bis unter 200 beschwert sich hier gar
niemand. In Deutschland gäbe es da sicherlich schon längst Chaos
und Panik, Ausgangssperren und strickte Maßnahmen, aber hier ist das
normal und alle Welt freut sich, wenn es „nur 260“ ist, wie Lanxi
vor einiger Zeit mal meinte. Tja, China halt. Oder eher Beijing. Die
Tage vorher war der PM2.5-Wert bei weit unter 100, manchmal sogar
„good“, also unter 50. Auf jeden Fall hatte ich mich dann
Dienstag an die aufgeschobenen Hausaufgaben gemacht und auch alles
geschlafft. Nebenbei schrieb ich mit Jana auf Skype. Sie erzählte
mir von ihren Lebensumständen in Nanjing, was sie mit Johanna
während den Ferien getrieben hat, dass sie froh ist, dass die Luft
bei ihr meist ganz okay sei und, dass Johanna ständig 小苹果
gesungen hätte. 下苹果
(xiao pingguo wörtl. Kleiner Apfel), ist eines
der wenigen chinesischen Lieder, das nicht total schmalzig, sondern
poppig und ganz schön bescheuert ist, aber zugegebenermaßen einen
ziemlich mitreißenden Rhythmus hat. Da ich mir meine liebe Johanna
total gut dabei vorstellen konnte, wie sie Jana tagelang damit
genervt hat, den Refrain des Liedes mitzusingen und dabei immer
wieder loszutanzen, habe ich es mir gleich mal bei Youtube
reingezogen und es dann einfach den gesamten Mittag über laufen
gelassen. Wer Lust hat, sich ein klein bisschen China ins Haus zu
holen, dem sei empfohlen, einen der beiden Links hier mal zu öffnen
und sich das Lied anzuhören. Ich emfehle, den 1. zu nehmen, da er
bessere Qualität hat und man vorher ein bisschen chinesische Werbung
sehen darf, was sicher auch nicht total uninteressant ist. Da ich
aber nicht weiß, ob diese Seite in Deutschland verfügbar ist, hier
noch der Youtube-Link dazu.
PS: Das Video ist wirklich
total behindert und man denkt sich die ganze Zeit: „Was zur Hölle
soll das?“, aber irgendwie finde ich es total witzig. Ist halt ganz
schön chinesisch. Aber trotzdem cool, weil es eben chinesisch ist,
aber mal nicht so eine Liebeshymne ist. Das Ergebnis ist ein
erfolgreich gelernter Refraintext und ein tötlicher Ohrwurm. :D
Jana, wenn du das hier
jemals lesen solltest, mach dich bei meinem Besuch darauf gefasst,
dass ich Johannas Werk weiterführen werde. Wenn auch wahrscheinlich
ohne Tanz. Hahaha.
Gegen Nachmittag habe ich
mich mit Xiaobin zum Essen verabredet. Zusammen Essen zu gehen ist
heir einfach die herkömmlichste Art, sich zu treffen. Wir gingen,
wie ich gestern mit Enshuai, in die 东区食堂
und haben wieder mal lecker gegessen. Könnte auch mein
Lieblingsrestaurant werden, denn es ist wirklich garnicht teuer (2
Leute essen sich für 50 RMB/6€ mehr als satt) und es gibt sehr
sehr viel sehr leckeres vegetarisches Essen. Das Essen verlief recht
fix, da Xiaobin noch massig Hausaufgaben zu machen hatte und diese,
wie alle richtigen Studenten das tun, bis zum letzten Tag
aufgeschoben hat. Da ich damit schon größtenteils fertig war,
konnte ich mal wieder einkaufen gehen, Wäsche waschen, aufwaschen
und Wäsche aufhängen. Auch hier hat man schließlich seine
Alltagspflichten zu erledigen.
Abends war dann nochmal
essen gehen mit Enshuai und Philipp angesagt (man, außer
Hausaufgaben machen und essen gehen mach ich hier ja garnichts... ein
Glück, dass ich nicht fett werde). Da ist aber, außer dem üblichen
Smalltalk, nichts weiter cooles passiert.
Die Luft allerdings wurde
im Laufe des Tages wesentlich schlechter. Die 200er-Grenze wurde
erreicht und das war seitdem ich hier bin erst das 2. oder 3. Mal,
dass das passierte.
Übrigens lag ich letztens
falsch mit der Erklärung, dass der Zahlenwert direkt der
Feinstaubpartikelanzahl PM2.5 entspricht. In Wirklichkeit gibt es
eine Formel, die aus der momentanen Anzahl von PM2.5 pro m³ den AQI
(Air Quality Index – das ist der Zahlenwert, von dem immer die Rede
ist/sein wird) berechnet. Je höher der AQI ist, desto mehr nähert
sich auch die Anzahl PM2.5/m³ dem Zahlenwert des AQI. Lässt sich
hier
errechnen: http://airnow.gov/index.cfm?action=resources.aqi_conc_calc
Ist der AQI beispielsweise
50, beträgt die Konzentration des Feinstaubpartikels 12, ergo sind
12 Partikel PM2.5 pro m³ in der Luft. Ist der AQI 450, beträgt die
Konzentration 424.7, ist also fast schon genauso hoch wie der AQI
selbst. Und wenn wir gleich mal beim Erklären sind, mach ich auch
mal fix weiter: PM2.5 ist ein „giftiges“ Dreckpartikel, das
besonders in Beijing verbreitet ist und hauptsächlich durch die
unglaublich vielen Fabriken und Industrien erzeugt wird, die sich
überall um und in Beijing befinden, aber auch durch die mehreren
Millionen Autos, Heizungen, Klimaanlagen, blablabla. Es ist, wie der
name sagt, kleiner als 2,5 Mikrometer und kriecht somit überall
rein. Der „Smogwert“ (AQI) in meinem Zimmer beträgt also
meistens fast genauso viel wie er auch draußen ist. Diese
Feinstaubpartikel gelangen besonders leicht in die Atemwege und
manchmal sogar in die Lungenbläschen. Lebt man hier nur ein Jahr so
wie ich, ist das noch okay. Man bekommt sicher ab und zu mehr oder
minder starken Husten und gesund ist das hier definitiv garnicht,
aber die Langzeitfolgen von PM2.5 sind wesentlich schlimmer. Lebt man
hier also 15, 30, 70 Jahre, wird man sicherlich irgendwann
Lungenkrebs bekommen. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass sich das
Leben pro Jahr, dass man (nachdem man über 7 Jahre in Beijing gelebt
hat) hier lebt, um mehrere Monate verkürzen soll. Ob da was dran
ist, weiß ich nicht, aber ich kann es mir gut vorstellen.
So, ich hoffe, das war
euch nicht zu kompliziert oder zu langweilig, ich jedenfalls finde es
sehr sehr interessant (und wichtig für mich!!) und dachte, dass ihr
in Zukunft auch gerne mehr darüber würdet wissen wollen, da ihr
euch ja sonst zB. unter diesem Zahlenwert in Zukunft immer nichts
wirklich vorstellen könnt und auch dafür, dass ihr den guten alten
Smog in Beijing etwas besser verstehen könnt.
Abends, nach dem Essen,
habe ich dann daheim meinen 写作-Text
(Schreiben) geschrieben und dabei stündlich beobachtet, wie die Luft
erschreckend schnell sehr schlecht geworden ist. Als ich gegen halb
12 dann ins Bett gehen wollte, rief mich Philipp auf einmal an und
meinte, der Wert sei jetzt sogar schon über 300. Mehr als 250
Partikel PM2.5 befanden sich also nun pro m³ in der Luft.
„Hazardous“ (gefährlich, schädlich, riskant). Das steht ab 300
immer auf der Seite, die stündlich den AQI neu berechnet und
veröffentlicht. Super toll. Dass es über 200 ging, war das schon
erschreckend hoch für mich, da es 2 Tage zuvor noch unter 50 war und
so schnell stieg der Aqi bis jetzt noch nicht an. Und jetzt ist er
innerhalb von wenigen Stunden um mehr als 100 gestiegen und lag, als
ich shclafen ging, bei 306.
Hier ein kleiner Ausblick
der Internetseite. Ist zwar dann schon von Mittwoch das Bild (wo es
weiterging mit dem Smog), aber in der obersten Leiste direkt unter
der Zahl, sieht man wie der Wert im Laufe des Dienstages von über 50
(gelb), 100 (orange), über 150 (rot), 200 (lila) und dann weiter
über 300 (braun) stieg. Wirklich sehr sehr rasant…
![]() |
| und zack, innerhalb von einem Tag war die Luft mehr als nur schlecht geworden :( |
TAG 45 Mittwoch
08.10.2014
… und das sollte jetzt
die kommenden 4 Tage so bleiben. Nee, falsch. Es wurde noch viel viel
schlimmer. Der Smogwert stieg im Laufe der Nacht sogar bis auf 370
an. Das ist schon ziemlich krass. Und auch am Mittwoch war dann der
AQI das erste mal Morgens weit weit über 200. Meist wird es nachts
schlimmer, weil da kein Wind weht und somit der Smog der Stadt
zwischen den Gebäuden und Bäumen verharrt und sich anstaut. Und
Morgens wird es meist besser. Wurde es zwar auch, aber immernoch war
es frühs bei 280. Bis jetzt war es nie länger als 3 4 Stunden über
200, dann wurde es wenigstens wieder rot. Die Sichtweite war
mittlerweile schon extrem schlecht geworden und man sah nicht mehr
sonderlich viel von der schönen Skyline, die sich mir öfters mal
bietet, wenn ich aus meinem Fenster sehe.
Nichtsdestotrotz ging es
erstmal wieder in die Uni, die fing ja am Mittwoch wieder an. Totalst
müde und niedergeschlagen vom Wetter stand ich also auf, duschte und
ging in die Uni. Noch trug ich keinen Mundschutz. Man geht ja nur 50
Meter zu meinem Unigebäude. Wohl gefühlt habe ich mich dabei aber
weniger. Im Laufe des Unterrichts stieg der Smog glücklich weiter
und war dann gegen Mittag wieder bei über 300 (hat man ja auf dem
Bild oben bereits gesehen, das war ja von Mittwoch Mittag). Nach der
Uni haben Philipp und ich uns in die 东区食堂
gegangen, waren essen und dann sind wir erstmal zum
Souvenier-Shop der Renda gefahren. Ist so ziemlich am anderen Ende
des Campuses, aber da wir ja ein Rad haben, benutzen wir das auch
immer, sobal der Weg länger als 1 Minute dauern würde. Muss sich ja
auch gelohnt haben, das zu kaufen :P Jedenfalls wollten wir
College-Jacken unserer Uni kaufen, die gab es nämlich seit ein paar
Tagen dort neu. Für 300 RMB (knapp 40€) fand ich die Jacke relativ
okay, da sie sehr bequem, warm und ein wirklich super tolles Andenken
für den Rest meines Lebens sein wird. Hier ein Bildchen von ihr:
![]() |
| schick, oder? mir gefällt sie sehr! :) |
Da die Luft mich schon ein
wenig anekelte, entschied ich mich dafür, den restlichen Tag daheim
zu bleiben und (neue, sowohl als auch alte) Hausaufgaben zu machen.
Wie sich herausstellte, eine gute Entscheidung gewesen. Denn genauso
krass, wie der AQI am Dienstag von 150 auf 300 gestiegen ist, so
schnell stieg er an diesem Tag von 300 auf über 400. Nein, auch
wieder gelogen. Von 13 bis 16 Uhr stieg er so weit. Ich habe es
nämlich fotographiert, da ich es nicht glauben konnte... oder
wollte. 13 Uhr 316, 15 Uhr 370 und 16 Uhr 410. Der
Familien-WhatsApp-Chat, in dem sich meine Geschwister und Mutter
befinden, wurde darüber zu dem Zeitpunkt schon ständig informiert. Ich war wirklich
fassungslos. Ich meine, man hat sich schon irgendwie mal „gefreut“,
dass es so ist. Immer sagten alle, dass es total krass sein soll und
keine Sichtweite hier und Mundschutz da und wenn man eben aus
Deutschland kommt, wo der höchte Wert in der Geschichte
wahrscheinlich bei 60 liegt, dann kann man sich das garnicht
vorstellen. Man wollte schon endlich mal wissen, wie das so ist, wenn
der AQI mal bei 400+ liegt (Partikelanzahl pro m³ bei 400 übrigens
350). Wir haben hier gelernt, wie es aussieht, wenn der Wert fast
jeden Tag 150 und mehr beträgt. Einfach wie sehr starker Nebel
manchmal frühs in Deutschland. Es war schon aufregend und spannend,
das direkt mitzuerleben, aber schon wirklich ziemlich pervers. Wenn
man tagsüber aus seinem Fenster guckt und DAS sieht:
| |
| derzeitiger Ausblick bei AQI 400+... :( |
Das
oben rechts ist übrigens die Sonne. Es ist 16 Uhr auf dem Bild. Und
wer sich noch an die vorherigen Ausbilck-Bilder hier in meinem Blog
erinnert, wird sehen, dass nichts mehr wirklich von dem zu sehen, was
eigentlich zu sehen sein sollte. Philipp, Anna und ich hatten ja
sowieso schon immer vor, uns alle einen Luftreiniger zu kaufen, da
wir gehört haben, dass die Luft im Winter ganz schlimm werden soll
und diese Luftreiniger das Zimmer um bis zu über 90% von den
Smogpartikeln befreien sollen. Dass es aber jetzt schon genauso
schlimm werden sollte wie im Winter, das haben wir nicht erwartet.
Ich schloss ab diesem Mittwoch mein Fenster und hab es auch nicht
mehr aufgemacht. Helfen tut es zwar wenig, aber besser als nichts.
Weiterhin haben wir gleich mal im Internet nach guten Luftreinigern
gesucht, Frau Drinhausens Tochter, die wir deswegen einst fragten,
schickte uns passenderweise ein paar Tage zuvor eine Mail mit
möglichen Modellen. Entschieden hatten wir uns da noch nicht. Aber
lieber schon mal bald einen kaufen, dass wenigstens das eigene Zimmer
in Zukunft sauber ist. Zur Feier des Tages hat mich dann später noch
mein Internet mal wieder kurzzeitig verlassen und in Ermangelung
einer Erklärung ging ich dann doch noch raus (das wirklich erste mal
mit Maske, denn bei Werten über 300 geh ich definitiv nicht ohne
raus), eine neue 网络卡
(wangluo
ka Internet-Karte)
kaufen, feststellen, dass das nicht hilft, unten mit der Rezeption
quatschen, mit irgendjemandem telefonieren und dann letzten Endes
erfolglos 2 Stunden später wieder in mein Zimmer gehen. Suppi. War
auch auf chinesisch schwer zu erklären, wenn ich mein Problem nicht
mal auf deutsch würde sinnvoll erklären können. Ich ging zur
Abregung erstmal nebenan was essen. Nebenan ist gut, da musste man
nicht raus. Da aber der Eingang unseres Wohnheimes und der der Mensa
stehts auf waren, war es sogar unten im Erdgeschoss schon ein wenig
duselig. Wie ich bereits sagte, wenn die Luft so schlecht ist, ist
sie es überall, denn der Feinstaub kommt überall hin. Nachdem das
erledigt war, hab ich mich den restlichen Abend bei Philipp
eingeladen, um meine internetlose Zeit totzuschlagen und um mich mit
ihm über das super Wetter auszutauschen. Das Wetter ist und bleibt
halt Smalltalk-Thema Nummer 1. ;)
TAG
46 Donnerstag 09.10.2014
Frühs
habe ich mich beim Blick aus dem Fenster, wie eigentlich zu erwarten
war, mächtig erschreckt. Ab Mittwoch Nachmittag war der Wert
ununterbrochen über 350 (also ständig „hazardous“) und gegen 3
Uhr nachts war er sogar bei 455. An diesem Morgen war der AQI 398.
Nichts
war mehr zu sehen. Das 'Nichts zu sehen' gibt es hier zu sehen. Und
um einen noch besseren Vergleich zum eigentlichen Ausblick zu
erzeugen, hier nochmal Bilder von vor etwa einem Monat (Anfang
September), auf denen derselbe Ausblick bei einem AQI-Wert von unter
50 zu sehen ist. Gemacht wurden die Bilder alle 4 frühs,
wohlgemerkt.
![]() |
| Ausblick links 09.10.14 |
![]() |
| vgl. Ausblick links 02.09.14 |
![]() |
| vgl. Ausblick rechts 06.09.14 |
Und,
seid ihr ein bisschen schockiert? Gut so. War ich auch.
Die Uni war wieder mal wenig spannend. Wird sie sicher auch niemals werden. Wir sitzen da, sagen ab und zu immer mal was, lesen, sprechen nach, hören zu, machen Aufgaben. Das tollste ist wohl immer die Pause zwischen den Stunden, wo man halt chinesisch mit den Freunden redet. Naja, ich war an dem Donnerstag und auch am vorherigen Mittwoch irgendwie müder als sonst. Kann daran liegen, dass die Uni wieder losging und ich es nicht mehr gewohnt war, soo früh aufstehen zu müssen. Kann aber auch an dem Smog liegen. Denn einm bisschen Kopfweh hatte ich auch. Mr. Smog macht mich offenbar schon ein wenig schlaff. Nun ja, wie ich bereits erwähnt, ging ich ab diesem Mittwoch nicht mehr ohne Maskle raus und so trug ich sie auch nach dem Unterricht, als ich mit Philipp und Enshuai draußen rumgelaufen bin und wir nach einer Essensgelegenheit suchten. Enshuai, die sich da noch nicht so um den Smog gekümmert hat, fand die Masken, die wir trugen total lustig und konnte sich kaum beherrschen, normal mit uns zu reden, da sich die Maske wenn wir einatmeten, ansaugte und beim ausatmen wieder ein bisschen von uns wegbewegte. Ich persönlich finde nicht, dass die Maske lustig aussieht. Ich finde eher, sie sieht aus, wie als wäre eine Seuche ausgebrochen. Oder wie als wäre man tödlichst krank und ansteckend. Oder wie als wäre die Apokalypse ausgebrochen. Oder wie als wäre eben mega schlimmer Smog. Ein Bild konnte sich Enshuai wie immer nicht verkneifen. ;)
Die Uni war wieder mal wenig spannend. Wird sie sicher auch niemals werden. Wir sitzen da, sagen ab und zu immer mal was, lesen, sprechen nach, hören zu, machen Aufgaben. Das tollste ist wohl immer die Pause zwischen den Stunden, wo man halt chinesisch mit den Freunden redet. Naja, ich war an dem Donnerstag und auch am vorherigen Mittwoch irgendwie müder als sonst. Kann daran liegen, dass die Uni wieder losging und ich es nicht mehr gewohnt war, soo früh aufstehen zu müssen. Kann aber auch an dem Smog liegen. Denn einm bisschen Kopfweh hatte ich auch. Mr. Smog macht mich offenbar schon ein wenig schlaff. Nun ja, wie ich bereits erwähnt, ging ich ab diesem Mittwoch nicht mehr ohne Maskle raus und so trug ich sie auch nach dem Unterricht, als ich mit Philipp und Enshuai draußen rumgelaufen bin und wir nach einer Essensgelegenheit suchten. Enshuai, die sich da noch nicht so um den Smog gekümmert hat, fand die Masken, die wir trugen total lustig und konnte sich kaum beherrschen, normal mit uns zu reden, da sich die Maske wenn wir einatmeten, ansaugte und beim ausatmen wieder ein bisschen von uns wegbewegte. Ich persönlich finde nicht, dass die Maske lustig aussieht. Ich finde eher, sie sieht aus, wie als wäre eine Seuche ausgebrochen. Oder wie als wäre man tödlichst krank und ansteckend. Oder wie als wäre die Apokalypse ausgebrochen. Oder wie als wäre eben mega schlimmer Smog. Ein Bild konnte sich Enshuai wie immer nicht verkneifen. ;)
Bitte
beachtet im Hintergrund des Bildes die Bäume, welche sich 5m hinter
uns befinden und vorallem die Bäume, die am anderen Ende der
Liegewiese stehen. Wirklich schlimm, dass man sich bald an solche
Umstände wird gewöhnen müssen. :(
![]() |
| yeah! super-stylisch durch den Smog! |
Enshuai
verabschiedete sich dann, da sie noch eine Präsentation vorbereiten
musste und somit ging ich eben wieder mit Philipp essen. Wir gingen
in eine Mensa in der Nähe des Osttores und hatten total Glück: mit
dem Tablett voller Essen bewaffnet stellten wir fest, dass es
garkeine freien Plätze gab, außer... draußen. Cool. Dann halt
draußen essen. Das war total toll. Naja, war okay. Man halt nichts
von dem Smog gemerkt. Die Luft riecht zwar dicker, schwerer, aber
nicht direkt nach Dreck, Staub, Schmutze oder Tod. Und das Atmen ohne
Maske war beim Essen auch nicht sonderlich anders. Aber man weiß
halt, was mit der Luft los ist und man weiß wie ungesund es wohl
ist, ergo war es wohl doch weniger toll. Nachdem wir das Essen
meisterlich überlebten, ging es fix fix ins Zimmerchen. Dort
erwarteten mich die üblichen Dinge: Hausaufgaben machen, am PC
spielen, mich ausruhen, auf QQ (bisschen wie chineisches ICQ, wird
zwar nicht mehr sonderlich häufig genutzt, aber manchmal eben schon)
mit Freunden chinesisch schreiben (gute Übung übrigens!). Außerdem
erwartete mich dann im gang bei mir im Wohnheim eine weitere kleine
Überraaschung. Ich wohne fast am Ende des Ganges und wenn ich auf
das Gemeinschaftsklo gehen will, muss ich ans andere Ende des Ganges.
Als ich das einmal tun wollte, fiel mir auf: das andere Ende vom Gang
war blass. Und der gang ist nur etwa 25m lang. Das gab mir schon sehr
zu denken, denn das hieße, dass es hier im Gebäude wirklich schon
fast genauso schlimm wie draußen war. Und Donnerstag Nachmittag war
der AQI bei circa 430. Das war mir zu viel. Kurzerhand musste ich
eben die Maske auch im Zimmer aufsetzen. Wirklich sehr unangenehm, da
einem das Atmen unter der Maske sehr sehr schwer fällt, da man zwar
gefilterte und somit saubere Luft atmet, aber eben nicht mehr so viel
Luft hat. An diesem tag haben Philipp und ich uns dann auch jeweils
einen Luftreiniger gekauft. Keine wirklichen. Also doch. Sozusagen
selbstgebaute bestehend aus einem größeren Ventilator auf den man
vorne einen Smogfilter ranschnallt. Somit wird die Luft von hinten in
den Ventilator gesogen, durch den Filter nach außen gewirbelt und es
kommt gereinigte Luft heraus. Diese Luftreiniger wurden schon auf
ihre Wirksamkeit hin getesten und der, für den ich mich entschied,
kostete mich zzgl. einer weiteren Filterplatte zum Auswechseln
insgesamt 540 RMB, das sind etwa 60€. Das war es mir definitiv
wert.
Da
ich für den restlichen Tag keine Bilder mehr habe, gibt’s einfach
mal noch ein trauriges Smog-Ausblick-Bild.
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Abends
habe ich mich mit Lanxi zum Essen verabredet und wir gingen in die
中区食堂
(zhongqu
shitang mittlere
Mensa). Das war wieder ganz angenehm. Wir haben uns über dies und
das unterhalten und sie erzählte mir, dass an dem Tag eine für alle
Studenten in Beijing sehr erfreuliche Entscheidung getroffen wurde:
irgendwann Anfang November haben alle Univrsitäten Beijings für 6
Tage zu. Die APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation) tagt zu dieser
Zeit hier und berät sich über was weiß ich. Doch dieser Urlaub ich
eigentlich nicht aus einem feierlichen Anlass eingeräumt wurden,
sondern aus einem strategischen. Denn er wurde nur einberufen, um
Chinas Hauptstadt in einem besseren Licht darzustellen, wenn die APEC
hier tagt und mal wieder alle Welt auf Beijing sieht. Denn wenn nur
hier Urlaub ist, sind die Menschen weniger, weil viele verreisen,
aber keine Reisenden herkommen, da ja alle anderen nicht frei haben;
der Verkehr wird weniger, weil weniger Leute auf Arbeit müssen, die
Stadt wirkt nicht mehr so überfüllt UND natürlich ist die Luft
besser, da ja weniger Autos unterwegs sind. Außerdem wurde letztens
noch die 2. höchste Alarmstufe für Smog herausgegeben. Das wurde
aber weniger deswegen getan, weil der Smog wirklich
unheimlich schlimm ist, sondern weil bei einer solchen Alarmstufe
mehrere Fabriken für eine gewisse Zeit geschlossen werden müssen,
viel weniger Autos fahren dürfen und was weiß ich noch alles für
Maßnahmen errichtet werden, um den Smog zu verringern. Und wenn man
so eine Alarmstufe herausgibt, bessern sich die Smogverhältnisse
wohl nach ein paar Wochen spürbar. Und zwar soll das genau ab dem
03.11. der Fall sein. 3 Tage bevor die Konferenz stattfindet. Schon
irgendwie krank, wie perfide die Stadt so etwas plant und alles
mögliche macht, nur um so gut wie möglich für den Rest der Welt
auszusehen. Und das, obwohl alle Welt weiß, wie es in Chinas
Hauptstadt meistens aussieht. Naja, schlimm, dass diese Warnstufe
nicht hauptsächlich deswegen herausgegeben wurde, weil Beijing in
den jetzigen Tagen wirklich im Smog zu verschwinden scheint, aber
passeend wenigstens, dass diese Verordnung jetzt kam. Hoffentlich
hilft sie. Und natürlich auch super, dass wir da spontan frei haben.
Halt auch wieder eigentlich frech, dass die Stadt das nur tut, um uns
wegzubringen und um die Stadt ruhiger erscheinen zu lassen, aber mir
solls recht sein. Vielleicht komme ich dann mal aus dieser Stadt raus
und kann auch mal was anderes sehen.
Übrigens
hab ich doch noch ein Bild: Julian, ein Komillitone, hat mir das
letztens geschickt und das passt ziemlich gut hier rein: lasst euch
bitte ein weiteres Mal schockieren.
![]() |
| das hat mich wirklich ernsthaft schockiert... |
Lanxi
war an diesem Abend sowohl wenig davon beeindruckt, dass wir nur frei
bekommen haben, um besser für die Stadt auszusehen, als auch von der
Tatsache, dass der AQI an diesem Abend unfassbare 473 betrug. So hoch
war er noch nie. Dass das innerhalb von 3 Tagen so derart schlimm
werden würde. Am Dienstag war der AQI noch bei angenehmen 60.
Jedenfalls meinte sie, dass das Wetter, wie es zu dem zeitpunkt war,
schon sehr an die winterlichen Verhältnisse rankommt. Plus die
Tatsache, dass es manchmal 1 bis 2 Wochen lang so schlecht sein soll.
Ich denke, dass der Smog weniger auf meine Gesundheit und mehr auf
meine Psyche schlagen wird. Das meinten auch viele, die ich gefragt
hatte. Man will einfach mal wieder den Himmel und nicht einfach nur
grau-braun sehen, wenn man nach oben guckt. Oder einfach man
Sonnenschein und nicht nur einen blass-leuchtenden Ball am Himmel
sehen, dessen Strahlen niemals den Boden berühren. Es ist einfach
nur traurig und trist und macht wirklich unglücklich. Außerdem
frisst der Smog alle Lust in mir auf, etwas zu unternehmen. Man will
nicht wirklich raus und der gesamte Tag dreht sich nur darum, wann
die Luft mal wieder besser wird oder wie schlimm sie wohl noch werden
wird….
Naja,
Lanxi und ich haben jedenfalls gegessen, uns gut und viel unterhalten
und sind später nochmal in die Bibliothek gegangen, da wir an meinem
PC nach einem für mich geeignetem Handy suchen wollten. Mein
jetziges wird langsam alt, lahm und muss wohl bald erschossen werden.
Aber das hat wohl ncoh ein klein wenig Zeit. Nachdem wir uns zu Ende
beraten hatten, fuhren wir zusammen die unglaublich weite Strecke von
500m mit dem Rad nach Hause und ich ging wieder hoch in mein Zimmer.
Abends wollte ich mich dann nochmal mit Enshuai treffen und
Hausaufgaben machen. War eine Gruppenarbeit, bei der man zu 2. einen
Dialog schreiben musste. Da Enshuai aber erst um 9 Uhr Zeit hatte,
war unser Elan schon nicht mehr sonderlich hoch. Wir setzten uns in
der Lobby unseres Wohnheimes hin, sahen uns die Aufgabe an, sahen uns
an und sagten beide ohne Worte: „neeeeeeeee“. Dann haben wir das
Buch netterweise zugeschlagen, ein bsischen gequatscht und sind
wieder hoch in unsere Zimmer gewatschelt. Wie echte Studenten eben.
;)
Den
restlichen Abend habe ich mit am PC rumgammeln verbracht und ging
relativ zeitig zu Bett.
TAG
47 Freitag 10.10.2014
Am
Freitag war das Wetter noch immer wie an den Tagen zuvor. Völlig
versmoggt und beängstigend schlecht. Freitags habe ich für
gewöhnlich die erste Stunde immer nichts, aber dieses Mal hatten wir
精读,
den Zusammenfassungs-irgendwas-Kurs bei unserer Turorin, da sie
demnächst mal nicht da ist. Einfach ne Stunde ausfallen lassen geht
hier einfach nicht. Nein nein, wir dürfen keinen Spaß haben. Wir
quälten uns durch die 2 Stunden und nach dem Unterricht ging es mal
wieder essen. Danach ging ich hoch in mein Zimmer und habe mich vor
dem Smog versteckt. Mit Fenster zu, Vorrhängen zu, manchmal
Mundschutz auf, saß ich am Schreibtsich, habe gespielt, gelernt, im
Bett gelegen und gedöst. Man fühlt sich wirklich wie als wäre man
totsterbenskrank. Seit Tagen ist alles grau-braun draußen und man
sieht wirklich nicht mehr viel um sich herum. Gegen spät Nachmittag
war ich mal kurz draußen, habe mir Wasser gekauft und schon die
Bäume und Wände 3m neben mir verblassten.
Abends
halb 7 haben Philipp, Anna und ich uns dann mit Weilin verabredet.
Weilin hatte uns von einem amerikanischen Bierfest erzählt, das wir
besuchen wollten. Mit Mundschutz ging es also dann raus. Das erstemal
seit 3 Tagen ist mal ganz kurz das Rotbraun verschwunden, das
bedeutet, dass die Luftwerte über 300 sind und es war mal kurz Lila,
also 290 in etwa. Da waren wir schon fast froh. „Oh, wie geil, bloß
290, voll gut.“ Rutschte es mir raus. Philipp meinte darauf hin,
dass das schon ziemlich chinesisch sei, sowas zu sagen. Aber ja, wenn
man halt solche Smogverhältnisse gewohnt ist, freut man sich leider
auch schon darüber, wenn die Luft unter 300 oder 200 ist. Für mich
ist alles unter 200 auch schon voll okay, wie ich ja bereits schrieb.
Ist zwar trotzdem schlimm, aber einfach noch halbwegs erträglich,
wenn auch nicht auf Dauer. Zurück zum Thema. Das Lila, das uns auf
der App angezeigt wurde, war allerdings nächste Stunde schon wieder
weg und so wurde der Smog, während wir zur U-Bahn Haltestelle liefen
und dann mit der U-Bahn fuhren, wieder spürbar schlimmer. Es legte
sich bereits ein grauer Abdruck auf meine schwarze Hose, den mein
Handy von innen aus der Tasche heraus abzeichnete. Ganz schön
ekelhaft. Man wollte die Maske auch dann wirklich nicht mehr
abnehmen. Selbst in den Gängen der U-Bahn Haltestelle war der Smog
schon überall zu sehen. Während wir dann mit dem Bus weiterfuhren
und irgendwann ankamen, bemerkte ich folgende Dinge:
- Ich war bei derartigen Smogverhältnissen (und vorallem abends, wo es ja meist noch schlimmer wird) noch nie außerhalb des Campusses gewesen.
- Alles hier draußen wirkte alles total ruhig und still. Also es war schon laut wie immer, aber halb irgendwie anders.
Und
dann fiel es mir auf: das lag daran, weil man nach 20-50 Metern
(wirklich) GARNICHTS mehr gesehen hat. Rings um einen herum baute
sich eine dicke undurchdringliche Wand auf, die sich nur öffnete,
wenn man ihr entgegen lief. Man blickte nach vorne und sah nach
mehreren Metern einfach nichts mehr. Das musste natürlich sofort
fotographist festgehalten werden.
![]() |
| im Licht dr großen Reklame direkt vor uns kommte man besonders gut sehen, wie neblig die Luft ist. 2 Ecken weiter waren die Gebäude wie ihr seht schon weg |
![]() |
| wirklich beängstigend: direkt vor uns war nichts mehr außer Smog.. |
![]() |
| vom Smog verschluckt, das waren wir |
Das
war mal wieder ein kleiner Schock für uns, denn dass man wirklich
nach so wenigen Metern schon nichts mehr sehen konnte lag auch wieder
außerhalb unserer Vorstellungskraft. Weilin fragte uns vorher sogar,
ob wir bei dem Wetter überhaupt gehen wollen. Wahrscheinlich hätten
wir es nicht tun wollen. Aber kann man nix machen... man guckt
einfach auf den Boden oder nicht weiter als 5m von sich weg, denn da
war alles noch recht scharf bis dezent vernebelt – aus den Augen
aus dem Sinn. Man konnte ja wirklich nichts tun.
Als
wir dann das Fest erreichten, fanden wir uns mal wieder in einer
großen Ansammlung von Ausländern wieder. Die meisten waren, wie zu
erwarten war, Amerikaner und hatten Spaß mit ihrem heimischen Bier.
Wir fragten natürlich zuerst mal nach deutschem oder zumindest nach
deutschem Braurezept gebrauten Bier, denn das schmeckt nun mal
unbestreitbar viel besser als chinesisches oder amerikanisches Bier
(gab aber leider keins). Bei dem Fest hat uns Weilin auch noch einen
koreanischen Freund vorgestellt, der schon seit über 10 Jahren in
Beijing lebt und für die koreanische Botschaft arbeitet. Der gute
Herr war aber leider schon totalst betrunken (nach 3 Bier). Aber man
muss sagen, dass das amerikanische Bier wirklich viel stärker ist
als zB deutsches und das ist ja wiederrum nochmal viel stärker als
chinesisches. Jedenfalls brüllte er uns erstmal überlaut an und zog
uns in alle Ecken des Festes um uns das und das zu zeigen. Viel zu
laut war der Kerl für mich, aber einige Chinesen (er hat sioch
genauso bekommen, also ist er für mich eigentlich eher Chinese)
benehmen sich so, vorallem unter Alkoholeinfluss. Als wir uns ein
bisschen umgesehen haben, haben wir erstmal was gegessen. Etwas
vegetarisches zu finden, war da sogar ziemlich leicht und so aß ich
zu erst ein bisschen Kartoffelsalat mit Senf (schmeckte wenigr geil,
aber was solls) und dann fanden wir einen Stand, bei dem es Falafel
und Hummus gab! Für die, die sich weniger mit solchem Essen
auskennen, das sind fleischlose, vegane Produkte, die aus
Kichererbsen bestehen und unglaublich gut schmecken. Habe ich hier in
China noch nie gesehen und wenn dann genrell eher nur in Leipzig.
Fast wie daheim gab es dann Falafel, Hummus und Salat. :)
Dann später haben wir uns unser 1. von insgesamt 3 Bieren gegönnt. Schmeckte... stark und bitter, aber besser als chinesisches, das manchmal eher wie mit Wasser verdünntes Bier schmeckt.
Dann später haben wir uns unser 1. von insgesamt 3 Bieren gegönnt. Schmeckte... stark und bitter, aber besser als chinesisches, das manchmal eher wie mit Wasser verdünntes Bier schmeckt.
Der
Koreaner-Chinese, dessen Name ich mir leider nicht gemerkt habe,
machte dann irgendwann spontan mal einen kleinen Hitler-Witz bzw.
ahmte seine Stimme nach. Anna und Philipp haben, wie wir es
eigentlich immer machen wenn jemand Hitler-Witze reißt (und das
passiert erschreckend oft), halbtraurig schmunzelt, aber ich meinte
dann, dass wir sowas in Deutschland garnicht witzig finden und es
wirklich schlimm finden, dass man uns immer zuerst sofort mit Bier,
Autos und Hitler verbindet.
Manche
verbinden Deutschland nicht nur sofort mit Hitler, sondern finden
ihn auch noch voll gut, so vonwegen „man muss Menschen doch von 2
Seiten betrachten“ oder „war das nicht gut, was er getan hat“?
Klar, total gut, immerhin brachte er uns ja die Autobahn. Einfach mal
die Fresse halten denk ich mir dann immer. Ist manchmal wirklich
unangenehm. Man sagt den Chinesen man ist Deutscher und dann geht es
bei manchen (meist eher die Älteren, Ungebildeteren) immer: „ah,
Deutschland … … Hitler“! Ja, Hitler. Und? Ich kenne Hitler, was
willst du da jetzt von mir? Regt mich jedes Mal total auf…
Als
ich ihm das sagte, entschuldigte er sich und meinte, dass das auch
garnicht böse gemeint war, er habe halt zu viel getrunken. Ich
entschied mich, ihm das zu glauben, denn auch wenn er laut und total
nervig war, schien er wirklich sehr sehr nett gewesen zu sein. Wir
standen dann noch ein Weilchen draußen im Todessmog, haben der
wirklich extrem geilen Musik gelauscht (ich werde sicher bald mal
richtig weggehen und hier Party machen, wird mal wieder Zeit :P),
haben geredet und getrunken, uns coole pro-Bier-Tattoos verpassen
lassen und uns umgesehen, so weit das Auge reichte. Was ja nicht
weit war, haha. Leider mussten wir all das ohne Maske tun, da man ja
sonst nicht essen oder trinken konnte. Gegen 10 haben wir uns dann
dazu entschieden, wieder heimzufahren, da wir ja am Samstag
glücklicherweise nochmal in die Uni mussten, weil wir ja jetzt
Ferien hatten. Juhu. Wir gingen dann zur Bushaltestelle, warteten auf
den Bus, er kam nicht, wir wollten ein Taxi nehmen, dann hielt ewig
keins an aber dann bin ich einfach zu einem gerade parkenden
hingerannt und einfach eingestiegen und meinte: “人大东门儿吧”(zum
Renda-Osttor)! Das hatte geklappt. Dann ging es auch schnell heim und
nach ein paar Atemschutzmaskenbildern nach Hause und dann ins Bett.
Bilder des Abends und Heimweges seht ihr hier:
![]() |
| das war sie, die kleine Reihe an Bier- und Fressständen :) |
![]() |
| 干杯! Cheers! Prost! |
![]() |
| ein weiteres cooles Maskenbild von Anna und mir, stehen einem echt ausgezeichnet, oder was meint ihr? |
![]() |
| 无啤不欢 (no beer no joy) steht in Langzeichen für die nächsten Tage auf unseren Händen/Armen |
![]() |
| die Bilder sind zwar witzig, aber eigentlich traurig, dass wir die Dinger tragen müssen.. |
![]() |
| Sicht auf dem Campus bei Nacht |
TAG
48 Samstag 11.10.2014
Samstag
frühs war wie bereits erwähnt UNI angesagt. Das war an dem tag aber
noch ganz okay, da sich Yan neben ich gesetzt hat und wir uns zu
zweit die zeit vertrieben haben. Aber ein kleines
wir-leiden-zusammen-im-Unterricht-Bild gibt es dennoch:
![]() |
| ihr seht: pure Freude (no beer no joy eben..) |
Nachdem
der Unterricht geschafft war, meinte Philipp zu mir, dass unsere
Luftreiniger angekommen sein. YES, dachte ich mir, endlich hat das im
Zimmer Maske Tragen ein Ende, denn es war immernoch genauso schlimm
draußen und bis auf die eine Stunde am Freitag Abend war es noch
immer ununterbrochen zwischen 300 und weit weit über 400. Wir gingen
zum Paketdienst und holten es ab. Für läppige 10 Kuai (mal so
nebenbei, weil ich immer in der Währung wechsel: 人民币
(Renminbi
RMB) ist die offizielle Bezeichnung der Währung, 元
(yuan)
wird aber genauso häufig auf Etiktetten oder Karten benutzt und 块
(kuai)
ist eher sehr mundsprachlich) konnten wir uns das Pekt nach Hause
fahren lassen. Haben wir natürlich gleich getan, denn das ist ja
grade mal etwas mehr als 1€. Der Typ, der das erledigte, nahm
Philipp gleich mit. Es konnte nur einer mitfahren und da Philipp an
dem Morgen seine Maske vergaß, hab ich ihn mitfahren lassen, dass er
schneller daheim ist. Und der Heimweg betrug auch grade mal 5
Minuten...
Also ging ich los, war vorher noch im Supermarkt ein Verlängerungskabel kaufen (weil ich in dem ganzen Zimmer nur 4 Steckdosen habe und das langsam zu wenig wurde, da ich ja Laptop, Kühlschrank, Handy, 2 Lampen und Rasierer immer wieder am Strom haben muss/will), und ging dann heim. Philipp war indessen schon dabei den Luftreiniger aufzubauen und nachdem er mit seinem fertig war und ich mir alles schön angeguckt habe, hab ich meinen mit hochgenommen und auch zusammen gebaut. Und hier das Resultat:
Also ging ich los, war vorher noch im Supermarkt ein Verlängerungskabel kaufen (weil ich in dem ganzen Zimmer nur 4 Steckdosen habe und das langsam zu wenig wurde, da ich ja Laptop, Kühlschrank, Handy, 2 Lampen und Rasierer immer wieder am Strom haben muss/will), und ging dann heim. Philipp war indessen schon dabei den Luftreiniger aufzubauen und nachdem er mit seinem fertig war und ich mir alles schön angeguckt habe, hab ich meinen mit hochgenommen und auch zusammen gebaut. Und hier das Resultat:
![]() |
| meine Rettung! |
SUPER
LAUT ist das Teil. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass er meine
Luft hier reinigt, ist mir das ziemlich egal. Nachdem dann also alles
fertig war, ließ ich den Luftreiniger einfach laufen und ging mit
Philipp raus, was essen. Nachdem wir dann nach circa 90 Minuten
wieder in unsere Zimmer kamen, traf uns ein kleiner Schock: es stank
wie im Ziegenstall. Philipp meinte, das wäre, weil der Filter die
mittlerweile mit Smog versetzte Luft in unseren Zimmer jetzt so
herumwirbelt (aber die Klimaanlage hat das ja auch nicht so getan).
Philipp schrieb den Leuten, von denen wir die Filter gekauft haben,
dann eine Mail und die meinten, dass das manchmal passiert, wir sie
demnächst wieder zurückschicken sollen und neue bekommen, dass
unsere jetzigen aber dennoch genauso gut die Luft filtern wie
„normale“. Der Geruch ist zwar, wenn man in das Zimmer kommt,
immer weniger geil, aber schon okay, da ich weiß, dass sich hier
drin wenigstens kein Smog mehr befindet. Seitdem ich den Filter habe
lasse ich ihn immer laufen, wenn ich nicht im Zimmer bin und wenn ich
im Zimmer bin, setze ich am PC meist Kopfhörer auf, sodass ich den
Filter nicht höre, ergo ist er meistens ununterbrochen an, außer
wenn ich schlafe natürlich. Da mach ich auch jedes Mal den
Kühlschrank aus, weil er viel zu laut ist.
Den
restlichen Nachmittag habe ich dann damit verbracht, meine
China-Bilder zu sortieren und mein kleines Tagebuch weiterzuchreiben,
das ich größtenteils als Gedächtnisstütze für meine Blogtexte
benutze. Am Abend war dann eine größere Veranstaltung angesetzt.
Und zwar die Schlussveranstaltung von IDEA, dem internationalen
Studentenprojekt, das Anfang des Semesters gewisse Unternehmungen mit
den Ausländern plant oder uns diese Buddys (in meinem Fall eben
Lanxi) vermittelt. Bei dieser Veranstaltung nahmen verschiedene
Nationen teil und sagend entweder, spielten Instrumente oder tanzten.
Wir 3 haben uns vorher (so gegen kurz vor 6) getroffen und sind essen
gegangen. Als wir dann zum Hauptbgebäude der Renda, dem 明德楼
(Mingdelou),
gingen, merkten wir: die Luft verändert sich... es wehte ziemlich
starker Wind und der AQI sank innerhalb von einer Stunde von 370 auf
225. Sehr sehr erstaunt und glücklich waren wir darüber, haben der
Sache aber erstmal wenig Beachtung geschenkt, denn jedes Mal, wenn es
in den letzten 4 Tagen besser wurde, wurde es nach einer, höchstens
3 Stunden wieder massiv schlechter, also dachten wir: cool, dass es
so rapide runter ging, aber wird sich nichts helfen. Wir gingen
erstmal rein ins 明德楼
und
nahmen Platz. Sophie, die Russin in Philipps und meinem Kurs, trat in
der russischen Tanzgruppe auf und kam somit an kostenlose Karten ran.
Wir sahen in der 4. Reihe exakt in der Mitte. Спасибо,
Sophia. Der Saal war prunkvoll und unerwartet groß. In ihm konnten
mit Sicherheit 1-2 Tausend Leute Platz finden. Die Show war typisch
chinesisch und somit zwar riesig aufgezogen, aber irgendwie wieder
ein wenig unorganisiert. So gab es zum Beispiel 2 ganz große
Leinwände links und rechts der Bühne, und diese waren einfach ein …
wie soll ich es erklären. Man hat den Desktopbildschirm eines
Computers gesehen und gesehen, wie jemand mit der Maus die einzelnen
Lieder angeklickt und bei Youtube ausgewählt hat, bevor er sie
wieder zum Vollbild gemacht hat. Und manchmal war während den
Auftritten die Musik weg, es gab mal kein Mikro für die Singenden
und und und. Wirkte aber irgendwie authentisch dadurch, auch wenn es
mich total genervt hätte, wenn ich daran hätte teilnehmen sollen
und mir plötzlich jemand sagt, oh shit, du hast leider kein Mikro,
sorry. Ansonsten war die Veranstaltung wirklich sehr cool! Moderiert
wurde es durch 4 Leute, ein Russe, eine Polin, und 2 Chinesen, 2
Männer, 2 Frauen. Ganz typisch. Die beiden Ausländer sprachen super
gut Chinesisch und die Polin, die sich in ein unglaublich golden
glitzendes Kleid gekleidet hatte, war wohl der Hingucker des Abends.
Jedes Mal, wenn etwas wieder nicht ging oder man Zeit zu überbrücken
hatte, wenn man noch das Schlagzeug der einen band auf- oder abbauen
musstem kam sie an, ganz keck und hat irgendwelchen Smalltalk mit
leuten gemacht. Sie selbst hatte sogar einen Anteil in der Show, sie
sang nämlich noch 3 Lieder, eins davon Xiaopingguo (小苹果),
das ich euch ja weiter oben schonmal habe anhören lassen. Sehr cool,
die Dame. Neben ihr traten dann noch zB. Die Russen, darunter Sophia,
mit einer Rock'n'Roll-Twist Nummr auf, Hyun Soo, unsere kanadische
Freundin hat 3 kanadische Songs (einer darunter von Justin Bieber..)
gesungen, Qiaoben Hui, meine japanische Komillitonin hat mit 15
anderen Japanerinnen einen für Japan superklischeehaften Tanz
aufgeführt, die Koreaner (meine Lieblinge an dem Abend) haben unter
anderem eine wirklich hinreißende Trommelaufführung gegeben oder
haben zu „What does the fox say?“ in Ganzkörpertieranzügen
getanzt. Sehr lustig, spannend, unterhaltsam und schön anzusehen war
das ganze. Ein paar Bilder gibt’s wie immer hier:
![]() |
| Simbabwe mit dem Lied "Mama Africa" |
![]() |
| hier sehr ihr die japanischen Mädels in Aktion:D |
![]() |
| die Moderatorin bei ihrem 小苹果-Auftritt ;) |

![]() |
| Koreanerinnen beim Trommeln - sehr sehr cool! |
![]() |
| Frauen aus allen Nationen sangen ganz zu Beginn 'Frozen' zusammen, sehr schön. übrigens die Dunkelhäutige in der Mitte ist Leti, von der werde ich später noch erzählen, also merkt es euch! :P |
![]() |
| TIERANZÜGE! |
![]() |
| I <3 KOREA .. äh, China .. |
![]() |
| Hyun Soo bei ihrem Auftritt :) |
Sehr
amüsiert von dem ganzen Spektakel machte ich mich dann langsam mit
den anderen auf den Weg nach draußen, zog mein Handy aus der
Hosentasche, entsperrte es, guckte drau…… WAS? Das kleine Fenster
der AQI-App, das sich auf dem Hauptbildschirm meines Handys befindet,
zeigte mir eine Zahl an, die so unrealistisch war, dass ich es nicht
glauben konnte. 38. ACHTUNDDREIßIG! Ich war total perplex und hab
Philipp und Anna erstmal angeschrien. Deren Handys sagten allerdings
dasselbe. Philipp ging aufs Klo und Anna und ich gingen raus an...
die frische Luft. Wirklich, es stimmte auch. Es war extrem windig und
das Smo wurde innerhalb von wenigen Stunden vollkommenst aus der
Stadt geblasen. Die Luft war auf einmal wirklich spürbar anders
gewesen. Auf einmal war es viel leichter zu atmen und die Luft war
einfach spürbar sauberer. Kein drückendes Gefühl mehr und vorallem
war unsere Laune plötzlich so gut, dass ich dann auf dem Heimweg
alle 100m stehenbleiben musste, meine Augen schließen und einfach
tief durchatmen musste, weil es so schön war. Man hat auf einmal
wieder so dermaßen viel gesehen. Wie sehr ich Wind vor Jahren noch
gehasst habe und wie sehr ich ihn in diesem Moment geliebt habe...
Wirklich unbeschreiblich schön, wie sich das angefühl hat, draußen zu sein und saubere Luft atmen zu können – etwas, das in Deutschland so normal ist und so einfach hingenommen wird und hier ein wirklich seltenes Geschenkt zu sein scheint.
Wirklich unbeschreiblich schön, wie sich das angefühl hat, draußen zu sein und saubere Luft atmen zu können – etwas, das in Deutschland so normal ist und so einfach hingenommen wird und hier ein wirklich seltenes Geschenkt zu sein scheint.
Wir
blieben noch ein wenig draußen, haben unser Glück geteilt und dann
sind wir auf unsere Zimmer gegangen. Der Luftreiniger war wie immer
an und wurde dann erstmal ausgeschlatet. Stattdessen habe ich beide
Fenster ganz auf gemacht, da nun mittlerweile sicher die Luft in
meinem Zimmer schlechter war als draußen. Das Leben war gleich viel
schöner so. Und gegen 23 Uhr war der AQI sogar bei unglaublichen 13.
Hier mal ein verdeutlichendes Bild davon:
![]() |
| Befreiung!!! |
PS:
Bitte beachtet das Tagesmaximun: 421 und das Tagesminimum: 13. Auch
zu beachten: das Balkendiagramm unter der Zahl... braun, braun,
braun, immer über 300 oder 400 und dann, zack, grün. 13. Gesunde
Luft in windeseile sozusagen. Überglücklich blieb ich ganz lange
auf, habe mit meinem Bruderherzchen geskypt und habe weiterhin den
Blick aus meinem Fenster genossen. Da mein Handy leider viel zu
schlecht ist, um die Skyline bei Nacht fotographisch festhalten zu
können, gibt es leider davon keine Bilder, aber es kommen gleich
andere. ;)
TAG
49 Sonntag 12.10.2014
Der
Wind war, als ich sonntags aufwachte, noch immer existent hier und
somit war auch die Luft nach wie vor extrem gut. Die Werte blieben
(und das auch für den gesamten Sonntag) permanent unter 50 und waren
manchmal sogar unter 20, was eben fast nie hier der Fall ist. Den
Sonntag über war natürlich nichts geplant, da eben Sonntag war.
Hier hat zwar alles auf, aber ich war total müde, da ich wenig
geschlafen hatte und es ist eben das deutsche Sonntagsgefühl, das
einen sonntags nichts machen lassen will. Und somit blieb ich
größtenteils daheim, habe immer schön das Fenster aufgelassen und
die frische, kühle Luft genossen. Als der Smog ging, wurde es dafür
aber schlagartig kälter. So circa 12-17 Grad, aber das war völlig
okay. Dadurch, dass die Hitze durch den Smog schlechter wegziehen
kann, war es die letzten Tage immer etwas warm, aber lieber kein Smog
und frisch als Smog und warm. Hier wier immer ein paar
Ausblick-Bilder. Auf dem 2. sieht man übrigens ganz hinten die
Berge, die Beijing im Nord-Westen umgeben. Die habe ich schon seit
Wochen nicht mehr gewesen.
![]() |
| ich hab endlich mal wieder Gebäude und Himmel gesehen :) |
![]() |
| die Berge waren mal wieder zu sehen. sehr selten und sehr schön |
Da
ich den ganzen Tag Zeit hatte und keine Hausaufgaben zu machen hatte,
dachte ich, dass ich mal diesen Blogtext anfangen konnte, aber
nachdem ich die ersten 3 Zeilen geschrieben hatte, fielen wir die
Augen zu und ich entschied mich, das zu verschieben, da ich dafür
wohl doch etwas konzentrierter sein sollte. Immerhin dauert es immer
so insgesamt 7 8 Stunden, solch einen Text mit passenden Bildern zu
schreiben, alles reinzupacken und dann alle Bilder hochzuladen und
und und. Naja, ich hab es dann jedenfalls erstmal gelassen und
stattdessen nochmal geschlafen.
Abends
bin ich dann nochmal mit Enshuai in die 东区食堂
gegangen und
wir haben und wieder fürstlich vollgefressen und über dies und das
gequatscht. Enshuai scheint ein klein bisschen kaufsüchtig zu sein,
denn sie erzählt mir jeden Tag, was sie sich alles Neues bei 淘宝
(Taobao;
sowas wie chinesisches Ebay, nur dass es auf Taobao wirklich ALLES
gibt, was es auf der Welt eben gibt) gekauft hat. Ich kann das leider
nicht so einfach tun, da meine deutsche Kreditkarte dafür glaube ich
nicht zugelassen ist. Ist aber wahrscheinlich auch besser so. :D
Nachdem
wir wieder heimgegangen sind, habe ich oben in meinem Zimmer noch ein
bisschen Schriftzeichen gelernt, da am Montag ein Diktat anstand.
Später habe ich dann dann mal noch mit meinem Vater geskypt, obwohl
das zuerst mal ein wenig schwer war, da er mich nicht gehört und
gesehen hat. Nach mehreren Versuchen hat er eine Zeit lang geredet
und ich geschrieben, das war aber keine Dauerlösung. Später ging es
zwar dann wieder, da es bei mir aber dann schon etwas spät geworden
war, verabredeten wir uns nochmal für kommenden Donnerstag und
beendeten die Sitzung. Mein erster smogferier Tag seit langem war
damit dann auch beendet.
TAG
50 Montag 13.10.2014
Krass,
50 Tage schon hier. Über 7 Wochen vergingen jetzt schon seit dem
Tag, an dem mich meine Geschwister und Mutter weinend am Plauener
Bahnhof verabschiedet haben, seitdem ich eine halbe Stunde heulend im
Zug auf meinen gepackten Koffern saß, seitdem ich in das Flugzeug
stieg, dass mich für ein Jahr ans andere Ende der Welt gebracht hat.
Und nun ist das hier mein Leben, meine Heimat. China, Beijing. Schon
irgendwie komisch…
Am
Montag gab es endlich seit langer Zeit morgens mal wieder kein warmes
Wasser (ist besonders toll, wenn es jetzt mittlerweile nachts und
morgens unter 10 Grad ist) und so musste ich eben kalt duschen. Ich
hab wirklich geglaubt, ich sterbe jetzt, denn es war so kalt, dass
ich fast ohnmächtig geworden bin, als ich die notwendigsten
Körperteile sekundenweise unter das Wasser hielt. Man sagt immer,
kalt duschen härtet ab, aber ich denke mir jedes Mal nur, dass es
totaler Blödsinn ist. Man friert einfach nur dermaßen und erkältet
sich sicherlich irgendwann mal ganz schlimm deswegen. In der Uni hat
sich Xianying dann mal neben mich gesetzt und meinte, dass wir beide
und Philipp ja heute mal zusammen essen gehen könnten. Enshuai
wollte nicht mit, da sie die ganze Nacht wach und dabei auf
Mückenjagd war und Xiaobin frisst sich morgens immer total voll,
sodass sie mittags meist nichts isst. Xiaobin meinte mal zu mir, dass
ihre Freunde in Korea sie immer „the pig“ nennen, weil sie so
frisst wie ein Schwein. Lustig, da Xiaobin aussieht, wie als wäre
sie von 3 Staubkörnern satt, haha!
So
gingen Philipp, Xianying und ich nach dem unterricht zusammen essen.
Wir wählten ein Restaurant außerhalb des Unigeländes und gingen in
das super leckere Jiaozi-Restaurant, in dem wir das erste mal mit
Weilin waren, bevor wir ins Nationalmuseum gegangen sind. Als wir
dann wieder daheim waren, schickte Anna Philipp und mir in den
Beijing-Gruppenchat, den wir eröffnet hatten, ein Bild, das ihren
Reisepass zeigte. Gleich gingen Philipp und ich los ins ISO und
holten unsere Reisepässe wieder ab.
![]() |
| das ist sie, meine permanente Aufenthaltsgenehmigung für China bis Juli 2015! |
Was
für ein schönes Gefühl, denn ejtzt kann ich hier endlich mal raus
aus der Stadt. Geplant ist, Jana in Kürze mal in Nanjing zu besuchen
und über die Ferien, die wir in Beijing ja Anfang November haben
werden, Johanna mal mehrere Tage in Xi'an zu besuchen. Da freu ich
mich schon sehr drauf. Letztens fragten mich auch ein paar Leute, ob
ich mit ihnen Nach Süd-Korea will. Eigentlich will ich das, aber sie
meinten, dass sie in den Ferien fliegen würden, also muss ich mal
sehen, ob ich das mit mache, oder ob ich das später mal mache.
Enshuai zum Beispiel wird nur ein Semester hier sein und dann wieder
zurück nach Seoul, Süd-Koreas Hauptstadt gehen. Vielleicht werde
ich dann im 2. Semester hier mal nach Korea fliegen und mich bei ihr
einnisten. Mal sehen.
Den
rest des Tages habe ich dann damit verbracht, ein paar Hausaufgaben
zu machen und dann lange lange lange diesen Blogtext zu schreiben.
Zwischenzeitlich ging ich runter und habe mir Jiaozi und kalte Nudeln
von nebenan zum Mitnehmen bestellt.
Bezüglich
Smog lässt sich sagen, dass der AQI fast den ganzen Montag über
sehr sehr gut war und bis Abends blieb er auch permanent unter 70.
„Moderate“, also angemessen, wird dazu gesagt, wenn der AQI
zwischen 51 und 100 ist. Und das ist auch wirklich mehr als
angemessen. Im Laufe des Tages hab ich wieder ein paar Bildchen
gemacht, die ich hier gerne zur Erinnerung und Verdeutlichung in
meinen Blog packen würde.
![]() |
| so soll es sein, so kann es bleiben... :D |
![]() |
| schade, das für eine schöne Abendskulisse ich so viele Tage im Jahr nciht werde sehen können |
![]() |
| Sonnenuntergang hinter den Bergen Beijings und klare Sicht. schon bald wird all das wieder weg sein. |
![]() |
| auch das wird sehr sehr bald wieder ganz anders aussehen. die Tabelle unten zeigt an, dass die Luft seit Samstag Abend ununterbrochen extrem gut ist |
Im
Laufe des Abends, so gegen 21, 22, 23 Uhr stieg der AQI allerdings
wieder sehr schnell an und war gegen Mitternacht, als Bettzeit
angesagt war, bei 152, was schon wieder unhealthy ist. Aber darüber
habe ich mir erstmal weniger Sorgen gemacht, da das ja abends immer
so ist.
TAG
51 Dienstag 14.10.2014
Dienstag.
Am Dienstag habe ich mich das erste Mal mit Leti unterhalten. Leti
ist ein größes, schönes Mädchen, deren Eltern aus Uganda und
Jamaika kommen und das nicht sonderlich oft im Unterricht ist. Sie
studiert hier glaub ich noch was anderes, ist auch schon länger
hier. Jedenfalls habe ich mich mal ein wenig mit ihr unterhalten und
sie ist wirklich total witzig. Im Unterricht haben wir uns per Handy
über die total schlimm sülzige Serie ausgelassen, die wir im
Unterricht geguckt haben. Wirklich unfassbar, wie schlimm übertrieben
alles Schauspielerische in China ist. Wirklich total schlecht. Die
Schauspieler schlecht, die Gesten viel zu aufgesetzt und die Musik...
die Musik! Es gab eine Szene, da hat die weibliche Hauptrolle gehört,
dass ihr Chef gerne einen Luftbefeuchter in seinem Büro haben will
und dann hat sie kurzerhand bei Taobao (in den Serien ist auch so
dermaßen schamlos viel Schleichwerbung drin und da wird auch kein
Hehl drauß gemacht, die so auffällig wie möglich einzubauen; das
soll garnicht unterschwellig wirken, sondern einem richtig schön ins
Gesicht gerieben werden) einen gekauft. Den hat sie dann in sein Büro
geschafft und aufgebaut, bevor er kam. Als er das das dann
mitbekommen hat, sah er auf den Luftbefeuchter, dann auf sie, sie sah
auf ihn und der dankte ihr mit einem Nicken und milchen Lächeln.
Klingt nicht sonderlich krass. Ist es ja auch nicht. Die Musik dabei
war aber so schlimm, so sülzig und so herzzerreißend, dass sie eher
dazu gepasst hätte, wenn sie gerade für ihn gestorben wäre. So
derart übertrieben. Aber eben nicht nur die Musik. Alles. Alles war
total ausfegetzt, überzogen, zu viel, zu kitschig, zu gestellt und
total unrealistisch schön und sauber und still und reich. Das, was
China nie war, nie ist und nie sein wird. Sogar Dinge wie die
Absatzgeräusche der Frauen beim Laufen oder das Blättern in einem
Buch wurden merkbar synchronisiert, um authentischer zu klingen……
Nachdem
wir den Ultrasupermegakitch überlebten, gingen wir noch mit Sophia,
unserer russischen Komillitonin essen und ich ahbe mir einen
vegetarischen Burger mit Pommes gegönnt. Für 30 Yuan, also knapp 4€
fand ich das sogar ziemlich in Ordnung und es war auch noch super
lecker!
Nachdem
wir alle fertig waren, ging es wieder hoch in mein Zimmer und ich hab
meinen mittlerweile ewig langen Blogtext weitergeschrieben und dann
irgendwann im Laufe des Tages auch vollendet.
Das
Wetter übrigens war an dem Dienstag nach wie vor gut bis mäßig,
ist aber mittlerweile wieder bei über 150. „Unhealthy“. Geht gerade noch so, aber eigentlich ist auch das schon wieder nicht so gut. Aber immerhin noch nicht so katastrophal wie letzte Woche. Wird aber sicher die nächsten Tage wieder
schlechter. Wenn ich nun aus meinem Fenster gucke, sehe ich schon die
Gebäude ganz weit weg in einen kleinen Schleier gehüllt und über
dem Horizont bildet sich auch wieder ein bräunlicher
Dunst. Der Smog wird sicher wieder nicht mehr lange auf sich warten
lassen.
Außer
Blogtext schreiben, habe ich dann nicht mehr viel gemacht. Hat wieder
sehr sehr lange gedauert. Habe noch ein paar Hausaufgaben gemacht und
abends halb 7 habe ich mich mit der Mongolin verabredet, die wir
damals kennengelernt haben, als wir des Nachts einmal unterwegs waren
und versuchten, dem kleinen Babykätzchen ein neues Heim zu finden.
Ich habe übrigens nie wieder was von dem Kätzchen gehört, ich
hoffe so, dir geht es gut!
Wir
haben uns unten getroffen und ich war mal wieder sehr erstaunt
darüner, wie unheimlich schön sie aussah. Am Samstag bei der
Veranstaltung, wo all die verschiedenen Nationen aufgetreten sind,
hat sie auch für die Mongolei ein Violinenstück aufgeführt. Und da
haben schon alle gesagt, wie hübsch und schön sie doch sei. Das ist
sie wirklich. Ich hatte fast ein wenig Angst, sie könnte denken, das
hier sei jetzt ein Date, aber ich habe ihr dann erzählt, dass
Philipp und ich beide schwul sind. Ihre reaktion konnte ich leider
nicht ganz interpretieren, doch sie war danach sehr stark daran
interessiert, mehr darüber zu erfahren. Sie wollte wissen, wie es es
gemerkt habe und wie das in Deutschland so ist, schwul zu sein.
Außerdem wollte sie mit mir zu 西单
(Xidan)
gehen und shoppen. Ergo denke ich, dass es schon okay sei. Philipp
meinte mur mal, das Mongolinnin meist extrem großes Interesse an
Beziehungen mit Europäern haben und immerhin bin ich ein
überdurchschnittlich attraktiver und total bescheidener Mann, den
sie das erste mal im Regen mit einem geretteten Kätzchen in der
Jacke hat stehen sehen. Wer könnte da schon nein sagen wollen?
(haha)
Jedenfalls
waren wir dann essen und haben uns gut und sehr amüsiert
unterhalten. Sicher werde ich öfters was mit ihr machen. Ihr
Chinesisch ist zudem auch noch sehr sehr gut, da sie hier schon seit
3 Jahren lebt.
Nach
dem Essen ging ich heim und habe den Blogtext hier gebloggt.
Sooooooooooo,
und mal wieder sind wir damit am Ende angekommen, denn gerade ist es
hier Dienstag Abend und ich habe es nach bestimmt 10 Stunden Arbeit
geschafft, das hier zu bloggen. Rückblickend muss ich sagen, dass
der Smog für mich hier wirklich das unschönste bis jetzt war/ist
und ich hoffe, dass der Winter nicht ganz so hart wird wie vor 2
Jahren, wo der AQI mal eine Woche ca. 700 betrug. Daumen drücken und
Pakete mit frischer Luft aus Deutschland schicken, Leute!
Also
dann, ich hoffe, es hat euch wieder mal gefallen und ihr habt wieder
eine Menge Neues gelernt, sei es über China, den Smog, Chinas Musik
oder was es nicht sonst noch alles zu lernen gibt.
Man
hört/sieht/schreibt sich und bis späider!
Euer
Thomas























































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